K-Frage

Robert Habeck im Porträt: So tickt der Grünen-Chef

| Lesedauer: 4 Minuten
Tim Braune
Doktor der Philosophie, Schriftsteller und Politiker: Das ist Robert Habeck

Doktor der Philosophie, Schriftsteller und Politiker: Das ist Robert Habeck

Robert Habeck ist ein deutscher Politiker und Schriftsteller. Zusammen mit Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ist er Parteivorsitzender der Grünen. Alle wichtigen Fakten rund um Robert Habeck sehen Sie im Video.

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Er ist Philosoph, Menschenfischer und Parteichef der Grünen. Doch ist Robert Habeck auch hart genug für die Todeszone der Politik?

Flensburg/Berlin. Sein neuestes Buch fängt Robert Habeck so an, wie es sich für einen Star gehört. Er zitiert noch größere Stars. „It’s hard to listen while you preach“, sang die irische Band U2. Mit dieser Zeile steigt der preisgekrönte Schriftsteller und Grünen-Co-Chef in sein Werk „Von hier an anders“ ein.

Dahinter steckt die Botschaft, dass die grünen Weltverbesserer erwachsen geworden sind, reif, das Land nach der verheerenden Corona-Pandemie erfolgreich zu führen. Gilt das auch für Habeck selbst?

Robert Habeck: Vom Literaten zum Umweltminister

Als Jugendlicher las er Camus, den großen französischen Literaten und Popstar seiner Generation: „Ich dachte damals, so willst du auch sein.“ Der Sohn eines Apotheker-Paares studierte Philosophie, promovierte über „literarische ­Ästhetizität“. Gemeinsam mit seiner Frau Andrea Paluch schrieb und übersetzte er Romane, kaufte ein Bauernhaus bei Flensburg und bekam vier Söhne. Mehr über den Spitzenpolitiker privat lesen Sie hier.

Dann stieg er Anfang der 2000er-Jahre bei den Grünen ein. Seine politische Karriere nimmt schnell an Fahrt auf. 2012 wird er in Kiel stellvertretender Ministerpräsident und Umweltminister für Schleswig-Holstein.

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Habeck streichelt Robben, Kühe, Pferde. Gegner neuer Stromtrassen umsäuselt er so lange, bis deren Widerstand gebrochen ist. 2017 ist er neben CDU-Ministerpräsident Daniel Günther einer der Väter der ersten Jamaika-Koalition.

Dann wird Schleswig-Holstein für Habeck zu klein. Berlin ruft. 2017 fehlen ihm gegen Cem Özdemir nur 75 Stimmen zur grünen Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl. Ein Jahr später ist es so weit. Zusammen mit Baerbock übernimmt Habeck die Bundespartei.

Kein Twitter, kein Facebook

Die Medien stürzen sich auf ihn. Dreitagebart, grauer Wuschelkopf: Habeck genießt – und hebt ab. Nach dem starken Grünen-Ergebnis bei der Landtagswahl in Bayern springt er beim Stage­diving von der Bühne ins Publikum.

Anfang 2019 stellt er ein Video ins Netz, in dem er ankündigt, die Grünen wollten aus Thüringen ein „liberales und demokratisches Land“ machen. Hatte Habeck die Wende verschlafen, träumte er noch von Honecker und der SED? Schnell zieht er die Reißleine, meldet sich bei Twitter und Facebook ab. Die sozialen Medien hätten ihn verführt, sprach der Verführer. Bei Instagram zeigt er sich weiter ausgiebig.

Seitdem kann man beobachten, dass Habeck fokussierter spricht und auftritt. Fehler unterlaufen ihm dennoch. Im Fernsehen stottert er, als er nach dem Wirecard-Skandal erklären soll, was die Finanzaufsicht Bafin eigentlich macht.

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Nun ist er es doch nicht geworden

Er hat sich viel angelesen. Schwarze Null, Schuldenbremse, Investitionsquote des Bundes – das sitzt mittlerweile. Respekt hatte er vor der „Todeszone der Politik“, aber keine Angst vor einer Merkel-Nachfolge. „Ja, diese Prüfung würde ich für mich bestehen“, sagt er im Oktober. Habeck hat jene Regierungserfahrung, die seiner Kollegin Baerbock abgeht. Lesen Sie hier: Bundestagswahl 2021: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Trotzdem haben die Grünen am Ende Baerbock als Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl nominiert. Das gaben sie am 19. April bekannt, nach einer geräuschlosen Entscheidungsfindung, für die ihnen im politischen Betrieb mit seinen Durchstechereien und Tuscheleien viel Respekt gezollt wurde. Lesen Sie hier: So funktioniert der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2021

Habeck gab sich erst als der gute Verlierer - und zeigte sich dann im Interview mit der "Zeit" doch enttäuscht. Ob es nun mit der Harmonie zwischen Baerbock und Habeck unverändert weitergeht, in den Härten des Wahlkampfes, wird sich zeigen.

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