Kommentar

TV-Triell: Warum es hier einen Überraschungssieger gab

| Lesedauer: 4 Minuten
Jörg Quoos
Bundestagswahl: Diese Corona-Regeln gelten im Wahllokal

Bundestagswahl: Diese Corona-Regeln gelten im Wahllokal

Für viele Innenräume gilt die 3G-Regel – zum Teil auch schon die 2G-Regel. Für die Wahllokale zur Bundestagswahl am 26. September gelten jedoch besondere Corona-Regeln.

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Das dritte Triell vor der Bundestagswahl ist geschlagen – aber wem haben die TV-Debatten den Weg ins Kanzleramt am besten geebnet?

Berlin. Auf ProSieben/Sat1 fiel vor allem auf, dass die Kandidatin und die Kandidaten immer routinierter werden. Vizekanzler Olaf Scholz gewann – zumindest laut Umfrage – auch diese Debatte. Wieder kein Patzer, kein Verhaspeln, keine entglittene Körpersprache. Der Vizekanzler argumentierte souverän auch harte Angriffe weg und blieb seiner Linie treu. Lesen Sie hier: Ergebnis des Wahlkampf-Triells: So hitzig war die Debatte

Schlau nutzte er die Debatte zur Verlängerung der eigenen Kampagne mit plakativem Werben für Mindestlohn und „mehr Respekt“. „Scholzomat“ war vor Jahren ein wenig schmeichelhafter Begriff für emotionsfreie Auftritte des damaligen SPD-Generalsekretärs. Der „Scholzomat“ 2.0 ist ein Kandidat, der in jeder TV-Debatte präzise wie eine Maschine am Ende die Zuschauer-Umfrage gewinnt.

TV-Triell: Scholz glaubt mit jeder Faser seines Körpers an die Kanzlerschaft

Dazu gehört gute Vorbereitung und Urvertrauen in die eigene Überzeugungskraft. Scholz will dem Volk nicht glauben machen, dass er Kanzler wird. Er glaubt es selbst mit jeder Faser seines Körpers. Das ist vielleicht der größte Unterschied zu Laschet und Baerbock und macht den SPD-Mann bei Zuschauerinnen und Zuschauer offenbar besonders glaubwürdig. Auch interessant: Vor dem Triell: So ticken die Kanzlerkandidaten privat

Armin Laschet, der bei öffentlichen Auftritten sich selbst oft der gefährlichste Gegner war, wird von Triell zu Triell sicherer. Das spürt das Publikum und sah ihn daher wie in der vergangenen Woche vor Annalena Baerbock. Laschet kann damit dennoch nicht zufrieden sein, denn die Gelegenheiten, die Stimmung noch zu drehen, sind sieben Tage vor der Wahl überschaubar. Lesen Sie hier: Neues Video: Youtuber Rezo knöpft sich Union und Scholz vor

Laschet gelingt kein einziger „lucky punch“ gegen Scholz

Laschet hat keinen einzigen „lucky punch“ gegen den vorneliegenden Scholz gelandet. Der kann bis zur Bundestagswahl jetzt nur noch über sich selbst stolpern oder das Opfer vielleicht völlig danebenliegender Institute werden. Es bleibt das große Rätsel aller Umfragen, warum das bürgerliche Lager Scholz' offene Haltung zu einem Linksbündnis angeblich ignoriert. Ob das wirklich stimmt, wird erst der Wahlabend zeigen.

Bemerkenswert ist besonders nach diesem jüngsten Triell-Abend, wie sich die Grünen Richtung Wahltag zu Tode gesiegt haben. Vor Monaten als stärkste Kraft gefeiert, reicht es heute nicht mal mehr zu einem Sieg in der letzten TV-Debatte. Das ist für die grüne Wahlkampfzentrale kein gutes Signal. Es ist immer wahrscheinlicher, dass die Wählerinnen und Wähler am Sonntag endgültig die Luft aus dem grünen Ballon lassen und die Umweltpartei auf den harten Boden der Realität prallt. Auch interessant: Bundestagswahl 2021: Dürfen Ungeimpfte ins Wahllokal?

TV-Triell: Das Publikum spürt, dass Baerbock selbst nicht mehr ans Kanzleramt glaubt

Annalena Baerbock hätte als Angreiferin aus der Opposition im letzten Triell stärker punkten müssen. Sie war nicht schlecht, aber das Publikum spürt, dass sie nicht einmal selbst noch daran glaubt, Deutschlands erste grüne Kanzlerin zu werden. Unverständlich auch, warum Baerbock ohne Not für ein Bündnis mit der SPD warb. Schließlich wollen viele Konservative eine schwarze, wirtschaftsfreundliche Regierung mit starkem grünen Korrektiv. Das Schielen von Annalena Baerbock nach links war vielleicht ehrlich. Die Chance auf viele Stimmen aus der Mitte hat es sicher geschmälert.

Und doch gab es bei aller erwartbarer Wahlkampfroutine echte Sieger im letzten Triell: es waren die veranstaltenden Sender. Beide Moderatorinnen waren auf den Punkt und wirkten deutlich souveräner und präziser als das anstrengende Duo ARD-Chefredakteur plus Maybritt Illner. Mit ProSieben und Sat1 haben die Privaten gezeigt, dass man nicht zwingend Gebühren-Milliarden braucht, um es ausgerechnet in der Königsklasse „politischer Journalismus“ besser als die Öffentlich-Rechtlichen zu machen.

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