Linke

Trotz Kritik: Wagenknecht wird Spitzenkandidatin in NRW

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Das ist die Linke

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Im Jahr 2007 entstand sie als Fusion zweier anderer Parteien. Auf welchen Prinzipien die Linkspartei aufbaut, erfahren Sie hier im Video.

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Sahra Wagenknecht steht parteiintern in der Kritik. Dennoch will sie in den Bundestag – als Spitzenkandidatin in Nordrhein-Westfalen.

Essen/Berlin. Sahra Wagenknecht hat zur Linke schon lange ein ambivalentes Verhältnis. Als Fraktionschefin der Linken im Bundestag prägte sie ihre Partei, nach ihrem Ausscheiden als Fraktionsvorsitzende Ende 2019 überholte sie im Insa-Ranking der beliebtesten Politikerinnen und Politiker Angela Merkel und war laut der Umfrage kurzzeitig die beliebteste Politikerin Deutschland. Zugleich eckte sie in der eigenen Partei immer wieder an, klagte über Mobbing.

In den Bundestag möchte sie in der kommenden Legislaturperiode aber dennoch wieder einziehen. Und dafür hat die 51-Jährige nun beste Karten. In Nordrhein-Westfalen setzte sich die gebürtige Jenaerin in einer Kampfabstimmung gegen zwei Mitbewerberinnen durch und wurde vom Landesverband als Spitzenkandidatin der NRW-Linken für den Bundestag nominiert.

Sahra Wagenknecht steht wegen ihres Buches in der Kritik

127 Stimmen erhielt sie bei der Aufstellungsversammlung in Essen. Die Kölner Verwaltungswirtin Angela Bankert kam nur auf 58 Stimmen, die Münsteraner Klimaaktivistin Hannah Harhues erhielt zwölf Stimmen, elf Delegierte enthielten sich. Mit 61 Prozent ging die Kandidatur damit klar an Wagenknecht.

Ein bekanntes und bei vielen Linken-Wählern beliebtes Gesicht im Wahlkampf – eigentlich eine gute Voraussetzung. Doch Wagenknecht steht auch aktuell wieder mit vielen Parteikollegen auf Kriegsfuß. Der Grund liegt in ihrem neuem Buch „Die Selbstgerechten“, das am Mittwoch erscheint.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat zeigte sich auf Twitter „schlicht empört“ und veröffentlichte vorab Buchpassagen des neuen Buches. Darin äußerte sie sich an vielen Stellen kritisch – etwa über Minderheitenpolitik oder Bewegungen wie Black Lives Matter oder Fridays for Future.

Das sorgte bei vielen Parteikollegen für Irritation – immerhin kritisiert Wagenknecht eine Wählerschaft, bei der sich Die Linke Potenzial erhofft. Entsprechend scharf fiel die Kritik aus. „Ich stehe hier und kandidiere auf Platz 1, weil ich es nicht akzeptiere, als queere Person von Sahra in ihrem Buch als Teil einer ‚skurrilen Minderheit‘ mit ‚Marotten‘ beleidigt zu werden“, sagte Wagenknechts Konkurrentin Hannah Harhues in Essen.

Linken-Politiker forderten laut „Spiegel“ Wagenknecht zum Verzicht auf

Laut dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hatten im Vorfeld der Veranstaltung mehrere Linken-Politiker Wagenknecht zum Verzicht auf ihre Bundestagskandidatur aufgefordert. „Während wir daran arbeiten, Antirassismus und Ökologie auch als soziale Fragen in Bündnissen und mit Gewerkschaften zur Geltung zu bringen, verunglimpft Sahra Bewegungen wie Unteilbar, Black Lives Matter oder Fridays for Future als ‚selbstgerecht’. Querdenken hingegen verteidigt sie“, sagte Johannes König, Vorstandsmitglied der bayerischen Linken, dem „Spiegel“.

Jörg Schindler, Bundesgeschäftsführer der Linken, sagte dem Nachrichtenmagazin, dass man es nicht für zielführend halte, Menschen, „die sich gemeinsam mit uns für eine bessere Gesellschaft einsetzen, Vorwürfe zu machen und sie so vor den Kopf zu stoßen.“ Lesen Sie hier :Rückzug von Spitze: Sahra Wagenknechts emotionaler Auftritt

Wagenknecht weist Kritik zurück

Sahra Wagenknecht hingegen wies die Kritik zurück. „Mein Buch rechnet nicht mit der Linken ab“, sagte sie. Die einzige Oppositionsfraktion, die derzeit nicht von der Misere der Bundesregierung profitiere, sei die Linke. Daher sei ihr Buch als Vorschlag für eine stärke Linke zu verstehen.

Man müsse ihre Vorschläge nicht teilen. Was nicht gehe, sei aber, mit aus dem Zusammenhang gerissenen und teils auch verfälschten Zitaten ein Zerrbild von ihren Ansichten darzustellen.

Fraktionsspitze um Einigkeit bemüht

So brechen innerhalb der Partei alte Grabenkämpfe wieder auf. Amira Mohamed Ali, die Wagenknecht 2019 als Fraktionsvorsitzende im Bundestag beerbte, war bereits zu Beginn der Veranstaltung in Essen bemüht, die Debatte abzuräumen. „Uns steht ein sehr zugespitzter Bundestagswahlkampf bevor.“

Es gelte Wähler mit Argumenten und Konzepten zu überzeugen. „Aber wenn wir stattdessen interne Konflikte nach vorne stellen, dann wird es schwierig für uns“, erklärte sie. Abräumen konnte sie den internen Streit damit nicht. (dpa/tki)

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