Messerattacke

Tat in Würzburg: Gewerkschaft warnt vor „Abschiebe-Debatte“

| Lesedauer: 2 Minuten
Christian Unger
Video von 2018 aufgetaucht - hier spricht der Messerstecher von Würzburg

Video von 2018 aufgetaucht - hier spricht der Messerstecher von Würzburg

Das Attentat in Würzburg lässt viele Fragen offen. Nun ist ein Video von 2018 von dem Täter aufgetaucht. Mehr dazu im Video.

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Der Messerstecher von Würzburg war psychisch auffällig. Polizeigewerkschaft will stärkeren Fokus auf Lage in Flüchtlingsunterkünften.

Würzburg/Berlin.  Das Amtsgericht Würzburg hat sich beim Messerstecher von Würzburg in vier Verfahren mit der vorläufigen Unterbringung in einer Psychiatrie oder einer Betreuung beschäftigt. In keinem der Fälle wurde dies aber letztendlich angeordnet.

In einem Fall hatte eine den Mann behandelnde Einrichtung die Bestellung eines Betreuers sogar angeregt, wie das Amtsgericht mitteilte. Es habe für eine solche Anordnung aber keine ausreichenden Anhaltspunkte gegeben. Zweimal bedurfte es eigenen Angaben zufolge gar keiner Entscheidung durch das Gericht, ein weiteres Verfahren lief zum Zeitpunkt der Tat noch. Zuvor hatte die „Welt“ darüber berichtet.

Der 24-Jährige hatte am vergangenen Freitag in der Würzburger Innenstadt offensichtlich wahllos und ohne jede Vorwarnung mit einem Messer auf mehrere Menschen eingestochen. Drei Frauen im Alter von 24, 49 und 82 Jahren starben. Sieben weitere Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt.

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Ermittler suchen weiter nach den Hintergründen der Bluttat von Würzburg

Derzeit ermittelt die Polizei, ob ein islamistisches Motiv der Tat zugrunde liegt und welche Rolle die psychische Erkrankung des mutmaßlichen Täters gespielt hat.

Der Mann hatte sich vor der Tat mehrfach psychisch auffällig gezeigt und war in Psychiatrien gewesen, einem Bericht der „Main-Post“ zufolge bereits fünfmal. Erst am 14. April wurde das genannte Verfahren um die Bestellung eines Betreuers eingestellt. Es sei keine Betreuung angeordnet worden, weil zu der Zeit keine ausreichenden Anhaltspunkte für die Erfordernis einer Betreuung bestanden hätten, teilte das Gericht mit.

Im Zusammenhang mit der tödlichen Messerattacke hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor einer „simplen Abschiebe-Debatte“ gewarnt. „Trotz der brutalen Tat von Würzburg müssen wir genau hinschauen: Deutschland kann Flüchtlinge mit schweren psychischen Erkrankungen nicht einfach in ihre Heimatländer abschieben“, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der GdP, Jörg Radek, unserer Redaktion. Das gelte besonders, wenn die Menschen aus Kriegsregionen wie Somalia, Afghanistan oder Syrien kommen würden. „Die Rechtslage steht dem entgegen“, hob Radek hervor.

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Gewerkschaft warnt vor einer „simplen Abschiebe-Debatte“

Anstelle einer der Abschiebe-Debatte kommt es laut Radek darauf an, „dass wir genauer in die Flüchtlingsunterkünfte schauen“. Dort brauche es eine stärkere Aufmerksamkeit auf psychische Erkrankungen bei Asylsuchenden.

Radek ergänzte: „Zu häufig fallen hilfesuchende Menschen durch das Raster. Das gilt besonders in den Aufnahmeeinrichtungen und Ankerzentren – werden Menschen in Massenunterkünften kaserniert, wächst das Aggressionspotenzial.“

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(mit dpa)

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