Kanzlerkandidat

Darum trifft Armin Laschet lieber Sophia Thomalla als Rezo

| Lesedauer: 5 Minuten
Dirk Krampitz

CDU-Chef Armin Laschet traf CDU-Mitglied und Moderatorin Sophia Thomalla zum Gespräch. Konnte er die Merkel-Anhängerin überzeugen?

Berlin. Armin Laschet hatte es nicht leicht. Nicht bei seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden, nicht als er CDU-Kanzlerkandidat wurde. Immer gab es Mitbewerber mit vielen Fürsprechern. Sophia Thomalla war „kein Fan von Laschet“ wie sie bekennt. Ihr Herz schlug eher für Friedrich Merz. Doch nun lud der leutselige Menschenfischer Laschet die Schauspielerin und Moderatorin zum Gespräch ein.

Um 19 Uhr sollte es losgehen auf der Facebook-Seite der CDU NRW, aber offenbar gab es kleinere Probleme. Nach sechs Minuten Wartebild mit Geigenmusik hörte man Sophia Thomalla Ansprechprobe „1,2,3,4,5,6,7 in der Schule wird geschrieben“, dann ging es los. Zwischen 450 und 500 pendelte sich die Zahl der Zuschauer ein.

Sophia Thomalla war von Laschets Einladung „positiv überrascht“

„Ich bin wirklich positiv überrascht, dass sie mich eingeladen haben“, sagte Sophia Thomalla gleich zu Beginn des Talks. Gerade vor dem Hintergrund, dass Armin Laschet seine Teilnahme beim Triell der Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl beim Youtuber Rezo abgesagt hatte. „Ich bin ja sehr politikinteressiert“, sagte Thomalla, aber Rezo und der Journalist Tilo Jung, von dem die Idee zum Kandidaten-Streitgespräch stammte, seien doch vielleicht „noch politikinteressierter?“.

Für sie also die Frage: „Warum ich und die anderen beiden nicht?“ Dafür, dass diese Frage erwartbar war, eierte Laschet dann ganz schön herum. „Ich finde solche Duelle der drei Spitzenkandidaten … “ fing er an und sagte nach einigen Umwegen, dass er lieber Journalisten und keine Aktivisten treffen wolle.

„Es sind so viele Duelle, man muss sich konzentrieren.“ Nun ist Sophia Tomalla keine Aktivistin. Aber auch keine Journalistin. Aber sie wollte er ja auch „kennenlernen als unser Mitglied.“ Außerdem: „Das ist kein politisches Interview, das wir machen“, sagte Laschet. Thomalla ruft scherzhaft dazwischen: „Noch nicht!“

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Sophia Thomalla hält im Gespräch mit Laschet nicht hinterm Berg - der CDU-Chef schon

Irgendwann zwischen 2011 und 2012 ist sie in Gelsenkirchen Mitglied der Partei geworden. „Ich bin schon immer ein sehr politikinteressiertes Mädchen gewesen.“ Viele Promis würde ihre politische Orientierung geheim halten, aus Angst vor Ablehnung. „Ich war aber nie ein ängstliches Mädchen, ich habe immer zu dem gestanden, was ich tue.“

Etwas weniger mutig und frei heraus erschien Laschet angesichts der Kanzleraufgabe: Kanzler werden wäre für ihn „noch eine ungewohnte Vorstellung“, gab er zu. „Nach den 16 Jahren Angela Merkel hat man schon Respekt vor dem Amt.“ Sie sei eine „ganz große Kanzlerin, die in der Welt geschätzt wird“.

Sein Motto für den Wahlkampf klingt übrigens auch eher defensiv: „Ich will das machen, ohne die anderen persönlich anzugreifen. Demokraten untereinander sollten fair miteinander umgehen.“

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Sophia Thomalla: Lieber nur Parteimitglied statt selbst Politikerin

Fair, aber sehr offen, eröffnet ihm Thomalla dann auch, dass sie seine Parteitagsrede „very american, ein Stück weit Show“ fand. Sie spielt auf den Moment an, als Laschet die Bergmannsmarke seines Vaters präsentierte, als Beweis seiner Bodenständigkeit. Aber er beteuerte: „Das hatte wirklich mit Authentizität zu tun“. Sein Vater habe sie ihm als Glücksbringer gegeben, nun hänge sie wieder am Schlüsselbund seines Vaters.

Eine klare Absage bekam Laschet in dem Gespräch aber nur auf die Frage, ob Thomalla selbst sich auch einen Einstieg in die Politik vorstellen kann: „Braucht Deutschland eine Politikerin namens Sophia Thomalla? Ich glaube nein. Ich glaube, das wollen wir den Deutschen ersparen!“, erklärte sie.

Laschet will Investitionen ohne Steuererhöhungen finanzieren

Statt der Planung ihrer Politik-Karriere erzählte dann Laschet von seinen politischen Plänen, wenn es etwas werden sollte mit der Kanzlerschaft: Es soll ein eigenes Digitalministerium geben, dass sich um die Digitalisierung auch der Verwaltung kümmert. Sein Kabinett will er paritätisch besetzen. Und mit Fußballspielen vor Zuschauern rechnet er schon zu Beginn der neuen Spielzeit.

Außerdem will er Deutschland bis 2045 zum „klimaneutralen Industrieland“ machen, dank Technologie und Forschung – nicht durch Verbote und Preiserhöhungen. „Wo kommt die Kohle her nach der Corona-Pandemie?“, fühlte ihm Thomalla auf den Zahn. Armin Laschet will auf Wirtschaftswachstum setzen. „Das ist besser als durch hohe Steuern Unternehmen zu vertreiben.“

Hat Armin Laschet die Moderatorin überzeugen können?

Das klingt zumindest nach anstrengenden Verhandlungen mit den Grünen – wenn es zur Koalition kommen sollte. Aber Laschet hielt sich dazu bedeckt. Er wolle sich mit allen demokratischen Parteien unterhalten, sagte er und schränkte dann ein: „Die AfD kommt nicht in Betracht nicht mal zu Gesprächen, die Linke hat auch so komische Vorstellungen, dass wir mit denen auch nicht koalieren wollen.“

Nach gerade einmal 35 Minuten war der Stream der beiden ungleichen Gesprächspartner auch schon vorbei. Das Fazit von Nicht-Fan Thomalla: Sie habe ihre Meinung über Armin Laschet geändert. „Ich wurde eines Besseren belehrt.“

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