Kriminalität

Deutsche Luftbrücke für vier Straftäter aus Afghanistan

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Miguel Sanches
Händler in Kabul leiden unter Machtübernahme der Taliban

Händler in Kabul leiden unter Machtübernahme der Taliban

In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben viele Läden inzwischen wieder geöffnet, Kunden haben sie allerdings kaum. Die Machtübernahme der radikalislamischen Taliban hat das Land auch in eine Wirtschaftskrise gestürzt.

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Die Behörden sind alarmiert. Im Chaos von Kabul nutzten Kriminelle die Luftbrücke. Die Rede ist von 20 sicherheitsrelevanten Fällen.

Berlin. Mehr als 5300 Menschen hat die Bundeswehr binnen elf Tagen aus Afghanistan evakuiert. Es musste schnell gehen. Und unbürokratisch. Im Zweifel: ohne vorherige Sicherheitsüberprüfung. Das rächt sich jetzt. Unter den geretteten Afghanen sind 20 „sicherheitsrelevante Fälle“, wie das Bundesinnenministerium auf Anfrage unserer Redaktion erklärte.

Darunter sind vier Straftäter, die als Asylbewerber ursprünglich nach Afghanistan abgeschoben worden waren. Sie waren wegen Gewalt- und Sexualdelikte rechtskräftig verurteilt worden.

Deswegen lagen in jedem Fall auch Wiedereinreisesperren vor. Und „unter normalen Umständen“, so ein Spitzenbeamter, hätte man sie nicht einreisen lassen. Die Kriminellen müssen nicht befürchten, dass sie dem Taliban-Regime übergeben werden. Abschiebungen nach Afghanistan hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ausgeschlossen.

Afghanistan: Kriminelle von Bundespolizei kontrolliert

Die vier Afghanen wurden zusammen mit bis zu 200 Ortskräften und ihren Familien sowie weiteren schutzbedürftigen Personen von Kabul nach Usbekistan ausgeflogen und traten mit Zivilmaschinen den Weiterflug nach Deutschland an.

Im Flughafen Frankfurt/Main wurden alle von der Bundespolizei kontrolliert, erstmals einem Sicherheitscheck unterzogen und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) betreut. Es war am Airport nach eigenen Angaben „mit mobilen Teams von bis zu 25 Mitarbeitenden“ im Einsatz.

Gegen einen der vier Männer lag ein offener Haftbefehl vor. Er wurde nach Einreise auf direktem Wege in die Justizvollzugsanstalt Frankfurt-Preungesheim gebracht. Laut „Spiegel“ heißt der Mann Sardar Muhammed M. und kam am späten Abend des 24. August an. M. sei 2012 in München zu acht Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er seine Tochter jahrelang missbraucht haben soll.

USA evakuierten mehr als 28.000 Menschen

Ein weiterer Afghane hat seine Strafe abgesessen und wurde ins Inland entlassen mit dem Status einer „Duldung“. Zwei der vier Männer sitzen auch nach Tagen - bis heute - im Flughafen fest. Sie dürfen ausreisen, wollen es aber nicht, sondern haben stattdessen einen Asylantrag gestellt. Sie seien „In behördlicher Obhut“ und wurden im Airport untergebracht, wo auch dass so genannte Flughafenverfahren durchgeführt wird. Sie sollen solange dort bleiben, bis entschieden ist, wie in ihren Fällen weiter verfahren wird.

Nach der Beendigung der Luftbrücke der Bundeswehr stand die Bundesregierung massiv in der Kritik, weil sie afghanische Ortskräfte und andere gefährdete Afghanen nicht schon vor der Machtübernahme der Taliban ausgeflogen hatte.

Die USA hatten mehr als 28.000 Menschen aus Afghanistan evakuiert und nach Ramstein in Rheinland-Pfalz gebracht. Die dortige Air Base soll für sie nur eine Zwischenstation sein.

Eine verdächtige Person aufgespürt

Auch diese Geflüchteten werden einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen. Zuletzt hatte der Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa, General Tod Wolters, bei einer Videoschalte im Pentagon in Washington erklärt, man habe bisher eine verdächtige Person aufgespürt, die sich nun in Gewahrsam befinde. Weitere Details zu dem Verdächtigen nannte er nicht, nur so viel: er sei keine „große Bedrohung“.

Von der Air Base in Ramstein aus sind nach Angaben des US-Militärs über 13.500 Evakuierte weitergereist. Etwa 12.000 Schutzsuchende warten auf ihre Weiterreise nach Amerika. Andere wünschten sich, in Europa oder direkt in Deutschland bleiben zu können. Bei den Flüchtlingen handelt es sich um Ortskräfte, die in Afghanistan für das US-Militär gearbeitet haben und ihre Familien.