Memoiren

Drogensumpf und Alkohol: Sohn von US-Präsident Biden erzählt

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Hunter Biden, Sohn von US-Präsident Joe Biden, erzählt in seinen Memoiren "Beautiful Things" von Drogensucht und Schicksalsschlägen.

Hunter Biden, Sohn von US-Präsident Joe Biden, erzählt in seinen Memoiren "Beautiful Things" von Drogensucht und Schicksalsschlägen.

Foto: US Senate Television via CNP Washington USA / Imago / Zuma Wire / v

Joe Bidens Sohn Hunter war alkohol- und drogensüchtig. In seinen Memoiren erzählt er offen davon – und wie er die Sucht besiegte.

Los Angeles. Er ist der Sohn des US-Präsidenten – und erzählt, wie er in den Straßen Washingtons Crack kaufte. Nicht nur das: Hunter Biden, das älteste lebende Kind Joe Bidens, berichtet in seinen nun in den USA erscheinenden Memoiren, dass er in einem Bungalow in Los Angeles die auf Kokain basierende Droge selbst „gekocht“ habe.

Alkohol, Drogen, Entzug: In „Beautiful Things“ schreibt Hunter Biden sehr offen über den Kampf mit seiner Suchterkrankung, den tragischen Tod seiner Mutter und die Liebesbeziehung zu seiner Schwägerin nach dem Tod seines Bruders.

„Beautiful Things“, die schönen Dinge, sei ein Ausdruck gewesen, den er und sein knapp ein Jahr älterer Bruder Beau immer wieder benutzt hätten, nachdem bei Beau Biden ein Hirntumor diagnostiziert worden war. Zusammengeschweißt hatte die Brüder ein tragisches Ereignis in frühester Kindheit: Bei einem schweren Autounfall im Jahr 1972 starb die Mutter der beiden, Joe Bidens erste Frau Neilia, und die kleine Schwester Naomi.

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Hunter Biden erzählt vom Tod seiner Mutter, seiner Schwester und seines Bruders

Hunter Biden, damals knapp drei Jahre alt, schildert seine Erinnerung in den Auszügen seines Buches, die die „New York Times“ veröffentlicht hat. Er habe gesehen, wie seine am Steuer sitzende Mutter den Kopf nach rechts gewendet habe, in die Richtung des Lkw, der gegen das Auto prallte.

Seine nächste Erinnerung: das Gesicht seines noch nicht ganz vier Jahre alte Bruders Beau, im Krankenhaus-Bett neben ihm, der mit dem Mund immer und immer wieder drei Worte geformt habe: „I love you, I love you, I love you.“

Die Liebe zu Beau Biden, der 2015 an den Folgen seiner Krebserkrankung starb, sei es denn auch gewesen, aus der die Beziehung zu Beaus Witwe entstanden sei. Sie hielt einige Jahre. Lesen Sie hier: Joe Biden – Ein Mann, den das Schicksal nicht brechen konnte

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Hunter Bidens Memoiren: Präsidenten-Sohn schreibt über Suchterkrankung

In seinen Memoiren beschreibt Biden den Drogensumpf, in dem er jahrelang lebte. Er erzählt, wie er Crack von einem obdachlosen Süchtigen kaufte, der später bei ihm einzog. „Die Beziehung war symbiotisch“, schreibt der 51-Jährige.

Auch die Tatsache, dass er sich für Drogentests „sauberen Urin“ gekauft habe, verschweigt Hunter Biden nicht. Wegen eines positiven Tests auf Kokain wurde Biden 2014 aus der Reservisteneinheit der US-Marine entlassen.

Hunter Biden berichtet von Entzügen und seinem weinenden Vater Joe

Auch Alkohol spielte in Hunter Bidens Leben lange eine große Rolle: Das erste Glas Champagner habe er mit acht Jahren getrunken, in seinen 20ern habe er regelmäßig fünfmal so viel getrunken wie alle anderen. In „Beautiful Things“ erinnert er sich an eine Zeit, in der er „so verzweifelt einen Drink“ wollte, dass er nicht mal den einen Block vom Schnapsladen zu seinem Haus gehen konnte, „ohne die Flasche zu öffnen, um einen Schluck zu nehmen“.

Biden berichtet von mehreren Entzügen, die er gemacht habe – und mehrfachen Rückfällen, so auch nach dem Tod seines Bruders Beau. Die Familie versuchte immer wieder, zu intervenieren: Biden erzählt von seinem Vater Joe, der ihm nachgelaufen sei und ihn umarmt habe: „Er drückte mich fest im Dunkeln und weinte ganz lang.“

Hunter Biden, der Lobbyist: Wahlkampf-Futter für Donald Trump

Hunter Biden ist Anwalt, hat als Lobbyist gearbeitet – sein Einsatz als Vorstandsmitglied des ukrainischen Energie-Riesen Burisma, während sein Vater als Barack Obamas Vizepräsident amtierte, war Gegenstand von Untersuchungen und Futter für die Angriffe von Joe Bidens Vorgänger im Weißen Haus, Donald Trumps, im Präsidentschaftswahlkampf.

Der unterstellte Vater Biden wegen Hunter Bidens hochdotiertem Posten Bestechlichkeit und Vetternwirtschaft. In dem Buch besteht Hunter Biden darauf, dass er „nichts Unethisches“ getan habe. Seit Jahren wird auch wegen möglicher Steuervergehen gegen Hunter Biden ermittelt.

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Wie Hunter Biden seine Drogensucht besiegte

Inzwischen lebt der 51-Jährige als Künstler in Los Angeles. Seine Frau, die südafrikanische Filmemacherin Melissa Cohen, lernte Biden 2019 kennen. Das erste Date sei gerade eine Stunde alt gewesen, da hätten sie sich gegenseitig ihre Liebe gestanden, schreibt Biden in „Beautiful Things“.

Eine Stunde später habe er Melissa eröffnet, dass er cracksüchtig sei. „Jetzt nicht mehr", habe sie geantwortet, "die Zeiten sind vorbei.“ Ihr verdanke er, nun clean zu sein. Inzwischen haben die beiden einen kleinen Sohn – mit Namen Beau. Aus seiner ersten Ehe hat Hunter Biden drei Töchter, aus einer weiteren Beziehung eine weitere Tochter. (moi)

  • „Beautiful Things“ erscheint am 6. April auf Englisch und am 13. April bei Hoffman und Campe auf Deutsch. Biden schrieb das Buch zusammen mit dem Journalisten Drew Jubera.