Pandemie

In diesen Bundesländern sollen Hotels trotz Corona öffnen

| Lesedauer: 6 Minuten
Philipp Luther
Sicher reisen: Tourismusbranche fordert Lockerungen

Sicher reisen: Tourismusbranche fordert Lockerungen

Hilferuf der Tourismus-Branche vor den Bund-Länder-Corona-Beratungen in Berlin: Die Vertreter von Reisebüros und Hotelketten fordern Lockerungen. Sie halten sicheres Reisen für möglich.

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Ostern steht bevor, doch die Hotels haben geschlossen. Einige Bundesländer wollen das ändern. Ist bald Urlaub in Deutschland möglich?

Berlin. 
  • Kurzurlaub in Deutschland ist nach den geltenden Corona-Regelungen nicht möglich
  • Zwar ist eine Reise nach Mallorca über Ostern erlaubt, nicht aber ein Urlaub in einem Hotel in Deutschland
  • Trotz steigender Corona-Zahlen wollen einige Bundesländer die Hotels demnächst wieder öffnen, zumindest für Einheimische
  • Erste Hoffnungen, beim Corona-Gipfel eine Lösung zu finden, zerschlugen sich nach wenigen Stunden

Sie gehören zu den großen Verlierern in der Corona-Krise: Hotels und Gaststätten. Seit Monaten befindet sich die Branche nun schon im Lockdown, manche Betriebe haben seit einem Jahr geschlossen.

Im Jahr 2020 brachen die Umsätze der Branche laut Statistischem Bundesamt um 39 Prozent ein. Eine Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) ergab unlängst, dass die Betriebe seit dem 1. März 2020 63 Prozent ihres Umsatzes eingebüßt haben. Die Not der Branche ist groß. „Das Gastgewerbe, die Hotellerie kämpfen ums nackte Überleben“, sagte der Vorsitzende des Hotelverbands Deutschland, Otto Lindner.

Hotels wieder offen: Keine Perspektive für die Branche

Eine Öffnungsperspektive insbesondere für Hotels gibt es derzeit aber nicht. Es ist offen, wann sie wieder Gäste beherbergen dürfen. Weitere Lockerungen sind vorerst vom Tisch. Angesichts rapide nach oben schnellender Infektionszahlen debattieren Bund und Länder am Montag nicht über weitere Öffnungsschritte. In einem ersten Beschlussentwurf von Montagmorgen war noch die Möglichkeit zu einem sogenannten kontaktarmen Urlaub aufgenommen worden. Doch nach einer Überarbeitung des Entwurfs wurde diese Möglichkeit nach wenigen Stunden wieder gestrichen.

Lesen Sie hier: Diese Regeln gelten für den Urlaub an Ostern

Einige Bundesländer wollen Urlaub erlauben

Der „kontaktarme Urlaub“ ist ein Vorstoß der drei Küstenländer Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Sie schlagen vor, trotz hoher Corona-Zahlen den Bürgern auch hierzulande einen Urlaub über Ostern im eigenen Bundesland zu ermöglichen.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte dazu: „Wir sollten zumindest darüber sprechen, ob es Möglichkeiten für einen kontaktfreien Urlaub im eigenen Bundesland gibt.“ Es sei für viele Menschen unverständlich, dass auf Mallorca wieder Urlaub möglich sei, „aber zu Hause nicht einmal eine Ferienwohnung im eigenen Bundesland angemietet werden kann.“

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Auch Sachsen-Anhalt will seinen Bürgern zu Ostern Urlaub im eigenen Bundesland erlauben. Die Menschen in Sachsen-Anhalt sollen innerhalb der eigenen Landesgrenzen reisen dürfen – und sogar Übernachtungen in Hotels oder Gasthöfen mieten können. Dies kündigte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) im Gespräch mit der „Bild“ an.

Haseloff sagt: „Ich kann doch niemandem erklären, warum der gleiche Hausstand, der ohnehin zusammen wohnt, sich nicht mit den Kindern ins Auto setzen und in eine Ferienwohnung im eigenen Bundesland fahren darf“, sagte Haseloff. Lesen Sie auch: Immer mehr Neuinfektionen – Wann kommt die Notbremse?

Niedersachsen will ebenfalls „kontaktarmen Urlaub“ ermöglichen

Auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil befürwortet das Konzept eines „kontaktarmen Urlaubs“ im eigenen Bundesland. So soll der Urlaub in Ferienwohnungen oder -häusern, Appartements oder Wohnmobilen möglich sein, sofern diese über eigene sanitäre Anlagen verfügen und Urlauber sich dort auch mit Essen versorgen können. „Wir setzen rein darauf, dass man sich selbst versorgt, dass keine Gemeinschaftsunterkünfte geöffnet sind“, erklärte der SPD-Politiker.

Das Konzept des „kontaktarmen Urlaubs“ im eigenen Bundesland bedarf offenbar weiterer Gespräche beim Corona-Gipfel. Aus der Union hieß es dazu bereits skeptisch, dass das dafür notwendige Beherbergungsverbot schon einmal juristisch für Ärger gesorgt habe. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) warnte vor einer großen Reisewelle, sagte aber der „Bild am Sonntag“, vielleicht könne man innerhalb eines Landes ermöglichen, dass Ferienwohnungen genutzt werden können.

Aus dem Kanzleramt wird unterdessen deutlich: Angesichts der exponentiell steigenden Infektionszahlen wird es auf dem Gipfel am Montag keine Lockerungen geben.

Forscher warnen vor Reisen an Ostern

Auch Wissenschaftler halten eine Öffnung für Reisen und Übernachtungen an Ostern für riskant. Der Essener Virologe Ulf Dittmer rät dazu, auf Urlaub zu verzichten. „Über Ostern haben wir in den allermeisten Ländern außer Israel keine stabile Lage“, sagte der Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Essen der dpa. „Auch die Lage auf den Balearen halte ich nicht für stabil.“ Auch bei Urlaub in Deutschland gibt Dittmer zu bedenken: „Virusverbreitung und Infektionszahlen haben etwas mit Mobilität zu tun.“ Und natürlich würden Urlaubsreisen die Mobilität erhöhen. Lesen Sie auch: Kitas und Schule – Wo sie jetzt schon wieder schließen

Hotels öffnen: Verband fordert klaren Fahrplan

Der Dehoga fordert daher einen konkreten Fahrplan zu einer Öffnung der Betriebe. Verbandspräsident Guido Zöllick sagte am Donnerstag in Berlin: „Am 22. März muss es einen klaren Fahrplan geben, wann unter welchen Voraussetzungen die Restaurants und Hotels öffnen dürfen." Dabei gehe es nicht um Öffnungen um jeden Preis, sondern lediglich um eine Perspektive. Ein Endlos-Lockdown sei keine Lösung.

Es sei den Betrieben „nicht zu vermitteln, dass die Bundesregierung einerseits Urlaub auf Mallorca wieder möglich macht, aber einen Besuch im Biergarten weiterhin nicht erlaubt“, sagte Zöllick mit Blick auf die aufgehobene Reisewarnung für die Balearen. Lesen Sie hier: Deutsche Hoteliers fühlen sich wegen Mallorca-Öffnung betrogen.

Das Gastgewerbe sei nachweislich kein Pandemietreiber, die Branche erwarte Gleichbehandlung mit anderen Branchen und mit Sachverhalten. Zöllick machte klar, dass viele Betriebe in einer katastrophalen Lage sind: „Wir halten keine Wochen und Monate in dieser Schockstarre mehr durch.“ (pcl/cu mit dpa)

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