Terrorgefängnis

Zwanzig Jahre 11. September: Was wurde aus Guantanamo?

| Lesedauer: 3 Minuten
Dirk Hautkapp
Die vergessenen Helfer von 9/11

Die vergessenen Helfer von 9/11

Nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 halfen hunderte illegale Einwanderer monatelang bei den Aufräumarbeiten. Dabei wurden sie giftigen Chemikalien ausgesetzt. Heute leiden viele unter den Langzeitfolgen, warten aber vergeblich auf eine Aufenthaltserlaubnis oder Einbürgerung.

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Infolger der Terroranschläge von 2001 wurde das Internierungslager aufgebaut. Trotz scharfer Kritik wurde es bisher nicht geschlossen.

Washington. Am 11. September werden an Ground Zero in Manhattan die Angehörigen der rund 3000 Opfer von 9/11 zum Gedenken zusammenkommen. Zeitgleich lässt Richter Matthew McCall vier Flugstunden südlich auf der US-Marinebasis Guantanamo Bay in Kuba die mutmaßlichen Drahtzieher der Attentate in einem Hochsicherheitsgericht vorführen.

Zum x-ten Mal wird das Quintett um Khalid Sheikh Mohammed vor das Militärtribunal gerufen. Khalid Sheikh Mohammed (oder „KSM“) rühmt sich, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden die Anschläge mit Flugzeugen schmackhaft gemacht zu haben.

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Echter Prozessbeginn für Drahtzieher in weiter Ferne

Die diesmal bis zum 17. September angesetzten Anhörungen sind – wegen Corona – die ersten seit Fe­bruar 2020. Aber auch 20 Jahre nach der Katastrophe liegt der echte Prozessbeginn noch in weiter Ferne. Von einem rechtskräftigen Urteil ganz zu schweigen.

Khalid Sheikh Mohammed wurde 2003 in Pakistan festgenommen. Nach Folterungen in geheimen CIA-Gefängnissen in Osteuropa wurde er 2006 in einen hermetisch abgeriegelten Hochsicherheitstrakt in Guantanamo überstellt. 2008 begann das dort von Präsident George W. Bush installierte Militärtribunal mit den ersten juristischen Fingerübungen gegen ihn und seine angeblichen Helfershelfer. 2012 wurde gegen Sheikh Mohammed und vier Mitstreiter offiziell Anklage wegen 2976-fachen Mordes verlesen. Die Anklagepunkte sind bei einer Verurteilung mit der Todesstrafe belegt.

Bei den anderen handelt es sich um Ramzi Binalshibh, Jemenit und früheres Mitglied der sogenannten Hamburger Zelle um den Todespiloten Mohammed Atta, den in Saudi-Arabien aufgewachsenen Walid bin Attash, den Saudi Mustafa Ahmad al-Hawsawi und Ah Abd al-Aziz Ah. Lesen Sie auch: Nach zwanzig Jahren: So wirkte sich 9/11 auf Deutschland aus

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Guantanamo: 17 Männer gelten als „Endlosgefangene“

Für das Haupthemmnis, das einer zügigen Abwicklung des Prozesses gegen die Hauptangeklagten bis heute im Wege steht, haben die USA selbst gesorgt. KSM und Co. wurden in Geheimgefängnissen der CIA „erweiterten Verhörmethoden“ unterzogen. Ihre dabei erzwungenen Aussagen dürfen im Gericht keine Rolle spielen. Unter dem beschönigenden Etikett verbarg sich tagelanger Schlafentzug, Höllenlärm, Prügel, Erniedrigungen und immer wieder Waterboarding – das simulierte Beinahe-Ertrinken von Häftlingen.

Das Gefangenenlager wurde 2002 eröffnet. Anfangs waren bis zu 800 Verdächtige inhaftiert. Inzwischen sitzen nur noch 39 Gefangene ein. Alle Versuche, das Lager zu schließen, sind bisher am Widerstand der Republikaner gescheitert. 17 Männer gelten als „Endlosgefangene“. Ihnen wird unterstellt, weiterhin gefährlich zu sein, weshalb sie niemals freigelassen werden. Diese 17, sagt man im Pentagon inoffiziell, werden „voraussichtlich in Guantanamo sterben – ohne dass man ihnen den Prozess gemacht hat“.

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