Kritik

Sahra Wagenknecht provoziert Linkspartei mit neuem Buch

| Lesedauer: 3 Minuten
Theresa Martus
Das ist die Linke

Das ist die Linke

Im Jahr 2007 entstand sie als Fusion zweier anderer Parteien. Auf welchen Prinzipien die Linkspartei aufbaut, erfahren Sie hier im Video.

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In „Die Selbstgerechten“ attackiert die frühere Fraktionschefin Glaubenssätze der Linken. Im Herbst will sie wieder in den Bundestag.

Berlin. Offiziell soll „Die Selbstgerechten“ erst nächste Woche erscheinen – doch in der Linkspartei schlägt das neue Buch von Sahra Wagenknecht schon jetzt Wellen.

Wenige Tage, bevor der größte Landesverband in NRW seine Liste für den Bundestag aufstellen will, machen auf Twitter und Facebook Auszüge des Buchs die Runden, in dem die 51-Jährige analysiert, was die gesellschaftliche und politische Linke aus ihrer Sicht falsch macht: Zu viel Gendersternchen, zu wenig „Zusammengehörigkeitsgefühl der Bevölkerungsmehrheit“. Ein Linksliberalismus, der spaltet, wie es in der Verlags-Ankündigung heißt. Doch diesen Vorwurf muss sich Wagenknecht jetzt selbst gefallen lassen.

Politik für „skurrile Minderheiten“? Parteifreunde sind „empört“

Für Aufregung sorgen vor allem ihre Ausführungen zu Identitätspolitik: Die laufe, so Wagenknecht im Buch, darauf hinaus, „das Augenmerk auf immer kleinere und immer skurrilere Minderheiten zu richten, die ihre Identität jeweils in irgendeiner Marotte finden, durch die sie sich von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden und aus der sie Anspruch ableiten, Opfer zu sein“. Als Beispiele nennt sie „sexuelle Orientierung, Hautfarbe und Ethnie“.

In einer Partei, die sich unter anderem den Kampf gegen Rassismus und Homophobie auf die Fahnen geschrieben hat und per Vorstandsbeschluss offene Grenzen fordert, stößt das auf heftigen Widerstand.

„Schlicht empört“ sei er, nachdem er das Buch gelesen habe, schrieb zum Beispiel Niema Movassat, Mitglied im Parteivorstand und parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, auf Twitter. Dass sein Vater einst in Deutschland wegen seiner Herkunft keinen Job als Ingenieur bekommen habe und deshalb als Taxifahrer arbeiten musste, sei keine Marotte und keine gewählte Opferrolle gewesen, sondern Rassismus, so Movassat, dessen Eltern aus dem Iran stammen.

Wagenknecht will Platz 1 in NRW-Landesliste

Wagenknecht steht seit ihrem Rückzug von der Fraktionsspitze 2019 nicht mehr in der ersten Reihe der Linken, auch dem neuen Bundesvorstand gehört sie nicht an. Trotzdem ist sie eins der bekanntesten und populärsten Gesichter der Partei – und will das auch bleiben. Am Wochenende wird sie in Nordrhein-Westfalen für Platz 1 der Landesliste zur Bundestagswahl antreten. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie gewählt wird.

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Umso mehr knirschen in NRW jetzt manche Linke mit den Zähnen. Viele Mitglieder würden Wagenknechts Thesen nicht teilen, heißt aus dem Umfeld des Landesvorstands. Und es habe einen schalen Beigeschmack, dass Wagenknecht nach Erscheinen des Buches parallel zum Wahlkampf Werbung machen werde für ein Werk, dass in weiten Teilen den Positionen der Partei nicht entspreche.

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