Finanzen

Rente und Nebenjob: Alles zu Steuer, Beiträgen und Abzügen

| Lesedauer: 7 Minuten
Jan Scharpenberg
So sparen Rentner bei der Steuer

So sparen Rentner bei der Steuer

Seit 2005 müssen Rentner Teile Ihrer Rente versteuern. Doch Sie können viele Kosten angeben, um die versteuerbaren Einkünfte zu verringern und so am Ende Steuern zu sparen. Die Tipps im Video

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Wer sich als Rentner mit einem Nebenjob finanziell absichern möchte, muss einiges beachten. Für 2021 gilt noch eine Corona-Sonderregel.

Berlin. 
  • Nicht für jeden langt die gesetzliche Rente auch für einen Ruhestand
  • Wer im Alter noch hinzuverdienen will, sollte aber ein paar Dinge beachten
  • In unserer Übersicht klären wir, was wichtig ist und welche Corona-Sonderregel für den Hinzuverdienst nur noch dieses Jahr gilt

Für Rentner und Rentnerinnen gibt es viele verschiedene Gründe trotz Ruhestand weiter zu arbeiten oder noch einmal einen neuen Nebenjob anzufangen. Viele ältere Menschen sind schlichtweg auf ein zusätzliches Einkommen zu den gesetzlichen Bezügen angewiesen. Nicht selten geht es aber auch um das Gefühl gebraucht zu werden und weiter Teil der Arbeitswelt zu sein.

Doch wer zu viel verdient, bekommt schnell wieder Geld von der Rente abgezogen. Was es daher für den Nebenjob im Ruhestand zu beachten gilt und welche attraktive Corona-Sonderregel nur noch 2021 gilt, lesen Sie in unserem Überblick.

Wie viel darf man als Rentner abzugsfrei hinzuverdienen?

Entscheidend für diese Frage ist das Eintrittsalter in die gesetzliche (Alters-)Rente. Wer nach erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand geht, darf seinen Verdienst ohne Abzüge auf die Rente behalten. Für alle, die mindestens 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben, wird die Regelaltersgrenze seit 2012 schrittweise auf 67 Jahre angehoben.

Wer zu den Jahrgängen 1949 bis 1963 gehört, kann noch vor dem 65. Geburtstag ohne Abschläge in Rente gehen. Für diejenigen, die 1964 oder später geboren sind, beträgt das Renteneintrittsalter auch nach 45 Beitragsjahren 65 Jahre. Erwerbstätige, die mindestens 35 Jahre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung entrichteten, können mit 63 in Rente gehenallerdings mit Abschlägen. Gerade für diese Gruppe Rentner ist ein finanzielles Zubrot häufig attraktiv.

Wer bereits vor erreichen der Regelaltersgrenze in Rente geht, darf seit der Einführung des Flexi-Rentengesetzes 2017 jedoch nur bis 6300 Euro im Jahr hinzuverdienen. Alles was Frührentner und Frührentnerinnen über die sogenannte Hinzuverdienstgrenze hinaus erwirtschaften, wird zu 40 Prozent von ihren Rentenbeiträgen abgezogen. Diese Regelung gilt auch für Erwerbsminderungsrenten.

Ein Rechenbeispiel:

  • Eine Rentnerin bekommt im Monat 1.000 Euro gesetzliche Teilrente
  • Dazu verdient sie pro Monat 800 Euro in einem Nebenjob. Das ergibt ein zusätzliches Jahreseinkommen von 9600 Euro.
  • Abzüglich der erlaubten 6300 Euro bleiben noch 3300 Euro von denen ihr 40 Prozent also 1320 Euro von ihrer Rente abgezogen werden.
  • Umgerechnet auf zwölf Monate sind das 110 Euro. Die Rentnerin erhält monatlich demnach nur noch 890 Euro Rente. (Die Rente wird generell immer für das ganze Jahr gekürzt, also auf den monatlichen Rentenbezug umgerechnet)

Lesen Sie dazu auch: So rechnen Sie als Rentner ihre Bezüge aus

Rente: Was gilt überhaupt als Nebenverdienst?

Ganz klassisch ist ein Nebenverdienst natürlich der Lohn aus einem Angestelltenverhältnis, also das Arbeitsentgeld. Bei Rentnern und Rentnerinnen gibt es aber auch das Arbeitseinkommen. Dabei handelt es sich um Einnahmen aus selbstständiger Arbeit oder einem Gewerbebetrieb.

Auch Einnahmen aus der Forst- und Landwirtschaft zählen dazu. Einkommen, das im Ausland erwirtschaftet wird, gilt ebenfalls als Nebenverdienst. Vermögenseinkommen, wie zum Beispiel Mieteinahmen oder Zinserträge werden nicht mit einberechnet. Nur bei der Hinterbliebenenrente gelten diesbezüglich strengere Regeln.

Muss ich als Rentner meinen Nebenjob melden?

Frührentner müssen ihren Nebenjob ihrem gesetzlichen Rentenversicherer schriftlich melden. Wer etwa im Juli einen Job antritt, meldet der Rentenversicherung im Vorfeld ein zusätzliches Einkommen und dessen voraussichtliche Höhe von Juli bis Ende Dezember.

"Am 1. Juli des darauffolgenden Jahres kommt es dann zu der sogenannten Spitzabrechnung", sagt Bernd Brückmann von der Stiftung Warentest. Die Rentenversicherung fordert dann den Frührentner auf, sein tatsächlich erzieltes Arbeitsentgelt für das zurückliegende Jahr zu melden.

Corona-Sonderregel für Nebeneinkünfte: Was hat es damit auf sich?

Während der Corona-Pandemie wurde die Hinzuverdienstgrenze für Frührentner deutlich angehoben. 2020 lag sie bei bei 44.590 Euro und 2021 stieg sie noch einmal auf 46.060 Euro. Grund war der gestiegene Personalbedarf in bestimmten Branchen, wie dem Gesundheitswesen. Für Frührentner sollte ein Anreiz geschaffen werden, in diesen Bereichen auszuhelfen. Ab 2022 gilt nach bisherigen Planungen wieder die alte Grenze von 6300 Euro.

Muss ich beim Nebenjob im Ruhestand wieder in die Rente einzahlen?

Rentner und Rentnerinnen, die die Regelaltersgrenze bereits erreicht haben, müssen im Nebenverdienst nicht mehr in die Rentenversicherung einzahlen. Sie können dies aber auf freiwilliger Basis tun und damit ihre Rentenbezüge erhöhen. "Die Erhöhung erfolgt dann immer zum 1. Juli des Folgejahres", erklärt Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Für Frührentner und Frührentnerinnen verhält es sich anders. Ihre Nebentätigkeit ist rentenversicherungspflichtig. Sie zahlen also weiter ein und erhöhen damit ihre Rente. "Das wirkt sich dann aber nicht zum 1. Juli des Folgejahres, sondern erst nach Erreichen der Regelaltersgrenze aus", sagt Manthey.

Ein Sonderfall ist wieder die geringfügige Beschäftigung auf 450-Euro-Basis, also der Minijob. Standardmäßig wird auch bei dieser Beschäftigung in die Rentenversicherung einbezahlt. Pflicht ist das aber nicht. Es kann sich jeder,verrentet oder nicht, entscheiden, ob er den Eigenanteil einbehalten oder in die Rente investieren will.

Rente: Welchen Einfluss hat der Nebenjob auf die Steuererklärung?

Wenn es sich bei dem Nebenverdienst nur um einen Minijob mit einem Gehalt bis 450 Euro pro Monat handelt, hat es keine Auswirkungen auf die Steuer. Denn Minijobs werden pauschal versteuert und müssen auch nicht in der Steuererklärung angegeben werden.

Wer jedoch als Rentner in einem sozialversicherungspflichtigen Verhältnis angestellt ist, muss wie andere Arbeitnehmer auch erst einmal mit seinen Steuern in Vorleistung gehen. Überschreitet ein Rentner mit seinen monatlichen Bezügen plus Nebenverdiensten jedoch nicht den jährlichen Steuerfreibetrag, (2021 sind es 9744 Euro) bekommt er die zu viel gezahlten Steuern zurück oder muss sie als Selbstständiger gar nicht erst zahlen.

Mehr zum Thema erfahren Sie hier: Gerichtsurteil erwartet – Zahlen Rentner zu viele Steuern?

Kann sich ein Nebenjob auf die Betriebsrente auswirken?

Ja, das kann passieren. Vorsicht ist für Frührentner geboten, die Einnahmen über die Hinzuverdienstgrenze haben und gleichzeitig noch eine Betriebsrente beziehen. Denn die Auszahlung der Betriebsrente kann von der Auszahlung der sogenannten Altersvollrente abhängen. "Wenn meine Rente wegen zu hoher Nebeneinkünfte gekürzt wird, beziehe ich aber nur noch eine Altersteilrente und dann kann es sein, dass die Betriebsrente nicht ausgezahlt wird", erklärt Manthey.

Ganz verloren ist sie dann nicht. Sie wird wieder ausgezahlt, wenn auch die Vollrente wieder ausgezahlt wird. Dies ist spätestens nach Erreichen der Regelaltersgrenze der Fall.

Manthey empfiehlt Rentnern und Rentnerinnen daher sich zu individuellen Beratungen mit der gesetzlichen und der betrieblichen Rentenversicherung in Verbindung zu setzen.

(mit dpa)

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