Corona

Lauterbach warnt: „Wir müssen zurück in den Lockdown“

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Theresa Martus
Corona-Zahlen wachsen laut RKI "exponentiell"

Corona-Zahlen wachsen laut RKI exponentiell

Das Robert Koch-Institut warnt: Die Corona-Fallzahlen in Deutschland steigen wieder "exponentiell", am meisten bei jüngeren Menschen.

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Die Fallzahlen steigen, immer mehr Kinder und Jugendliche sind infiziert: Jens Spahn und Karl Lauterbach warnen vor weiteren Öffnungen.

Berlin. Es ist eine ernüchternde Analyse der Situation, die Lars Schaade, Vizechef der RKI, am Freitag in Berlin vorstellt: „Ganz deutlich“ sei man mit dem Anstieg der Corona-Fallzahlen jetzt wieder im exponentiellen Bereich, vor allem bei den 15- bis 49-Jährigen steige die Inzidenz. „Es stecken sich im Moment wieder deutlich mehr Menschen an“, sagte Schaade. „Dieser Anstieg der Fallzahlen ist real.“

Drei von vier untersuchte Personen sind dabei laut RKI mit der Mutante B.1.1.7 infiziert – deutlich ansteckender als der Ursprungstyp. Auch die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen steige auf Bundesebene gesehen wieder an, die Zahl der Todesfälle gehe langsamer zurück als zuvor.

Spahn: Dritte Welle nur mit Impfungen nicht zu stoppen

Die dritte Corona-Welle rollt. Das bestätigt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, und er warnt: Auch wenn der Impfstoff von Astrazeneca seit Freitag wieder eingesetzt wird – nur mit Impfungen werde die Welle nicht zu stoppen sein.

Noch immer sei dafür der Impfstoff zu knapp, sagte Spahn. „Selbst wenn die Lieferungen aus EU-Bestellungen nun zuverlässig kommen, wird es noch einige Wochen dauern, bis die Risikogruppen vollständig geimpft sind“, so der CDU-Politiker. „Erst dann können wir auch über breitere Öffnungen der Gesellschaft reden. Wir werden also noch einen langen Atem brauchen.“

Vor der nächsten Videoschalte von Bund und Ländern am Montag signalisierte er, dass an weitere Öffnungen angesichts dieser Zahlen nicht zu denken ist – im Gegenteil, es sei möglich, dass man „vielleicht sogar Schritte rückwärts gehen“ müsste.

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Corona: Lauterbach sieht neuen Lockdown als unvermeidbar

Deutlicher noch als Spahn wird SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der an diesem Freitag neben Spahn und Schaade auf dem Podium der Bundespressekonferenz sitzt. „Man kann es drehen und wenden, wie man will“, sagte Lauterbach. „Wir müssen zurück in den Lockdown.“

Die Frage sei nur, ob man das frühzeitig mache oder noch verzögere. Doch Verzögerung, auch das sagt Lauterbach klar, würde Leben kosten. Mit jeder Woche, die der Lockdown später beginne, seien nach hinten hinaus zwei bis drei Wochen mehr nötig, um dieselbe Fallzahl zu erreichen. Dazu komme eine höhere Zahl von Todesfällen. „Je früher man reagiert, umso besser ist es, umso kürzer ist der Lockdown.“

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Corona: Kinder mit B.1.1.7 genauso ansteckend wie Erwachsene

Lauterbach hob dabei auch die Bedeutung von regelmäßigen Schnelltests hervor: Als „wichtigstes Brücken-Technologie-Instrument“ könnten sie genutzt werden, um den R-Wert um 0,3 bis 0,4 zu senken. Vor allem die regelmäßigen Tests an Schulen seien dabei wichtig, erklärte der SPD-Mann. Denn von der britischen Mutante B.1.1.7 seien Kinder und Jugendliche sehr viele stärker betroffen als von der Ursprungsform des Corona-Virus.

Bei der Ursprungsvariante, erklärte Lauterbach, hätten Kinder den Vorteil gehabt, wegen ihres geringeren Atemvolumens weniger ansteckend zu sein. „Dieser Vorteil ist jetzt für Kinder weg.“ Denn die Virusmenge bei B.1.1.7 erreiche auch bei einem geringeren Atemvolumen einen kritischen Schwellenwert – und Kinder seien damit genauso ansteckend wie Erwachsene.

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Der Aufbau der doppelten Testung in Schulen sei deshalb „der Königsweg, um Tempo zu kriegen“, so Lauterbach. In keiner anderen Altersgruppe sei der Zuwachs so groß.

Der SPD-Politiker sprach sich auch dafür aus, jetzt Erstimpfungen vorzuziehen. Modellierungen zufolge würde das 8.000 bis 14.000 Leben in der dritten Welle retten.

Corona: Impfgipfel mit Kanzlerin am Nachmittag

Über eine Beschleunigung der Impf-Kampagne beraten am Nachmittag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder. Der Einstieg der Hausärzte ist dabei ein Thema. Die Hausärzte sollen dann eventuell auch die Möglichkeit bekommen, von den strengen Vorgaben der Impf-Priorisierung abzuweichen, wenn sie dies aus ärztlicher Sicht für ratsam halten.

Spahn und Lauterbach sprachen sich am Freitag allerdings dafür aus, die festgelegte Impfreihenfolge einzuhalten.