TV-Debatte

"Schlussrunde": So lief der Schlagabtausch der Kandidaten

| Lesedauer: 5 Minuten
Theresa Martus
Bundestagswahl: Welche Politiker nach der Wahl wichtig werden

Bundestagswahl: Welche Politiker nach der Wahl wichtig werden

Nicht nur der Kanzlerposten wird nach der Bundestagswahl neu besetzt. Auch im Bundestag gibt es dann neue Gesichter. Funke hat sich umgehört, welche Politiker nach der Wahl wichtig werden.

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Wohnen, Außenpolitik und Koalitionen: Worüber die Spitzenkandidaten und -kandidatinnen bei der "Schlussrunde" von ARD und ZDF sprachen.

Berlin. Kurz vor der Wahl standen sie alle noch einmal gemeinsam im Studio: Armin Laschet, Olaf Scholz, Annalena Baerbock, Janine Wissler, Christian Lindner und Alice Weidel waren monatelang durch die Republik gereist, um für ihre Parteien zu werben. Am Donnerstag kamen sie in Berlin zusammen, wo ARD und ZDF die Spitzenleute der Bundestagsparteien eingeladen hatte zur "Schlussrunde", wie die Sendung überschrieben war.

Nach drei Triellen und einem "Schlagabtausch" bei der ARD, wo die die Vertreter der kleineren Parteien aufeinander getroffen waren, war es die letzte große TV-Debatte vor der Bundestagswahl am Sonntag.

"Schlussrunde" sprach auch bisher unberührte Themen an

Noch unentschlossene Wähler, hatten ARD und ZDF versprochen, sollten so noch einmal Gelegenheit bekommen, die politischen Linien und Argumente der Parteien vor der Bundestagswahl zu verfolgen. Moderiert wurde die Runde von Tina Hassel, Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, und Theo Koll, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios.

Und, kündigte Koll zu Beginn der Sendung an, man werde Themen beleuchten, um die es bisher wenig ging in diesem Wahlkampf. Das löst das Moderatoren-Team auch ein: Von den Gefahren einer radikalisierten Querdenker-Szene über Außenpolitik bis hinzu Wohnungsbau kamen einige Politikfelder zur Sprache, die im Wahlkampf bislang wenig stattgefunden hatten.

Tina Hassel und Theo Koll: Moderatoren hatten es mit der Runde nicht leicht

Immer wieder versuchten Koll und Hassel dabei, die Gäste auf möglichst klare Antworten festzunageln – mit unterschiedlichem Erfolg. So erklärte Grünen-Chefin Annalena Baerbock erst nach längeren Ausführungen über das Versagen der Großen Koalition, dass für sich – als letztes Mittel – auch Enteignungen von Konzernen denkbar wären in der Wohnungspolitik. Davor müssten allerdings andere Maßnahmen ergriffen werden, etwa mehr Geld für den sozialen Wohnungsbau.

Olaf Scholz sprach sich gegen Enteignungen aus, strebt aber ein Mietmoratorium an. Armin Laschet erklärte, gegen die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt helfe nur "bauen, bauen, bauen". Linken-Kandidatin Wissler erinnerte Laschet daran, dass seine Partei kein Problem habe mit Enteignungen, solange diese zugunsten von Autobahnen und Kohleabbau passieren würden.

"Dürfen wir anderen auch noch was sagen?", fragte Christian Lindner am Ende des Segments über Wohnungen. Doch er, Söder und Weidel durften nicht, das nächste Thema wartete schon. Moderatorin Tina Hassel versicherte aber, dass insgesamt auf ausgeglichene Redezeiten geachtet werde. Eine Szene, die beispielhaft die Schwierigkeiten einer Runde mit so vielen Gästen deutlich machte: Zu jedem Thema alle zu Wort kommen zu lassen, ist kaum möglich. Auch eine Diskussion unter den Gästen kam nur selten zustande.

Laschet, Baerbock und Scholz präsentierten sich in gewohnten Rollen

Das Moderationsteam versuchte mit schnellen Fragerunden und Ja-oder-Nein-Fragen für Auflockerung zu sorgen. Das klappte weniger gut bei komplexen Fragen wie der nach Deutschlands Rolle in der Welt, aber besser bei sehr praktischen Erkundigungen: So erfuhren die Zuschauerinnen und Zuschauer am Donnerstagabend zum Beispiel, dass Markus Söder versucht, weniger Fleisch zu essen fürs Klima ("fällt einem Bayern gar nicht so leicht") und Janine Wissler wann immer möglich mit den Öffentlichen fährt ("geht ja häufig auch schneller").

Laschet, Baerbock und Scholz hatten ja ohnehin schon bei drei Triellen Gelegenheit gehabt, ihre Positionen auszutauschen. Sie präsentierten ähnlich wie bei diesen vergangenen Auftritten: Scholz gab sich ruhig und staatsmännisch, Baerbock versuchte mit Details, Faktenwissen und Spitzen auf die Regierungsbilanz der Groko zu überzeugen, und Armin Laschet probierte den Spagat, angriffslustig, aber nicht aggressiv zu wirken.

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Bundestagswahl: Lindner verrät Koalitionspräferenz der FDP

Interessant war deshalb vor allem, wie sie mit denen umgingen, mit denen sie vielleicht bald am Kabinettstisch sitzen könnten. Sehr direkt fragten Koll und Hassel ihre Runde kurz vor dem Schluss der Sendung ihre Runde, wer sich welche Koalition wünscht. CSU-Chef Markus Söder und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet wollten sich nicht festlegen, betonten nur, dass auch das nächste Regierungsbündnis unter Führung der Union stehen solle. Ähnlich hielt es Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock, die keine Präferenz erkennen lassen wollte.

Ganz anders FDP-Chef Christian Lindner: "Die inhaltlichen Schnittmengen sind bei Jamaika am größten." Olaf Scholz legte erneut die Latte für ein Bündnis mit der Linken hoch, Linken-Chefin Wissler betonte die Gemeinsamkeiten zur SPD. Nur AfD-Kandidatin Alice Weidel musste diese Frage nicht beantworten. Mit ihrer Partei will keine der anderen koalieren. Auch interessant: Wer um den Einzug in den Bundestag zittern muss

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