Bundestagswahl

Wahlkampf: CDU erntet heftige Kritik für Motivations-Video

| Lesedauer: 4 Minuten
CSU-Parteitag stärkt Laschet den Rücken

CSU-Parteitag stärkt Laschet den Rücken

Die CSU hat Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) den Rücken für den Wahlkampf-Schlussspurt gestärkt. Nach seiner Rede auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg erhielt Laschet minutenlangen stehenden Applaus der Delegierten,

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Ein Motivations-Video der CDU sorgt nun für Ärger im Wahlkampf. Die Partei hat Leonardo DiCaprio besondere Worte in den Mund gelegt.

Berlin. 
  • "Zur Not erzwingen wir es": Dieser Satz aus einem Motivations-Video der CDU sorgt im Netz für Kritik
  • Das scheinbar als Scherz gemeinte Video sollte offenbar die Anhänger von Armin Laschet für den Schlussspurt im Wahlkampf mobilisieren
  • Kurz nach der Veröffentlichung wurde das Video wieder aus dem Internet entfernt

Mit einem Motivations-Video wollte die CDU ihre Anhänger offenbar noch einmal für die verbleibenden Tage im Wahlkampf mobilisieren. Am Sonntagabend kursierte der Clip kurzzeitig auf Twitter – und sorgt seither für viel Kritik. In dem Video, das offenbar auf einem großen Bildschirm im Foyer der CDU-Parteizentrale im Berliner Konrad-Adenauer-Haus gezeigt wurde, ist der US-Schauspieler Leonardo DiCaprio in seiner Rolle als "Wolf of Wall Street" zu sehen. Er heizt mit einer leidenschaftlichen Ansprache eine Menschenmenge auf. Lesen Sie auch: "Anne Will" nach Triell: Spahn sorgt mit Theorie für Ärger

Die Untertitel im Clip sind allerdings verändert. Statt des Originaltextes heißt es: "Und wir überholen die Sozen", und weiter: "Ausgeschlumpft, lieber Olaf!" Die Menge im Film jubelt an dieser Stelle. "Lasst uns jetzt raus gehen und lasst uns die Leute mit Armin Laschet gemeinsam überzeugen", so die CDU-Untertitel weiter. "Und zur Not erzwingen wir es. Wir erzwingen es und liegen 100.000 Stimmen vorne." Auch interessant: Armin Laschet beim Triell im Angriffsmodus - So lief die Sendung

Motivations-Video: CDU erntet scharfe Kritik

Für diese Worte erntet die CDU scharfe Kritik in den sozialen Netzwerken. "Zur Not erzwingen wir es" – besonders dieser Satz stößt vielen Nutzerinnen und Nutzern bei Twitter sauer auf. Manche fühlen sich an den früheren US-Präsidenten Donald Trump erinnert. "Sie wollen die demokratische Wahl zur Not erzwingen? So wie Trump?", schrieb ein Nutzer. Ein anderer fragt unter dem Hashtag #CDU, ob es sich dabei um einen Aufruf zur Wahlmanipulation handele. Lesen Sie mehr: Patzer und Unterbrechungen: Scharfe Kritik an Moderatoren

Auch die Wahl des Films, mit DiCaprio als dubiosem Investmentbanker als Hauptfigur, sorgt für Ärger. "Tolle Botschaft auch für eine von Korruption geschüttelte Partei, ausgerechnet diesen Film zu zeigen, in dem es um strukturellen Beschiss geht", twitterte der Autor und Moderator Micky Beisenherz.

CDU-Video: Ausgerechnet mit DiCaprio

Allerdings gab es auch Spott, weil ausgerechnet ein Film mit DiCaprio in der Hauptrolle ausgewählt wurde – Leonardo DiCaprio macht seit langem auf die Gefahren der Klimakrise aufmerksam. Der Union wird von vielen Beobachterinnern und Experten eher vorgeworfen, in diesem Bereich zu zögerlich zu handeln.

Der Clip endet mit den Worten: "Wir sind geschlossen. Wir sind entschlossen. Wir gewinnen diese Bundestagswahl. Jetzt lasst uns 14 Tage durchkämpfen!" DiCaprio brüllt auf dem Bildschirm ins Mikro. Das Video war zunächst wieder gelöscht worden. Der Chefredakteur des Onlinemagazins "VICE" hatte die Sequenz allerdings gesichert. Mehr zum Thema: Politiker-Kinder: Das sind Joe Laschet und Gloria Burkandt

Hero Warrings, Sprecher der CDU Deutschlands teilte unserer Redaktion auf Anfrage mit, dass es sich bei der Aufnahme um kein offizielles CDU-Video handele. "Als der Clip gezeigt wurde, waren Armin Laschet und auch Generalsekretär Paul Ziemiak nicht im Konrad-Adenauer-Haus anwesend." Warrings gab zudem an, dass das Video schon länger im Netz kursiere. Von wem das Video abgespielt wurde, bleibt indes unklar. Der sächsische CDU-Pressesprecher Paul Schäfer reagierte nicht auf die Anfrage

(mja)