Videokonferenz

Welt-Klimagipfel: Die größten CO2-Sünder auf der Erde

| Lesedauer: 5 Minuten
Dirk Hautkapp, Theresa Martus, Fabian Kretschmer und Michael Backfisch
EU soll bis 2050 klimaneutral sein

EU soll bis 2050 klimaneutral sein

Die EU-Staaten und das Europaparlament haben sich auf ein verbindliches Gesetz für Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 geeinigt. Bis 2030 soll der Treibhausgasausstoß um netto mindestens 55 Prozent gesenkt werden.

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US-Präsident Biden hat 40 Staats- und Regierungschefs zu einem internationalen Klimagipfel geladen. Das sind die Ziele der Teilnehmer.

Berlin. Es ist ein „grünes“ Schaulaufen der Großen und Mächtigen – per Videokonferenz. US-Präsident Joe Biden hat für diesen Donnerstag und Freitag 40 Staats- und Regierungschefs zum virtuellen Welt-Klimagipfel eingeladen.

Auch Kanzlerin Angela Merkel ist dabei. Wer sind die größten Klimasünder – und wie wollen sie ihren CO-Ausstoß herunterfahren?

China will CO-Neutralität erzielen

Derzeit wird in China ein knappes Drittel der weltweiten CO-Emissionen in die Luft geblasen und die Hälfte der abgebauten Kohle konsumiert. Im September 2020 hat Xi Jinping das bisher ambitionierteste umweltpolitische Versprechen gegeben: Bis 2060 werde die Volksrepublik CO-Neutralität erzielen, spätestens 2030 sei der absolute Höchststand an Emissionen erreicht. Bis heute ist Chinas Regierung aber einen konkreten Maßnahmenplan schuldig geblieben. Auch interessant: Biden lädt zum Klima-Rettungsgipfel – ein wichtiges Signal

Im Januar und Februar ist der Kohleabbau im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gar um ein Viertel – rund 124 Millionen Tonnen – gestiegen. Doch gleichzeitig hat Peking mehr in erneuerbare Energien investiert als die USA, Japan und die EU zusammen. Weltweit hat kein anderes Land einen größeren Markt für E-Mobilität. Jede zweite Solarzelle wird in China installiert.

Die Staatsführung in Peking hat lange Zeit umweltpolitische Bedenken dem rasanten Wachstum untergeordnet. Doch es hat ein Umdenken unter den Parteikadern eingesetzt. Nicht zuletzt nutzt Peking das Umweltthema auch für die diplomatische „Soft Power“. In den letzten Jahren, als vor allem Menschenrechtsverbrechen den Ruf Chinas prägten, konnte sich Xi Jinping zunehmend als Vorkämpfer gegen den Klimawandel präsentieren.

Klimawandel gefährdet Korallen im Mittelmeer
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USA: Biden will Trumps Kurs korrigieren

Die USA sind der zweitgrößte Verursacher von klimaschädlichen Kohlenstoffdioxidemissionen. Der Energie-Mix (Stand: Frühjahr 2020) fächerte sich so auf: Öl 37 Prozent, Gas 32 Prozent, Erneuerbare zwölf Prozent, Kohle elf Prozent und Atom acht Prozent.

Nach dem Intermezzo Donald Trump schiebt Nachfolger Joe Biden das Thema neu an. Bislang hatte Biden avisiert, dass die USA 2035 Energie ohne jeden CO-Ausstoß bereitstellen werden. 2050 soll das Land dann „dekarbonisiert“ sein.

Biden will Tempo machen: Nach dem Pariser Klimaschutzabkommen, dem die USA unter Biden wieder beigetreten sind, galt: Amerika verringert seine Emissionen bis 2025 um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zu 2005. Biden wird nach Angaben aus Regierungskreisen an diesem Donnerstag das Ziel ausgeben, den Treibhausgasausstoß bis 2030 mindestens um 50 Prozent unter das Niveau von 2005 zu drücken.

In praktische Politik übersetzt bedeutet das eine massive Reduzierung der Emissionen durch Kohle, Öl und Gas und deutlich mehr erneuerbare Energien. Mit staatlicher Hilfe will Biden Offshore-Windparks vor den Küsten massiv ausbauen. Insgesamt 200 Milliarden Dollar sollen in die Förderung von erneuerbaren Energien fließen und die Loslösung von fossilen Brennstoffen beschleunigen. Lesen Sie auch: Neue Studie: Diese Städte bedroht der Klimawandel am meisten

Schwungrad für Bidens Klimaschutzpolitik soll das 2000 Milliarden Dollar umfassende Infrastrukturprogramm sein. Neben der energieschonenden Nachrüstung von Häusern und der Modernisierung von Stromnetzen und Verkehrsadern steht die Förderung der E-Mobilität im Mittelpunkt.

Für 500.000 zusätzliche Ladestationen für Elektroautos sollen knapp 175 Milliarden Dollar bereitgestellt werden. E-Auto-Batterien sollen künftig im Land hergestellt werden.

Indien muss Klimabeitrag noch vorlegen

Das bevölkerungsreiche Schwellenland hat zugesagt, seinen CO-Ausstoß bis 2030 um bis zu 35 Prozent im Vergleich zu 2005 zu verringern. Seinen Klimabeitrag muss der drittgrößte Umweltverschmutzer der Welt noch vorlegen.

Russland trickst beim Rechnen: CO-Einsparungen geringer als zugesagt

Russland hat das Pariser Abkommen erst 2019 formell in Kraft gesetzt. Moskau kündigte an, 2030 rund 70 Prozent weniger Kohlendioxid auszustoßen als 1990. Berücksichtigt man die dabei verwendeten Rechentricks, beträgt der zugesagte Rückgang in Wirklichkeit nur 30 Prozent. Mehr zum Thema: Notenbanken verstärken Kampf gegen Klimawandel

Präsident Wladimir Putin kündigte an, Russland werde die Ziele der EU bei der Reduzierung der Treibhausgasemissionen in den kommenden 30 Jahren unterbieten.

Klimawandel: Google Earth soll Augen öffnen
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Japan verspricht CO-Neutralität bis 2050

Japan verpflichtete sich 2016 zu einer CO-Reduzierung um 26 Prozent bis 2030. Der Klimabeitrag vom März 2020 nennt dasselbe Ziel und wurde deshalb von Wissenschaftlern scharf kritisiert. Der neue Regierungschef Yoshihide Suga hat aber versprochen, dass das Land bis 2050 CO-neutral sein werde.

Deutschland ist der größte Klimasünder der EU

Es sind etwa zwei Prozent der Treibhausgasemissionen weltweit, die aus Deutschland kommen. Doch was wenig klingt, ist pro Einwohner und in absoluten Zahlen viel: In der EU ist Deutschland mit 739 Millionen Tonnen Treibhausgasen, die 2020 ausgestoßen wurden, der größte Klimasünder.

Vor allem wegen der Kohleverstromung: Allein unter den zehn größten einzelnen Verschmutzern fanden sich 2019 sechs deutsche Kraftwerke.

Deutschlands Klimaziel für 2020 wurde durch Corona erreicht. Für 2030 strebt die Bundesregierung an, mindestens 55 Prozent Treibhausgase im Vergleich zu 1990 einzusparen. Mit dem neuen EU-Klimagesetz wird dieses Ziel ambitionierter werden müssen.

In jedem Fall will die Bundesregierung bis 2050 bei null Emissionen angekommen sein. Entscheidend dafür ist der Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien – doch gerade da hakt es im Moment gewaltig.

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