Kommentar

Corona und Regelungen: Lockern, aber bitte richtig!

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Miriam Hollstein
Wernigerode: Tische und Stühle stehen vor einem Hotel am Marktplatz für Gäste bereit.

Wernigerode: Tische und Stühle stehen vor einem Hotel am Marktplatz für Gäste bereit.

Foto: Matthias Bein / dpa

Eine zu schnelle und pauschale Aufhebung der Corona-Maßnahmen kann uns sehr viel kosten. Man muss nicht jeden Fehler wiederholen.

Berlin. Sie sind zum Symbol für die Pandemie und die politischen Gegenmaßnahmen geworden: die Schutzmasken, die wir seit Monaten an vielen Orten unseres täglichen Lebens tragen müssen. Erst wurden sie belächelt und von Experten wie der WHO als unwirksam im Kampf gegen Corona bezeichnet, dann wurden sie fast überall zur Pflicht. Jetzt ist mit sinkenden Inzidenzen eine hitzige Debatte entbrannt, ob die Maskenpflicht nicht schleunigst wieder aufgehoben werden sollte.

Die Argumente jener, die auf eine schnelle Aufhebung dringen, sind nachvollziehbar. Das Tragen einer Maske ist ohnehin schon beschwerlich. Mit steigenden Sommertemperaturen wird das Atmen unter der Mund-Nasen-Bedeckung noch mühseliger. Zumal die Sinnhaftigkeit immer weniger einleuchtet.

Corona: Wie lange wollen wir auf Lockerungen noch warten?

Deutschlandweit gibt es derzeit rund 44.000 aktive Corona-Fälle, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 16,6 – und damit deutlich unter den Richtwerten von 50, 30 und 20, die die Regierung bei den Corona-Maßnahmen einmal als Zielmarke für eine Beherrschbarkeit der Pandemie ausgegeben hat. Dänemark hat die Maskenpflicht seit Montag mit Ausnahme des öffentlichen Nahverkehrs gekippt. Wie lange wollen wir mit solchen Lockerungen noch warten? Bis die Inzidenz bei fünf liegt? Bei null?

Doch wie so oft ist eine Antwort auf diese Frage nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen deutlich abnimmt, ist die Pandemie nicht gebannt.

In Großbritannien steigen wegen der sogenannten Delta-Variante die Infektionszahlen wieder, obwohl dort mehr als die Hälfte aller Erwachsenen bereits durchgeimpft ist. Auch bei uns kommt es in Altenheimen wieder vermehrt zu Ausbrüchen, weil die Immunwirkung bei älteren Menschen oft weniger effektiv ist als bei jüngeren.

Ältere Menschen sind nicht die einzige Gruppe, die verletzbar bleibt. Da sind die Risikopatienten, die sich nicht impfen lassen können, aber für die jede Infektion eine große Gefahr darstellt. Da sind jene Menschen, die noch kein Impfangebot bekommen haben, weil nach wie vor nicht genügend Impfstoff vorhanden ist. Und da sind die Kinder und Jugendlichen, deren Risiko, schwer an Corona zu erkranken, zwar deutlich geringer ist, die aber durch die Rückkehr zum Präsenzunterricht auch einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt sind als andere.

In Räumen ist Mund-Nasen-Schutz empfehlenswert

Lockerungen sollte es geben, aber sinnvolle. Draußen erscheinen Masken nicht mehr zwingend angesichts der Temperaturen und der geringeren Ansteckungsgefahr im Freien. Aber für die Fahrt im überfüllten Bus ist das Tragen auch aus Rücksicht auf die genannten Risikogruppen weiter angemessen.

Es ist unsinnig, wenn zweifach geimpfte Lehrkräfte zu acht Stunden Maskentragen verdonnert bleiben. Aber für Schüler und Schülerinnen, die auf engem Raum zusammensitzen müssen, kann bis zu den Sommerferien der Mund-Nasen-Schutz weiter empfehlenswert sein.

Auch ist es ein Unding, dass in manchen Altenheimen die Bewohner und Bewohnerinnen immer noch isoliert leben müssen, aber zugleich nicht konsequent darauf geachtet wird, dass Gäste nur geimpft oder getestet Zutritt erhalten.

Ein pauschales Lockern könnte uns viel kosten. Erinnern Sie sich noch an den vergangenen Sommer? Damals erschien uns eine schnelle Rückkehr zum normalen Leben wichtiger, als darüber nachzudenken, wie wir gezielt die ohnehin niedrige Inzidenz noch eine kurze Zeit und unter Ausnutzung der Vorzüge des Sommers weiter nach unten treiben könnten. Den Preis haben wir im Spätherbst mit einer weiteren Welle gezahlt. Man muss nicht jeden Fehler wiederholen.

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