Bundeskanzleramt

Kanzleramt: Alle Infos zum Sitz des Regierungschefs

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Das Bundeskanzleramt spiegelt sich in einer Pfütze.

Das Bundeskanzleramt spiegelt sich in einer Pfütze.

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Das Bundeskanzleramt ist eine oberste Bundesbehörde – und der Sitz des Regierungsoberhaupts. Alle wichtigen Fakten im Überblick.

  • Das Kanzleramt ist Sitz des Regierungschefs in Deutschland und hat eine besondere Rolle
  • Es ist die "Schaltzentrale" der Regierung und dient auch für Absprachen mit den Bundesländern
  • Lesen Sie hier, welche Funktionen das Bundeskanzleramt genau hat

Das Grundgesetz sieht eine herausragende Stellung des Bundeskanzlers vor. Durch einen starken Regierungschef – oder eine starke Regierungschefin – soll politische Instabilität, wie es sie in den Regierungen der Weimarer Republik gab, vermieden werden. Um diese Position zu garantieren, hat der Kanzler, die Kanzlerin eine eigene mächtige Bundesbehörde hinter sich: das Bundeskanzleramt.

Diese Behörde nimmt eine herausgehobene Position in der Arbeit der Regierung, aber auch bei Absprachen mit den Bundesländern ein. Die wichtigsten Fakten zur politischen „Schaltzentrale“ trägt dieser Überblick zusammen.

Was ist gemeint, wenn man vom Bundeskanzleramt spricht?

Zum einen ist das „Bundeskanzleramt“ der Dienstsitz der Kanzlerin oder des Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland. Tatsächlich ist aber nicht nur das Gebäude gemeint, wenn man vom Bundeskanzleramt spricht. Hinter dem Bundeskanzler oder der Bundeskanzlerin steht, ähnlich wie bei den Bundesministerien, ein großer Apparat. Dessen Aufgabe ist es, die Arbeit des Bundeskanzlers zu unterstützen und vorzubereiten. Aufgrund dieser Funktion hat das Bundeskanzleramt auch den Rang einer obersten Bundesbehörde.

Die Arbeit des Kanzleramts besteht nicht nur darin, den Regierungschef oder die -chefin umfassend zu informieren, sondern auch zu allen Ministerien Kontakt zu halten. Dafür gibt es im Bundeskanzleramt sogenannte Spiegelreferate zu den jeweiligen Fachministerien. Die Behörde wird aber nicht vom Bundeskanzler direkt geleitet. Dafür ist der Chef des Bundeskanzleramts zuständig. Seit 2018 ist das der CDU-Politiker Helge Braun (CDU), der damit auch zum Bundesminister für besondere Aufgaben berufen wurde.

Wo befindet sich das Bundeskanzleramt?

Das Kanzleramt hat seinen Hauptsitz in Berlin und seinen zweiten Dienstsitz in der Bundesstadt Bonn. In Berlin ist es Teil des Regierungsviertel und steht offen zum zentralen Platz gegenüber den Gebäuden des Bundestags, dem Reichstag und Paul-Löbe-Haus. Die Fläche soll in Zukunft als eine Art Bürgerforum gestaltet werden. Die Gebäudegruppe, die sich in Berlin-Mitte entlang der Spree zieht, wird auch „Band des Bundes“ genannt. Einst verlief hier die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland.

Bundeskanzleramt: Was ist in der Regierungszentrale untergebracht?

Insgesamt arbeiten für das Bundeskanzleramt rund 600 Mitarbeitende. Der Großteil von ihnen hat ihre Büros im Berliner Amtssitz. Viele der Angestellten werden von den einzelnen Bundesministerien entsendet und finanziert.

Die Zahl der Mitarbeitenden ist seit der Gründung des Kanzleramts stark gestiegen. 1949 arbeiteten nur etwa 120 Menschen zuzüglich Arbeitshilfen in der Behörde. In der Amtszeit von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD), Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre, erhöhte sich die Mitarbeiterzahl auf 450 und stieg dann weiter kontinuierlich an.

Im Bundeskanzleramt sind neben dem Geschäftsbereich des Bundeskanzlers und des Kanzleramtschefs vor allem die bei der Behörde angesiedelten Staatssekretäre und Staatsminister untergebracht. Hierzu zählen aktuell Monika Grütters (CDU), die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Annette Widmann-Mauz (CDU), die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und seit 2018 auch die CSU-Politikerin Dorothee Bär als Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung.

Das Gebäude besteht aus zwei langen Zeilen und einem mittleren Kubus. Wintergärten und die Büros der Mitarbeiter wechseln sich laufend ab. Für offizielle Empfänge, beispielsweise von Staatsgästen, befindet sich vor dem Gebäude ein Ehrenhof.

Wie ist das Bundeskanzleramt organisiert?

Neben den einzelnen Staatministern- und ministerinnen und der Leitungsebene organisiert sich das Kanzleramt in Arbeitsbereichen. Die verwaltungsmäßige Arbeit wird von sieben Abteilungen getragen, die die Zuständigkeiten des Bundeskanzleramts abdecken.

  • Abteilung 1 – auch Zentralabteilung genannt – beschäftigt sich mit Innen- und Rechtspolitik
  • Abteilung 2 arbeitet zu Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik
  • Abteilung 3 deckt den Bereich Sozial-, Gesundheits-, Arbeitsmarkt-, Infrastruktur- und Gesellschaftspolitik ab
  • Abteilung 4 befasst sich mit Wirtschafts-, Finanz- und Energiepolitik. Hier ist auch der persönliche Beauftragte der Bundeskanzlerin für die G7/G20-Gipfel angesiedelt
  • Abteilung 5 arbeitet zur Europapolitik
  • Abteilung 6 beschäftigt sich mit der politischen Planung, Innovation und Digitalpolitik sowie strategischer IT-Steuerung
  • Abteilung 7 ist für den Bundesnachrichtendienst zuständig und koordiniert die Arbeit der Nachrichtendienste des Bundes

Alle Abteilungen sind in weitere Untergruppen aufgeteilt (außer Abteilung 5), die sich wiederum in Referate gliedern. Insgesamt steht der Bundesbehörde ein Haushaltsvolumen in Höhe von 3,65 Milliarden Euro zur Verfügung – inklusive des Etats für die Bundeskanzlerin.

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Sitz in Berlin: Kann man das Kanzleramt besuchen?

Das Kanzleramt Berlin steht Besuchern nicht ständig offen. Man kann sich aber eine virtuelle Führung auf der Webseite der Bundesregierung ansehen und so das Gebäude von innen besichtigen.

Jedes Jahr gibt es zudem einen Tag der offenen Tür, an dem das Bundeskanzleramt allen Bürgern mit Führungen offen steht. Während der Corona-Pandemie wurde dieser allerdings abgesagt.

Geschichte des Bundeskanzleramts – das waren die vorherigen Dienstsitze

Provisorisch befand sich das erste Bundeskanzleramt 1949 in Räumlichkeiten des Museum Koenig in Bonn. Am 3. November 1949 übergab dann das belgische Militär das Palais Schaumburg in Bonn an die Bundesregierung.

Später zog die Bundesbehörde erneut um: Von 1976 bis 1999 befand sich der Sitz des Bundeskanzleramtes in einem Neubau, der von der Architektengruppe Stieldorf geplant worden war, anschließend verblieb dort zunächst ein Zweitsitz, bis zum Umzug nach Berlin. Die Planungsgruppe Stieldorf entwarf zahlreiche Bauten in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. Im August 2013 wurde der Bonner Dienstsitz aufgrund einer voraussichtlich im Jahr 2022 abgeschlossenen Sanierung des Palais übergangsweise in das Gebäude des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung verlegt.

Nach der Verlagerung der Regierungsgeschäfte in die neue Hauptstadt Berlin saß das Bundeskanzleramt übergangsweise von 1999 bis zum Einzug in das neue Gebäude im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR am Berliner Schloßplatz. Heute befindet sich hier die European School of Management and Technology. Seit 2001 dient ein von Axel Schultes entworfener Neubau als Behördensitz.

Berliner Regierungssitz – Kanzleramt soll erweitert werden

Um mehr Platz für Mitarbeiter und Büros zu haben, ist ein Erweiterungsbau des Kanzleramts nach Plänen der Berliner Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank geplant. Ihr Bauentwurf sieht ein 22 Meter hohes Gebäudes vor, das Platz für 395 Beschäftigte bieten soll. Der Bau soll eine bogenähnliche Form erhalten, am Rand soll ein Hubschrauberlandeplatz entstehen.

Kritik gibt es vor allem an den explodierenden Kosten: Der geplante Erweiterungsbau wird sich laut einer Prognose des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) von 485 Millionen Euro auf 601 Millionen Euro erhöhen, wie im Oktober 2020 bekannt wurde. Auch der Bundesrechnungshof kritisiert die aufwendige Planung. Fertig gestellt werden soll der Bau im Jahr 2028.

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(bml)

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