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Afghanistan: Letzte US-Truppen aus Afghanistan abgezogen

| Lesedauer: 173 Minuten
IS-Ableger bekennt sich zu Raketenangriff auf Flughafen Kabul

IS-Ableger bekennt sich zu Raketenangriff auf Flughafen Kabul

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat den Raketenangriff auf den Kabuler Flughafen für sich reklamiert. Am Morgen waren mehrere Geschosse auf den Airport abgefeuert worden. Sie wurden von einem Raketenabwehrsystem zerstört.

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Die USA haben ihren Truppenabzug aus Afghanistan abgeschlossen und ihren Militäreinsatz nach 20 Jahren beendet. Mehr im Newsblog.

  • Die letzten US-Soldaten haben Afghanistan am Montagabend nach fast 20 Jahren verlassen
  • In Kabul feiern die Taliban und sprechen von einem historischen Moment
  • UN-Sicherheitsrat erhöht mit Afghanistan-Resolution Druck auf Taliban
  • Bei den Anschlägen auf den Kabuler Flughafen starben bisher mindestens 180 afghanische Zivilisten und 13 US-Soldaten
  • Bei einem US-Luftangriff in Kabul am Wochenende sollen mindestens zehn Zivilisten getötet worden sein
  • Pakistan hat angekündigt, keine weiteren Flüchtlinge aus Afghanistan mehr aufzunehmen

Kabul. Die USA haben ihren Truppenabzug aus Afghanistan am Montag abgeschlossen und ihren Militäreinsatz in dem Land damit nach 20 Jahren beendet. Kurz vor dem Ende des Einsatzes des US-Militärs in Afghanistan war die Lage weiterhin sehr angespannt. Die Situation sei nach wie vor "extrem gefährlich" gewesen und das Risiko von Terroranschlägen auf den Flughafen von Kabul hoch, erklärte Präsident Joe Biden am Wochenende in Washington.

Auch mit einem neuen Anschlag rechnete Biden. Dazu wäre es offenbar fast gekommen: Am Sonntagnachmittag vereitelten US-Streitkräfte offenbar mit einem Drohnenangriff einen neuerlichen Anschlag der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Dabei sollen allerdings auch zehn Zivilisten getötet worden sein.

Zuvor erfolgte am Freitag ein Vergeltungsschlag der Amerikaner. Dabei sind nach Angaben des US-Militärs zwei ranghohe Mitglieder des regionalen Ablegers der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) getötet worden.

Lesen Sie auch: Taliban-Sieg - Warum ist die afghanische Armee so schwach?

Nach dem verheerenden Ende der Afghanistan-Mission fordern Oppositionspolitiker in Deutschland die Einrichtung eines Afghanistan-Untersuchungsausschusses. Mehr zum Thema: Taliban an der Macht – wohin mit Millionen Flüchtlingen?

Nachrichten zur Lage in Afghanistan am Dienstag, 31. August: Pakistan will keine weiteren Flüchtlinge aus Afghanistan aufnehmen

11.16 Uhr: Wir schließen unser Afghanistan-Newsblog.

8.34 Uhr: Pakistan hat angekündigt, keine weiteren Flüchtlinge aus Afghanistan mehr aufzunehmen. Sein Land habe bereits zwischen drei und vier Millionen Afghanen aufgenommen, sagte der pakistanische Botschafter in Deutschland, Mohammad Faisal, dem Berliner „Tagesspiegel“. Jetzt sollten „reichere und größere“ Länder Geflüchtete von dort beherbergen. Sein Land unterstütze die Ausreise mit allen Kräften, die Grenzen würden erst einmal geöffnet bleiben, sagte er.

Die Lösung des neuen Flüchtlings-Problems liege bei den Staaten, die 20 Jahre in Afghanistan das Sagen gehabt hätten, betonte der Botschafter. Die internationale Gemeinschaft müsse jetzt mit den Taliban sprechen, um eine Lösung zu finden, sagte Faisal vor einem Besuch von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad.

Taliban feiern Zeitenwende in Afghanistan - US-Soldaten weg

6.02 Uhr: Die letzten US-Soldaten haben Afghanistan nach fast 20 Jahren verlassen. Nun beglückwünschen sich Taliban-Anhänger in sozialen Medien gegenseitig. "Gratulationen an alle", heißt es, "Afghanistan ist frei". Andere schreiben, der Mythos der amerikanischen Unbesiegbarkeit sei in Afghanistan zerschlagen worden. Und: "Ihr hattet die Uhren, aber wir hatten die Zeit."

Nachrichten zur Lage in Afghanistan am Montag, 30. August: US-Truppenabzug aus Afghanistan abgeschlossen

22.59 Uhr: Die USA haben ihren Truppenabzug aus Afghanistan abgeschlossen und ihren Militäreinsatz am Hindukusch damit nach 20 Jahren beendet. Eine letzte US-Militärmaschine hob in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit Kabul; Montagnachmittag Ortszeit Washington) vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul ab, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Damit ist auch die militärische Evakierungsmission abgeschlossen. US-Präsident Joe Biden hatte einen vollständigen Truppenabzug bis zum 31. August angeordnet.

"Ich bin hier, um den Abschluss unseres Abzugs aus Afghanistan und das Ende der Militärmission zur Evakuierung von US-Bürgern, Staatsbürgern von Drittstaaten und gefährdeten Afghanen bekanntzugeben", sagte der Chef des Zentralkommandos der US-Streitkräfte, General Kenneth McKenzie, der per Videoschalte an einer Pressekonferenz im Pentagon teilnahm. Die diplomatische Mission, um Menschen eine Ausreise aus Afghanistan zu erlauben, dauere aber an.

Die Ankündigung des Generals markiert das Ende des 20-jährigen Militäreinsatzes der USA in Afghanistan. Die USA und ihre westlichen Verbündeten waren nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert.

UN-Sicherheitsrat erhöht mit Afghanistan-Resolution Druck auf Taliban

21.21 Uhr: Der UN-Sicherheitsrat erhöht den Druck auf die militant-islamistischen Taliban, Afghanen ungehindert aus ihrem Heimatland ausreisen zu lassen. Man erwarte, "dass die Taliban diese und alle anderen Verpflichtungen einhalten", hieß es in einer Resolution des mächtigsten UN-Gremiums, die am Montag in New York bei zwei Enthaltungen angenommen wurde.

Erster Hilfsflug der WHO seit Machtübernahme der Taliban in Afghanistan gelandet

21.13 Uhr: Zum ersten Mal seit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban vor rund zwei Wochen ist ein Flugzeug mit medizinischen Hilfsgütern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Afghanistan gelandet. Wie die WHO am Montag mitteilte, wurde das Flugzeug von der pakistanischen Regierung zur Verfügung gestellt. Die Maschine, die von Dubai nach Masar-i-Scharif in Norden Afghanistans flog, hatte 12,5 Tonnen Medikamente und andere medizinische Ausrüstung an Bord.

Vergangene Woche hatte die WHO gewarnt, den Gesundheitseinrichtungen in Afghanistan drohe bald der Nachschub an medizinischer Ausrüstung auszugehen. Durch das Chaos und die Gefahr am Flughafen von Kabul hatte die WHO mit logistischen Problemen zu kämpfen. 500 Tonnen an Medikamenten und Hilfsgütern, die in Dubai gelagert waren, konnten nicht ausgeliefert werden. Die WHO habe "tagelang ununterbrochen an einer Lösung gearbeitet", erklärte Leiter der WHO-Region Östliches Mittelmeer, Ahmed al-Mandhari. Nun könnten die Vorräte der Gesundheitseinrichtungen in Afghanistan zumindest "teilweise" wieder aufgefüllt werden und die von der WHO unterstützten Gesundheitsdienste könnten "vorerst" weiterarbeiten.

Die jetzige Lieferung deckt demnach den Bedarf von 200.000 Menschen und reicht für 3500 chirurgische Eingriffe. Die Güter sollen direkt an 40 Einrichtungen in 29 Provinzen gehen. Die WHO arbeitet laut al-Mandhari mit ihren Partnern daran, dass die Lieferung "die erste von vielen" ist. Seinen Angaben zufolge sind bereits zwei weitere Hilfslieferungen mit logistischer Unterstützung Pakistans geplant. Nachdem der Militäreinsatz der USA und anderer westlicher Staaten zur Evakuierung von Ausländern und afghanischen Ortskräften nun zu Ende gehe, "beginnt jetzt die anspruchsvolle humanitäre Arbeit zur Deckung der Bedürfnisse der zig Millionen bedürftigen Afghanen, die im Land bleiben", erklärte die WHO.

Merkel tauscht sich mit Macron über die Lage in Afghanistan aus

18.51 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron über die Lage in Afghanistan beraten. Im Mittelpunkt des Telefonats am Montag habe die Frage der künftigen Ausreise von Staatsangehörigen, Ortskräften und schutzbedürftigen Menschen aus Afghanistan auch nach dem Ende der Evakuierungsflüge aus Kabul gestanden, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

Merkel und Macron seien sich einig gewesen, dass ein "eng abgestimmtes Vorgehen der internationalen Gemeinschaft vordringlich" sei. Sie stimmten demnach auch überein, "dass der humanitären Hilfe und der Versorgung der Binnenvertriebenen und Flüchtlinge sowohl vor Ort als auch in der Region durch die Vereinten Nationen besondere Bedeutung und Dringlichkeit zukommt". Die Kanzlerin und der französische Präsident tauschten sich demnach auch über die Ausreise des diplomatischen Personals aus.

Bericht: Zehn zivile Opfer nach US-Luftangriff in Kabul

17.56 Uhr: Bei einem US-Luftangriff in der afghanischen Haupstadt Kabul am Wochende sollen mindestens zehn Zivilisten getötet worden sein. Das berichtet der lokale TV-Sender ToloNews am Montag. Unter den Toten bei dem Angriff am Sonntag seien auch Kinder, hätten Anwohner dem Fernsehsender gesagt.

Das US-Militär hatte am Sonntag mitgeteilt, es untersuche nach dem Luftangriff auf ein Auto der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Berichte über mögliche zivile Opfer. Der Einsatz habe erfolgreich eine „unmittelbare Bedrohung“ für den Flughafen Kabul durch die Terroristen abgewendet, darüber hinaus würden die Ergebnisse des Luftschlags noch geprüft, hieß es in einer Stellungnahme der US-Kommandozentrale für die Region (Centcom). In dem zerstörten Fahrzeug habe sich „eine große Menge Sprengstoff“ befunden, „die womöglich zu weiteren Opfern führte“, hieß es.

„Es ist nicht klar, was passiert sein könnte und wir untersuchen das weiterhin. Wir wären sehr traurig über den möglichen Tod Unschuldiger“, hieß es in der Stellungnahme des Militärs.

Militäreinsatz der USA in Afghanistan soll planmäßig Dienstag enden

17.47 Uhr: Mit dem Abzug der letzten US-Truppen soll am Dienstag der Militäreinsatz der USA in Afghanistan nach rund 20 Jahren enden. Die Vereinigten Staaten wollen ihre Truppen planmäßig am Dienstag abziehen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Montag. Damit geht auch der militärische Evakuierungseinsatz zu Ende.

Kirby nannte keine Details, zu welcher Uhrzeit der Abzug abgeschlossen sein soll. Er betonte lediglich, dass der Vorgang gefährlich sei. „Die Befehlshaber vor Ort verfügen über die notwendigen Mittel, um einen angemessenen Schutz der Einsatzkräfte zu gewährleisten.“

US-Präsident Joe Biden hat sich immer wieder zum Abzug der US-Truppen aus Afghanistan bis zum 31. August bekannt. Völlig ausgeschlossen hatte er eine Verlängerung der Evakuierungsmission jedoch nicht. Die US-Regierung hatte betont, dass es auch nach dem Ende der militärischen Evakuierungen Möglichkeiten geben, soll Menschen aus Afghanistan in Sicherheit zu bringen.

Afghanische Journalisten bitten um Schutz

15.44 Uhr: Kurz vor dem Ende der Evakuierungen aus Afghanistan haben afghanische Journalistinnen und Journalisten die internationale Gemeinschaft um Schutz gebeten. In einem Offenen Brief appellierten 150 Medienschaffende, ihr Leben und das ihrer Angehörigen zu retten, wie der afghanische TV-Senders Tolo News am Montag berichtete.

"Wir leben in Unsicherheit. Wir wissen nicht, was mit uns und unserer Zukunft passieren wird", hieß es. Hunderte Afghaninnen und Afghanen mit gültigen Evakuierungsdokumenten sitzen nach Berichten des Senders weiter um den Flughafen von Kabul fest. Sie hätten keine Chance gehabt, auf einen der Rettungsflüge zu kommen und das Land zu verlassen, zitierte Tolo verzweifelte Menschen: "Wir haben Dokumente, aber keiner kümmert sich um uns."

Merkel lobt Einsatz der Bundeswehr in Kabul als "heldenhaft"

14.52 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Evakuierungs-Einsatz der Bundeswehr-Soldaten am Flughafen von Kabul gewürdigt. Das Engagement der deutschen Soldatinnen und Soldaten dort sei „heldenhaft“ gewesen, sagte Merkel am Montag in der CDU-Präsidiumssitzung wie die Nachrichtenagentur AFP von Teilnehmern erfuhr. Die Kanzlerin sprach demnach von einer „bedrückenden Lage“ in dem Land nach der Nachtübernahme durch die radikalislamischen Taliban.

Luftbrücke rettete nur wenige Ortskräfte

14.44 Uhr: Die von der Bundesregierung organisierte Luftbrücke aus Kabul hat nach vorläufigen Angaben 138 weitere Ortskräfte nach Deutschland gebracht sowie deren Familienangehörige. Insgesamt seien 634 Menschen aus dieser Gruppe ausgeflogen worden, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums (BMI) am Montag in Berlin. Er verwies darauf, dass die Zahl der Hilfeersuchen erst nach dem Beginn der Luftbrücke deutlich gestiegen sei - auf nunmehr mindestens 40.000 Menschen.

Vor Beginn der Evakuierung am 14. August habe das Bundesinnenministerium Kenntnis davon gehabt, dass 174 Ortskräfte sowie Familienangehörige für die gesamte Bundesregierung zur Ausreise anstehen, insgesamt 886 Menschen, so der Sprecher. Es ging dabei um die Afghanen, die aktiv eine Gefährdungsanzeige gemacht hatten und auf Listen standen.

Auswärtiges Amt weist Vorwürfe der Initiative "Luftbrücke" zurück

14.03 Uhr: Das Auswärtige Amt hat Vorwürfe der privaten Rettungsinitiative "Luftbrücke Kabul", die mit eigenen Charterflugzeugen Menschen aus Afghanistan holen wollte, zurückgewiesen. Die Darstellung, die Bundesregierung habe die Operation behindert, sei unbegründet, sagte ein Sprecher des Außenamts am Montag in Berlin. "Das Gegenteil ist der Fall: Wir haben die Initiative von Anfang an aktiv unterstützt", betonte er.

Die Initiative "Luftbrücke", hinter der sich eine Reihe von Nichtregierungsorganisationen, Flüchtlingsräten, Initiativen und Einzelpersonen versammelt, wollte über Spenden finanzierte Charterflüge zur Evakuierung in Afghanistan einsetzen. Auf ihrer Internetseite wirft sie der Bundesregierung mangelnde Unterstützung vor. Mit einem Flug hat die Initiative nach eigener Darstellung am Samstag 18 Menschen ausgeflogen. 189 weitere Menschen, die die "Luftbrücke" ausfliegen wollte, seien inzwischen mit einer Militärmaschine der USA außer Landes gebracht worden.

Deutschland hat im ersten Halbjahr 47.500 Geflüchtete aufgenommen

13.10 Uhr: Deutschland hat im ersten Halbjahr dieses Jahres 47.400 Flüchtlinge aufgenommen. 7360 Menschen wurden abgeschoben, 4374 reisten freiwillig aus, weil ihr Asylantrag abgelehnt worden war. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linken im Bundestag hervor, die dieser Redaktion vorliegt.

Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD wird ein "Korridor für die jährliche Zuwanderung nach Deutschland in Höhe von 180.000 bis 220.000 Personen" beschrieben. Rechnet man die Zahl aus der Antwort der Bundesregierung für das gesamte Jahr 2021 hoch, würden etwa 95.000 Geflüchtete erwartet. Das sei weit weniger, als im Koalitionsvertrag festgehalten wurde, sagte Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Bundestag dieser Redaktion.

"Angesichts der weltweit gestiegenen Flüchtlingszahlen ist das eine beschämende Nachricht, denn als reiches Land wird Deutschland damit seiner Verantwortung für den Flüchtlingsschutz nicht gerecht", sagte Jelpke. Selbst wenn Deutschland 50.000 besonders gefährdete Menschen aus Afghanistan aufnehmen würde, würde die von Bundesinnenminister Horst Seehofer "willkürlich gezogene Obergrenze bei weitem" nicht erreicht. Jelpke wünschte sich: "Angesichts der akuten Not der Menschen müssen wir handeln und Schutzsuchende aufnehmen."

Maas: Usbekistan zu Hilfe bei Ausreisen aus Afghanistan bereit

12.16 Uhr: Usbekistan ist nach den Worten von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bereit, seine Grenzen für Deutsche, afghanische Ortskräfte und andere Schutzbedürftige aus Afghanistan zu öffnen. Es gehe dabei um eine "von uns definierte Personengruppe", darüber hinaus habe Berlin keine Anfrage gestellt, sagte Maas am Montag nach Gesprächen in Taschkent. Die Betroffenen sollen anschließend nach Deutschland ausgeflogen werden.

Die Möglichkeit, Ausreisen aus Afghanistan auch über den Landweg zu ermöglichen, bezeichnete Maas als deutlich "schwieriger" als per kommerziellen Flügen über Kabul, sobald der Flughafen dazu wieder betriebsbereit sei. Für Ausreisen über den Landweg seien "momentan nicht die Voraussetzungen geschaffen", sagte Maas.

DAAD fordert Engagement für afghanische Studenten

11.44 Uhr: Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fordert nach dem Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan ein umfassendes Engagement von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft für das Land. "Uns haben in den letzten Tagen und Wochen dramatische und oftmals herzzerreißende Nachrichten von Partnerinnen und Partnern aus dem Hochschulsektor in Afghanistan erreicht", erklärte DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee am Montag in Bonn. In enger Abstimmung mit den deutschen Behörden versuche die wissenschaftliche Förderorganisation aus Deutschland, zu helfen.

Maas will nicht selbst mit den Taliban reden

11.15 Uhr: Bundesaußenminister Heiko Maas will nicht selbst mit den militant-islamistischen Taliban über die Ausreise schutzsuchender Afghanen reden. Der Gesprächspartner der Bundesregierung für die Taliban sei der Diplomat Markus Potzel, der derzeit mit Vertretern der neuen afghanischen Machthaber im Golfemirat Katar verhandelt. „Das ist der Kanal, den wir nutzen.“ Das werde man auch weiter tun.

Maas befindet sich gerade auf einer viertägigen Reise durch fünf Länder, die eine Rolle für die Ausreise schutzbedürftiger Menschen spielen. Darunter ist auch das arabische Golfemirat Katar, das einen besonders guten Draht zu den Taliban hat. Dort haben die Islamisten auch ihr politisches Büro, eine Art Außenministerium.

Maas wird am Dienstag und Mittwoch in Katar sein und dort auch Potzel treffen, der eigentlich im August als Botschafter nach Kabul entsandt werden sollte. Nach der Machtübernahme der Taliban ist die deutsche Botschaft dort geschlossen worden, alle deutschen Diplomaten haben das Land verlassen.

Raketen über Kabuler Flughafen abgefeuert - USA bestätigen Vorfall

11.02 Uhr: Einen Tag nach einem US-Drohnenangriff auf ein mit Sprengstoff beladenes Auto sind am Montagmorgen Raketen über den Kabuler Flughafen abgefeuert worden. Laut Anwohnern am Flughafen wurde das Raketenabwehrsystem aktiviert. In der Nähe des Airports stieg Rauch auf. Die USA bestätigten den Vorfall und teilten mit, dass die Evakuierungsmission ohne Unterbrechung weiterlaufe.

Es war zunächst unklar, wo die Raketen gelandet waren und was sie zum Ziel hatten. US-Präsident Joe Biden sei über den Vorfall informiert geworden, teilte Regierungssprecherin Jen Psaki am Montagmorgen mit. Biden habe die Kommandeure vor Ort angewiesen, „ihre Anstrengungen zu verdoppeln, um alles Notwendige zu tun, um unsere Streitkräfte vor Ort zu schützen“.

Die USA standen am Montag kurz vor dem Abschluss ihres endgültigen Truppenabzugs aus Afghanistan. Am Dienstag verlassen die US-Streitkräfte nach 20 Jahren das Land am Hindukusch. Mit dem Abzug der Truppen endet auch die Luftbrücke, um Menschen nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban vor zwei Wochen auszufliegen.

Bericht: Zehn zivile Opfer nach US-Luftangriff in Kabul

10.43 Uhr: Bei einem US-Luftangriff in der afghanischen Haupstadt Kabul am Wochenende sollen mindestens zehn Zivilisten getötet worden sein. Das berichtet der lokale TV-Sender ToloNews am Montag. Unter den Toten bei dem Angriff am Sonntag seien auch Kinder, hätten Anwohner dem Fernsehsender gesagt.

Das US-Militär hatte am Sonntag mitgeteilt, es untersuche nach dem Luftangriff auf ein Auto der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Berichte über mögliche zivile Opfer. Der Einsatz habe erfolgreich eine „unmittelbare Bedrohung“ für den Flughafen Kabul durch die Terroristen abgewendet, darüber hinaus würden die Ergebnisse des Luftschlags noch geprüft, hieß es in einer Stellungnahme der US-Kommandozentrale für die Region. In dem zerstörten Fahrzeug habe sich „eine große Menge Sprengstoff“ befunden, „die womöglich zu weiteren Opfern führte“, hieß es.

„Es ist nicht klar, was passiert sein könnte und wir untersuchen das weiterhin. Wir wären sehr traurig über den möglichen Tod Unschuldiger“, hieß es in der Stellungnahme des Militärs.

Mehrere Raketen auf Flughafen Kabul abgefeuert

6.35 Uhr: In der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es einem Medienbericht zufolge einen Raketenangriff gegeben. Am Montagmorgen (Ortszeit) seien aus der Gegend Chairchanah im Norden der Stadt mehrere Raketen in Richtung Flughafen abgefeuert worden, schrieb der lokale Fernsehsender ToloNews mit Berufung auf Augenzeugen auf Twitter. Der Fernsehsender CNN berichtete und Berufung auf US-Regierungmitarbeiter, dass mindestens fünf Raketen in Richtung Flughafen abgefeuert worden seien.

Über mögliche Opfer oder Schäden gab es zunächst keine Informationen. Der Flughafen verfügt über ein Raketenabwehrsystem. Dieses wurde erst vor wenigen Wochen getestet. In sozialen Medien wurden Videos geteilt, die ein brennendes Auto zeigen sollen, aus dem die Raketen abgefeuert worden sein sollen.

US-Präsident Joe Biden hatte am Sonntag vor möglichen weiteren Anschlagen rund um den Flughafen Kabul gewarnt. Erst am Donnerstag waren bei einem Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Flughafen Kabul mindestens 13 US-Soldaten - und -Soldatinnen sowie zwei Briten ums Leben gekommen. Die Angaben über die afghanischen Todesopfer schwanken, Sender wie CNN sprachen von bis zu 200 Toten.

Maas besucht drei Nachbarländer Afghanistans

6.35 Uhr: Bundesaußenminister Heiko Maas setzt am Montag seine Gespräche über Ausreisemöglichkeiten aus Afghanistan in den Nachbarländern fort. Der SPD-Politiker landete in der Nacht zu Montag in der usbekischen Hauptstadt Taschkent, nachdem er zuvor die Türkei besucht hatte. Am Nachmittag geht es weiter nach Duschanbe in Tadschikistan. Am Dienstag sind dann Gespräche in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad geplant.

Die drei Ländern zählen zu den ersten Anlaufstationen für Menschen aus Afghanistan, die sich auf dem Landweg vor den militant-islamistischen Taliban in Sicherheit bringen wollen. Die Bundesregierung bemüht sich darum, mehr als 40.000 von ihnen in Deutschland aufzunehmen. Dazu zählen ehemalige afghanische Mitarbeiter von Bundeswehr oder Ministerien - die sogenannten Ortskräfte - und besonders schutzbedürftige Menschen wie Menschenrechtsaktivisten oder Frauenrechtlerinnen sowie deren Familienangehörige. Bei der am Donnerstag beendeten Evakuierungsaktion der Bundeswehr sind bereits mehr als 5300 Menschen außer Landes gebracht worden.

Maas hat den Nachbarländern bereits zu Beginn seiner Reise wirtschaftliche und humanitäre Hilfe zugesagt. "Es ist in unserem eigenen Interesse zu verhindern, dass der Kollaps in Afghanistan die ganze Region destabilisiert", sagte er.

Nachrichten zur Lage in Afghanistan am Sonntag, 29. August: Biden erweist in Afghanistan getöteten US-Soldaten letzte Ehre

22.43 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat den bei dem Anschlag am Flughafen von Kabul getöteten US-Soldaten die letzte Ehre erwiesen. Biden stand am Sonntag auf dem Flugfeld des Militärstützpunkts Dover im US-Bundesstaat Delaware, als die in die Heimat übergeführten Särge der 13 Soldatinnen und Soldaten feierlich aus einer Militärmaschine getragen wurden. Abgeschirmt von Journalisten nahmen die Familien der Getöteten an der Zeremonie teil.

Einer nach dem anderen wurden die in die US-Flagge gehüllten Särge von Soldaten aus der Maschine getragen, vorbei an Biden und seiner Frau Jill sowie Verteidigungsminister Lloyd Austin, Außenminister Antony Blinken und Generalstabschef Mark Milley sowie weiteren ranghohen Militärs.

Noch mehr als 10.000 Afghanen auf Ausreiselisten

21.31 Uhr: Auf den Ausreiselisten des Auswärtigen Amts stehen weiterhin rund 300 Deutsche sowie mehr als 10.000 Afghanen. Dazu zählen ehemalige afghanische Mitarbeiter von Bundeswehr oder Ministerien - die sogenannten Ortskräfte - und besonders schutzbedürftige Menschen wie Menschenrechtsaktivisten oder Frauenrechtlerinnen. Hinzu kommen deren Familienangehörige.

Zusammen geht es nach jetzigem Stand um mehr als 40.000 Menschen, die in Deutschland aufgenommen werden sollen - wenn es ihnen gelingt, das Land zu verlassen. "Die militärische Evakuierung ist nun beendet. Aber unsere Arbeit geht weiter, und zwar so lange, bis alle in Sicherheit sind, für die wir in Afghanistan Verantwortung tragen", hat Maas versprochen.

Dutzende Länder erhalten von Taliban Zusicherungen für Ausreisewillige

20.13 Uhr: Rund einhundert Länder haben von den Taliban die Zusicherung erhalten, dass die radikalislamischen Kämpfer alle Ausländer sowie mit den nötigen Dokumenten ausgestattete Afghanen auch nach dem vollständigen US-Truppenabzug ausreisen lassen werden. In einer am Sonntag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung schrieben die Staaten, die Taliban hätten ihnen entsprechende Garantien gegeben.

Demnach dürfen weiterhin alle Ausländer sowie alle Afghanen, die von den betroffenen Ländern eine Reisegenehmigung erhalten haben, das Land "auf sichere und geregelte Weise" verlassen. Die Unterzeichner kündigten an, schutzbedürftigen Afghanen auch weiterhin Reisedokumente auszustellen.

Frau bringt Baby bei Evakuierungsflug zur Welt

19.57 Uhr: Eine Frau aus Afghanistan hat bei einem Evakuierungsflug nach Großbritannien ein Baby zur Welt gebracht. Wie die Fluggesellschaft Turkish Airlines mitteilte, war die 26-Jährige zuvor aus der afghanischen Hauptstadt Kabul nach Dubai evakuiert worden. Von dort sollte sie ins englische Birmingham weiterreisen. Doch als sich der Flieger über Kuwait befand, setzten die Wehen ein.

Da kein Arzt an Bord war, musste die Crew als Geburtshelfer einspringen. Noch bevor die Maschine zwischenlanden konnte, war das Mädchen namens Havva bereits auf die Welt gekommen. Das Flugzeug konnte später seine Reise fortsetzen. Der Fluggesellschaft zufolge sind Mutter und Tochter wohlauf.

Frankreich will UN-Sicherheitszone für Evakuierungen in Kabul

18.53 Uhr: Frankreich und Großbritannien möchten sich für die Schaffung einer UN-Sicherheitszone in Kabul einsetzen, um von dort aus Evakuierungen nach dem Abzug der Amerikaner fortsetzen zu können. Dies sei Ziel eines gemeinsamen Resolutionsentwurfes bei einem Treffen der Vetomächte des UN-Sicherheitsrats mit UN-Generalsekretär António Guterres an diesem Montag, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron der Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche".

Nach dpa-Informationen wurde der Text, der zudem auch von den USA mit ausgearbeitet worden sei, mit den anderen Mitgliedern des mächtigsten UN-Gremiums geteilt und zur Debatte gestellt. Die ständigen Mitglieder USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien sollen sich demnach am Montagabend New Yorker Zeit mit Guterres treffen - eine genaue Zeit wurde nicht genannt.

Explosion erschüttert Afghanistans Hauptstadt Kabul
Explosion erschüttert Afghanistans Hauptstadt Kabul

Britische Regierung wird scharf kritisiert

18.22 Uhr: Die britische Regierung gerät angesichts ihres eiligen Truppenabzugs und des Endes der Evakuierungsflüge aus Afghanistan im eigenen Land zunehmend in die Kritik. Einem Bericht der Zeitung "Observer" zufolge wurden tausende E-Mails an das Außenministerium mit Hinweisen zu gefährdeten Afghanen nicht geöffnet. Kritiker werfen der Regierung von Premierminister Boris Johnson vor, nicht genug schutzbedürftige Menschen gerettet zu haben.

Der "Observer" zitierte am Sonntag einen Informanten, wonach tausende E-Mails an das Außenministerium mit genauen Hinweisen zu durch die Taliban gefährdeten Afghanen nicht geöffnet wurden. Demnach soll eine eigens für solche Hinweise eingerichtete E-Mail-Adresse des Außenministeriums in den vergangenen Tagen regelmäßig 5000 ungeöffnete Nachrichten im Posteingang gehabt haben, darunter E-Mails aus Ministerbüros und von Oppositionsführer Keir Starmer.

US-Militär fliegt Luftangriff gegen IS-Terroristen

16.45 Uhr: Das US-Militär hat nach eigenen Angaben in der afghanischen Hauptstadt einen Luftangriff durchgeführt, um eine "unmittelbare Bedrohung" für den Flughafen Kabul durch Terroristen abzuwenden. Eine Drohne habe erfolgreich auf ein Auto des örtlichen Ablegers der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefeuert, erklärte das US-Militär am Sonntag.

Weil es nach dem Raketeneinschlag zu "bedeutenden sekundären Explosionen" kam, sei davon auszugehen, dass in dem Fahrzeug eine große Menge Sprengstoff gewesen sein müsse, hieß es weiter. Es werde geprüft, ob es bei dem Angriff zivile Opfer gab. Bislang gebe es aber keine dahingehenden Hinweise, hieß es.

Entwicklungsminister warnt vor Hungersnot

16.30 Uhr: Der Minister für Entwicklungshilfe, Gerd Müller, warnt vor einer großen Hungersnot in Afghanistan. "Aktuell baut sich eine dramatische Hungerkrise auf: zusammengebrochene Versorgungswege, die Folgen von Covid-19 und Dürren. 14 Millionen Menschen sind bedroht", sagte der CSU-Politiker dem "Handelsblatt" am Sonntag.

Angesichts dessen kündigte Müller weitere Unterstützung für Nichtregierungsorganisationen und UN-Hilfsorganisationen in der Region an. "Konkret haben wir in einem ersten Schritt 50 Millionen Euro als Soforthilfe zur Unterstützung der Flüchtlingsarbeit umgesteuert. Aber es braucht jetzt ein schnelles und gemeinsames Handeln der Staatengemeinschaft, das nicht an fehlenden Mitteln für die UN-Hilfsorganisationen scheitern darf", so Müller.

Taliban warnen vor weiteren IS-Anschlägen

15.54 Uhr: Die Taliban haben vor neuen Anschlägen der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) auf den Flughafen von Kabul gewarnt. Wie der arabische Sender Al-Dschasira am Sonntag berichtete, schätzen die Islamisten die Gefahr als sehr hoch ein. Die US-Botschaft in Kabul wies am Samstag ihre Bürger an, die Gegend um den Flughafen umgehend zu verlassen, da in den kommenden 24 bis 36 Stunden mit weiteren Attentaten zu rechnen sei. Bei einem Selbstmordanschlag des IS am Donnerstag auf ein Tor des Flughafens waren mehr als 180 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch 13 US-Soldaten.

Italien: Gruppe von Studentinnen sitzt in Afghanistan fest

15.46 Uhr: Auf der Flucht von Kabul nach Italien sitzen nach Angaben einer römischen Universität Dutzende Studentinnen in Afghanistan fest. In der Gruppe mit etwa 80 afghanischen Studentinnen seien auch vier bis fünf Kinder, sagte Bruno Botta, Vizedirektor für internationale Zusammenarbeit an der Sapienza Universität in Rom, am Sonntag dem Radiosender Rai GR1. Sie seien letzte Woche auf dem Weg zum Flughafen gewesen, als wegen der Selbstmordattentate alles "viel komplizierter" geworden sei. Sollten sie in die Stadt Herat zurückkehren müssen, aus der sie gekommen seien, bestehe für sie große Gefahr.

Bericht: Explosion in Kabul

15.02 Uhr: In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind die Geräusche von mindestens einer Explosion gehört worden. Mehrere Nutzer schrieben auf Twitter, sie hätten eine "starke" Explosion gehört. Gleichzeitig wurden Bilder und Videos geteilt, auf denen eine große, schwarze, aufsteigenden Rauchsäule zu sehen war. Zwei lokale Journalisten sprachen von einer Rakete, die in einem Privathaus in der Nähe des Flughafens eingeschlagen sein soll. Diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Erst am Donnerstag waren bei einem Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Flughafen Kabul mindestens 13 US-Soldaten - und -soldatinnen sowie zwei Briten ums Leben gekommen. Die Angaben über die afghanischen Todesopfer schwanken, Sender wie CNN sprachen von bis zu 200 Toten.

USA warnen erneut vor weiterem Anschlag am Flughafen Kabul
USA warnen erneut vor weiterem Anschlag am Flughafen Kabul

Maas sagt Nachbarstaaten Afghanistans Hilfe zu

12.57 Uhr: Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hat Bundesaußenminister Heiko Maas den Nachbarstaaten Hilfe bei der Bewältigung der humanitären und wirtschaftlichen Folgen zugesagt. "Es ist in unserem eigenen Interesse zu verhindern, dass der Kollaps in Afghanistan die ganze Region destabilisiert", sagte Maas am Sonntag zu Beginn einer viertägigen Reise in die Region, bei der er insgesamt fünf Länder besucht. Der SPD-Politiker sprach sich auch für ein international abgestimmtes Auftreten gegenüber den Taliban aus.

Maas brach am Sonntag in die Türkei auf, die für den Weiterbetrieb des Flughafens in Kabul und die Aufnahme von Flüchtlingen große Bedeutung hat. Danach besucht er mit Usbekistan, Pakistan und Tadschikistan drei Nachbarländer Afghanistans, bevor es nach Katar geht.

Esken: Gespräche mit Taliban "absolut richtig"

12.39 Uhr: Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat sich für Verhandlungen mit den Taliban ausgesprochen, um weiterhin schutzbedürftige Afghanen ausfliegen zu können.

"Wir stehen ganz klar dazu, dass mit dem Ende des militärischen Evakuierungseinsatzes das deutsche Engagement nicht endet, verbliebene deutsche Staatsangehörige, ehemalige Ortskräfte und andere besonders schutzbedürftige Personen nach Deutschland zu holen", sagte Esken der Zeitung "Welt" (Montag). Dass die Bundesregierung dazu intensive Gespräche mit den Taliban wie auch mit den Anrainerstaaten führe, sei „absolut richtig“. "Unsere Verantwortung für diese Menschen bedeutet, nichts unversucht zu lassen", so Esken.

Am Donnerstag war der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr am Flughafen von Kabul nach elf Tagen zu Ende gegangen. Am Freitag beendeten dann auch Frankreich und Spanien ihre Evakuierungseinsätze. Die USA - vom Truppenkontingent her mit Abstand am stärksten vertreten - wollen ihre Soldaten bis Dienstag aus Afghanistan abziehen.

Frankreich will UN-Sicherheitszone für Evakuierungen in Kabul

11.20 Uhr: Frankreich möchte sich mit Großbritannien für die Schaffung einer UN-Sicherheitszone in Kabul einsetzen, um von dort aus Evakuierungen nach dem Abzug der Amerikaner fortsetzen zu können. Dies sei Ziel einer gemeinsamen Resolution bei einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen an diesem Montag, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron der Sonntagszeitung „Le Journal du Dimanche“.

„Unser Resolutionsentwurf zielt darauf ab, eine Sicherheitszone in Kabul zu definieren, die eine Fortsetzung der humanitären Operationen ermöglicht“, sagte Macron. „Dies würde einen UN-Rahmen für dringende Maßnahmen schaffen und vor allem alle Beteiligten vor ihre Verantwortung stellen, und der internationalen Gemeinschaft ermöglichen, den Druck auf die Taliban aufrechtzuerhalten.“

Johnson: Afghanistan-Einsatz war nicht vergeblich

10.58 Uhr: Nach dem Ende der britischen Rettungsmission in Afghanistan hat Premierminister Boris Johnson Bilanz des 20 Jahre währenden Militäreinsatzes in dem Land gezogen. "Ihr Leid und Ihre Entbehrungen waren nicht vergeblich", sagte der Regierungschef an die Hinterbliebenen getöteter Militärangehöriger gerichtet. Es sei kein Zufall, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten kein westliches Land zum Ziel von in Afghanistan geplanten Terrorangriffen geworden sei.

"Das haben wir der Tapferkeit unserer Streitkräfte zu verdanken, die gekämpft haben, um die Netzwerke (Osama) bin Ladens auszuschalten", so Johnson in einer Videobotschaft, die am Sonntag per Twitter veröffentlicht wurde.

"WamS": Offenbar nur rund 100 Ortskräfte von Bundeswehr aus Kabul ausgeflogen

08.34 Uhr: Mit den Evakuierungsflügen der Bundeswehr wurden einem Zeitungsbericht zufolge offenbar nur wenige Ortskräfte aus Afghanistan in Sicherheit gebracht. Entsprechende erste Zahlen habe das Bundesinnenministerium in dieser Woche unter anderem im Bundestag präsentiert, berichtete die "Welt am Sonntag".

Demnach befanden sich unter den bis Mitte der Woche etwa 4500 Ausgeflogenen nur knapp mehr als 100 Ortskräfte mit ihren Familien. Insgesamt mache diese Gruppe rund 500 der 4500 ausgeflogenen Menschen aus.

Angesichts der unübersichtlichen Evakuierungen aus Kabul werde allerdings davon ausgegangen, dass sich mehrere Ortskräfte derzeit womöglich noch in anderen europäischen Ländern aufhielten. Eine Anfrage dazu habe das Bundesinnenministerium unbeantwortet gelassen, schrieb die "WamS". Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin wurden demnach mittlerweile 5300 Menschen aus Kabul in Sicherheit gebracht.

Baerbock fordert "unabhängige Evaluierung aller Auslandseinsätze"

01.00 Uhr: Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock fordert, sämtliche Auslandseinsätze der Bundeswehr auf den Prüfstand zu stellen. "Wir brauchen angesichts der vielen Fehler in Afghanistan eine unabhängige Evaluierung aller Auslandseinsätze mit Fachleuten aus der Bundeswehr, mit Friedensforscherinnen und Entwicklungsexperten", sagte sie unserer Redaktion.

Dem habe sich die große Koalition über all die Jahre verweigert. Besonders kritisch beurteilte sie die Mission in Mali, wo sich die Sicherheitslage deutlich verschlechtere. "Bei der EU-Mission zur Ausbildung der Sicherheitskräfte habe ich einige Zweifel, weil sie beinhaltet, dass wir auch Sicherheitskräfte des Tschads - einer Diktatur - mit ausbilden", sagte sie. Den Stabilisierungseinsatz der Vereinten Nationen in Mali halte sie aber nach wie vor für richtig.

Nachrichten zur Lage in Afghanistan am Samstag, 28. August: Biden warnt vor weiterem Anschlag in Kabul in kommenden "24 bis 36 Stunden"

21.09 Uhr: Die USA halten einen weiteren Anschlag auf den Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul für "sehr wahrscheinlich". "Die Lage vor Ort ist nach wie vor extrem gefährlich, und die Gefahr von Terroranschlägen auf den Flughafen bleibt hoch", erklärte US-Präsident Joe Biden am Samstag. Nach Einschätzung der Armeeführung sei "ein Anschlag in den nächsten 24 bis 36 Stunden sehr wahrscheinlich".

Zwei "hochrangige" IS-Mitglieder bei US-Drohnenangriff in Afghanistan getötet

18.23 Uhr: Bei einem US-Drohnenangriff auf den regionalen Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Afghanistan sind nach Angaben des Pentagon zwei "hochrangige" Mitglieder der Extremistengruppe getötet worden. Ein weiterer Dschihadist sei verletzt worden, sagte der US-General Hank Taylor bei einer Pressekonferenz am Samstag.

Einer der Getöteten sei ein "Planer" des afghanisch-pakistanischen IS-Ablegers Islamischer Staat Provinz Chorasan (IS-K) gewesen. Zivilisten seien bei dem Drohnenangriff nicht zu Schaden gekommen, sagte Taylor. Die US-Armee hatte am Freitag erklärt, dass die von einem anderen Land aus gesteuerte Attacke in der Provinz Nangarhar erfolgt sei.

Habeck sieht nach Afghanistan-Abzug erhöhte Terrorgefahr auch in Deutschland

16.38 Uhr: Der Abzug der Nato-Truppen aus Afghanistan dürfte nach Ansicht von Grünen-Parteichef Robert Habeck zu einer erhöhten Terrorgefahr auch in Deutschland führen. "Nach der Machtübernahme der Taliban dürfte der islamistische Terrorismus weltweit zu einer wieder wachsenden Gefahr werden", sagte Habeck der "Welt am Sonntag". Auch in Deutschland sei deshalb "eine erhöhte Wachsamkeit der Sicherheitsbehörden und Geheimdienste" geboten.

"Bekannte Gefährder müssen engmaschig überwacht werden", forderte der Grünen-Chef. "Und wir müssen sehr genau hinschauen, wer in den hier ankommenden Maschinen saß und sitzt - auch im Interesse der Schutzsuchenden."

Der Nato-Abzug aus Afghanistan soll am Dienstag beendet werden. In den vergangenen Tagen gab es hektische und chaotische Bemühungen des Westens, eigene Staatsbürger und afghanische Schutzbedürftige aus Kabul auszufliegen. Die an der Evakuierungsaktion beteiligten Bundeswehr-Soldatinnen und -Soldaten kehrten am Freitagabend nach Deutschland zurück.

Ramstein: Bisher etwa 20.500 Evakuierte aus Afghanistan gelandet

14.29 Uhr: Etwa 20.500 Evakuierte aus Afghanistan sind bis Samstag auf der Air Base Ramstein in Rheinland-Pfalz gelandet. Das teilte der weltweit größte US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb Amerikas mit. Ramstein nahe Kaiserslautern ist seit dem 20. August ein US-Drehkreuz für Geflüchtete aus Afghanistan.

Etwa 100 Flugzeuge der United States Air Force seien auf der Air Base eingetroffen, berichtete eine Sprecherin des Stützpunkts. Mehr als 5000 Evakuierte seien von dort mit etwa 22 Flügen weitergereist. Die Flüge werden voraussichtlich über das ganze Wochenende andauern.

Schutzsuchende wie etwa ehemalige Ortskräfte der USA in Afghanistan und ihre Familien, die aus Angst vor den Taliban ihre Heimat verlassen, kommen zunächst in Zelten und Flugzeughangars der Air Base unter. Sie werden registriert und bei Bedarf medizinisch behandelt. In der US-Militäranlage Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern werden Menschen aus Afghanistan ebenfalls vorübergehend beherbergt.

Außenminister: Italien hat von den EU-Staaten die meisten Afghanen ausgeflogen

13.54 Uhr: Italien hat nach eigenen Angaben mehr bedrohte afghanische Bürger aus Kabul ausgeflogen als jedes andere EU-Mitgliedsland. Mit der Ankunft von 58 Afghanen an Bord des letzten Evakuierungsflugs am Samstagmorgen habe Italien in den vergangenen Wochen rund 4900 Afghanen aus dem Land gebracht, sagte Außenminister Luigi di Maio am Flughafen Rom Fiumicino. An Bord des Flugzeugs waren auch die letzten diplomatischen Vertreter und Sicherheitskräfte.

Nach dem Ende der Luftbrücke werde sich Italien weiterhin um rasche Ausreisemöglichkeiten für bedrohte Ortskräfte aus dem Krisenland bemühen, versprach di Maio. Italien sei bereit, "gemeinsam mit den Vereinten Nationen und Afghanistans Nachbarländern" dafür zu sorgen, dass auch diese Menschen das Land verlassen könnten.

Söder will Bundesverdienstkreuz für Bundeswehr-Soldaten

13.42 Uhr: CSU-Chef Markus Söder hat sich dafür ausgesprochen, allen Bundeswehr-Soldaten im Afghanistan-Einsatz das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. "Unsere Bundeswehr hat mehr Respekt und Anerkennung verdient. Alle Soldaten, die in Afghanistan im Einsatz waren, sollten das Bundesverdienstkreuz oder eine vergleichbare Ehrung bekommen", sagte der bayerische Ministerpräsident der "Bild am Sonntag". "Für mich sind unsere Soldatinnen und Soldaten wahre Helden."

Taliban rufen weibliches Gesundheitspersonal zur Arbeit

10.56 Uhr: Die militant-islamistischen Taliban in Aghanistan haben alle im öffentlichen Gesundheitssektor beschäftigten Frauen aufgefordert, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Das Gesundheitsministerium weise alle weiblichen Mitarbeiter in der Hauptstadt und den Provinzen an, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, hieß es in einem Tweet des Taliban-Sprechers Sabiullah Mudschahid von Freitagabend. Der Ausübung ihrer Arbeit stehe nichts im Wege.

Es ist bisher weitgehend unklar, ob Frauen in Afghanistan mit der Machtübernahme der Taliban weiter ihren Berufen nachgehen können. Bislang gab es lediglich für den Gesundheits- und den Bildungsbereich konkretere Aussagen, dass Frauen wieder ihre Arbeit aufnehmen sollten.

Macron warnt vor anhaltender Gefahr durch Dschihadisten des IS

09.59 Uhr: Zwei Tage nach dem verheerenden Selbstmordanschlag am Kabuler Flughafen mit dutzenden Toten hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor einer fortbestehenden Gefahr durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gewarnt. Bei einem Besuch in der irakischen Hauptstadt Bagdad am Samstag mahnte Macron die internationale Gemeinschaft, im Kampf gegen den IS "nicht unachtsam" zu werden.

"Ich weiß, dass der Kampf gegen diese Terroristengruppen eine Priorität für Ihre Regierung ist", sagte Macron nach einem Treffen mit dem irakischen Ministerpräsidenten Mustafa al-Kadhemi. Der französische Präsident hält sich anlässlich eines Regionalgipfels in Bagdad auf, an dem auch Ägyptens Staatschef Abdel al-Fattah al-Sisi und der jordanische König Abdullah II. teilnehmen. Im Mittelpunkt der Beratungen steht der Kampf gegen den IS und andere radikalislamische Gruppen.

US-Militär greift IS-Ableger an

05.39 Uhr: Das US-Militär hat mit einem Vergeltungsangriff auf den tödlichen Terroranschlag in Kabul reagiert und einen örtlichen Ableger der Terrormiliz IS attackiert. Der unbemannte Luftschlag in der afghanischen Provinz Nangahar habe „einem Planer“ von Isis-K gegolten, teilte das US-Zentralkommando Centcom am Freitagabend (Ortszeit) mit. "Ersten Anzeichen zufolge haben wir das Ziel getötet", sagte Sprecher Bill Urban. Gleichzeitig befürchten die USA einen weiteren Terroranschlag in Kabul. Die US-Botschaft veröffentlichte in der Nacht erneut eine Sicherheitswarnung und rief alle Landsleute dazu auf, die Gegend rund um die Eingangstore zum Flughafen sofort zu verlassen.

Centcom-Sprecher Urban sagte mit Blick auf den Luftangriff: "Wir wissen von keinen zivilen Opfern." Weitere Einzelheiten gab das Zentralkommando nicht bekannt. Es war auch nicht klar, ob die angegriffene Person direkt in den blutigen Anschlag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt verwickelt war.

Als unbemannte Luftschläge bezeichnen die US-Streitkräfte in der Regel Angriffe mit ferngesteuerten Drohnen, die ihre Ziele unbemerkt aus großer Höhe ins Visier nehmen können. Die USA hatten im Zuge des Abzugs ihrer Truppen aus Afghanistan immer wieder betont, dass sie auch ohne Soldaten am Boden die Fähigkeit hätten, Luftschläge aus der Ferne auszuüben.

Nachrichten zur Lage in Afghanistan am Freitag, 27. August: General mit Sturmgewehr - Ziviler Flugverkehr in Kabul ungewiss

23.14 Uhr: Der Kommandeur des deutschen Evakuierungseinsatzes in Afghanistan wagt keine Prognose, wann der Flughafen von Kabul wieder zivile Flugzeuge abfertigen kann. "Der zivile Teil auf der Südseite (des Flughafens) ist zerstört", sagte Brigadegeneral Jens Arlt am Freitagabend nach der Rückkehr nach Deutschland auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover. Er trug - aus dem Einsatz kommend - noch sein Sturmgewehr.

Es werde schwierig werden, dort Gebäude und die notwendige Sicherheitsstruktur wieder herzustellen, sagte er. Das Ausfliegen schutzbedürftiger Menschen sei allein aus dem militärischen Teil des Flughafens in Kabul erfolgt. Deutschland hofft darauf, dass Ortskräfte und andere Personen künftig auch mit zivilen Flugzeugen Afghanistan verlassen können.

Arlt sprach von einem "hochdynamischen Einsatz" zwischen Kabul und der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Es sei gelungen, humanitäre Not zu lindern. "Dieser Einsatz wird mich prägen, wird uns alle prägen", sagte der General. "Ich freue mich, dass ich wieder zurück bin in Deutschland." Die heimgekehrten Soldaten und Soldatinnen kehrten noch nachts mit Bussen aus Wunstorf an ihre Heimatstandorte zurück.

Weißes Haus: Weiterer Terroranschlag in Kabul wahrscheinlich

21.29 Uhr: Die kommenden Tage werden nach Ansicht der US-Regierung die "gefährlichste" Phase des Evakuierungseinsatzes aus Afghanistan. US-Präsident Joe Biden sei bei einem Treffen mit seinem nationalen Sicherheitsteam davor gewarnt worden, dass ein weiterer Terroranschlag in Kabul wahrscheinlich sei, hieß es am Freitag in einer Mitteilung der Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Es würden aber maximale Schutzmaßnahmen ergriffen.

Biden sei außerdem von seinen Kommandeuren über Pläne informiert worden, Angriffsziele gegen die Terrororganisation Isis-K zu entwickeln, hieß es weiter. Isis-K ist ein örtlicher Ableger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Die Amerikaner sprachen von Isis statt vom IS - daher bezeichnen sie den Zweig als Isis-K.

Soldaten der Evakuierungsmission zurück in Deutschland

20.11 Uhr: Die Soldaten der Bundeswehr sind von ihrer Evakuierungsmission in Afghanistan nach Deutschland zurückgekehrt. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover landeten am Freitagabend kurz vor 20.00 Uhr drei Militärmaschinen. Für den Rückflug der Soldaten nach Deutschland wurden ein Airbus A310 der Luftwaffe und zwei Militärtransporter A400M eingesetzt. An Bord eines Flugzeugs war nach Militärangaben auch Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Die Einsatzkräfte waren in Taschkent gestartet, der Hauptstadt von Usbekistan. Dort hatte die Bundeswehr ein Drehkreuz eingerichtet, um in kurzen Shuttleflügen Deutsche und bedrohte Afghanen aus Kabul auszufliegen. Nach Bundeswehrangaben waren an der Evakuierungsmission 454 Einsatzkräfte beteiligt, darunter 19 Soldatinnen. Ein Teil der Einsatzkräfte und des Materials war am Freitagabend noch in Taschkent.

Schweden stoppt Entwicklungshilfe an Afghanistan

19.48 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan stoppt Schweden als weitere westliche Nation seine Hilfszahlungen an das Land. Schweden werde keine Gelder mehr auszahlen, die "irgendwie an das heutige Regime weitergegeben werden" können, sagte Maria Lundberg, Leiterin der Afghanistan-Abteilung der Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit, der Nachrichtenagentur AFP. Schweden zahlte zuvor an kein anderes Land mehr Entwicklungshilfe als an Afghanistan.

Von den 900 Millionen Kronen (rund 88 Millionen Euro) in diesem Jahr würden 448 Millionen nicht mehr nach Afghanistan fließen, sagte Lundberg. Ein Teil der Summe, rund 300 Millionen Kronen, soll in "humanitäre Einsätze" fließen, die noch nicht näher definiert wurden.

London: Mehrere Briten bei Anschlag in Kabul getötet

19.04 Uhr: Bei dem Terroranschlag außerhalb des Flughafens in Kabul sind offiziellen Angaben zufolge auch britische Staatsbürger ums Leben gekommen. Zwei britische Erwachsene und ein Kind eines britischen Staatsbürgers seien unter den Getöteten gewesen, teilte Außenminister Dominic Raab am Freitag mit. "Dies waren unschuldige Menschen und es ist eine Tragödie, da sie versucht haben, ihre Angehörigen nach Großbritannien in Sicherheit zu bringen und dabei von feigen Terroristen getötet wurden", so der konservative Politiker.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul waren am Donnerstag bei einem Anschlag Dutzende Menschen verletzt und getötet worden - darunter nach US-Informationen 13 amerikanische Soldaten. Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff für sich.

Was passiert mit den Menschen, die die Bundeswehr gerettet hat?

18.00 Uhr: Rund 4000 Afghanen hat die Bundeswehr aus Afghanistan ausgeflogen. Jetzt müssen Bund und Länder erst einmal herausfinden, wer hier gelandet ist. Was mit den Flüchtlingen passieren soll, lesen Sie hier.

Nato gibt zivile Vertretung in Afghanistan auf

17.58 Uhr: Die Nato hat kurz vor dem Ende des militärischen Evakuierungseinsatzes am Flughafen von Kabul die Aufgabe ihrer zuletzt dorthin verlegten zivilen Vertretung angekündigt. Er verlasse Kabul schweren Herzens, schrieb Botschafter Stefano Pontecorvo am Freitag auf Twitter. Sein Dank gelte allen Beteiligten der massiven Evakuierungsanstrengungen.

Der Italiener Pontecorvo war zuletzt der ranghöchste Vertreter der Nato in Afghanistan, nachdem die Allianz ihren Militäreinsatz in dem Land eingestellt hatte. Sämtliche noch im Land weilenden Soldaten aus Staaten wie den USA stehen bereits seit Wochen vollständig unter der Führung der nationalen Kommandoketten. Zivile Mitarbeiter der Nato unterstützten bis zuletzt aber noch die Aufrechterhaltung des Betriebs des internationalen Flughafens, um den nach der Machtübernahme der Taliban eingeleiteten Evakuierungseinsatz zu ermöglichen.

Ob die Aufgabe der zivilen Vertretung an diesem Freitag bereits seit längerem geplant war oder infolge des verheerenden Anschlags am Vortag erfolgte, ließ die Nato offen. Vor der Bündniszentrale in Brüssel wurden am Freitag wegen der Tat die Flaggen aller 30 Bündnisstaaten auf halbmast gesetzt. „Wir trauern um alle Opfer“, schrieb Generalsekretär Jens Stoltenberg dazu.

US-Armee: Nur ein Selbstmordattentäter bei Anschlag in Kabul

17.20 Uhr: Bei dem Anschlag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul hat sich nach US-Angaben nur ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Anders als zunächsts angenommen habe es offenbar keine zweite Explosion am Baron Hotel nahe des Flughafens gegeben, sagte US-General Hank Taylor am Freitag im Verteidigungsministerium in Washington. Taylor begründete die Falschinformation mit „Verwirrung“ angesichts der „sehr dynamischen Ereignisse“.

Die US-Streitkräfte hatten am Donnerstag zunächst von zwei Explosionen nahe des Kabuler Flughafens gesprochen - einer am Flughafenzugang Abbey Gate und einer am nahegelegenen Baron Hotel. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte in der Erklärung, mit der sie den Anschlag für sich reklamierte, allerdings nur von einem Selbstmordattentäter gesprochen. Bei dem Anschlag waren mindestens 85 Menschen getötet worden, unter ihnen 13 US-Soldaten. US-Präsident Joe Biden kündigte Vergeltung an.

WHO: Gesundheitseinrichtungen in Afghanistan droht Nachschub auszugehen

16.37 Uhr: Den Gesundheitseinrichtungen in Afghanistan droht nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bald der Nachschub an medizinischer Ausrüstung auszugehen. Außerdem litten die Einrichtungen unter Personalmangel, erklärte die WHO am Freitag in Genf. „Wir haben nur noch für wenige Tage Vorräte und prüfen alle Möglichkeiten, mehr Medikamente ins Land zu bringen“, sagte der WHO-Notfalldirektor in der östlichen Mittelmeerregion, Rick Brennan, in einer Videokonferenz mit Journalisten.

Es gebe in Afghanistan „zahlreiche Einschränkungen“ aus logistischen und Sicherheitsgründen, hob Brennan hervor. Nach dem Doppelanschlag am Kabuler Flughafen sei die Lieferung von Nachschub über diesen Airport keine Option mehr.

12.500 Menschen aus Kabul ausgeflogen in 24 Stunden rund um Anschlag

15:59 Uhr: Trotz des Anschlags außerhalb des Flughafens von Kabul gibt es weiter Evakuierungsflüge aus Afghanistan. Innerhalb von 24 Stunden - zwischen dem frühen Donnerstagmorgen und dem frühen Freitagmorgen Washingtoner Zeit - brachten die USA und ihre Verbündeten rund 12.500 Menschen außer Landes, wie das Weiße Haus am Freitag mitteilte. 8500 seien vom US-Militär ausgeflogen worden, 4000 wiederum in Maschinen internationaler Partner. Ein Teil der 24-Stunden-Spanne lag vor dem Terrorangriff nahe des Airports, der den Flugbetrieb zeitweise lahmgelegt hatte. Nach Angaben des Weißen Hauses flogen die USA und ihre Verbündeten seit dem Start der Evakuierungsmission in Kabul Mitte August rund 105.000 Menschen aus.

Bei dem Anschlag außerhalb des Flughafens in Kabul hatten Selbstmordattentäter und eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz IS am Donnerstag viele Zivilisten und mindestens 13 US-Soldaten getötet.

UN bereiten sich auf Hunderttausende Flüchtlinge aus Afghanistan vor

15.07 Uhr: Die Vereinten Nationen bereiten sich auf die Flucht von mehr als einer halben Million Menschen aus Afghanistan vor. 515 000 Menschen könnten das Land im schlimmsten Fall in diesem Jahr verlassen, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Freitag in Genf. Wie sich die Lage tatsächlich entwickele, sei jetzt noch nicht abzusehen. Die stellvertretende Hochkommissarin für Flüchtlinge, Kelly Clements, betonte, dass an den Grenzübergängen Richtung Iran und Pakistan noch keine größeren Flüchtlingsgruppen angekommen seien.

Nachbarstaaten haben bereits 5,2 Millionen Afghaninnen und Afghanen aufgenommen. 90 Prozent seien im Iran und in Pakistan, weitere in Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan.

Tausende Afghanen auf Wartelisten für einen Termin zum Familiennachzug

13.34 Uhr: Mehr als 4000 afghanische Staatsbürger haben vor Beginn der Luftbrücke in Kabul auf einen Termin in deutschen Auslandsvertretungen für ein Visum zum Familiennachzug gewartet. Mit Stand 16. August hätten sich „auf den Terminlisten der Botschaften für den Familiennachzug insgesamt für die Beantragung in Islamabad 2775 Personen (davon 791 zu subsidiär Schutzberechtigten) und für Neu Delhi 1388 Personen (davon 196 zu subsidiär Schutzberechtigten) registriert“, hieß es auf Nachfrage unserer Redaktion aus dem Auswärtigen Amt.

Insgesamt warteten demnach Mitte August noch 4163 afghanische Staatsbürger auf einen Termin zur Familienzusammenführung. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu Anfang Mai 2021. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion warteten damals in Islamabad knapp 1879 Afghanen auf einen Termin für den Familiennachzug, in Neu Delhi waren es 1138.

Unklar ist, wie viele dieser Menschen in den vergangenen Tagen mit Hilfe von internationalen Rettungsfliegern aus Afghanistan ausgeflogen worden sind. In Deutschland anerkannte Flüchtlinge haben grundsätzlich das Recht, ihre engsten Angehörigen, etwa Ehegatten und Kinder, über das Verfahren zum Familiennachzug nach Deutschland zu holen.

Bundespolizisten aus Afghanistan- Einsatz zurückgekehrt

10.45 Uhr: Die letzten Bundespolizisten sind am Freitag aus dem schwierigen Einsatz in Afghanistan nach Berlin zurückgekehrt. Wie das Bundesinnenministerium mitteilte, waren neun von ihnen bis zum Ende der Evakuierungsmission am Flughafen Kabul eingesetzt. Dort hätten sie neben der Sicherung der Botschaftsmitarbeiter auch die Ausreise deutscher Ortskräfte und gefährdeter Menschen unterstützt. An Bord der Chartermaschine mit mehr als 50 Passagieren waren nach Angaben eines Sprechers auch Diplomaten sowie neun weitere Bundespolizisten. Diese hatten sich in der usbekischen Hauptstadt Taschkent bereitgehalten, um die Beamten in Kabul gegebenenfalls abzulösen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) dankte den Beamten, die am Flughafen von leitenden Beamten seines Hauses empfangen wurden. Er sagte: "Sie haben unter Einsatz ihres Lebens einen gefährlichen und für unser Land sehr wichtigen Dienst getan, um andere zu schützen und zu retten. Das ist in höchstem Maße ehrenhaft und verdient großen Respekt."

Taliban: 13 bis 20 Zivilisten bei Anschlag in Kabul getötet

9.56 Uhr: Nach Angaben der militant-islamistischen Taliban sind bei dem Anschlag am Flughafen Kabul am Donnerstag 13 bis 20 Zivilisten getötet worden. Das gehe aus Berichten von Krankenhäusern hervor, sagte ein Sprecher der Islamisten der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Die endgültigen Opferzahlen veröffentliche man zu gegebener Zeit.

USA drohen Terroristen nach Anschlag in Kabul mit Vergeltung

3.50 Uhr: Nach dem verheerenden Anschlag in der Nähe des Flughafens von Kabul hat US-Präsident Joe Biden den dafür verantwortlichen Terroristen mit Vergeltung gedroht. "Wir werden Euch jagen und Euch dafür bezahlen lassen", sagte Biden am Donnerstag im Weißen Haus. Er kündigte Einsätze des US-Militärs gegen die für den Anschlag verantwortliche Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an - und die Fortsetzung der Evakuierungen aus Afghanistan. Die Terroristen könnten die USA nicht dazu bringen, ihre "Mission" zu stoppen, betonte Biden mit Blick auf die verbliebenen Amerikaner im Land. "Wir werden sie finden, und wir werden sie da rausholen."

Bei dem Anschlag waren neben 13 US-Soldaten auch viele Afghanen getötet worden. Unbestätigte Medienberichte und Videos vom Tatort deuten auf Dutzende einheimische Todesopfer hin, hinzu kommen zahllose Verletzte. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, es seien auch 18 Soldaten verwundet worden. Die Verletzten würden in speziell ausgerüsteten Flugzeugen ausgeflogen, hieß es. Lesen Sie hier: Markus Lanz diskutierte mit seinen Gästen über die Lage in Afghanistan. CDU-Politiker Tilman Kuban sorgte dabei für Kopfschütteln.

Nachrichten zur Lage in Afghanistan am Donnerstag, 26. August: Erneute Explosion in Kabul war wohl kontrollierte Sprengung

23.20 Uhr: Die erneute Explosion in der afghanischen Hauptstadt Kabul in der Nacht zum Freitag ist nach Angaben der Taliban durch eine kontrollierte Sprengung durch die US-Truppen verursacht worden. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid erklärte im Online-Dienst Twitter, US-Truppen hätten am Flughafen Ausrüstung zerstört. Für die Bewohner von Kabul bestehe kein Anlass zur Sorge. Die Angaben konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

Zuvor waren bei einem Doppelanschlag vor dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul nach Angaben der Taliban bis zu 20 Menschen getötet und mehr als 50 weitere verletzt worden. Dort hatten tausende Menschen auf einen Platz in einem der letzten westlichen Evakuierungsflugzeuge gewartet. Ein Gesundheitsexperte der von den Taliban vertriebenen Vorgängerregierung in Kabul sagte, die Zahl der Toten könne auf 60 ansteigen. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums sind auch zwölf US-Soldaten unter den Toten.

Macron verurteilt Terroranschläge in Kabul "auf das Schärfste"

22.50 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Terroranschläge in Kabul "auf das Schärfste" verurteilt. Der Präsident spreche den Familien der amerikanischen und afghanischen Opfer sein Beileid aus sowie den Verletzten seine Unterstützung, hieß es in einer Mitteilung des Élyséepalasts am Donnerstagabend. Zugleich hob Macron den "heldenhaften Einsatz" derjenigen hervor, die sich vor Ort um den Erfolg der Evakuierungsoperationen bemühten. "Frankreich wird sie bis zum Ende durchziehen und seine humanitären und Schutzbemühungen für die bedrohten Afghanen fortsetzen."

Zuvor hatte Macron von mehreren Hundert Menschen gesprochen, die in Kabul noch auf ihre Evakuierung nach Frankreich warteten. "Wir werden ein Maximum tun, damit diese Menschen, um die wir uns bereits kümmern, die aber noch nicht auf dem Gelände des Militärflughafens eingetroffen sind, dort hingelangen können und evakuiert werden können in Richtung der Vereinigten Arabischen Emirate und nach Frankreich."

Zwölf tote US-Soldaten - Kramp-Karrenbauer drückt Beileid aus

22.42 Uhr: Nach dem Tod von zwölf US-Soldaten bei dem Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ihr Beileid bekundet. "Meine Gedanken und Gebete sind bei unseren amerikanischen Verbündeten", schrieb die CDU-Politikerin am Donnerstagabend auf Englisch bei Twitter.

Die Soldaten waren am Donnerstag bei dem Anschlag außerhalb des Flughafens von Kabul getötet worden. Nach US-Angaben wurden 15 weitere verletzt. Den Anschlag reklamiert der lokale Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich. Mit den Taliban, die in Afghanistan vor gut einer Woche die Macht an sich gerissen hatten, ist der IS verfeindet.

Erneut starke Explosion in Kabul zu hören - Ursache unklar

22.30 Uhr: Die afghanische Hauptstadt Kabul ist in der Nacht zum Freitag nach Angaben von Mitarbeitern der Nachrichtenagentur AFP erneut von einer starken Explosion erschüttert worden. Die Ursache der Explosion, die sich wenige Stunden nach dem Doppelanschlag vor dem Flughafen von Kabul ereignete, war zunächst unklar. Da es seit der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban keine funktionierenden Behörden in dem Land gibt, waren zunächst keine näheren Informationen zu erhalten.

Am Donnerstagabend waren vor dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul, wo tausende Menschen auf einen Platz in einem der letzten westlichen Evakuierungsflugzeuge warteten, mindestens zwei Anschläge verübt worden. Nach Angaben der radikalislamischen Taliban wurden bis zu 20 Menschen getötet und mehr als 50 weitere verletzt. Ein Gesundheitsexperte der von den Taliban vertriebenen Vorgängerregierung in Kabul sagte, die Zahl der Toten könne auf 60 ansteigen. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums sind auch zwölf US-Soldaten unter den Toten.

Bundeswehrverband-Chef kritisiert Afghanistan-Kurs der Regierung

22.11 Uhr: Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, André Wüstner, hat mit Blick auf die Lage in Afghanistan ein besseres Zusammenspiel innerhalb der Bundesregierung angemahnt. Er hielt der Regierung am Donnerstagabend in den ARD-"Tagesthemen" vor, "nur bedingt strategiefähig" zu sein. Der vernetzte Ansatz, das Zusammenwirken der Ressorts in der Strategiebildung und der Zieldefinition, "da muss man besser werden, das geht so nicht mehr", sagte Wüstner auch mit Blick auf das deutsche Engagement im Irak und in der Sahelzone. "Das können wir uns nicht mehr erlauben."

US-Außenministerium: Noch rund 1000 Amerikaner in Afghanistan

22.09 Uhr: In Afghanistan befinden sich nach Angaben des US-Außenministeriums noch rund 1000 amerikanische Staatsbürger. Die Regierung stehe mit ihnen in Kontakt, und rund zwei Drittel hätten erklärt, dass sie bereits Schritte unternähmen, um das Land zu verlassen, erklärte das Ministerium am Donnerstag.

Das Ministerium war am Mittwoch noch von bis zu 1500 US-Bürgern in Afghanistan ausgegangen. Inzwischen sei aber bestätigt, dass etwa 500 von ihnen bereits evakuiert worden seien. Insgesamt seien seit 14. August bereits 4500 Amerikaner ausgeflogen worden, hieß es weiter.

Unabhängig davon hätten sich seit Mittwoch rund 500 Menschen gemeldet, die angäben, US-Bürger zu sein. "Basierend auf unserer Erfahrung werden viele von ihnen letztlich nicht US-Staatsbürger sein, die unsere Unterstützung brauchen", erklärte das Ministerium. Die Lage entwickle sich weiterhin "dynamisch", weswegen sich auch Zahlen immer wieder ändern könnten, schränkte die Behörde ein.

Ableger der IS-Terrormiliz reklamiert Anschlag in Kabul für sich

21.55 Uhr: Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag am Flughafen von Kabul für sich reklamiert. Dies verlautbarte IS-Khorasan, wie der IS sich in Afghanistan und Pakistan nennt, am Donnerstagabend mit einer über das Internet verbreiteten Nachricht des IS-Sprachrohrs Amak.

Pentagon: Zwei IS-Selbstmordattentäter und Schützen bei Angriff

21.24 Uhr: Bei dem Terrorangriff am Flughafen in Kabul haben sich nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Nach den Detonationen hätten eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Donnerstag in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon.

US-Verteidigungsminister: Anschlag bringt uns nicht von unserer Aufgabe ab

21.22 Uhr: Der Terroranschlag außerhalb des Flughafens von Kabul wird das US-Militär nach Angaben von Verteidigungsminister Lloyd Austin nicht davon abhalten, seinen Aufgaben weiter nachzukommen. Alles andere würde das von den getöteten Soldaten erbrachte Opfer entehren, teilte Austin am Donnerstag mit. Er sprach den Familienangehörigen und Kameraden der getöteten und verletzten US-Soldaten sein Beileid aus.

"Wir bedauern ihren Tod. Wir werden ihre Wunden behandeln. Und wir werden die Familien unterstützen bei dem, was sicher vernichtende Trauer sein wird. Aber wird werden uns nicht von unserer Aufgabe abbringen lassen", erklärte Austin.

Zwölf US-Soldaten bei Anschlag in Kabul getötet

21.06 Uhr: Bei dem Anschlag außerhalb des Flughafens von Kabul sind nach Angaben der US-Regierung zwölf amerikanische Soldaten getötet worden. Das sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Donnerstag in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon. 15 US-Soldaten seien verletzt worden.

Die US-Streitkräfte wollen die Evakuierungsmission in Kabul aber auch nach dem verheerenden Terrorangriff am Flughafen fortführen, erklärte McKenzie.

Kabul: Norwegen sieht keine Chance für Evakuierung mehr

20.58 Uhr: Nach dem Anschlag am Flughafen von Kabul sieht die norwegische Regierung keine Möglichkeit mehr, ausreisewillige Personen aus Afghanistan zu evakuieren. "Durch den Angriff ist wertvolle Zeit verloren gegangen", sagte Außenministerin Ine Eriksen Søreide am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz. "Wir haben leider nicht mehr die Möglichkeit, bei einer assistierten Ausreise zu helfen. Wir treten jetzt in eine neue Phase der Evakuierung ein."

Man wisse, dass sich immer noch Norweger in Afghanistan aufhielten, die wünschen, auszureisen, so Eriksen Søreide weiter. Nun könne aber nur noch ausgeflogen werden, wer sich bereits auf dem Flughafengelände befinde. "Wir beenden die Arbeit noch nicht, aber wir haben keinen Grund, unrealistische Erwartungen zu wecken, dass eine Evakuierung jetzt möglich sein wird", sagte die Außenministerin. Norwegen hat in den vergangenen Tagen rund 1000 Menschen aus Afghanistan evakuiert, darunter 390 Kinder. Die meisten von ihnen hätten Familie in Norwegen, sagte Ministerpräsidentin Erna Solberg. 28 afghanische Kinder wurden evakuiert, ohne dass ihre Eltern den norwegischen Behörden bekannt sind.

20.29 Uhr: Angesichts der chaotischen Situation und der angespannten Sicherheitslage in Afghanistan hat UN-Generalsekretär António Guterres die Vetomächte zu einem Krisentreffen eingeladen. Diplomatenkreisen zufolge sollen die Botschafter der USA, Chinas, Russlands, Großbritanniens und Frankreichs am Montag in New York mit dem UN-Chef zusammenkommen, um sich über die Lage auszutauschen.


"Wir gehen davon aus, dass er (Guterres) sich auf die Notwendigkeit konzentrieren wird, dass die internationale Gemeinschaft zusammenkommt und mit einer Stimme spricht", sagte ein Diplomat eines der eingeladenen Länder der Deutschen Presse-Agentur. Thematisch werde es vermutlich um die Notwendigkeit einer integrativen Regierung in Afghanistan und die Herausforderung rund um die Koordination humanitärer Hilfe gehen sowie um die Bekämpfung des Terrors.

Maas läutet zweite Phase der Rettungsaktion in Afghanistan ein

20.22 Uhr: Die Bundesregierung will nach dem Ende des Evakuierungseinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan auf anderen Wegen versuchen, schutzbedürftigen Menschen bei der Ausreise zu helfen. "Die militärische Evakuierung ist nun beendet. Aber unsere Arbeit geht weiter und zwar so lange, bis alle in Sicherheit sind, für die wir in Afghanistan Verantwortung tragen", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Donnerstag in Berlin. "Deshalb geht unsere Hilfsaktion heute in eine neue Phase."

Mit den noch in Afghanistan verbliebenen Deutschen bleibe man weiter in Kontakt und arbeite daran, "sie mit einer organisierten Ausreise zu unterstützen". Maas machte aber auch klar, dass man sich weiter darum kümmern werde, dass Afghanen das Land verlassen können. "Wir werden auch alles daran setzen, den Ortskräften, die jetzt noch in Afghanistan sind, die Ausreise zu ermöglichen. Und das gilt für die gesamte Bundesregierung." Die Botschaften in den Nachbarstaaten hätten die Anweisung, allen ehemaligen Mitarbeiten von Bundeswehr und Bundesministerien, die bereits eine Aufnahmegenehmigung haben, Einreisepapiere zu erteilen.

Nato: Evakuierung aus Kabul bleibt nach Anschlägen "Priorität"

19.52 Uhr: Nach den Anschlägen am Flughafen Kabul haben die Nato und die Europäische Union die Fortsetzung der Evakuierungen aus Kabul gefordert. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte am Donnerstag im Online-Dienst Twitter, er verurteile den "furchtbaren terroristischen Anschlag". Zugleich betonte er, die "Priorität" der westlichen Allianz liege darin, "so viele Menschen wie möglich so schnell wie möglich in eine sichere Umgebung" zu bringen.

EU-Ratspräsident Charles Michel zeigte sich "extrem besorgt", forderte aber ebenfalls, die Evakuierungen fortzusetzen. Einen gesicherten Zugang zum Flughafen zu gewährleisten, sei von lebenswichtiger Bedeutung, erklärte Michel. Die derzeitige Lage dürfe nicht dazu führen, dass der "Terrorismus" in Afghanistan wieder um sich greife.

Kabul: Alle deutschen Soldaten, Diplomaten und Polizisten ausgeflogen

19.15 Uhr: Die Luftwaffe hat am Donnerstag alle deutschen Soldaten, Diplomaten und verbliebenen Polizisten aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen. Das sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Berlin nach dem Start der letzten Maschine.

UN sprechen von "einer Reihe" von Toten und Verletzten in Kabul

18.39 Uhr: Nach dem Anschlag in Kabul hat die Bundeswehr am Donnerstag ein für die Versorgung von Verletzten ausgerüstetes Transportflugzeug A400M zurück zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt geschickt.

Die für mögliche Notfälle im Luftraum über Kabul bereitgehaltene Maschine landete am Abend nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur außerplanmäßig und bot den US-Amerikanern Hilfe bei der Versorgung an. Zudem wurden zwei deutsche Soldaten aufgenommen, die während des Chaos nach der Explosion vor dem Flughafen noch am Boden geblieben waren.

Taliban: Mindestens 52 Verletzte in Kabul, Zahl der Toten unklar

18.15 Uhr: Angaben der militant-islamistischen Taliban zufolge sind bei dem Anschlag am Flughafen Kabul mindestens 52 Menschen verletzt worden. Es habe auch Tote gegeben, allerdings sei die Zahl noch unklar, sagte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Donnerstag dem lokalen TV-Sender ToloNews.

Die Nichtregierungsorganisation Emergency hatte zuvor mitgeteilt, dass mindestens sechs Menschen tot in ihr Krankenhaus in Kabul eingeliefert worden seien. Vor dem Flughafen hat es nach ersten Erkenntnissen zwei Explosionen gegeben - eine an einem der Flughafentore und eine bei einem nahe gelegen Hotel. Die Taliban haben vor rund eineinhalb Wochen die Macht in Afghanistan übernommen.

Zweite Explosion in Kabul bestätigt

17.12 Uhr: In Kabul hat es am Donnerstag eine zweite Explosion gegeben. Wie der Sprecher des US-Pentagons bestätigte, soll sich eine zwei Detonation in der Nähe des Baron Hotels ereignet haben.

Ankara: Zwei Explosionen außerhalb des Flughafens in Kabul

17.00 Uhr: Außerhalb des Flughafens der afghanischen Hauptstadt Kabul ist es nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums zu zwei Explosionen gekommen. "Es gibt keine Schäden oder Verluste in unserer Einheit", schrieb das Ministerium in Ankara am Donnerstag auf Twitter. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, hatte zuvor von einer Explosion gesprochen. Die Türkei hatte am Mittwoch mit dem Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan begonnen.

Ein auf Twitter geteiltes Bild, das offenbar vom Inneren des Flughafengeländes aufgenommen wurde, zeigte eine große Rauchwolke. Der lokale Fernsehsender ToloNews veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Schubkarren transportiert werden.

Plan International fordert Bedingungen für Finanzhilfen an Drittstaaten

16.46 Uhr: Im Zusammenhang mit einer zu erwartenden Flucht von Menschen aus Afghanistan fordert die Kinderrechtsorganisation Plan International Deutschland die Bundesregierung und die Europäische Union (EU) auf, mögliche Zahlungen an Drittstaaten zur Unterbringung der Flüchtenden an Bedingungen zu knüpfen.

"Die Nachbarländer Afghanistans müssen sich verpflichten, die Rechte von Mädchen und Frauen einzuhalten, wenn Finanzhilfen aus Deutschland und der EU zur Unterbringung von Flüchtenden zur Verfügung gestellt werden", sagt Kathrin Hartkopf, Sprecherin der Geschäftsführung von Plan International Deutschland.

"Krisen verschärfen bestehende Ungleichheiten. Mädchen und Frauen sind aufgrund ihres Geschlechts unverhältnismäßig stark davon betroffen. Sie machen 70 Prozent der Hungernden in der Welt aus. Mädchen sind die ersten, die aus der Schule genommen werden. Sie sind die ersten, die jung und gegen ihren Willen verheiratet werden. Sie sind Opfer von sexueller Gewalt. Deshalb gilt es angesichts der aktuellen Situation in Afghanistan, bereits jetzt die richtigen Antworten für diejenigen zu finden, die am meisten von den künftigen Entwicklungen gefährdet sind."

Letzte geplante Rettungsflüge der Bundeswehr in Kabul gestartet

16.39 Uhr: Die letzten Maschinen der Bundeswehr zur Rettung von Deutschen und einheimischen Mitarbeitern aus Afghanistan sind am Donnerstag abgehoben. Die letzten drei Flugzeuge starteten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am frühen Abend (Ortszeit) vom Flughafen Kabul aus mit dem Ziel Taschkent in Usbekistan.

Pentagon: Evakuierungsflüge aus Kabul enden nicht in 36 Stunden

15.57 Uhr: Wie unter anderem der Sender CNN berichtet, hat es vor dem internationalen Flughafen in Kabul eine Explosion gegeben.

Ein Beamter sagte, es gebe Verletzte unter Afghanen, Informationen über US-Verletzte gebe es bislang keine. Pentagon-Sprecher John Kirby sagte laut CNN: "Wir können eine Explosion außerhalb des Flughafens von Kabul bestätigen. Die Zahl der Opfer ist derzeit unklar. Wir werden weitere Details bekanntgeben, wenn wir können", hieß es in einem Tweet.

15.40 Uhr: Das US-Verteidigungsministerium ist Befürchtungen entgegengetreten, die Evakuierungsflüge der USA am Flughafen in Kabul könnten bereits mehrere Tage vor dem geplanten Abzug der amerikanischen Truppen enden.

"Die Evakuierungsoperationen in Kabul werden nicht in 36 Stunden abgeschlossen sein", schrieb Pentagon-Sprecher John Kirby am Donnerstag auf Twitter. Die USA wollten bis zum Ende der Mission weiter "so viele Menschen wie möglich evakuieren". Bis zum Monatsende am kommenden Dienstag wollen die USA ihre Truppen aus Kabul abziehen.

Kramp-Karrenbauer: "Terrordrohungen haben sich massiv verschärft"

15.15 Uhr: Angesichts von Warnungen vor Terroranschlägen und des Abzugs der US-Truppen bleiben der Bundeswehr nur noch wenige Stunden für ihre Evakuierungsflüge aus Kabul. Die für Rettungsaktionen in die afghanische Hauptstadt verlegten Bundeswehr-Hubschrauber wurden bereits in der vergangenen Nacht wieder zurück nach Taschkent geflogen, wie Generalinspekteur Eberhard Zorn am Donnerstag in Berlin sagte.

Einer der wohl letzten Evakuierungsflieger der deutschen Truppen hob am Morgen mit 154 geretteten Menschen an Bord in Kabul ab. Zuvor war berichtet worden, dass die letzten vier Evakuierungsflüge der Bundeswehr bereits am Donnerstag stattfinden würden.

Journalisten in Afghanistan von Taliban geschlagen

"Wir wissen, dass sich die Terrordrohungen massiv verschärft haben, dass sie deutlich konkreter geworden sind", sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Donnerstag. Das Außenministerium habe daher auch die Menschen informiert, dass sie nicht mehr auf eigene Faust zum Flughafen kommen sollten.

14.17 Uhr: Zwei Mitarbeiter des beliebten afghanischen Fernsehsenders ToloNews sind in Afghanistan eigenen Angaben zufolge von militant-islamistischen Taliban misshandelt worden. Der Reporter Siar Jad und sein Kameramann seien am Mittwoch im Zentrum der Hauptstadt Kabul geschlagen worden, als sie gerade an einem Bericht arbeiteten, teilte ToloNews am Donnerstag auf Twitter mit.

Die Mitarbeiter hätten Tagelöhner und Arbeitslose für einen Beitrag gefilmt, als Taliban-Kämpfer sie plötzlich schlugen. Der Grund dafür sei unbekannt. Der Reporter Jad selbst schrieb auf Twitter, die Taliban seien plötzlich aus ihrem gepanzerten Landcruiser ausgestiegen und hätten ihn mit vorgehaltener Waffe geschlagen. Auch Kameras, technische Geräte und sein persönliches Handy seien gekapert worden. Ein Vertreter der Taliban habe zu ToloNews gesagt, der Fall werde "ernsthaft" untersucht.

Wohl letzte deutsche Maschine mit Schutzbedürftigen gestartet

12.43 Uhr: In Taschkent ist die A400M-Maschine der Bundeswehr, die um 9.42 Uhr in Kabul gestartet war, inzwischen gelandet. Das teilte das Einsatzkommando der Bundeswehr auf Twitter mit. Auf dem Flug wurden nach Angaben der Bundeswehr 154 Menschen in Sicherheit gebracht. Diese sollen nach der Landung im usbekischen Taschkent nach Frankfurt am Main weitergebracht werden.

Nach Informationen mehrerer Medien ist es die wohl letzte Maschine, die Schutzbedürftige aus Kabul ausfliegen soll. Im Laufe des Tages sind demnach drei weitere Flüge geplant. Mit ihnen sollen vorrangig Einsatzkräfte der Bundeswehr aus Kabul herausgebracht und eventuell nur noch einzelne "Härtefälle" an Bord genommen werden.

"Sehr glaubwürdige Berichte über bevorstehenden Anschlag"

11.00 Uhr: Der britische Streitkräfteminister James Heappey hat nochmals vor der Gefahr möglicher Anschläge in Kabul gewarnt. Es gebe "sehr, sehr glaubwürdige Berichte über einen bevorstehenden Anschlag". Gleichzeitig bestätigte er, dass sich trotz des Risikos noch unzählige Menschen rund um den Flughafen aufhielten, die auf die Ausreise hofften. Die Menschen seien verzweifelt und bereit, das Risiko einzugehen.

Weiterer Bundeswehr-Rettungsflug in Kabul gelandet

10.02 Uhr: Der erste Bundeswehr-Rettungsflug des heutigen Tages ist in in Kabul gelandet. Am Morgen war am usbekischen Flughafen Taschkent eine A400M-Maschine nach Kabul aufgebrochen, um weitere Menschen aus Afghanistan auszufliegen. Das teilte das Einsatzführungskommando auf Twitter mit.

Heute soll es noch vier Bundeswehr-Flüge geben, berichtete das ARD-Studio Neu-Delhi. Am Nachmittag könnte dann nach derzeitiger Planung die letzte deutsche Maschine aus Kabul abheben.

Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte, dass seit dem Beginn der Rettungsmission auf bislang 34 Flügen fast 5200 Schutzbedürftige ausgeflogen wurden. "Wir evakuieren bis zur letzten Sekunde", hieß es aus der Behörde.

Taliban-Gegner berichtet von wachsendem Widerstand

9.54 Uhr: In Afghanistan weitet sich die Widerstandsbewegung gegen die radikalislamischen Taliban nach den Worten des Bruders des legendären afghanischen Kriegsherrn und Taliban-Gegners Ahmed Schah Massud aus. Der Widerstand habe sich über das Land verbreitet, sagte Ahmed Wali Massud am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

Die Einstellungen der Afghanen hätten sich in den vergangenen 20 Jahren entwickelt, sagte Massud. "Die Frauen Afghanistans sind der Widerstand, denn ihre Werte unterscheiden sich sehr von denen der Taliban." Auch die jüngeren Generationen, die einen Großteil der Bevölkerung ausmachten, seien Teil der Widerstandsbewegung. "Egal was passiert, der Widerstand wird weitergehen. Es ist ein Freiheitskampf für universelle Rechte und Überzeugungen. Das wird niemals sterben", sagte Ahmed Wali Massud.

Der Sohn des früheren Kriegsherrn Massud, Ahmed Massud, hatte in der vergangenen Woche zum Widerstand gegen die Taliban aufgerufen. Nach seinen Angaben haben sich ihm im Pandschir-Tal tausende Kämpfer angeschlossen. Das Pandschir-Tal war in den 90er Jahren eine Hochburg des Widerstands gegen die Taliban und fiel nie unter die Kontrolle der Islamisten.

Ahmed Massuds Vater hatte in den 80er Jahren gegen die sowjetische Besatzung Afghanistans gekämpft, während der Taliban-Herrschaft zwischen 1996 bis 2001 bekämpfte er die Islamisten. Am 9. September 2001 wurde er von zwei Selbstmordattentätern des Terrornetzwerks Al-Kaida getötet - zwei Tage vor den Anschlägen in den USA, die zu dem internationalen Militäreinsatz in Afghanistan führten.

Viele EU-Länder stellen Evakuierungsflüge aus Kabul ein

9.02 Uhr: Angesichts des bevorstehenden vollständigen US-Abzugs aus Afghanistan stellen zahlreiche EU-Länder ihre Evakuierungsflüge aus Kabul ein. Grund sei die sich verschlechternde Lage in dem Land, schrieb beispielsweise der belgische Regierungschef Alexander De Croo im Onlinedienst Twitter. Die Entscheidung sei "in Abstimmung mit den europäischen Partnern" getroffen worden.

Auch das ungarische Verteidigungsministerium teilte mit, dass die eigene Evakuierungsmission in Afghanistan abgeschlossen sei. Alle dafür eingesetzten Sicherheitskräfte seien abgezogen worden und bereits wieder in Ungarn angekommen.

Frankreich stoppt die Evakuierungsflüge voraussichtlich morgen Abend. In einem Radiointerview kündigte der französische Premierminister Jean Castex an, dass die Rettungsmission seines Landes in Afghanistan wohl noch bis Freitagabend fortgesetzt werde. Danach werde Frankreich "nicht mehr in der Lage sein", weitere Menschen auszufliegen.

Menschenmassen an Grenze zu Pakistan

8.32 Uhr: Nicht nur am Flughafen in Kabul drängen sich die Menschen, die hoffen, Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban verlassen zu können. Auf Twitter verbreitete Videoaufnahmen zeigen die Situation in Spin Boldak, einer Stadt unmittelbar an der Grenze zu Pakistan. Zahlreiche Menschen warten hier, diese Grenze überqueren zu können.

Frauen sollen laut Taliban zunächst zu Hause bleiben

7.53 Uhr: Ein Sprecher der radikalislamischen Taliban ruft berufstätige Frauen auf, zu Hause zu bleiben. Zabiullah Mudschahid sagte auf einer Pressekonferenz, dass Frauen zu ihrer eigenen Sicherheit nicht arbeiten gehen sollten.

Mujahid sagte, die Anweisung sei nur vorübergehend und würde es den Taliban ermöglichen, Wege zu finden, um sicherzustellen, dass Frauen nicht "respektlos behandelt" oder "Gott bewahre, verletzt" würden. Er räumte ein, dass die Maßnahme notwendig sei, weil sich die Soldaten der Taliban "ständig verändern und nicht ausgebildet sind". Er sagte weiter: "Wir freuen uns, wenn sie die Gebäude betreten, aber wir wollen sichergehen, dass sie sich keine Sorgen machen müssen. Deshalb haben wir sie gebeten, eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen, bis sich die Situation wieder normalisiert hat." Bis dahin wolle man den Umgang mit Frauen geregelt haben.

Zwischen 1996 und 2001, der ersten Herrschaft der Taliban, durften Frauen nicht arbeiten und Mädchen nicht zur Schule gehen. Sie durften das Haus nur in Begleitung eines männlichen Vormunds verlassen und mussten sich vollständig mit der Burka verhüllen.

Bundeswehr hat fast 5200 Schutzbedürftige ausgeflogen

7.21 Uhr: Seit dem Beginn ihrer Evakuierungsmission in Afghanistan hat die Bundeswehr eigenen Angaben zufolge insgesamt 5193 Menschen aus Kabul in Sicherheit gebracht. Allein gestern seien 539 Schutzbedürftige über die Luftbrücke nach Taschkent gebracht worden.

US-Botschaft: Sicherheitswarnung für Flughafen Kabul

6.18 Uhr: Die US-Botschaft in Kabul hat US-Bürgern aus Sicherheitsgründen davon abgeraten, zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt zu kommen. Es gebe eine Gefahrenlage an den Toren des Flughafens, warnte die Botschaft in der Nacht. "US-Bürger, die sich derzeit am Abbey Gate, East Gate oder North Gate aufhalten, sollten das Gebiet sofort verlassen", hieß es weiter. Ausnahmen sollten nur im Falle individueller Anweisungen von Vertretern der US-Regierung gemacht werden.

Auch Großbritannien hat seine bis jetzt in Afghanistan verbliebenen Staatsbürger wegen der Gefahr von Anschlägen aufgefordert, sich vom Kabuler Flughafen fernzuhalten. "Wenn Sie sich beim Flughafen aufhalten, entfernen Sie sich zu einem sicheren Ort und warten Sie auf weitere Hinweise", hieß es auf der Webseite des britischen Außenministeriums am Mittwoch. Es gebe eine "anhaltende und hohe Gefahr terroristischer Angriffe". Zuvor hatte bereits die deutsche Botschaft vor Schießereien und Terroranschlägen am Flughafen von Kabul gewarnt.

Bundesregierung will Evakuierungen aus Afghanistan fortsetzen

5.30 Uhr: Die Bundesregierung will die Evakuierung aus Afghanistan auch nach dem 31. August fortsetzen und sucht daher das Gespräch mit den radikalislamischen Taliban sowie mit Nachbarländern wie Pakistan.

"Die Bundesregierung hat seit Beginn der Evakuierung auf mehreren Ebenen nach Lösungen parallel zur Luftbrücke gesucht. Wir sind daher im Gespräch mit den Taliban in Doha wie auch mit Nachbarländern Afghanistans - etwa Pakistan -, um die Evakuierung auf ziviler Basis auch nach dem 31. August weiterzuführen", sagte Niels Annen (SPD), Staatsminister im Außenministerium, dieser Redaktion. "Es ist bedauerlich, dass wir die Luftbrücke nicht weiterführen können."

Vor dem letzten Flug der Bundeswehr fürchten zurückbleibende Ortskräfte die Rache der Taliban. In Afghanistan läuft ein tödlicher Countdown.

Nach Geburt bei Evakuierung: Afghanisches Baby nach Flugzeug benannt

4.06 Uhr: Das an Bord eines US-Transportflugzeugs zur Welt gekommene afghanische Baby ist nach Militärangaben von den Eltern nach dem Flugzeug benannt worden. Das Mädchen, das auf dem deutschen US-Stützpunkt Ramstein geboren wurde, heiße nun nach dem Rufzeichen der Maschine "Reach", erklärte der Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa, General Tod Wolters. Die Transportflugzeuge vom Typ Boeing C-17 der US-Luftwaffe nutzen oft das Rufzeichen "Reach", gefolgt von einer Zahlenkombination.

UN-Bericht: Sicherheitslage in Afghanistan weitgehend ruhig

3.21 Uhr: Die Sicherheitslage in Afghanistan ist seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban weitgehend ruhig. Das geht aus einem wöchentlichen Bericht der UN-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) hervor, der am Abend veröffentlicht wurde. In den allermeisten Regionen des Landes sei die Sicherheitssituation im Berichtszeitraum - der Woche nach der Taliban-Machtübernahme - vergleichsweise ruhig.

Nachrichten zur Lage in Afghanistan am Mittwoch, 25. August: Kramp-Karrenbauer: Möchte nicht über Evakuierungsende spekulieren

22.56 Uhr: Das Zeitfenster für Evakuierungen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul schließt sich nach Worten von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer auch wegen der sich verschärfenden Sicherheitssituation. Es werde auch deshalb kleiner, "weil die Bedrohungslage sehr konkret mit Blick auf terroristische Anschläge auf die, die evakuiert werden sollen, aber auch auf die Soldatinnen und Soldaten, größer wird", sagte die CDU-Politikerin am Mittwochabend im ZDF-"heute journal".

Wie groß dieses Fenster sei, "darüber möchte ich nicht spekulieren, weil es auch die Arbeit, die immer noch unvermindert weitergeht, um so viele Menschen wie möglich auf die Flieger zu bekommen, weiter erschwert. Und die Soldaten vor Ort haben es schon mit einer sehr, sehr schweren Situation zu tun." Die Bundeswehr hatte bereits am Dienstag berichtet, dass zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat in Kabul unterwegs seien.

Bundeswehr will Luftbrücke wohl am Donnerstag beenden

21.16 Uhr: Schon am Donnerstag soll die letzte Bundeswehr-Maschine mit Evakuierten Kabul verlassen, wie "Spiegel" und "Bild" berichten. Grund dafür sei die immer schlechter werdende Sicherheitslage in der afghanischen Hauptstadt, heißt es im "Spiegel"-Bericht. Dies mache es fast unmöglich, noch weitere Schutzbedürftige an den Flughafen zu bringen und auszufliegen. Die USA wollen am 31. August ihre Truppen aus Afghanistan abziehen.

Deutsche Botschaft warnt vor Schießereien und Anschlägen in Kabul

20.35 Uhr: Die deutsche Botschaft in Kabul hat am Mittwoch vor Schießereien und Terroranschlägen am Flughafen der afghanischen Hauptstadt gewarnt. "Es kommt sehr häufig zu gefährlichen Situationen und bewaffneten Auseinandersetzungen an den Gates. Dazu kommen aktuelle Terrorwarnungen", heißt es in einem Schreiben an deutsche Staatsbürger, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Zugang zum Flughafen sei kaum noch möglich.

Die Bundeswehr hatte bereits am Dienstag berichtet, das zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat in Kabul unterwegs seien. Die internationale Evakuierungsaktion, die nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban eingeleitet wurde, soll am 31. August mit dem Abzug der US-Streitkräfte enden. Der letzte Bundeswehrflug könnte schon deutlich früher gehen.

Bundeswehr fliegt 167 weitere Menschen aus Kabul aus

19.25 Uhr: Die Bundeswehr hat weitere 167 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen. Ein Militärtransporter des Typs A400M landete am frühen Mittwochabend erneut in Taschkent im Nachbarland Usbekistan, wie die Bundeswehr mitteilte.

Es war bereits der dritte Flug der Bundeswehr von Afghanistan nach Usbekistan an dem Tag im Rahmen der Evakuierungsaktion, zuvor waren je 218 und 153 Menschen ausgereist. In Taschkent steigen die Passagiere in zivile Maschinen der Lufthansa um. Vor zehn Tagen hatten die militant-islamistischen Taliban die afghanische Hauptstadt erobert und wieder die Macht übernommen.

Taliban sagen Ausreisemöglichkeit für Afghanen auch nach 31. August zu

17.29 Uhr: Die militant-islamistischen Taliban haben in den Verhandlungen mit der Bundesregierung zugesagt, dass Afghanen auch nach dem für den 31. August geplanten US-Truppenabzug das Land verlassen dürfen. Das twitterte der deutsche Verhandlungsführer Markus Potzel am Mittwoch nach Gesprächen mit dem Vizechef des politischen Büros der Taliban in Katar, Schir Mohammed Abbas Staneksai. Dieser habe ihm versichert, dass Afghanen mit gültigen Ausweisdokumenten nach dem 31. August weiterhin die Möglichkeit haben werden, mit kommerziellen Flügen auszureisen

Internationale Journalisten beklagen Verhalten des US-Militärs

17.03 Uhr: Journalisten am Kabuler Flughafen soll nach eigenen Angaben am Mittwoch durch US-Soldaten der Zugang in die Stadt verwehrt worden sein. Der stellvertretende Chefredakteur der Boulevardzeitung "Bild", Paul Ronzheimer, selbst vor Ort, berichtete auf Twitter: "Unter Androhung von Militärpolizei zwingt US-Militär uns und zehn weitere internationale Journalisten, Flieger nach Doha zu nehmen. Obwohl wir einen gesicherten Weg raus aus dem Airport hatten Richtung Stadt. Krasser Angriff auf die Pressefreiheit." Im weiteren Verlauf berichtete Ronzheimer, man werde zum Flieger nach Doha eskortiert.

Ähnlich berichtete auf Twitter am Mittwoch eine freischaffende Journalistin, die unter anderem regelmäßig für den "Guardian" arbeitete: Sie sei Teil einer Gruppe von Journalisten, die von US-Kräften gezwungen würden, in ein Flugzeug zu steigen. Alles, was man wolle, sei in Kabul zu bleiben.

Menschenrechtler fordern Evakuierung von sexuellen Minderheiten

16.13 Uhr: Menschenrechtler haben an die Bundesregierung appelliert, sexuelle Minderheiten bei den Evakuierungsflügen aus Afghanistan zu berücksichtigen. LSBTI seien seit der Machtübernahme der Taliban in Lebensgefahr, erklärten der Lesben- und Schwulenverband (LSVD), die Schwulenberatung Berlin und der Verein Rosa Strippe am Mittwoch in Berlin. Ihnen drohten Verfolgung, Folter und Mord.

Bundestag stimmt Evakuierungseinsatz der Bundeswehr zu

15.45 Uhr: Der Bundestag hat dem Einsatz von bis zu 600 Bundeswehrsoldaten bei der Evakuierungsaktion in der afghanischen Hauptstadt Kabul nachträglich zugestimmt. Die Abgeordneten billigten das bis zum 30. September befristete Mandat am Mittwoch mit großer Mehrheit.

Polizei in den Niederlanden löst Protest gegen Flüchtlingslager auf

15.15 Uhr: In den Niederlanden hat die Polizei eine Protestaktion vor einem Auffanglager für Flüchtlinge aus Afghanistan aufgelöst. Vor der Einrichtung der Armee beim Dorf Harskamp in der Gemeinde Ede (Provinz Gelderland) hatten sich am Dienstagabend etwa 250 Menschen versammelt.

Sie riefen Losungen wie "Das eigene Volk zuerst" und "Harskamp gehört uns", wie der örtliche Sender Omroep Gelderland berichtete. Die Polizei schritt nach Angaben eines von der Nachrichtenagentur ANP zitierten Sprechers ein, nachdem Autoreifen in Brand gesetzt wurden. Eine Gruppe von etwa 60 Jugendlichen wurde in das Dorf abgedrängt; festgenommen wurde niemand.

USA fliegen binnen 24 Stunden mehr als 11.000 Menschen aus

15.11 Uhr: Bei der Evakuierungsmission am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul haben die USA zuletzt innerhalb von 24 Stunden mehr als 11.000 Menschen außer Landes gebracht. Zwischen dem frühen Dienstagmorgen und dem frühen Mittwochmorgen hätten 42 Flugzeuge des US-Militärs rund 11.200 Menschen ausgeflogen, teilte das Weiße Haus am Mittwoch in Washington mit. Im gleichen Zeitraum hätten außerdem 48 Maschinen internationaler Partner rund 7800 Menschen evakuiert. Insgesamt waren es innerhalb der 24-Stunden-Spanne also etwa 19.000 Menschen.

Seit dem Start der Evakuierungsmission Mitte August haben die Vereinigten Staaten insgesamt rund 82 300 Menschen entweder selbst aus Afghanistan ausgeflogen oder deren Ausreise ermöglicht, wie es weiter hieß.

Auswärtiges Amt: Noch mehr als 200 Deutsche in Kabul

14.50 Uhr: In der afghanischen Hauptstadt Kabul halten sich nach Angaben des Auswärtigen Amts noch mehr als 200 deutsche Staatsbürger auf. Die Zahl liege höher als noch am Vortag, "weil sich weiterhin Menschen bei uns melden", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Mittwoch in Berlin. 540 Deutsche seien bereits ausgeflogen worden. Am Dienstag hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) von rund 100 Deutschen vor Ort und ihren Familien gesprochen.

Es gebe eine "gewisse Unschärfe" bei den Zahlen, weil teils auch Angehörige deutsche Staatsbürger seien, sagte der Sprecher. Wie viele der Betroffenen neben der deutschen auch die afghanische Staatsbürgerschaft haben, werde nicht erfasst, weil es für die Frage, ob jemand berechtigt sei zur Teilnahme an der Evakuierungsmission, keinen Unterschied mache. Er räumte aber ein, dass es für die Bewegungsfreiheit der Betroffenen im von den Taliban kontrollierten Kabul relevant sein könne. "Das ist ein Faktor, den man berücksichtigen muss."

Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass sich in Kabul insgesamt noch eine "hohe vierstellige oder niedrige fünfstellige Zahl" schutzbedürftiger Menschen befindet, die grundsätzlich für eine Evakuierung in Frage kämen.

Opposition spricht von "schwärzestem Tag"

14.30 Uhr: Die Opposition im Bundestag hat ein vernichtendes Fazit der deutschen Afghanistan-Politik gezogen. Der "gescheiterte Afghanistan-Einsatz" sei der "schwärzeste Punkt" in der 16-jährigen Kanzlerinnenschaft von Angela Merkel (CDU), sagte Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sprach von einem "außenpolitischen Desaster". FDP-Chef Christian Lindner warf der Bundesregierung "Unverantwortlichkeit und Handlungsunfähigkeit" vor. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland legte der Regierung zur Last, dass sie das Leben deutscher Soldaten für eine zum Scheitern verurteilte Mission geopfert habe.

Grünen-Chefin Baerbock warf der Bundesregierung vor, die Alarmsignale vor der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan bewusst ignoriert zu haben. Sie habe das Land als stabil hingestellt, "weil Sie weiter nach Afghanistan abschieben wollten", sagte Baerbock an die Adresse der Regierung. "Sie haben politisch in den letzten Wochen entschieden, dass innenpolitische Motive höher gewertet werden als unsere außenpolitische Verantwortung."

Nun werde klar, "in welch ein außenpolitisches Desaster Sie als als Bundesregierung nicht nur die Bundeswehr, sondern die Menschen in Afghanistan, die sich auf unsere Hilfe verlassen haben, geführt haben", sagte Baerbock. Die Versäumnisse der Regierung bei der rechtzeitigen Rettung der Ortskräfte hätten dazu geführt, dass diese nun "in der Falle" säßen.

Merkel: Furchtbare Dramen in Kabul - Gedenken an tote Soldaten

12.43 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat an das Elend der Menschen in Afghanistan erinnert und der bei dem gescheiterten Einsatz in dem Krisenstaat getöteten und verletzten Bundeswehrsoldaten gedacht. "Die Entwicklungen der letzten Tage sind furchtbar, sie sind bitter", sagte Merkel am Mittwoch in einer Regierungserklärung zum Debakel beim Abzug der Bundeswehr und der westlichen Verbündeten aus Afghanistan im Bundestag. Merkel wählte ganz persönliche Worte.

Merkel: Entwicklung in Afghanistan "offensichtlich unterschätzt"
Merkel: Entwicklung in Afghanistan "offensichtlich unterschätzt"

Briten beenden Rettung bis 31. August

12.15 Uhr: Der britische Außenminister Dominic Raab hat bestätigt, dass der Evakuierungseinsatz aus Kabul bis zum 31. August beendet sein wird. Einen genauen Zeitplan für das Ende der britischen Evakuierungsflüge könne er nicht nennen, aber es sei "klar, dass die Truppen bis Ende des Monats abgezogen werden", sagte Raab. Das britische Militär benötige vorab Zeit, um sein Personal und die Ausrüstung abzuziehen, aber der verbleibende Zeitraum werde maximal ausgenutzt.

Seit der Machtübernahme der Taliban am 15. August hätten die britischen Truppen 9000 britische Staatsbürger und gefährdete Afghanen ausgeflogen, sagte Raab.

Luftbrücke aus Kabul soll in wenigen Tagen enden

9.15 Uhr: Die Bundesregierung plant ein Ende der militärischen Rettungsflüge aus Afghanistan offenbar noch vor dem Wochenende. Der letzte Flug der Luftbrücke für deutsche Staatsbürger und gefährdete Ortskräfte könnte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur demnach bereits am Freitag organisiert werden. Die Regierung reagiert damit auf das Festhalten der USA am Abzugsdatum 31. August. Zunächst hatte das Wirtschaftsmagazin "Business Insider" berichtet.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte dazu am Mittwoch, er könne Medienberichte dazu weder dementieren noch bestätigen. Am Vortag seien mit fünf Flügen insgesamt 983 Menschen aus Kabul ausgeflogen worden, seit Beginn der Luftbrücke 4654 Menschen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte erklärt, die Bundeswehr werde Menschen ausfliegen "solange es geht, so viele wie möglich".

US-Präsident Joe Biden will am Abzug der US-Truppen bis kommenden Dienstag festhalten, obwohl noch viele Tausend Afghanen auf eine Ausreise hoffen. Die Verbündeten sind auf die Sicherung des Flughafens durch US-Kräfte angewiesen. Auch der Abzug der Soldaten selbst bis zum Stichtag ist im Zeitplan zu berücksichtigen. Offenkundig ist, dass danach weitere Evakuierungen stark vom Mitwirken der Taliban und dem Betrieb ziviler Fluggesellschaften abhängig sind.

Weiter Menschenmassen am Flughafen Kabul

8.47 Uhr: Rund um den Flughafen Kabul harren weiter Tausende Menschen aus, in der Hoffnung auf einen Evakuierungsflug ins Ausland. So zeigen am Mittwoch in sozialen Medien geteilte Videos Hunderte Afghanen, die teils bis zu den Hüften in einem Wassergraben vor einer Wand zum Flughafengelände stehen und warten. Ein Mann, der den Wassergraben hochgeklettert ist, wird von zwei Soldaten zurückgedrängt.

Aufgrund der weiter desaströsen Lage rund um die Eingänge zum Flughafen haben Länder begonnen, ihre zu Evakuierenden anderweitig in den Flughafen zu bringen. Zwei Personen, die auf einer US-Liste zur Evakuierung standen, sagten, sie seien zu einem Ort in der Stadt gerufen worden und von dort mit in einem gepanzerten Konvoi in den Flughafen gebracht worden.

Ein Taliban-Sprecher stellte auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur klar, dass an ihren Kontrollpunkten weiterhin Afghanen zum Flughafen durchgelassen werden, jedoch nur solche mit Dokumenten, die sie auch zur Ausreise berechtigen.

Bundeswehrverband sieht vor bevorstehendem Truppenabzug erhöhte Gefahr in Kabul

8.42 Uhr: Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, André Wüstner, hat angesichts des bevorstehenden US-Truppenabzugs aus Afghanistan vor einer zunehmenden Gefährdung am Kabuler Flughafen gewarnt. "Einerseits wissen die Afghanen, dass das Zeitfenster sich jetzt schließt, dass die Schlinge der Taliban sich zuzieht, das wird nochmal den Druck erhöhen in Richtung Flughafen", sagte Wüstner am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. Zudem gebe es Berichte, wonach sich Selbstmordattentäter in der Stadt befinden sollen.

Die Gefahr eines Anschlags bezeichnete Wüstner als "enorm". "Wir wissen ja, es gibt unterschiedliche terroristische Gruppierungen, Menschen die unterschiedliche Interessen haben in Afghanistan und die werden versuchen, nochmal auf sich aufmerksam zu machen." Deutschland müsse in dieser Situation hoffen, "dass uns die Amerikaner in der letzten Phase weiterhin den Rücken freihalten".

Steinmeier appelliert an europäische Solidarität bei Flüchtlingen

8.29 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Europäer zu einem solidarischen Vorgehen in der Flüchtlingsfrage aufgerufen. "Wir können nicht alle Menschen aufnehmen, die aus guten Gründen ein besseres Leben suchen. Aber wir müssen denen Zuflucht gewähren, die nach unseren selbstgesetzten Maßstäben Anspruch auf Schutz und Asyl haben. Das macht uns als Europäer aus", sagte Steinmeier der tschechischen Zeitung "Pravo".

Es werde weiterhin Krisen geben, die Menschen zur Flucht nach Europa bewegten,""da reicht aktuell ein Blick nach Afghanistan", sagte Steinmeier der Zeitung vor seinem Besuch in Tschechien, zu dem er an diesem Mittwoch aufbricht. "Damit müssen wir in Europa solidarisch umgehen und dürfen die Staaten mit einer EU-Außengrenze, gerade im Süden Europas, nicht allein lassen."

Afghanische Sicherheitskräfte bekamen 10.000 Bundeswehr-Pistolen

8.04 Uhr: Die Bundeswehr hat die afghanischen Sicherheitskräfte während ihres 20-jährigen Einsatzes mit 10.000 Pistolen ausgerüstet. Daneben sei seit 2002 nur Sanitätsmaterial und Bekleidung an die Armee und die Polizei abgegeben worden, teilte das Verteidigungsministerium der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Die Pistolen vom Typ Walther P1 seien bereits 2006 kostenlos zur Verfügung gestellt worden.

Was daraus nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban geworden ist, ist dem Ministerium nicht bekannt. "Es liegen dem BmVg (Verteidigungsministerium) keine Erkenntnisse darüber vor, ob diese Güter in die Hände der Taliban gelangt sind", erklärte eine Sprecherin.

Die Bundesregierung hat seit Beginn des Militäreinsatzes 2002 den Export von Kriegswaffen und anderen Rüstungsgütern für 419 Millionen Euro nach Afghanistan genehmigt. Der weitaus größte Teil wurde allerdings an die Streitkräfte der Nato-Verbündeten, an Botschaften oder an die Vereinten Nationen geliefert, darunter Panzer, gepanzerte Fahrzeuge sowie Handfeuerwaffen wie Gewehre und Maschinenpistolen. An afghanische Sicherheitskräfte ging nur ein geringer Teil, vor allem geschützte Fahrzeuge, Minenräumgeräte, verstärkte Container, Schutzausrüstung oder Kommunikationsgeräte. Das geht aus den jährlichen Rüstungsexportberichten der Regierung und einer aktuellen Aufstellung des Bundeswirtschaftsministeriums hervor, die der dpa vorliegt.

Merkel gibt Regierungserklärung zur Lage in Afghanistan ab

7.28 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt an diesem Mittwochmittag ab 12 Uhr in einer Sondersitzung des Bundestags eine Regierungserklärung zur Lage in Afghanistan ab. Daran schließt sich eine Debatte im Parlament an. Die Bundesregierung will den Bundestag nachträglich um Zustimmung zu der Evakuierungsmission der Bundeswehr bitten. Die Regierung steht in der Kritik, weil sie afghanische Ortshelfer und andere gefährdete Afghanen nicht schon vor der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban ausgeflogen hat.

Wehrbeauftragte will mehr Trauma-Therapien für Soldaten

6.47 Uhr: Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, fordert angesichts der dramatischen Szenen bei der Bundeswehr-Rettungsaktion in Kabul mehr Trauma-Therapien für aktive Soldaten und Afghanistan-Veteranen. "Seelische Belastungen, Traumata aus dem Einsatz - das muss ganz intensiv nachbereitet werden. Wir brauchen mehr und gezielte Angebote für Soldatinnen und Soldaten, damit sie die schrecklichen Erfahrungen loswerden können", sagte die SPD-Politikerin der Düsseldorfer "Rheinischen Post".

Das gelte auch für ehemalige Soldaten, die in den vergangenen 20 Jahren am Hindukusch gekämpft hätten. "Die sehen das und machen alles noch einmal durch", so Högl.

US-Militär zieht "mehrere Hundert" Soldaten vom Flughafen Kabul ab

6.13 Uhr: Das US-Militär hat seine Truppenpräsenz am Flughafen Kabul nach eigenen Angaben um "mehrere Hundert" Soldatinnen und Soldaten reduziert. Dies sei bei einem laufenden Einsatz Teil der normalen Entscheidungsgewalt des örtlichen Kommandeurs, erklärte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. Es handle sich dabei unter anderem um Beschäftigte der Zentrale, Spezialisten für Wartungsarbeiten und andere Soldaten, deren Mission am Flughafen abgeschlossen sei, erklärte er. Das US-Militär hatte dort zuletzt rund 5800 Soldaten im Einsatz.

Kirby betonte, der routinemäßige Abzug einiger Truppen stelle nicht den Beginn des Abzugs aller Soldaten aus Afghanistan dar. Dies sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht befohlen worden, erklärte er.

Evakuierte aus Afghanistan von Ramstein auf anderen US-Stützpunkt in Deutschland verlegt

5.58 Uhr: Weil die Kapazitäten für die Unterbringung Tausender Evakuierter aus Afghanistan auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz an ihre Grenzen stoßen, hat die US-Armee mit der Überführung der Menschen zu anderen Stützpunkten in Deutschland begonnen. Erste Evakuierte seien am Dienstag in den Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern eingetroffen, gaben die US-Streitkräfte bekannt. Dort könnten rund 2000 Menschen vorübergehend untergebracht werden.

Darüber hinaus seien die Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels bereit, bei Bedarf Gerettete aus Afghanistan aufzunehmen. An diesen Standorten können laut US-Armee vorübergehend etwa 3000 beziehungsweise 2000 Menschen untergebracht werden.

"Schreckliche hygienische Zustände in Katar": USA geloben Besserung

5.44 Uhr: Die USA haben nach Berichten über schlechte hygienische Zustände auf dem Militärflugplatz nahe der katarischen Hauptstadt Doha eine schnelle Besserung versprochen. Der Flugplatz ist ein wichtiges Drehkreuz für die Evakuierungsflüge aus Afghanistan. "Wir sind uns dessen bewusst und arbeiten schnell daran, die Situation zu verbessern, und wir wollen natürlich, dass die Menschen, die evakuiert werden, mit Respekt behandelt werden", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Zuvor hatte etwa das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf eine E-Mail eines US-Beamten von Ratten, Urin und Fäkalien berichtet.

Selbst wenn Afghanen ein Sondervisum für die USA haben, kommen sie nicht direkt in das Land. Militärflüge bringen sie zunächst auf US-Stützpunkte oder in andere Transitzentren in Drittstaaten - wie etwa nach Katar. Von diesen Zwischenstationen sollen die Menschen nach einer Sicherheitsprüfung in die USA gebracht werden. Axios zufolge sind auf dem Stützpunkt in Katar Tausende Afghanen vorläufig untergebracht. Nach dem Bericht ist die Situation dort "die Hölle auf Herden". Psaki betonte, dass der Bericht des Portals sich auf die Lage vor einigen Tagen beziehe.

Biden warnt vor wachsender Anschlagsgefahr am Flughafen Kabul

5.31 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat vor einer wachsenden Terrorgefahr am Flughafen von Kabul gewarnt. Jeder Tag, den man länger vor Ort bleibe, sei ein weiterer Tag, an dem ein örtlicher Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat versuche, den Flughafen der afghanischen Hauptstadt anzugreifen, sagte Biden in Washington. Es gebe die "akute und wachsende Gefahr eines Anschlags". Die Terrorgruppe sei auch ein erklärter Feind der militant-islamistischen Taliban, so Biden.

Nach Angaben des US-Präsidenten bestand bei den G7-Beratungen am Dienstag Einigkeit darüber, dass die Anerkennung einer künftigen Regierung in Afghanistan von zahlreichen Bedingungen abhängen würde. "Wir sind uns einig, dass niemand von uns die Taliban beim Wort nehmen wird. Wir werden sie nach ihren Taten beurteilen, und wir werden uns eng über alle Schritte abstimmen", sagte Biden. Entscheidend sei etwa, ob die Taliban internationalen Verpflichtungen nachkämen und verhinderten, dass Afghanistan als "Basis für Terrorismus" genutzt werde.

Weltbank friert Zahlungen für Projekte in Afghanistan ein

0.31 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban friert die Weltbank neue Auszahlungen für ihre Hilfs- und Entwicklungsprojekte in Afghanistan vorerst ein. "Wir sind tief besorgt angesichts der Lage in Afghanistan und der Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung des Landes, insbesondere für Frauen", erklärte ein Sprecher der Weltbank.

Das weitere Vorgehen werde mit der internationalen Gemeinschaft und Partnern der Entwicklungszusammenarbeit abgestimmt werden. Es gehe darum, Wege zu finden, wie die in Afghanistan mit harter Arbeit erzielten Fortschritte bewahrt werden könnten und wie man die Menschen dort weiter unterstützen könne, erklärte der Sprecher der internationalen Organisation weiter.

Die Weltbank war für Afghanistan - eines der ärmsten Länder der Welt - bislang ein wichtiger Geldgeber für Entwicklungsprojekte. Sie unterstützte Afghanistan von 2002 bis April dieses Jahres nach eigenen Angaben mit Hilfen von fast fünf Milliarden US-Dollar. Im Februar gab es demnach zwölf Projekte in Afghanistan mit einem Volumen von rund 940 Millionen Dollar, hinzu kamen weitere Vorhaben in Zusammenarbeit mit einem örtlichen Fonds für den Wiederaufbau.

Veteranenvertreter warnt vor Radikalisierung ehemaliger Afghanistan-Soldaten

0.05 Uhr: Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Einsatzveteranen, Bernhard Drescher, hat angesichts der Entwicklungen in Afghanistan nach dem Abzug der Bundeswehr vor einer Radikalisierung altgedienter Soldaten gewarnt. "Die Stimmung unter den Veteranen ist grottenschlecht", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Sie hätten das Gefühl, dass ihre Belange "noch nie interessiert" hätten. Angesichts der Bilder aus Kabul entstehe nun der Eindruck, dass ihre Arbeit zunichte gemacht werde. Schließlich ziehe man Schutzkräfte nicht ab, bevor nicht alles Schützenswerte in Sicherheit gebracht worden sei, so Drescher. Und die Helfer der Bundeswehr, also die afghanischen Ortskräfte, würden offenbar nicht für schützenswert gehalten. Die Vorgänge würden "hochemotional aufgenommen".

Drescher warnte: "Man verliert emotional eine Gruppe von Menschen, die für den Staat wichtig ist." In der Folge entstünden neuerdings rechtsorientierte Gruppen wie "Veteranen 5 n 12" oder der "Veteranen Pool". "Ich mache mir Sorgen, wie sich das weiterentwickelt."

Dienstag, den 24. August: Söder bezeichnet US-Abzug als Fehler

22.35 Uhr: CSU-Chef Markus Söder hat den US-Abzug aus Afghanistan kritisiert. "Es ist einfach ein Fehler gewesen, ich kann es nicht anders sagen", sagte er beim offiziellen Wahlkampfauftakt der CSU. Was derzeit in Afghanistan passiere, sei beschämend, und es sei die Pflicht des Westen, alle Menschen aus dem Land zu holen, die sich in den vergangenen Jahren zu den westlichen Werten bekannt hätten. Dies gelte ausdrücklich auch für alle afghanischen Ortskräfte. "Das ist eine moralische Verpflichtung", betonte er.

Söder plädierte für eine Afghanistan-Konferenz mit allen Anrainerländern, um das weitere Vorgehen sowie den Umgang mit den Taliban zu diskutieren.

Putin macht Westen Vorwürfe für "Chaos" in Afghanistan

21.42 Uhr: Der russische Präsident Wladimir Putin hat den USA und ihren Verbündeten vorgeworfen, Chaos in Afghanistan hinterlassen sowie eine Terrorbedrohung erschaffen zu haben. "Es gibt die Gefahr, dass Terroristen und verschiedene Gruppierungen, die in Afghanistan Zuflucht gefunden haben, das von unseren westlichen Partnern hinterlassene Chaos nutzen", sagte Putin.

Terroristen könnten in den Nachbarländern für eine Eskalation der Lage sorgen. "Das ist eine direkte Bedrohung für unsere Verbündeten und für unser Land", sagte Putin mit Blick etwa Tadschikistan und Usbekistan, die an Afghanistan grenzen. Es bestehe die Gefahr, dass der Drogenschmuggel und die illegale Migration zunehmen, meinte er bei einer Veranstaltung der Kremlpartei Geeintes Russland vor der Parlamentswahl am 19. September. "Das sind alles Bedrohungen für uns. Sie sind absolut real."

Das russische Verteidigungsministerium hat sich besorgt darüber gezeigt, dass die Taliban bei ihrem Vormarsch eine große Anzahl moderner Waffen und Waffensysteme erbeutet haben. Nach Angaben von Minister Sergej Schoigu fielen Hunderte Fahrzeuge, aber auch mehrere Hubschrauber und Flugzeuge in die Hände der radikalen Islamisten. Außerdem sprach er von mehr als 100 tragbaren Flugabwehrraketen, die nun im Besitz der Taliban seien. Das Ministerium machte keine Angaben darüber, woher diese Informationen stammen.

USA wollen Truppen Ende August aus Afghanistan abziehen

21.23 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat nach Angaben seiner Sprecherin Jen Psaki beim G7-Gipfel eine Verlängerung der Evakuierungen über den 31. August hinaus zunächst abgelehnt. Er verwies auf die wachsende Gefahr für die Soldaten durch mögliche Anschläge der Terrorgruppe "Islamischer Staat".

Biden wies demnach auch darauf hin, dass man bei den Evakuierungen auf die Zusammenarbeit mit den Taliban angewiesen sei. Die radikal-islamischen Herrscher in Kabul bestehen auf ein Ende der Rettungsflüge bis zum 31. August. Ansonsten drohen sie mit Konsequenzen.

Deutschland stockt Hilfe für Afganistan auf

20.29 Uhr: Deutschland stockt seine humanitäre Hilfe für Notleidende in Afghanistan um 500 Millionen Euro auf. Das kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag nach einer G7-Videokonferenz an. Bereits vor wenigen Tagen hatte die Bundesregierung 100 Millionen Soforthilfe für die Versorgung von Flüchtlingen in und um Afghanistan zugesagt, die ausschließlich über humanitäre Hilfsorganisation geleistet werden soll. Die 500 Millionen kommen nun hinzu.

EU fordert Flexibilität von Biden

19.47 Uhr: Die EU hat US-Präsident Joe Biden erneut aufgefordert, sich in der Frage des Abzugs vom Flughafen in Kabul flexibel zu zeigen. Es gebe die Notwendigkeit, den Flughafen so lange wie nötig zu sichern, um den Evakuierungseinsatz abzuschließen, sagte EU-Ratspräsident Charles Michel am Dienstag nach dem per Videokonferenz organisierten G7-Sondergipfel zur Lage in Afghanistan.

USA wollen sich offenbar bis 31. August aus dem Land zurückziehen

19.30 Uhr: US-Präsident Joe Biden hält Medienberichten zufolge an einem Abschluss des Afghanistan-Abzugs bis zum 31. August fest. Das berichteten am Dienstag unter anderem die US-Nachrichtensender CNN und Fox News nach einem virtuellen G7-Gipfel zu Afghanistan.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte nach den Beratungen: "Es sind heute keine neuen Daten über das bekannte Datum des 31.8. genannt worden vom Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika."

Biden wird damit laut den Medienberichten den Militäreinsatz in Afghanistan nicht zugunsten der laufenden Evakuierungsmission am Flughafen der Hauptstadt Kabul verlängern. Die G7-Staaten verlangten nun von den radikalislamischen Taliban weitere Sicherheitsgarantien für die Ausreise von Menschen. Die Miliz müsse allen, die das Land verlassen wollten, auch über den 31. August hinaus eine sichere Ausreise garantieren, sagte der britische Regierungschef Boris Johnson.

Kramp-Karrenbauer will Evakuierungs-Vereinbarung mit den Taliban

17.52 Uhr: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich für eine Evakuierungs-Vereinbarung mit den Taliban für die Zeit nach der laufenden Bundeswehr-Mission ausgesprochen - unabhängig davon, wie lange diese noch läuft. Damit solle gewährleistet werden, dass auch dann noch ehemalige Helfer von Bundeswehr und Bundesministerien ausgeflogen werden könnten, die zurzeit gar nicht zum Flughafen Kabul kommen könnten, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag in Berlin. "Wir brauchen auf jeden Fall auch in der Sache sicheres Geleit eine Lösung und eine Vereinbarung mit den Taliban, die über die eigentliche Evakuierungsmission hinausgeht."

Die Bundeswehr hat bisher rund 3800 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Wie lange der Einsatz noch dauert, hängt davon ab, wann die US-Streitkräfte sich aus Afghanistan zurückziehen. Bisher ist der 31. August geplant. Mehrere europäische Länder drängen die USA aber zu einer Verlängerung.

Airbnb bietet kostenlose Unterkünfte für rund 20.000 afghanische Flüchtlinge an

17.29 Uhr: Das Portal Airbnb stellt vorübergehend kostenlose Unterkünfte für rund 20.000 afghanische Geflüchtete zur Verfügung. Die Situation der afghanischen Flüchtlinge in den USA und anderswo in der Welt sei "eine der größten humanitären Krisen" dieser Zeit, erklärte Airbnb-Chef Brian Chesky am Dienstag. Das Unternehmen fühle sich verantwortlich, mitzuhelfen.

Finanziert wird das Angebot demnach von der Airbnb-Führung selbst sowie durch Spenden. Airbnb werde für das Angebot bezahlen, dieses komme aber nur durch die "Großzügigkeit" der Gastgeberinnen und Gastgeber zustande, erklärte Chesky weiter. Im Portal Twitter bat er Interessierte, sich über die Plattform zu melden, wenn sie einer afghanischen Familie Unterschlupf anbieten möchten.

Taliban fordern Evakuierungs-Stopp für Afghanen

16.05 Uhr: Die radikalislamischen Taliban haben die US-Streitkräfte aufgefordert, bei ihren Rettungseinsätzen keine weiteren afghanischen Fachkräfte außer Landes zu fliegen. "Wir fordern sie auf, dies zu stoppen", sagte der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Dienstag vor Journalisten in Kabul. Er bezog sich damit auf afghanische Experten wie beispielsweise Ingenieure. Nur Ausländer dürften von den westlichen Einsatzkräften aus Kabul ausgeflogen werden.

Mudschahid wiederholte auch die Warnung der Islamisten, dass nach dem 31. August keine Evakuierungsflüge aus Kabul mehr erfolgen dürften. Die Taliban hatten bereits zuvor vor "Konsequenzen" gewarnt, sollte der Einsatz des US-Militärs am Flughafen verlängert werden.

Der Nachrichtensender CNN berichtete indessen, das US-Verteidigungsministerium habe von US-Präsident Joe Biden für den Verlauf des Dienstag um eine Entscheidung gebeten, ob der Einsatz verlängert werden solle. Hintergrund ist, dass nach dem Abschluss der Evakuierungen auch die 5800 am Flughafen von Kabul eingesetzten US-Soldaten mitsamt ihrem Material ausgeflogen werden müssen.

Bundeswehr warnt vor IS-Selbstmordattentätern in Kabul

15.12 Uhr: Die Bundeswehr sieht eine zunehmende Anschlagsgefahr durch IS-Terroristen in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Man habe Signale aus amerikanischen Quellen, aber auch eigene Erkenntnisse, dass zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat "in die Stadt einsickern", sagte Generalinspekteur Eberhard Zorn am Montag in Berlin. Man habe von den Amerikanern bereits in der vergangenen Woche Hinweise darauf bekommen. "Das nimmt jetzt zu."

Die US-Regierung hatte am Sonntag erstmals öffentlich Sorgen vor einem IS-Anschlag am Flughafen oder in der Umgebung geäußert. "Die Bedrohung ist real, sie ist akut, sie ist anhaltend", sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, im Sender CNN. Man nehme die Warnungen "absolut todernst". Die militant-islamistischen Taliban und der regional aktive Zweig des IS sind verfeindet und haben in der Vergangenheit gegeneinander gekämpft.

Maas: 351 Deutsche ausgeflogen, weitere 100 noch in Kabul

12.01 Uhr: Die Bundeswehr hat in den vergangenen Tagen über ihre Luftbrücke rund 3800 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen, darunter 351 deutsche Staatsbürger. Das hat Außenminister Heiko Maas am Dienstag im TV-Sender Bild gesagt. Mit weiteren rund 100 Deutschen und ihren Familien, die noch vor Ort ausharrten, stehe man in Kontakt, deren Standorte seien bekannt, sagte Maas. Auch heute versuche die Bundeswehr wieder, diese Menschen einigermaßen sicher an den Flughafen zu bringen.

Maas sagte, Deutschland spreche auch mit den Taliban, um etwa zu gewährleisten, dass deutsche Staatsbürger Kontrollpunkte der Islamisten passieren können. Dies sei "schrecklich", aber dazu gebe es derzeit keine Alternative.

Gleichzeitig geht der Außenminister nicht davon aus, dass tatsächlich alle ausreiseberechtigten Afghanen in den nächsten Tagen vom Flughafen Kabul aus in Sicherheit gebracht werden können. "Wir werden in den verbleibenden Tagen dieser militärischen Evakuierungsaktion nicht alle aus Afghanistan rausbekommen könne", sagte Maas.

Bundeswehr fliegt weitere Menschen aus

11.29 Uhr: Mit einer Bundeswehr-Maschine sind abermals mehr als 200 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen worden. Der Militärtransporter des Typs A400M startete heute vom Flughafen der Hauptstadt Kabul mit 206 Menschen an Bord ins Nachbarland Usbekistan, wie die Bundeswehr per Twitter mitteilte. Von dort geht es dann weiter nach Deutschland. Insgesamt hat die Bundeswehr inzwischen mehr als 3650 Bundesbürger, Afghanen und Bürger anderer Staaten aus Kabul evakuiert.

Patennetztwerk: Lage am Flughafen Kabul bleibt extrem gefährlich

10.31 Uhr: Das Patenschaftsnetzwerk Afghanischer Ortskräfte befürchtet, dass viele einheimische Helfer der westlichen Staaten nicht rechtzeitig aus Afghanistan ausgeflogen werden können. Die chaotische Lage am Flughafen der Hauptstadt Kabul werde sich voraussichtlich nicht entspannen, sagte Sven Fiedler von dem Patenschutznetzwerk im Deutschlandfunk. Vor allem für Familien mit Kindern sei die Situation am Airport extrem gefährlich. Viele visaberechtigte Ortskräfte, die auf den Ausreiselisten stünden, würden am Tor des Flughafens nicht vorgelassen.

Dem Netzwerk sei wegen der chaotischen Zustände wenig über den Verbleib vieler Ortskräfte bekannt, zumal die Telefon- und Internetverbindungen schlecht seien, sagte Fiedler. Es sei extrem schwierig zu sagen, wie viele Ortskräfte bereits gerettet worden seien und wie viele es überhaupt nach Kabul geschafft hätten. Zudem gebe es weiterhin Ortskräfte, die keine Berechtigung für ein Visum hätten, etwa weil sie vor 2013 für die Bundeswehr gearbeitet hätten.

Dies sei aus Sicht des Patenschaftsnetzwerks moralisch "absolut falsch, weil die Taliban keinen Unterschied machen, ob jemand vor drei oder vor sieben Jahren" für die NATO gearbeitet habe, sagte Fiedler. Bereits heute gebe es Berichte, wonach die Aufständischen bewusst nach ehemaligen Ortskräften oder Helfern von ausländischen Mächten suchten, und vereinzelt sogar Nachrichten von Hinrichtungen.

US-Vizepräsidentin Harris verteidigt Abzug

7.51 Uhr: US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat den Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan verteidigt. Präsident Joe Biden habe "die mutige und richtige Entscheidung" getroffen, einen seit 20 Jahren dauernden Krieg zu beenden, sagte Harris bei einem Besuch in Singapur. "Wir hatten das erreicht, wofür wir dorthin gegangen waren."

Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban liege der Fokus nun auf der Evakuierung von US-Amerikanern, von Bürgern aus Partnerländern und von Afghanen, die mit den USA zusammengearbeitet haben.

Bundeswehr flog bislang mehr als 3650 Menschen aus

6.07 Uhr: Der um 22.29 Uhr MESZ in Kabul gestartete A400M ist um 23.48 Uhr MESZ nach Angaben der Bundeswehr mit 211 weiteren Schutzbedürftigen in Taschkent gelandet. Seit Beginn der Operation seien damit bislang mehr als 3650 Menschen durch die Bundeswehr aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen worden.

Frankreich: Fünf Männer wegen Taliban-Verbindung unter Bewachung

3.24 Uhr: In Frankreich stehen fünf Männer nach ihrer Evakuierung aus Afghanistan wegen möglicher Verbindungen zu den islamistischen Taliban unter Bewachung. Dies teilte Innenminister Gérald Darmanin via Twitter mit. "Frankreich ist human, aber auch wachsam", schrieb er in seinem Tweet, dem ein Bericht der Nachrichtenagentur AFP über die Verdächtigen beigefügt war. Einem der Männer gelang es offenbar bei den chaotischen Evakuierungen in Kabul durchs Netz zu schlüpfen. Seine Frau und Kinder seien auch auf dem Flug gewesen, stünden aber nicht unter Verdacht.

Lambsdorff fordert von G7-Gipfel "humanitäre Korridore" für Afghanistan

2.30 Uhr: Der FDP-Faktionsvize Alexander Graf Lambsdorff hat vom G7-Gipfel an diesem Dienstag "humanitäre Korridore" für Afghanistan gefordert. "Der G7-Gipfel sollte sich dafür aussprechen, dass die UN humanitäre Korridore nach Afghanistan legen, um die Menschen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen. Damit könnte der Flüchtlingsdruck zumindest gelindert werden", sagte Lambsdorff unserer Redaktion. Die UN, die eine Mission in Afghanistan hätten, sollten versuchen, das mit den Taliban vereinbaren.

"Die wichtigste Aussage des G7-Gipfels wäre eine klare Aufstockung der Mittel für das Flüchtlingshilfswerk und das Welternährungsprogramm der UN", fügte der FDP-Politiker hinzu. "Afghanistans Nachbarländer sollten durch das Flüchtlingshilfswerk der UN unterstützt werden - und zwar in erster Linie Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan und Pakistan. Sollte die Türkei unter einer neuen Flüchtlingswelle aus Afghanistan leiden, müsste auch die Türkei unterstützt werden."

CDU-Außenexperte kritisiert "Abhängigkeit" der Bundeswehr von "einem einzigen Partner"

1.00 Uhr: Der Außen- und Sicherheitsexperte der Union im Bundestag, Roderich Kiesewetter, hat im Zusammenhang mit der Lage in Afghanistan eine Überprüfung der Auslandseinsätze der Bundeswehr mit Blick auf die Eigenständigkeit der deutschen Einheiten gefordert. "Für mich ist eine zentrale Lehre aus dem Desaster in Afghanistan: Wir müssen alle aktuellen Einsätze der Bundeswehr einer Prüfung unterziehen, ob die Soldatinnen und Soldaten bei einem rasanten Abzug anderer internationaler Truppen und vor allem der Amerikaner in der Lage sind, einen Einsatz eigenständig weiterzuführen", sagte Kiesewetter dieser Redaktion.

Es könne nicht sein, dass "die Bundeswehr bei Einsätzen von Personal und Kriegsgerät von einem einzigen Partner abhängig ist", so der Obmann der Union im Auswärtigen Ausschuss im Bundestag. "Ich sehe etwa den gefährlichen Einsatz der Bundeswehr in Mali derzeit kritisch. Die deutschen Einheiten haben vor Ort in Mali keine bewaffneten Drohnen und keine eigene Möglichkeit, Angriffe aus der Luft zu starten." Das sei nicht hinnehmbar, "wenn Deutschland militärisch im Ausland agiert. Hier müssen wir alle Einsatzorte der Bundeswehr genau überprüfen", sagte Kiesewetter.

Baerbock fordert Afghanistan-Untersuchungsausschuss

0.45 Uhr: Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock hat der Bundesregierung vorgeworfen, afghanische Ortskräfte aus innenpolitischen Erwägungen nicht rechtzeitig aus Afghanistan ausgeflogen zu haben. "Das ist wirklich für die deutsche Außenpolitik katastrophal und erst recht natürlich für die Afghaninnen und Afghanen dort im Land", sagte Baerbock in einem Interview mit zehn ARD-Popwellen. Die Fehler des Afghanistan-Einsatzes müssten in einem Untersuchungsausschuss aufgearbeitet werden.

Baerbock sprach sich zudem für eine Afghanistan-Konferenz aus, an der aus ihrer Sicht auch Russland, China und die Nachbarstaaten Afghanistans teilnehmen sollten. Die USA forderte sie auf, für eine weitere Offenhaltung des Flughafens in Kabul zu sorgen.

Nachrichten zur Lage in Afghanistan am Montag, den 23. August: EU-Ratsvorsitz beruft Sondertreffen zu Afghanistan ein

22.26 Uhr: Der Vorsitz im Rat der EU hat für Donnerstag ein Sondertreffen zur Lage in Afghanistan einberufen. "Die slowenische Präsidentschaft strebt zu diesem Thema einen Meinungsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten und eine gemeinsame Reaktion der EU an", teilte ein Sprecher am Montagabend mit. Das Treffen werde auf Botschafterebene organisiert, wahrscheinlich werde es in Kürze zudem eine Sondertagung der EU-Innenminister zu möglichen Auswirkungen der Ereignisse in Afghanistan auf die Migration geben.

Slowenien hat den alle sechs Monate wechselnden EU-Ratsvorsitz seit Juli inne. Als kleines Land mit nur rund 2,1 Millionen Einwohnern besitzt es bei europäischen Entscheidungsprozessen normalerweise keinen besonders großen Einfluss. Als EU-Vorsitzland kommt ihm nun aber für eine halbes Jahr eine wichtige Rolle bei der Themensetzung und bei der Lösung von Meinungsverschiedenheiten zwischen den EU-Staaten zu.

WHO warnt - Medikamente in Afghanistan werden knapp

21.21 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, dass die Versorgungsgüter für Afghanistan nur noch wenige Tage reichen werden. Es seien zwar viele Tonnen Güter bereit für den Transport, doch Flüge zum Flughafen in Kabul nicht möglich. Benötigt würden Erste-Hilfe-Kits sowie wichtige Medizin für die Behandlung von Krankheiten wie Diabetes.

21.00 Uhr: Am Flughafen Kabul greifen Unbekannte Soldaten an. Spezialeinheiten rücken aus. Doch die Zeit der Rettungsflüge aus Afghanistan könnte gezählt sein.

Pentagon bemüht um Abschluss der Evakuierungen bis Ende August

20.21 Uhr: Das US-Verteidigungsministerium plant weiterhin einen Abzug aller amerikanischen Truppen vom Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul bis Ende August. Ziel sei, den Evakuierungseinsatz bis zu dieser Frist abzuschließen, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Montag in Washington. Darauf seien derzeit alle Kräfte konzentriert.

Zu der Ankündigung der Taliban, sie würden einer potenziellen Verlängerung der Evakuierungsmission westlicher Staaten aus Afghanistan keinesfalls zustimmen, sagte Kirby, man habe die öffentlichen Äußerungen der Taliban gesehen und sei sich bewusst, dass dies ihr Wunsch sei.

Der Pentagon-Sprecher wies wiederholte Nachfragen, wie sich eine mögliche Verlängerung der Frist gestalten könnte, als hypothetisch zurück und betonte, an diesem Punkt sei man nicht. Derzeit liege der Fokus darauf, an dem Zeitplan bis zum 31. August festzuhalten.

Maas strebt zivilen Weiterbetrieb des Kabuler Flughafens an

19.15 Uhr: Der Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul sollte nach dem Willen von Außenminister Heiko Maas (SPD) auch nach dem Abzug deutscher und anderer ausländischer Truppen weiter für Evakuierungsflüge genutzt werden können. Deutschland sei mit den USA, der Türkei und anderen Partnern im Gespräch mit dem Ziel, einen zivilen Weiterbetrieb für Evakuierungsflüge zu gewährleisten, sagte Maas am Montag in Berlin. "Darüber werden wir auch weiter mit den Taliban sprechen müssen und tun dies auch."

Nato will kein konkretes Datum für Ende von Evakuierungen nennen

18.31 Uhr: Die Nato will derzeit kein konkretes Datum für ein Ende der Evakuierungsflüge aus Afghanistan nennen. "Die Lage am Flughafen in Kabul bleibt extrem herausfordernd und unberechenbar", sagte ein Bündnissprecher am Montag in Brüssel. Gemeinsam mit alliierten Truppen werde daran gearbeitet, die Evakuierungen fortzusetzen. Derzeit verließen täglich Dutzende Flüge Kabul.

Weitere Gespräche zum Thema wird es nach Angaben des Sprechers bei dem per Videokonferenz organisierten G7-Sondergipfel zur Lage in Afghanistan an diesem Dienstag geben. An den Beratungen nimmt auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg teil.

Der Zeitplan der USA sieht eigentlich vor, alle Truppen bis zum 31. August abzuziehen, was bedeuten würde, dass der Evakuierungseinsatz für Ausländer und durch die Taliban gefährdete Afghanen vermutlich schon Ende dieser Woche enden müsste. Zuletzt hat US-Präsident Joe Biden allerdings angekündigt, dass die US-Regierung im Gespräch mit dem Militär über eine mögliche Verlängerung der Evakuierungsmission über das Monatsende hinaus ist. Mehrere Nato-Partner sprechen sich dafür aus, diese Option in Erwägung zu ziehen. Dagegen sprechen allerdings Warnungen der Taliban. Sie wollen einer Verlängerung der Evakuierungsmission westlicher Staaten nicht zustimmen.

USA richten in Deutschland Notunterkünfte für Afghanen ein

18.07 Uhr: Rund 4000 aus Afghanistan ausgeflogene Menschen könnten vorübergehend auf US-Stützpunkten in Bayern und Rheinland-Pfalz untergebracht werden. Wie ein Sprecher der US Army Europe der Deutschen Presse-Agentur am Montag bestätigte, werden an den Standorten Grafenwöhr und Kaiserslautern entsprechende Vorbereitungen getroffen.

Demnach sollen in Sicherheit gebrachte Menschen dort so lange bleiben, bis sie zu ihren endgültigen Zielorten gebracht werden können. Neben Unterbringung und Verpflegung werde es auch medizinische Versorgung geben, hieß es.

In Kaiserslautern sollen die Menschen den Angaben zufolge in der Anlage "Rhein Ordnance Barracks" untergebracht werden, in Grafenwöhr auf dem dortigen Truppenübungsplatz der US-Streitkräfte.

Grund für die Vorbereitungen ist, dass die USA derzeit ihren riesigen Militärstützpunkt im pfälzischen Ramstein als ein Drehkreuz für die Evakuierung von Schutzsuchenden aus Afghanistan nutzen. Die dortigen Unterbringungsmöglichkeiten sind allerdings begrenzt und könnten bald ausgeschöpft sein.

USA fliegen binnen 24 Stunden mehr als 10.000 Menschen aus

14.54 Uhr: Bei der Evakuierungsmission in Afghanistan haben die USA erstmals innerhalb von 24 Stunden mehr als 10.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Zwischen dem frühen Sonntagmorgen und dem frühen Montagmorgen hätten 28 Flugzeuge des US-Militärs rund 10.400 Menschen außer Landes gebracht, teilte das Weiße Haus mit. Im selben Zeitraum hätten außerdem 61 Maschinen internationaler Partner rund 5900 Menschen evakuiert. Seit dem Start der Evakuierungsmission Mitte August hätten die Vereinigten Staaten insgesamt rund 37.000 Menschen entweder selbst aus Afghanistan ausgeflogen oder deren Ausreise ermöglicht

Bericht: Kanzleramtschef Braun unter Druck

13.53 Uhr: Die SPD-Bundestagsfraktion macht angesichts der Krise in Afghanistan Druck auf Kanzleramtschef Helge Braun (CDU). Der Kanzleramtschef, dem die deutschen Geheimdienste unterstellt sind, müsse sich zu der Frage erklären, ob Warnungen des Bundesnachrichtendiensts vor einer Rückkehr der radikalislamischen Taliban an die Macht nicht ausreichend gewürdigt worden seien, sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Carsten Schneider dem "Spiegel".

Er forderte Braun auf, am Mittwoch in der Sitzung des zuständigen Bundestagsausschusses Auskunft darüber zu geben. Hintergrund sind "Spiegel"-Recherchen, wonach der BND bereits Ende 2020 vor einem Fall der afghanischen Regierung warnte.Das Kanzleramt habe damals ein ausführliches Dossier zur Zukunft Afghanistans ohne die internationale Truppenpräsenz bekommen. In dem Papier beschrieben die BND-Experten laut "Spiegel" unter dem Schlagwort "Emirat 2.0" die Rückkehr der Taliban an die Macht nicht mehr als eines von mehreren Szenarien, sondern wägten nur noch ab, wie schnell die Regierung in Kabul zusammenbrechen würde.

Bundeswehr nun auch außerhalb des Flughafens Kabul im Einsatz

13.02 Uhr: Wegen der dramatischen Situation am Flughafen Kabul und der teils blockierten Zugänge ist die Bundeswehr nun auch außerhalb des geschützten Airports im Einsatz, um Menschen sicher zu den Evakuierungsflügen zu bringen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte am Montag bei "Bild TV", es sei im Moment fast nicht mehr möglich, zum Flughafen zu gelangen. "Deswegen müssen wir sehr viel stärker dazu übergehen, die Leute sozusagen abzuholen. Das tun wir."

Nach einem Bericht von "Bild TV" haben Elitesoldaten des Kommando Spezialkräfte (KSK) eine Münchner Familie aus Kabul gerettet und während der Mission das Gelände des Flughafens verlassen. Bei der Geheim-Operation "Blue Light" hätten sich die deutschen Soldaten zu Fuß vorgearbeitet und eine 19-jährige Münchnerin, ihren kleinen Bruder und ihre Mutter gerettet, hieß es unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die Operation habe rund eine Stunde gedauert. Bisher hatte sich die Evakuierungsmission der Bundeswehr auf das Flughafengelände beschränkt. Zwei Hubschrauber, die zur Evakuierung von gefährdeten Menschen aus dem Stadtgebiet nach Afghanistan gebracht worden waren, kamen bisher nicht zum Einsatz.

Kramp-Karrenbauer bestätigte die Geheimoperation des KSK zwar nicht direkt, dementierte sie auf mehrfache Nachfrage aber auch nicht. Und sie lobte ausdrücklich, dass das KSK in Kabul wie auch die Sanitäter, Fallschirmjäger oder die Besatzungen der Transportflugzeuge einen tollen Job machten.

Kramp-Karrenbauer bestätigt Terrordrohungen in Kabul

12.20 Uhr: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Lage in der afghanischen Hauptstadt Kabul als sehr angespannt beschrieben und bestätigt, dass es zunehmend Terrordrohungen gebe. "Wir haben unglaublich viele Flüchtlinge in der Stadt, wir haben eine verschlechterte Versorgungslage, wir haben zunehmend auch Drohungen auch von anderen terroristischen Gruppen", sagte die CDU-Politikerin am Montag bei "Bild TV". Weitere Einzelheiten nannte sie nicht.

Flughafen Kabul: Mehrere Verletzte mit Schusswunden im Krankenhaus

12.11 Uhr: Nach dem Feuergefecht am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens sechs Verletzte mit Schusswunden ins Krankenhaus gekommen. Das teilte die Nichtregierungsorganisation Emergency am Montag bei Twitter mit, die ein Krankenhaus in Kabul betreibt. Es sei aber keiner der Angeschossenen in Lebensgefahr. Seit Samstag früh seien in dem Krankenhaus 14 Schwerverletzte aufgenommen worden, 26 weitere seien notärztlich behandelt worden.

Kramp-Karrenbauer will über persönliche Konsequenzen nachdenken

12.00 Uhr: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) will nach dem Ende des Evakuierungseinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan über persönliche Konsequenzen aus Fehlern vor der Machtübernahme der Taliban nachdenken. "Wenn diese Mission zu Ende ist, dann werde ich für mich selbst sehr genau überlegen, welche Verantwortung ich getragen habe, welcher Verantwortung ich gerecht geworden bin, wo vielleicht auch nicht - und welche Schlüsse ich persönlich daraus ziehen muss", sagte sie am Montag bei "Bild TV".

Sie machte aber deutlich, dass sie sich nun zunächst auf die Evakuierungs-Mission konzentrieren wolle. "Ich bin die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt, und die muss vorne an Bord stehen in dem Moment, wo eine so gefährliche militärische Mission läuft, in die ich die Leute ja auch geschickt habe." Bei einem Krisengespräch im Kanzleramt unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntagabend sei es nicht um Personalfragen gegangen. "Es ging genau um die Frage: Wo stehen wir mit der Evakuierung, was machen die politischen Bemühungen." Außerdem sei es um die Verlängerung des Evakuierungseinsatzes gegangen.

Taliban-Sprecher: Werden Verlängerung der Evakuierung nicht zustimmen

11.29 Uhr: Die Taliban wollen einer Verlängerung der Evakuierungsmission westlicher Staaten aus Afghanistan nicht zustimmen. Das sagte ein Sprecher der militant-islamistischen Organisation dem britischen Nachrichtensender Sky News am Montag. "Würden die USA oder Großbritannien zusätzliche Zeit erbeten, um die Evakuierungen fortzusetzen, wäre die Antwort ein Nein", sagte Suhail Schahin, ein Mitglied der Taliban-Delegation in Doha, der Hauptstadt Katars.

Die für den 31. August festgesetzte Frist sei eine "rote Linie", so der Schahin weiter. Sie zu verschieben, käme einer Verlängerung der militärischen Besatzung seines Landes gleich. Dazu gebe es keinen Grund. Er fügte hinzu: "Es wird Misstrauen schaffen zwischen uns. Wenn sie vorhaben, die Besatzung zu verlängern, wird das eine Reaktion hervorrufen".

Taliban: Pandschir-Frage soll politisch gelöst werden

9.36 Uhr: Die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan wollen die offene Machtfrage in der noch nicht von ihnen eroberten Provinz Pandschir durch Gespräche lösen. Pandschir im Nordosten Kabuls ist die einzige Provinz, die noch nicht von den Islamisten kontrolliert wird. Man bemühe sich, das Problem mit politischen Mitteln zu lösen, erklärten die Taliban am Montag auf Twitter. Gleichzeitig hieß es, Taliban-Kämpfer aus den Nachbarprovinzen Pandschirs - Badachschan, Tachar und dem Bezirk Andarab in Baghlan - hätten Positionen in der Nähe der Provinz bezogen.

Weiter hieß es, in den Bezirken Pul-i Hisar und Dih Salah in der Provinz Baghlan sei jegliche feindliche Präsenz beseitigt worden. In den vergangenen Tagen hatte es Berichte von Scharmützeln örtlicher Milizen mit Taliban in der Provinz Baghlan gegeben. Am Samstag hatte der bisherige Vorsitzende des Rates für Nationale Versöhnung, Abdullah Abdullah, Gespräche über die Zukunft der Provinz Pandschir mit Vertretern aus der Provinz abgehalten.

Pandschir konnte von den Taliban auch während ihrer ersten Herrschaft zwischen 1996 und 2001 nicht erobert werden. Das lag neben dem erbitterten Widerstand der Nordallianz auch an der geografischen Lage - der Eingang zum Tal ist eng und gut zu verteidigen. Während die Islamisten in den vergangenen Monaten praktisch in allen Provinzen angriffen, gab es nur vereinzelte Angriffe auf Pandschir.

Großbritannien meldet mehr als 5700 Evakuierungen aus Afghanistan

8.29 Uhr: Großbritannien hat seit der Machtübernahme der Taliban mehr als 5700 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht. Seit dem Start der Evakuierungen am 13. August seien 5725 Menschen aus Kabul ausgeflogen worden, darunter mehr als 3100 ehemalige afghanische Ortskräfte und deren Angehörige, wie das britische Verteidigungsministerium am Sonntagabend mitteilte.

Unter den Ausgeflogenen seien neben den Afghanen diplomatisches Personal sowie Staatsbürger Großbritanniens und anderer Länder. Der britische Befehlshaber vor Ort, Dan Blanchford, nannte den Einsatz "sehr komplex und schwierig". Familien und Einzelpersonen hätten "entsetzliche Schwierigkeiten", zum Flughafen zu gelangen. Seine Soldatinnen und Soldaten erlebten "herzzerreißende Szenen".

Angesichts des geplanten Abschlusses des Abzugs der US-Truppen bis Ende August betonte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace unterdessen in der "Mail on Sunday", die USA hätten "die volle Unterstützung" Großbritanniens für eine Verlängerung des Einsatzes.

Feuergefecht am Flughafen in Kabul - ein Toter

6.38 Uhr: Bei einem Feuergefecht afghanischer Sicherheitskräfte sowie deutscher und US-amerikanischer Soldaten mit unbekannten Angreifern am Flughafen Kabul ist eine afghanische Sicherheitskraft getötet worden. Drei weitere wurden am Montagmorgen verletzt, wie die Bundeswehr auf Twitter mitteilte. Alle deutschen Soldaten seien unverletzt geblieben.

Nach Angaben der Bundeswehr kam es zu dem Schusswechsel gegen 4.15 Uhr (MESZ) am Nordtor des Airports. Von dem Flughafen starten die Evakuierungsflüge, mit denen westliche Staaten nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban eigene Bürger und afghanische Ortskräfte außer Landes bringen.

Die Bundeswehr hat inzwischen mehr als 2700 Menschen aus Kabul ausgeflogen, darunter mehr als 1800 Afghanen. In der Hauptstadt des Nachbarlandes Usbekistan, Taschkent, landete nach Angaben der Bundeswehr aus der Nacht ein Flugzeug mit 213 Passagieren. Vor einer Woche hatten die militant-islamistischen Taliban Kabul erobert und die Macht übernommen. Seitdem fürchten sich Oppositionelle, Journalisten, Menschenrechtler und auch Ortskräfte, die für westliche Staaten tätig waren, vor Racheaktionen.

Städtebund dringt auf Vereinbarungen zu Afghanistan-Flüchtlingen

6.02 Uhr: Der Deutsche Städte- und Gemeindebund dringt auf internationale Vereinbarungen zu Flüchtlingen aus Afghanistan. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte der "Rheinischen Post" (Montag), der Städte- und Gemeindebund plädiere für eine großzügige Aufnahme der für Deutschland tätigen afghanischen Ortskräfte und ihrer Familien in Deutschland. Dies sei eine moralische und humanitäre Verpflichtung. "Wir müssen allerdings davon ausgehen, dass über diesen Personenkreis hinaus viele Afghanen ihr Heil in der Flucht suchen werden." Hier müsse es internationale Vereinbarungen mit den unmittelbaren Nachbarstaaten, gegebenenfalls aber auch Kontingente unter Einbeziehung der USA, Kanadas, Großbritanniens und der EU geben.

"Dabei muss sichergestellt werden, dass nicht gerade Deutschland, das schon sehr viele Flüchtlinge etwa aus Syrien aufgenommen hat, am Ende die Hauptlast trägt. Letztlich wird eine solche Kontingentlösung allerdings nur funktionieren, wenn die internationale Gemeinschaft die zukünftige Staatsführung in Afghanistan einbinden kann."

Linke-Fraktionschefin für Aufnahme von Afghanistan-Flüchlingen

5.34 Uhr: Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Amira Mohamed Ali, befürwortet die Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan. "Es ist noch völlig offen, wie viele Menschen fliehen werden. Als Deutschland haben wir nach 20 Jahren Militäreinsatz im Land jedoch eine Verantwortung, der wir gerecht werden müssen", sagte Mohamed Ali der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montag). Das
beinhaltet demnach auch, "dass man Menschen nach Deutschland kommen lässt".

Nachrichten zur Lage in Afghanistan am Sonntag, den 22. August: Merkel berät im Krisenstab zu Afghanistan

21.54 Uhr: Die Lage in Afghanistan ist Thema von Krisenstab-Beratungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Kanzlerin ließ sich dazu nach dpa-Informationen am Sonntag direkt nach ihrer Rückkehr von einem Ukraine-Besuch mit einem Hubschrauber der Bundeswehr-Flugbereitschaft ins Kanzleramt fliegen.

Die "Bild" berichtete, dass an den Beratungen auch Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) teilnehmen werde. Das Bundespresseamt äußerte sich am Abend auf Anfrage nicht dazu - das Auswärtige Amt ebenfalls nicht, es verwies auf das Kanzleramt.

USA fürchten IS-Anschlag am Flughafen Kabul

19.05 Uhr: Die US-Regierung hat Medienberichte über die Gefahr eines Anschlags der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) am Flughafen Kabul oder in der Umgebung bestätigt. "Die Bedrohung ist real, sie ist akut, sie ist anhaltend", sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, im Sender CNN.

"Wir arbeiten intensiv mit unseren Geheimdiensten zusammen, um herauszufinden, woher ein Angriff kommen könnte." Man nehme die Warnungen "absolut todernst". Die Taliban und der regional aktive Zweig des IS sind verfeindet und haben in der Vergangenheit gegeneinander gekämpft.

Lage in Kabul weiterhin kritisch - Sorge vor IS-Anschlägen wächst

17.41 Uhr: Trotz einiger Zeichen der Entspannung am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul harren dort weiterhin Tausende verzweifelte Menschen bei großer Hitze und teils chaotischem Gedränge aus. Sieben Zivilisten kamen in dem Tumult ums Leben, wie das britische Verteidigungsministerium mitteilte. Berichten zufolge gingen auch mehrere Kinder verloren.

Zugleich warnte die US-Regierung vor der Gefahr von Terroranschlägen am Airport. Wegen der massiv gestiegenen Zahl an Binnenflüchtlingen - nach UN-Angaben 300.000 allein in den vergangenen zwei Monaten - droht sich die humanitäre Lage in dem vom Krieg gebeutelten Land deutlich zu verschärfen.

Afghanin bekommt Baby an Bord von US-Flugzeug - In Ramstein gelandet

11.39 Uhr: Eine afghanische Frau hat an Bord eines US-Evakuierungsflugzeugs ein Baby zur Welt gebracht. Ihre Wehen und zusätzliche gesundheitliche Beschwerden setzten auf dem Weg zum US-Stützpunkt Ramstein in Deutschland ein, wie das Transportkommando der US-Luftwaffe am Sonntag mitteilte.

Ihr Zustand habe sich verbessert, nachdem die C-17-Transportmaschine niedriger flog und der Luftdruck im Flugzeug sich dadurch erhöhte. Das Manöver habe geholfen, ihr Leben zu retten. Nach der Landung im pfälzischen Ramstein habe die Frau im Laderaum der Maschine mit Hilfe von Soldaten ein Mädchen zur Welt gebracht. Mutter und Kind gehe es gut.

In Afghanistan geht das Bargeld aus

11.22 Uhr: Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan geht den Menschen zunehmend das Bargeld aus. Einwohner Kabuls berichteten der Deutschen Presse-Agentur, die Geldautomaten in der Stadt seien praktisch leer. Banken und auch der Geldwechslermarkt seien seit einer Woche geschlossen. "Alle in der Stadt beschweren sich mittlerweile, dass sie kein Geld abheben können", sagte ein Bewohner.

Ein Mann sagte dem lokalen TV-Sender ToloNews, seine Bank habe zudem eine Obergrenze für Abhebungen eingeführt. Wenn denn ein Geldautomat doch noch befüllt sei, könne man nur 10.000 Afghani (rund 100 Euro) abheben. Viele drücke die Sorge, dass sie angesichts der aktuellen Krise überhaupt nicht mehr an ihr Geld kommen.

GIZ bietet bleibewilligen afghanischen Ortskräften finanzielle Unterstützung

11.07 Uhr: Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) bietet afghanischen Ortskräften, die im Land bleiben wollen, eine finanzielle Unterstützung an. Es handle sich um ein Jahresgehalt zur Überbrückung der schwierigen Lage, sagte am Sonntag ein Sprecher des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Zunächst hatte der "Spiegel" darüber berichtet.

Höchste Priorität habe die Sicherheit der afghanischen Ortskräfte und ihrer Familien, betonte der Ministeriumssprecher. Jede Ortskraft, die evakuiert werden möchte, könne sich und ihre Familie auf den entsprechenden Listen registrieren lassen.

Pro Asyl fordert Verschiebung von US-Truppenabzug aus Afghanistan

11.02 Uhr: Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dazu aufgerufen, sich bei US-Präsident Joe Biden für eine Verschiebung des Truppenabzugs aus Afghanistan einzusetzen. "Der US-Einsatz muss verlängert werden", forderte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt am Sonntag. "Die verzweifelt vor dem Flughafen Ausharrenden brauchen eine Evakuierungsperspektive", sagte er mit Blick auf die dramatischen Zustände am Flughafen von Kabul.

Britische Regierung will Rettungsflüge auch nach dem 31. August

10.33 Uhr: Die britische Regierung setzt sich dafür ein, die Rettungsmission aus Afghanistan über den 31. August hinaus zu verlängern. "Vielleicht dürfen die Amerikaner länger bleiben, dann werden sie unsere volle Unterstützung haben, wenn sie das tun", schrieb der Verteidigungsminister Ben Wallace am Sonntag in einem Gastbeitrag in der "Mail on Sunday".

US-Präsident Joe Biden hatte bislang das Ziel ausgegeben, die Evakuierungen bis Ende des Monats abzuschließen und sich bislang nicht auf eine Verlängerung festlegen wollen. Die britische "Time"" hatte bereits am Samstag unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, dass London sich in Washington dafür stark machen will, den Einsatz auszuweiten.

Berichte: Mehrere Kinder am Flughafen Kabul vermisst

10.02 Uhr: Im Gedränge der Tausenden Menschen am Flughafen Kabul in Afghanistan sind nach Berichten örtlicher Medien mehrere Kinder verloren gegangen. So kümmert sich einer Reportage des Fernsehsenders Ariana News zufolge eine Familie aus der Hauptstadt seit einer Woche um ein Kind im Grundschulalter, das es am Flughafen im Stacheldraht festhängend gefunden hatte. Bis heute seien die Eltern trotz vieler Bemühungen nicht auffindbar, sagte die Familie.

Der etwa sechs Jahre alte Junge habe gesagt, er sei mit den Eltern zum Flughafen gefahren, um das Land zu verlassen. Sein Vater sei vorgegangen, dann sei er selbst aber hingefallen. Kurz darauf habe er beide Elternteile nicht mehr sehen können. Auch lokale Journalisten berichteten in sozialen Medien, dass Menschen Fotos von vermissten Kindern am Flughafen anbringen.

Sieben Tote bei Chaos vor Flughafen in Kabul

9.25 Uhr: Im Gedränge vor dem Kabuler Flughafen sind sieben Afghanen gestorben. Wie das britische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte, versammelten sich erneut Tausende Menschen vor dem Flughafen in der afghanischen Hauptstadt, um das Land nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban zu verlassen. Ein Sprecher bezeichnete die Bedingungen vor Ort als "nach wie vor äußerst schwierig".

Humanitäre Helfer wollen Afghanistan mehrheitlich nicht verlassen

7.01 Uhr: Der Großteil der humanitären Helfer will seine Arbeit in Afghanistan auch nach der Machtübernahme der Taliban fortsetzen. Alle Organisationen der Vereinten Nationen (UN), wie etwa das Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), wollen nach Informationen der "Welt am Sonntag" weiter in dem krisengebeutelten Land bleiben. Nach Angaben des UN-Informationsbüros in Genf handle es sich dabei um etwa 300 ausländische und rund 3000 einheimische Mitarbeiter. "In vielen Provinzen wurden wir von den Taliban gebeten, dass wir bleiben und unsere nachweislich erfolgreiche Arbeit für Kinder fortsetzen", so das Kinderhilfswerk Unicef gegenüber der Zeitung.

Laut Einschätzung des UN-Büros in Kabul in dem "WamS"-Bericht wollen auch die meisten der über 150 nichtstaatlichen Hilfsorganisationen (NGOs) vor Ort bleiben. Dies betreffe mehrere Tausend Mitarbeiter.

EU-Kommission kündigt Unterstützung für EU-Länder bei Aufnahme von Flüchtlingen an

3.44 Uhr: Nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan hat die EU-Kommission die Mitgliedstaaten aufgerufen, sich auf mögliche Fluchtbewegungen aus dem Land vorzubereiten. "Wir sollten nicht warten, bis die Menschen an den EU-Außengrenzen stehen", sagte die EU-Innenkommissarin Ylva Johansson der "Welt am Sonntag". Die Afghanen müssten innerhalb des Landes und in den Nachbarländern der Region unterstützt werden.

Zugleich forderte Johansson die EU-Staaten auf, mehr Flüchtlinge aus Afghanistan auf legalem und sicherem Weg ins Land zu lassen. Sie rufe alle EU-Länder auf, ihre Quoten für Umsiedlungen von Flüchtlingen innerhalb des UNHCR-Programms zu erhöhen. Neben Ortskräften, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten brauchten auch Mädchen und Frauen dringend Schutz. Die EU-Kommission sei bereit, solche Programme zu koordinieren und zusätzliche Finanzhilfen bereitzustellen, sagte die Innenkommissarin.

FDP-Chef Lindner fordert Afghanistan-Untersuchungsausschuss

1.03 Uhr: FDP-Chef Christian Lindner hat einen Afghanistan- Untersuchungsausschuss gefordert. Dort müsse in der nächsten Legislaturperiode alles auf den Tisch kommen, "was nicht funktioniert hat", sagte Lindner der "Bild am Sonntag". "Auch, welche systematischen Schwächen wir bei diesen Einsätzen haben. Das muss aufgeklärt und neu konzipiert werden." Auch die "Fehleinschätzung" des Bundesnachrichtendienstes (BND) zur Lage in Afghanistan müsse Konsequenzen haben, sagte Lindner. "Er muss gegebenenfalls neu aufgestellt werden."

Die Bundesregierung hatte bereits eingestanden, dass sie vom Tempo der Machtübernahme durch die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan überrascht worden war. Am Donnerstag hatten sich vor diesem Hintergrund bereits Politiker von Grünen, FDP und Linken die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im Bundestag nach der Wahl am 26. September vorbehalten. Die Opposition wirft der Regierung vor, die Ausreise der afghanischen Helfer von Bundeswehr und Bundesregierung verschleppt zu haben. Eine Evakuierungsmission der Bundeswehr war Anfang der Woche angelaufen. Im Zuge des Abzugs der internationalen Truppen hatte die Bundeswehr zuvor Ende Juni ihren fast 20 Jahre dauernden Afghanistan-Einsatz beendet.

Borrell: Rettung aller Ortskräfte aus Afghanistan bis Ende August "unmöglich"

0.49 Uhr: Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hält es für unmöglich, bis Ende August alle Ortskräfte der USA und anderer Nato-Staaten aus Afghanistan auszufliegen. "Die Amerikaner wollen bis Ende des Monats 60.000 Menschen ausfliegen. Das ist mathematisch unmöglich", sagte Borrel der Nachrichtenagentur AFP. Er machte die strengen Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen des US-Militärs am Kabuler Flughafen mitverantwortlich für die schleppende Evakuierung.

"Das Problem ist der Zugang zum Flughafen", sagte Borrell. "Die Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen der Amerikaner sind sehr streng." Die EU habe sich bei der US-Regierung bereits darüber "beschwert", berichtete der EU-Chefdiplomat. "Wir haben sie gebeten, mehr Flexibilität zu zeigen." Afghanische Ortskräfte der EU, die das Land verlassen wollten, hätten Schwierigkeiten auf das Flughafengelände zu gelangen.

Borrell schloss sich zugleich den Forderungen mehrerer Nato-Staaten an, den Evakuierungseinsatz des US-Militärs am Kabuler Flughafen über Ende August hinaus zu verlängern. "Wenn die Amerikaner am 31. August abziehen, haben die Europäer nicht die militärische Kapazität, den Militärflughafen zu besetzen und zu sichern, und die Taliban werden die Kontrolle übernehmen", warnte Borrell.

Samstag, den 21. August: Kramp-Karrenbauer gesteht Fehleinschätzung ein

19.31 Uhr: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat eine massive Fehleinschätzung der Bundesregierung angesichts des Vormarschs der Taliban in Afghanistan eingeräumt. "Noch zu Beginn der letzten Woche hat niemand in der internationalen Gemeinschaft damit gerechnet, dass Kabul bereits am Ende der Woche kampflos fallen würde", schrieb Kramp-Karrenbauer in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Brief an Abgeordnete des Bundestags. Zuerst hatte der "Spiegel" darüber berichtet.

"Unsere Lageeinschätzung war falsch, unsere Annahmen über die Fähigkeiten und die Bereitschaft zum afghanischen Widerstand gegen die Taliban zu optimistisch." Ähnlich hatten sich Außenminister Heike Maas (SPD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am 16. August geäußert, dem Tag nach der Einnahme Kabuls durch die Taliban.

US-Streitkräfte: Eingangstore am Flughafen Kabul sind geöffnet

19.02 Uhr: Bei der Evakuierungsmission in Afghanistan fertigen die US-Streitkräfte am Flughafen Kabul an den verschiedenen Eingängen nach eigenen Angaben weiterhin Menschen ab. Eingangstore seien in den vergangenen 24 Stunden nur kurzfristig geschlossen worden, damit "die richtigen Leute" passieren konnten, sagte US-Generalmajor William Taylor am Samstag im Pentagon. Nicht erklären konnten Taylor und Pentagon-Sprecher John Kirby, warum die US-Botschaft in Kabul US-Bürgern am Samstag geraten hatte, nicht zum Flughafen zu fahren. Kirby verwies aber darauf, dass die Lage rund um den Flughafen nicht stabil sei und sich ständig ändere.

Kirby sagte, es gebe "eine geringe Anzahl" von Amerikanern, die auf dem Weg zum Flughafen in den vergangenen Tagen von Taliban drangsaliert oder geschlagen worden seien. Das gelte auch für afghanische Unterstützer des US-Einsatzes. Die meisten Amerikaner würden aber durch die Checkpoints der Taliban gelassen. Die Zuständigen bei den Taliban seien über die Zwischenfälle informiert worden. Die militanten Islamisten haben nach Darstellung der US-Regierung zugesagt, Amerikaner passieren zu lassen. "Es hat den Anschein, dass nicht alle Taliban-Kämpfer die Botschaft verstanden haben oder sich entschlossen haben, sie zu befolgen", sagte Kirby.

Merkel spricht mit Erdogan über Afghanistan

17.59 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan über die Lage in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban gesprochen. "Die Bundeskanzlerin und Präsident Erdogan waren sich einig, dass die Evakuierung schutzbedürftiger Menschen aus Afghanistan weiterhin höchste Priorität hat", teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Samstag mit. Merkel und Erdogan hätten zudem eine enge Zusammenarbeit vereinbart bei der Unterstützung der Arbeit internationaler Organisationen in Afghanistan und seinen Nachbarstaaten - insbesondere des UN-Flüchtlingshilfswerks.

Merkel räumt Fehleinschätzung ein

16.21 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Fehleinschätzungen im Zusammenhang mit der Lage in Afghanistan eingeräumt. "Die afghanische Regierung und Armee sind in einem atemberaubenden Tempo kollabiert", sagte Merkel am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung von CDU und CSU. "Wir haben diese Widerstandskraft stärker eingeschätzt - das gehört zur Wahrheit." Die unerwartete Machtübernahme in Afghanistan habe gezeigt, "wie dramatisch sich die Dinge von einem Tag auf den anderen ändern können".

Derzeit gehe es nun vor allem darum, Menschenleben zu retten und die Gefährdeten außer Landes zu bringen, sagte Merkel. Sie äußerte ihren "tiefen Dank" an alle Bundeswehrangehörigen, die mit der Evakuierungsmission befasst sind. Die Kanzlerin sprach von einer "extrem schwierigen Mission" und fügte hinzu: "Wir möchten, dass sie gesund nach Hause kommen."

Merkel bekräftigte, dass eine kritische Bilanz des langjährigen internationalen Einsatzes in Afghanistan gezogen werden müsse: "Natürlich wird im Anschluss an diese Rettungsmission darüber zu reden sein, was ist geschafft und was ist nicht geschafft in Afghanistan?"

Merz: Maas muss zurücktreten, wenn er Warnungen zu Kabul ignorierte

15.22 Uhr: Der CDU-Politiker Friedrich Merz hat Außenminister Heiko Maas (SPD) wegen dessen Afghanistan-Kurs scharf angegriffen. "Wenn es stimmt, dass die Nachrichtendienste und die Leitung der Botschaft schon Tage vor der Einnahme von Kabul zur Evakuierung geraten haben, der Bundesaußenminister diesen Rat aber ignoriert hat, dann sollte, ja muss er zurücktreten", schrieb Merz in einem am Samstag veröffentlichten Beitrag auf "Focus Online". "Seine Auftritte und Rechtfertigungsversuche sind einfach nur noch peinlich."

Wie ausländische Nachrichtendienste auch hatte der Bundesnachrichtendienst (BND) Tempo und Ausmaß des Siegeszuges der Taliban in Afghanistan bis zuletzt unterschätzt. Nach einem Bericht des "Spiegel" warnte der BND die Bundesregierung aber schon seit
Jahren vor dem Zusammenbruch des afghanischen Staates.

In den vergangenen Tagen hatte es bereits von verschiedenen Seiten Forderungen nach einem Rücktritt des Außenministers gegeben. CSU-Chef Markus Söder hatte sich dafür ausgesprochen, dass Maas nach der Bundestagswahl im September nicht mehr dem Kabinett angehört.

US-Botschaft: Staatsbürger sollen Flughafen Kabul meiden

14.12 Uhr: Die US-Botschaft hat amerikanische Staatsbürger am Samstag dazu aufgerufen, den Flughafen Kabul zu meiden. Aufgrund möglicher Sicherheitsbedrohungen rund um die Eingänge rate man US-Bürgern, nicht zum Flughafen zu fahren und die Gates zu meiden, heißt es in einer Mitteilung der Botschaft am Samstag. Ausnahme sei, wenn der Bürger oder die Bürgerin eine individuelle Anweisung von einem Vertreter der US-Regierung erhalten habe.

Erst vor zwei Tagen hatte die Botschaft in einer Aussendung mitgeteilt, US-Bürger sollten zum Flughafen kommen, wenn sie es selber für sicher hielten. Sie sollten versuchen, an jedem geöffneten Gate den Flughafen zu betreten.

Vizechef der Taliban in Hauptstadt Kabul eingetroffen

11.16 Uhr: Der Vizechef der militant-islamistischen Taliban ist in der afghanischen Hauptstadt eingetroffen. Mullah Abdul Ghani Baradar sei am Samstag nach Kabul gekommen, um mit Taliban-Mitgliedern und weiteren Politikern über die Bildung einer neuen Regierung zu sprechen, bestätigten Taliban-Kreise der Deutschen Presse-Agentur.

Der Mitbegründer der Taliban war nach der Machtübernahme der Islamisten als bislang höchstrangigster Vertreter am Dienstag zunächst in der Stadt Kandahar im Süden des Landes eingetroffen, aus Katar kommend. Mullah Baradar ist Vize-Chef der Bewegung und Leiter des politischen Büros der Taliban in Doha. Es ist unklar, wo sich der Taliban-Führer Haibatullah Achundsada und seine zwei weiteren Stellvertreter Mullah Jakub und Siradschuddin Hakkani befinden und wann sie in Kabul eintreffen könnten.

Entwicklungsminister: Flüchtlinge aus Afghanistan "müssen heimatnah versorgt werden"

3.18 Uhr: Entwicklungsminister Gerd Müller hat größere Anstrengungen gefordert, um Flüchtlinge aus Afghanistan in den Nachbarländern aufzunehmen. "Afghanische Flüchtlinge – das muss unser Ziel sein – müssen heimatnah versorgt werden, zum Beispiel in Pakistan, Iran, der Türkei, Tadschikistan, Usbekistan", sagte der CSU-Politiker im Interview mit dieser Redaktion.

Die von Bundesfinanzminister Olaf Scholz angekündigten 100 Millionen Euro für humanitäre Flüchtlingshilfe seien mit Blick auf die Herausforderungen "entschieden zu wenig", kritisierte Müller. "Erforderlich ist eine internationale Sofortinitiative der G7 und G20 über 5 Milliarden Euro zur Stärkung der UN-Hilfsorganisationen in der Region, besonders des Welternährungsprogramms, von Unicef und des UN-Flüchtlingswerks UNHCR." Daran solle sich Deutschland mit 500 Millionen Euro beteiligen.

Die Programme von WFP, UNHCR und Unicef seien derzeit nur zu 50 Prozent finanziert, mahnte Müller. "Weder in Jemen, Syrien noch in den afghanischen Aufnahmeländern von Flüchtlingen kann deshalb ausreichend geholfen werden."

Veteranenvertretung: Anfragen von Ex-Bundeswehrsoldaten nach psychologischer Beratung "sprunghaft zugenommen"

2.51 Uhr: Veteranenvertreter der Bundeswehr verzeichnen nach dem Machtübernahme der Taliban einen rapide wachsenden psychologischen Beratungsbedarf bei ehemaligen Soldatinnen und Soldaten aus dem Afghanistaneinsatz. Die Anfragen und Kontaktaufnahmen von ehemaligen Bundeswehrangehörigen wie auch von Familienangehörigen hätten "in den vergangenen Tagen sprunghaft zugenommen", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Deutscher Einsatzveteranen, David Hallbauer, dieser Redaktion.

Hallbauer betonte: "Die dramatischen Ereignisse in Afghanistan haben bei etlichen Veteraninnen und Veteranen zu einer Retraumatisierung geführt. Sie haben derzeit enormen Gesprächsbedarf oder suchen psychologischen Beistand." Viele frühere Soldatinnen und Soldaten stellten sich seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan die Sinnfrage. "Sie haben den Eindruck, dass ihr monatelanger, harter Einsatz – oft unter Todesangst - letztlich vergebens war, und Erfolge aus 20 Jahren Afghanistaneinsatz jetzt von den Taliban mit einem Schlag zunichte gemacht werden", sagte Hallbauer. Viele Veteranen sagen sich: Was ich dort geleistet habe, hat nichts gebracht. "Das setzt vielen ehemaligen Soldatinnen und Soldaten ungeheuer zu", erläuterte Hallbauer.

Auch Familienmitglieder von ehemaligen Bundeswehrangehörigen meldeten sich derzeit vermehrt für Beratungsgespräche. Sie suchten Rat, "wie sie mit dem Trauma ihres Angehörigen umgehen können. Es ist für viele Familien im Moment eine sehr schwierige Situation", betonte Hallbauer.

Nachrichten zur Lage in Afghanistan am Freitag, den 20. August 2021: Dramatische Szenen in Kabul: Baby über Mauer an US-Soldaten übergeben

22.24 Uhr: Am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul kommt es weiter zu dramatischen Szenen. In einem Videoclip, der sich am Freitag in sozialen Medien und in US-Medien verbreitete, war zu sehen, wie aus einer Menschenmenge ein Baby über eine Mauer mit Stacheldraht an US-Militärs übergeben wurde. Ein Soldat packte das Baby am rechten Arm und reichte es an Kollegen weiter. Ein Sprecher der US-Marineinfanteristen bestätigte am Freitag, der Soldat in dem Clip sei ein Mitglied einer ihrer Einheiten. Das Baby sei zu einer medizinischen Station auf dem Gelände gebracht worden. Zu den Umständen der Szene - etwa dazu, was mit den Eltern des Kindes ist - äußerte sich der Sprecher auf Anfrage zunächst nicht weiter.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte später in Washington, ein Elternteil des Kindes habe die US-Soldaten in jenem Moment um Hilfe gebeten, weil das Baby krank gewesen sei. Das Kind sei in ein Krankenhaus auf dem Gelände gebracht und dort behandelt worden. Später sei es an den Vater zurückgegeben worden. Der Sprecher sagte, er habe keine weiteren Details zu Vater und Kind und wisse auch nicht, wo sich jetzt aufhielten. Es habe sich von Seiten der US-Militärs um einen "Akt des Mitgefühls" in einer Notlage gehandelt.

Zweiter Deutscher auf dem Weg zum Flughafen Kabul verletzt

21.45 Uhr: In der Nähe des Flughafens Kabul in Afghanistan ist ein weiterer Deutscher verletzt worden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Freitag aus dem Auswärtigen Amt. Es soll eine leichte Verletzung sein. Ob es sich um eine Schussverletzung handelt, blieb zunächst unklar. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass ein anderer Deutscher auf dem Weg zum Flughafen angeschossen wurde. Einer der beiden Verletzten wurde bereits ins usbekische Taschkent ausgeflogen. Der andere ist transportfähig, hält sich aber weiterhin in Kabul auf.

Um den Flughafen herrschen seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban chaotische Zustände. Die Lage ist extrem gefährlich. Die Verzweiflung der Menschen, die auf Evakuierungsflüge gelangen wollen, wird von Stunde zu Stunde größer. Das berichtete ein Augenzeuge am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Demnach halten sich am Eingang zum zivilen Teil, der an einem großen Kreisverkehr liegt, weiterhin Hunderte Menschen auf, die versuchen, auf das Gelände und dann mit Hilfe von westlichen Flugzeugen außer Landes zu kommen. Kämpfer der Taliban feuerten dort in die Luft und schlugen mit Peitschen, um die Leute zu vertreiben.

Athen und Ankara: Afghanistans Nachbarn müssen unterstützt werden

20.10 Uhr: Griechenland und die Türkei haben die internationale Gemeinschaft aufgefordert, Afghanistans unmittelbare Nachbarstaaten angesichts eines möglichen großen Flüchtlingszustroms zu unterstützen. Auf diese Forderung verständigten sich der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Freitag bei einem Telefonat, wie das Büro des griechischen Regierungschefs mitteilte. Die afghanischen Flüchtlinge sollten damit so nahe wie möglich an ihrer Heimat bleiben können.

Griechenland baute mittlerweile an seichten Stellen entlang des an die Türkei grenzenden Flusses Evros neue Zäune auf und versetzte seinen Grenzschutz auf dem Festland und den Inseln in Alarmbereitschaft, wie das Staatsfernsehen (ERT) berichtete. Bislang sei jedoch kein Zustrom von Migranten aus Afghanistan registriert worden.

Angela Merkel bittet Wladimir Putin um Unterstützung

17.27 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin um Unterstützung bei der Rettung afghanischer Ortskräfte gebeten. Für die Bundesregierung habe im Moment Vorrang, möglichst viele Menschen nach Deutschland zu bringen, die in 20 Jahren Nato-Einsatz geholfen hätten, sagte Merkel nach einem Gespräch mit Putin am Freitag in Moskau. Sie habe diesen darum gebeten, in Gesprächen mit den Taliban darauf hinzuweisen, dass eine Zusammenarbeit in humanitären Fragen mit den Taliban besser möglich sei, wenn diese Menschen das Land verlassen könnten.

Merkel sagte, sie habe deutlich gemacht, "dass es ein sehr frustrierender Moment ist zu erleben, dass die Taliban zurückgekehrt sind und das Land kontrollieren". Nun müsse man versuchen, mit ihnen zu reden. Die Kanzlerin bekräftigte erneut, dass es dem Westen mit seinem Einsatz gelungen sei, die von Afghanistan ausgehende akute Terrorgefahr zu bannen. "Aber sie ist nicht dauerhaft gebannt." Alle weitergehenden Ziele seien jedoch nicht erreicht worden.

Angeschossener Deutscher wird nach Frankfurt gebracht

15.20 Uhr: Auf seinem Weg zum Kabuler Flughafen ist ein Deutscher angeschossen worden. Der Vorfall ereignete sich bereits am Donnerstag. Der verletzte Zivilist befindet sich nun auf dem Weg nach Deutschland und soll laut Informationen des "Spiegels" voraussichtlich gegen 16.45 Uhr am Frankfurter Flughafen landen.

Wer den Mann angeschossen hat, ist noch immer nicht geklärt. Am Frankfurter Flughafen wurde inzwischen ein ganzes Gate für die Ankömmlinge aus Afghanistan abgesperrt. Sie werden von der Bundespolizei und dem "Roten Kreuz" versorgt. Auch Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sollen anwesend sein und sich um die noch ausstehenden Visa-Anträge kümmern.

(fmg/dpa/afp)

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