Pandemie

Spahn: Bald anderthalb Millionen Corona-Schnelltests täglich

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Julia Emmrich
Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, bei der 215. Sitzung des Bundestags.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, bei der 215. Sitzung des Bundestags.

Foto: dpa

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und RKI-Chef Lothar Wieler haben sich zur aktuellen Corona-Lage geäußert. Die wichtigsten Punkte.

Berlin. Drei Tage vor dem Start der neuen Schnelltestkampagne am kommenden Montag hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zugesichert, es seien mehr als genug Tests da. Die Lager seien voll, sagte Spahn am Freitagmorgen in Berlin. Einige Hersteller hätten erklärt, sie schafften es, 20 Millionen Selbsttests pro Woche zu liefern. Lesen Sie hier: Corona-Schnelltests für Laien: Das muss man wissen

„Das Angebot ist da“, so Spahn. Es werde dennoch nicht überall gleich am 8. März verfügbar sein, die Logistik in den Ländern sei noch im Aufbau. „Das wird sich in den Tagen darauf entwickeln.“ Er rechne damit, dass demnächst etwa zwei Prozent der Deutschen pro Tag getestet würden – das hieße, dass täglich rund anderthalb Millionen Tests benötigt würden.

Spahn: Länder sollen Tests für Restaurants, Kinos oder Theater ermöglichen

Der zuletzt wegen der schleppenden Impfungen und des Wirrwarrs um den Start der Testkampagne kritisierte Minister bot sich den Länderchefs persönlich „als Kontaktbörse“ zwischen Ländern und Herstellern an. Mit Blick auf die massive Kritik an seinem Corona-Management fügte Spahn hinzu: „Ich möchte dann nicht in sechs Monaten lesen - warum hat der Minister nicht selbst telefoniert?“

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Spahn forderte die Länder auf, unkomplizierte Lösungen für Tests als Zugang etwa zu Restaurants, Kinos oder Theater zu ermöglichen. „Selbsttests unter Aufsicht - das muss nicht im Detail geregelt werden.“ Ein Theater etwa müsse sich vor Ort überlegen können, wie die Abläufe konkret sein müssten, damit das Freitesten selbstverständlich werde. „Innovation, Pragmatismus und Kreativität“ seien jetzt gefragt.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erklärte, er könne nächste Woche noch nicht allen Interessierten ein Testangebot machen. Die Vorbereitungen liefen aber: Die Landesregierung sei mit den privaten Testzentren und den 4000 Apotheken im Land im Gespräch. Es sei zum Beispiel wichtig, sicherzustellen, dass Apotheken auch außerhalb der eigenen Räume testen könnten, weil sie baulich nicht auf solche Angebote eingerichtet seien.

Corona-Pandemie: Gratis-Tests sollen Lockerungen absichern

Die neuen Gratis-Tests sollen die von Bund und Ländern beschlossenen Öffnungsschritte absichern. Mit den Lockerungen gehe man „an die Grenzen dessen, was aus Sicht des Gesundheitsschutzes verantwortbar ist“, sagte Spahn. Aber: Keine Lockerungen zu beginnen, das sei gesellschaftlich nicht verantwortbar.

Die Infektionslage allerdings bleibt riskant: Laut Robert Koch-Institut liegt der Anteil der hochinfektiösen britischen Virusmutante an allen Neuinfektionen in Deutschland mittlerweile bei 40 Prozent. RKI-Chef Lothar Wieler rechnet damit, dass die Mutation bald die vorherrschende Virusvariante sein werde. „Dann wird es noch schwieriger, das Virus im Zaun zu halten.“ Es werde gefährlicher, in allen Altersgruppen. Bereits jetzt sei sichtbar: „Es stecken sich wieder mehr Menschen mit dem Virus an, das ist leider Realität.“ Die Zahl der Todesfälle und die Zahl der Intensivpatienten gehe nur noch langsam zurück. Immerhin hätten inzwischen fünf Prozent der Deutschen eine Erstimpfung bekommen, drei Prozent auch eine zweite.

Mehr Covid-19-Patienten mit Migrationshintergrund im Krankenhaus?

Wieler äußerte sich auch zu Berichten, nach denen er mit ärztlichen Kollegen über einen überproportionalen Anteil von Covid-19-Patienten mit Migrationshintergrund in den Kliniken gesprochen habe. Es habe sich dabei um ein persönliches Gespräch gehandelt, so Wieler. Drei Chefärzte aus drei Unikliniken hätten von ihren Erfahrungen erzählt. Es gebe dazu keine gesicherten Zahlen. „Es liegen solche Daten nicht vor, der Infektionsschutz erfasst solche Daten nicht.“

Spahn ergänzte, Aufklärung und Information mit Blick auf die Corona-Lage liefen zielgerichtet, in vielen Sprachen und über viele mediale Wege. Es sei wichtig, alle Bevölkerungsteile zu erreichen. Eine Untersuchung zum Anteil der Covid-Intensivpatienten mit Migrationshintergrund sei bislang nicht geplant.