Berg-Karabach

Armenier in Deutschland sind enttäuscht von Bundesregierung

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Kriegsregion Berg-Karaback: Ein Mann spricht mit seinem verletzten Kind, das in einem Krankenhaus auf einem Krankenhausbett liegt. Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan kostete viele Menschenleben.

Kriegsregion Berg-Karaback: Ein Mann spricht mit seinem verletzten Kind, das in einem Krankenhaus auf einem Krankenhausbett liegt. Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan kostete viele Menschenleben.

Foto: Areg Balayan / dpa

Der Zentralrat der Armenier fordert von der Bundesregierung mehr Einsatz für die Freilassung von Kriegsgefangenen in Aserbaidschan.

Berlin . Der Zentralrat der Armenier in Deutschland hat von der nächsten Bundesregierung einen stärkeren Einsatz für armenische Kriegsgefangene in Aserbaidschan gefordert. „Über zweihundert Soldaten und Zivilisten werden bis heute von Aserbaidschan unter widrigsten Bedingungen gefangen gehalten, in Schauprozessen als Terroristen diffamiert und als politisches Druckmittel gegen die Republik Armenien eingesetzt“, heißt es in einer Mitteilung des Zentralrats, die unserer Redaktion vorab vorliegt. Am Tag nach der Bundestagswahl jährt sich der Beginn des Krieges zwischen Aserbaidschan und Armenien um Berg-Karabach.

„Das tiefe Schweigen Deutschlands hat viele Armenier schwer enttäuscht“

„Die Armenier in Deutschland erwarten von der Bundesregierung größere politische und diplomatische Bemühungen, um eine Freilassung aller armenischen Gefangenen aus den aserbaidschanischen Folterkellern zu erreichen“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Armenier in Deutschland, Schawarsch Owassapian, unserer Redaktion. „Das tiefe Schweigen und die außen- und sicherheitspolitische Passivität Deutschlands während und nach dem vergangenen Karabach-Krieg haben viele Armenier schwer enttäuscht und dem Ansehen Deutschlands geschadet.“

Der Vorsitzende des Zentralrats hebt hervor, dass Deutschland „im Rahmen der EU-Nachbarschaftspolitik und aufgrund seiner geschichtlichen Rolle in den deutsch-armenisch-türkischen Beziehungen eine besondere Verantwortung“ trage. Owassapian sagte: „Dieser Verantwortung muss die nächste Bundesregierung endlich gerecht werden.“

Mehrere Tausend Menschen sterben bei Gefechten in Berg-Karabach

In der zwischen Aserbaidschan und Armenien umstrittenen Kaukasusregion Berg-Karabach brachen vor einem Jahr Kämpfe aus. Mehrere Tausend Soldaten und Zivilisten sterben, Häuser werden zerstört, Tausende sind auf der Flucht. Die Türkei unterstützt Aserbaidschan, Russland Armenien. In dem von Aserbaidschan umgebenen Gebiet leben mehrheitlich Armenier.

Vor einem Monat waren bei neuen Gefechten an der armenisch-aserbaidschanischen Grenze zwei armenische Soldaten getötet worden. Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium erklärte, die Provokationen seien von der armenischen Seite ausgegangen. Die ehemaligen Sowjetrepubliken und Nachbarstaaten sind seit langem verfeindet. (cu/dpa)