Pandemie

Corona: Schulen sollen öffnen – Verbände haben Forderungen

| Lesedauer: 7 Minuten

Experten: Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen möglich

Experten: Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen möglich

Experten halten eine Wiederöffnung der Schulen in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen für möglich. Die Wissenschaftler nennen unter anderem die Aufteilung der Klassen in Gruppen, das Tragen medizinischer Masken durch Lehrer wie Schüler und das Lüften von Räumen als mögliche Maßnahmen.

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Die Kultusministerkonferenz hat beschlossen: Schulen bleiben offen. Einheitliche Corona-Regeln gibt es nicht. Daran wird Kritik laut.

Berlin. 
  • Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich nicht zu einheitlichen Corona-Regeln für Schulen durchgerungen
  • Stattdessen gelten weiterhin 16 verschiedene Verordnungen
  • Die Schulen sollen nach den Osterferien grundsätzlich wieder öffnen
  • Die Abschlussprüfungen sollen wie geplant stattfinden
  • Gewerkschaften und Verbände kritisieren den KMK-Beschluss

Schon seit Beginn der Corona-Pandemie wird darüber diskutiert, wie man Schulunterricht während der Krise am besten gestaltet. Einheitliche Linien gab es bisher nicht. Und auch nach der stundenlangen Konferenz der Kultusminister der Länder ist klar, dass es die auch in der nächsten Zeit nicht geben wird.

Dabei waren im Vorfeld der Beratungen die Rufe nach einheitlichen Regeln für Schulpersonal und Schülerinnen und Schüler wieder lauter geworden. Auch der CDU-Vorsitzende und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte sich für eine bundesweit einheitliche Regelung ausgesprochen.

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Schule und Corona: Das sind die Beschlüsse

Trotzdem ist wieder das eingetreten, was keiner mehr wollte – ein Flickenteppich aus unterschiedlichen Maßnahmen. Immerhin, einen kleinen gemeinsame Nenner gibt es: umfassende Corona-Tests. Damit soll dafür gesorgt werden, dass an den Schulen möglichst viel Präsenzunterricht stattfindet.

"Die Testmöglichkeiten sollen so ausgebaut werden, dass allen Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften und sonstigen an Schulen Beschäftigten zweimal wöchentlich die Möglichkeit für einen Selbsttest angeboten werden kann", erklärte die amtierende Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), am Donnerstag nach einer KMK-Sitzung.

Außerdem sollen die Abiturientinnen und Abiturienten in Deutschland ihre Prüfungen in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie ablegen. Abschlussprüfungen werden im Schuljahr 2020/2021 stattfinden.

Corona und Schule: In diesen Bundesländern gelten neue Regeln

  • In Baden-Württemberg dürfen Schulpersonal, Schülerinnen und Schüler ab dem 19. April ohne negativen Corona-Test nicht mehr am Unterricht teilnehmen, wenn es mehr als 100 Corona-Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen gibt. Abschlussklassen haben nach den Osterferien Wechselunterricht, für die Klassen 1 bis 7 gibt es nur eine Notbetreuung
  • In Bayern schalten Schulen in der Regel ab einem Inzidenzwert von 100 in einer Stadt oder einem Landkreis wieder von Präsenz- auf Fernunterricht um. Für die Teilnahme am Präsenzunterricht gilt unabhängig von der Inzidenz eine Testpflicht
  • Berlin führt eine Testpflicht für Schülerinnen und Schüler ein. Wechselunterricht in halber Klassengröße soll die Regeln sein, für die Jahrgangsstufen 7 und 9 aber erst ab 19. April
  • Brandenburg schickt ältere Schüler oberhalb der Grundschule erst einmal wieder in den Fernunterricht. Ab 19. April gilt eine Testpflicht
  • Hamburg schickt Schulen ab einer Inzidenz von 200 an drei aufeinanderfolgenden Tagen in den Fernunterricht
  • In Mecklenburg-Vorpommern gilt für die Klassen eins bis sechs und die Abschlussklassen Präsenzunterricht. Schüler der anderen Klassenstufen werden abwechselnd in der Schule und zu Hause unterrichtet. Ausnahme ist der Landkreis Ludwigslust-Parchim: Wegen der zuletzt hohen Corona-Infektionszahlen wurde der Präsenzunterricht bis zum Wochenende ausgesetzt
  • In Nordrhein-Westfalen wird nun mit Ausnahme der Abschlussklassen ab Montag Distanzunterricht für alle anderen Schüler stattfinden, vorerst bis 16. April. Nach den Osterferien gibt eine Testpflicht
  • Sachsen verabschiedet sich nach der Osterpause ganz von der Kopplung an den Inzidenzwert und hält Schulen und Kitas unabhängig davon offen

Schule: Hier gelten weiterhin die alten Regeln

  • In Bremen bleiben die Schulen geöffnet und die Präsenzpflicht ausgesetzt. Nach den Osterferien gilt eine Testpflicht und an Grundschulen bei einer Inzidenz ab 100 eine Maskenpflicht
  • In Niedersachsen gilt ein Wechselmodell für alle Stufen. Nach den Osterferien sind Corona-Tests verpflichtend
  • In Rheinland-Pfalz gibt es derzeit Wechselunterricht. Voraussetzung für die Schulöffnungen ist eine 7-Tage-Inzidenz unter 100
  • Im Saarland gibt es wieder Präsenzunterricht, es gilt eine Testpflicht
  • In Sachsen-Anhalt sind die Schulen geöffnet, die Präsenzpflicht ist ausgesetzt. Ab 12. April soll es eine Testpflicht geben
  • In Schleswig-Holstein gilt nach den Osterferien eine Testpflicht
  • Thüringen hat die Schulen für alle Klassen am 1. März geöffnet. Voraussetzung ist ein Inzidenzwert unter 200

RKI: Schulen spielen wachsende Rolle bei Viruszirkulation

Laut Lageberichten des Robert Koch-Instituts der vergangenen Wochen spielen die Schulen eine wachsende Rolle bei der Viruszirkulation in Deutschland. Auch in den Kitas infizierten sich viele Minderjährige mit der britischen Corona-Variante.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte im WDR5-"Morgenecho", es sei wichtig, "in den Schulen sehr konsequent mindestens zweimal die Woche zu testen". "Man hätte jetzt aus meiner Sicht die Ostertage gut nutzen können, jetzt in der Verlängerung Schulen und Kitas in Notbetreuung zu bringen."

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Corona: Beamtenbund fordert einheitliche Regeln für Schulen

Der Beamtenbund dbb forderte einheitlich klare Regeln. "Wenn die Schulen in der dritten Welle geöffnet sein sollen, müssen die Lehrkräfte auch geimpft und die Schülerinnen und Schüler getestet werden", sagte der dbb-Vorsitzende Ulrich Silberbach der Deutschen Presse-Agentur. "Wer nicht getestet werden kann oder will, muss vom Präsenzunterricht ausgeschlossen werden. Andernfalls setzen wir alle Beteiligen einem zu großen Risiko aus, und die Infektionszahlen drohen nach den Osterferien zu explodieren."

Der Verband Bildung und Erziehung hat den Öffnungskurs einiger Bundesländer bei den Schulen in der Pandemie heftig kritisiert. "Dass es anscheinend immer noch Bundesländer gibt, die Schulen in Hochinzidenzgebieten offenhalten wollen, ist unverantwortlich", sagte der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft, Udo Beckmann, nach Beratungen der Kultusminister von Bund und Ländern, die am Donnerstagabend zu Ende gegangen waren. "Wir wissen: Seitdem die Schulen geöffnet sind, steigen im Alterssegment der Schülerinnen und Schüler, gerade bei Jüngeren, die Neuinfektionen rapide."

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Schulen und Corona: Erziehungsgewerkschaft pocht auf Einheitliche Regelung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte am Freitag die Beschlüsse der KMK. Im rbb-Inforadio sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe am Freitag, angesichts der Pandemielage wären klare einheitliche Regelungen wünschenswert gewesen: "Wir finden richtig, was das RKI empfohlen hat: ab einer Inzidenz höher als 50 in den Wechselunterricht zu gehen."

Sie bedauere, dass die KMK diesbezüglich keine gemeinsame Linie gefunden habe. Dazu gehöre auch, ab einer Inzidenz von 100 in den Distanzunterricht zu gehen. Das machten Bayern und Schleswig-Holstein. Tepe betonte, sie halte das "für einen richtigen Weg".

Die Kultusministerkonferenz hatte sich in diesem Jahr mehrfach für möglichst offene Schulen ausgesprochen. Zuletzt hatten die Schulministerinnen und -minister am 18. März gefordert, Schulen müssten im Vergleich zu allen anderen Lebensbereichen am längsten geöffnet bleiben.

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(hel/pcl/mit dpa)

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