Hochwasserkatastrophe

Konkurrenten Laschet und Scholz gemeinsam im Flutgebiet

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Miguel Sanches
Scholz "berührt" von Solidarität mit Hochwasser-Opfern

Scholz berührt von Solidarität mit Hochwasser-Opfern

Bei einem Besuch in der Hochwasser-Region in NRW zeigt sich SPD-Finanzminister Olaf Scholz "berührt" von der Solidarität mit den Geschädigten.

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Die zwei Kanzlerkandidaten Armin Laschet und Olaf Scholz besuchen das vom Hochwasser gezeichnete Stolberg – aber nicht als Wahlkämpfer.

Berlin.  Die Gäste kommen zu Fuß die Rathausstraße entlang, fast unbemerkt von der Bevölkerung. Es sind nicht viele Passanten unterwegs an diesem Dienstagmittag. Warum sollten sie auch? Es regnet leicht, die Ladenzeile ist geschlossen, auf dem Bürgersteig stapelt sich der Bauschutt, dazwischen eine einsame Waschmaschine. Stolberg bietet auch zwei Wochen nach dem Hochwasser ein Bild der Tristesse.

Patrick Haas fasst gleichwohl wieder Vertrauen. „Wir haben heute Zusagen bekommen“, erzählt der Bürgermeister der 56.000-Einwohner-Stadt im Rheinland, bevor er die Mikrofone Armin Laschet und Olaf Scholz überlässt, den Herren des Geldes. Scholz und Laschet?

Besuch in Stolberg: Laschet und Scholz vermeiden den Wahlkampf

Der Wahlkampf ist in diesem Augenblick Galaxien entfernt von den zwei Männern, die eigentlich Konkurrenten sind und doch hier „eine gemeinsame Antwort des ganzen Landes“ versprechen, wie es Scholz ausdrückt, der Bundesfinanzminister und SPD-Spitzenkandidat.

Kein Vergleich mit der gereizten Stimmung am Vortag in Swisttal, als sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und Unionskanzlerkandidat Laschet massive Vorwürfe anhören musste. Die Wutbürger kamen nicht bis Stolberg.

"Versager": Armin Laschet wegen Flutmanagement beschimpft
Versager - Armin Laschet wegen Flutmanagement beschimpft

Es geht ums Geld: Die Soforthilfe soll deutlich größer ausfallen

Beide sind Wahlkämpfer, beide aber auch zuständig und gefragt, der eine als Landesvater. Für beide ist es ein Heimspiel, buchstäblich für Laschet, der aus Aachen kommt, 17 Kilometer von hier entfernt; im übertragenen Sinne für Scholz, weil Gastgeber Haas – Lehrer, Judokämpfer, Karnevalsprinz – auch ein Sozialdemokrat ist, ein Parteifreund.

Es geht ums Geld. Wichtig sei, „dass es schnell kommt“, betont Laschet. „Es wird mehr Soforthilfe geben“, verspricht Scholz. Mehr als die schon zugesagten 350 Millionen Euro an Soforthilfe für Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz – vermutlich auch mehr an Aufbauunterstützung als bei der Flut 2013. Sechs Milliarden Euro waren es damals. „Es ist sehr gut möglich, dass die Schäden viel größer sind“, sagt der SPD-Mann in der unscheinbaren dunkelgrauen Regenjacke.

Für Scholz gilt: Die Auftritte in den Flutgebieten sind wohldosiert

„Das Geld steht bereit“, bekräftigt Scholz. Besonders bemerkenswert sei, dass die anderen Bundesländer gewillt seien, die Hilfen zu finanzieren. Nächste Woche steht eine Ministerpräsidentenkonferenz an. Der Finanzminister spricht von einer „berührenden Botschaft von Solidarität unter den Ländern“. Und: „Es kann sofort losgelegt werden.“ Scholz redet länger als Laschet. Auf ihn geht – wie man hört – auch der gemeinsame Auftritt in Stolberg zurück.

Es ist sein dritter Besuch in einem Flutgebiet, nach Bayern und Rheinland-Pfalz. Wenn man Finanzminister und Vizekanzler ist, legitimieren sich solche Besuche in Wahlkampfzeiten von selbst. Viele Termine sind nicht presseöffentlich, für den Nachmittag hat er nur noch ein Statement in Eschweiler angekündigt. Weniger ist mehr. Es darf nicht der Eindruck entstehen, das Elend diene als Kulisse für den Wahlkampf.

Laschet hat bitter gelernt: Der Unionskandidat schaut ernst in die Kameras

Für Laschet hat sich bitter gerächt, dass er bei einem Besuch im von der Flut zerstörten Erftstadt unpassend gefeixt und gelacht hat – seither geht es mit seiner Popularität bergab. Während Scholz redet, lässt der CDU-Mann den Blick nachdenklich über alle Köpfe hinweg schweifen. Und wenn er wieder in die Kameras guckt, sieht man einen ernsten Mann für ernste Zeiten.

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