Staatsbesuch

Merkel bei Biden: US-Einreise für EU-Bürger bald leichter?

| Lesedauer: 3 Minuten
Dirk Hautkapp
Merkel trifft Biden im Weißen Haus

Merkel trifft Biden im Weißen Haus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist zu einem Treffen mit US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus in Washington eingetroffen. Am Abend will Biden ein offizielles Abendessen mit Merkel und ihrem Ehemann Joachim Sauer geben.

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Mit "Dringlichkeit" hat Merkel bei ihrem Washington-Besuch um eine Aufhebung der Reiserestriktionen gebeten. Nun will Biden handeln.

Washington. Am Ende der mit einstündiger Verspätung gestarteten Presse-Konferenz mit Joe Biden und Angela Merkel im East Room des Weißen Haus kommt dann doch noch - abseits der vom US-Präsidenten flächendeckend erzeugten Wohlfühl-Atmosphäre für den deutschen Ehrengast - eine potenziell gute Nachricht mit Breitenwirkung.

Amerikas Präsident stimmt de facto der von einer deutschen Journalistin ins Feld geführten Ungleichbehandlung von Europäern und Amerikanern beim transatlantischen Reisen zu und kündigte an, binnen „der nächsten Tage” seine Corona-Experten darüber einzuvernehmen, „wie bald” die seit März vergangenen Jahres geltenden Reise-Beschränkungen für knapp 500 Millionen EU-Schengenraum-Europäer aufgehoben werden können.

USA: Widersprüche bei Corona-Einreiseregelung

Biden konnte dem Argument nicht widersprechen, dass die USA Menschen aus Ländern mit hohen Infektionsraten willkommen heißen, während EU-Bürger, wo die Inzidenzraten niedrig bis moderat sind, nicht oder nur über dubiose Umwege (Türkei, Mexiko) in die USA einreisen dürfen; während Amerikanern Europa schon seit Längerem wieder offensteht.

Die Äußerung des Präsidenten, wenn auch keine eindeutige Vorwegnahme für eine Lockerung, ist bemerkenswert. Biden hatte sich bislang noch nie persönlich einschlägig dazu geäußert. Sondern ließ sich von Experten abschirmen.

Merkel bat mit „Dringlichkeit” um Aufhebung der Restriktionen

Im Lichte des gesamten Abschiedsbesuchs von Bundeskanzlerin Merkel auf der Washingtoner Bühne nach 16 Jahren Kanzlerschaft liegt die Vermutung nahe, dass Biden mit seiner Ankündigung der Klage seiner Besucherin freundlich stattgeben wollte. Merkel hatte mit „Dringlichkeit” darum gebeten, gerade im Sinne der deutschen Wirtschaft in Amerika, die von Personalnachschub quasi abgeschnitten ist, die geltenden Restriktionen endlich aufzuheben; andernfalls wären die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika in Gefahr. Biden will das Gegenteil.

In salbungsvoll klingenden, aber authentisch anerkennenden Worten lobte er Merkels Bilanz als Politikerin mit Weltgeltung als „bahnbrechend”. Dass sie in ihm den mittlerweile vierten US-Präsidenten hintereinander erlebe, mache sie zur raren Expertin: „Sie kennt das Oval Office genauso gut wie ich.”

Biden: „Gute Freunde müssen nicht übereinstimmen"

Konflikte, etwa die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Gas-Pipeline Nord Stream 2 oder den Umgang mit China, seien kein Grund zur Sorge: „Gute Freunde müssen nicht übereinstimmen", erklärte Biden. Zwar sei er überzeugt, dass die deutsch-amerikanische Partnerschaft „auf dem Fundament, das Sie mit aufgebaut haben, noch stärker werden wird“, sagte Biden, „aber persönlich muss ich Ihnen sagen, dass ich Sie bei unseren Gipfeltreffen vermissen werde, das werde ich wirklich.“

Merkel, die nach der Bundestagswahl abtreten will, revanchierte sich mit selten empathischen Blicken, mehrfachem „Lieber Joe” und dem tiefen Dank über einen Austauch der Gedanken, der von „freundschaftlichem Charakter” geprägt gewesen sei. Amerika und Deutschland seien nicht nur „Verbündete und Partner”, fügte die CDU-Politikerin hinzu, sondern eng befreundete Nationen und Freunde”.

Joe Biden - Mehr Infos zum neuen US-Präsidenten

Merkel zu Besuch in Washington: Dinner mit Politprominenz

Vor dem Abflug aus Washington richtete Joe Biden der heute Mittag (Freitag) wieder in Hochwasser-Deutschland zurückerwarteten Regierungschefin ein kleines, aber feines Dinner aus, an dem neben den ehemaligen Außenministern Colin Powell und Hillary Clinton auch die aktuellen republikanischen Top-Politiker in Senat und Repräsentantenhaus, Mitch McConnell und Kevin McCarthy, teilnehmen durften.

Serviert wurden von der Küche des Präsidenten gegrillte Pfirsiche nebst Blattsalat mit Mozzarella und Weißer-Balsamico-Glasur (Vorspeise), Wolfsbarsch mit Pfeffer-Tagliatelle und Kürbis-Tomaten-Brei sowie Zitronenkuchen mit Beerenglasur und Vanilleeis (Nachtisch).

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