Regierungschef

Italien: Ex-EZB-Chef Mario Draghi als Premier vereidigt

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Mario Draghi ist neuer Regierungschef Italiens.

Mario Draghi ist neuer Regierungschef Italiens.

Foto: Alessandro Di Meo / ZUMA Press/dpa

Mario Draghi ist neuer Ministerpräsident Italiens. Das Land hat nach Wochen der Krise wieder einen Regierungschef. Auf den wartet viel Arbeit.

Rom. 
  • Italiens Regierungskrise ist beendet, das Land hat einen neuen Regierungschef
  • Mario Draghi wurde am Samstagmittag von Staatspräsident Sergio Mattarella vereidigt
  • Der Ex-EZB-Chef steht einer Expertenregierung vor, die sich aus fast dem kompletten italienischen Parteienspektrum speist

Italien hat nach Wochen der politischen Krise einen neuen Regierungschef. Staatspräsident Sergio Mattarella vereidigte am Samstag in Rom den früheren Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi (73), als Ministerpräsidenten eines Kabinetts, das sich aus Politikern von linken wie rechten Parteien und aus Experten zusammensetzt.

Damit endet eine Regierungskrise, die Italien mitten in der Corona-Pandemie seit Januar blockiert hatte. Der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Draghi folgt auf den parteilosen Juristen Giuseppe Conte (56), der knapp eineinhalb Jahre ein Mitte-Links-Bündnis geführt hatte.

Die neue Regierung ist die dritte in der laufenden Legislaturperiode seit 2018 – und die 67. Regierung der Italienischen Republik. Nach Medienberichten wollte das Kabinett im Laufe des Samstags zu einer ersten Sitzung zusammenkommen.

Erst am Abend zuvor hatte Draghi bei einem Treffen mit Staatspräsident Mattarella den Regierungsauftrag endgültig angenommen. Der Neu-Politiker hatte rund zehn Tage ausgelotet, ob er auf eine Mehrheit im Parlament setzen kann.

Italien: Mario Draghi leitet Expertenregierung

Um seine Machtbasis abzusichern, holte Draghi 15 Vertreter fast aller größeren Parteien ins Kabinett. Nur die ultrarechten Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) haben eine klare Opposition angekündigt. Acht Ressorts werden künftig von Experten geleitet. Eine wichtige Rolle dürfte Daniele Franco als Finanzminister zukommen; bisher war er Generaldirektor bei der italienischen Zentralbank Banca d’Italia.

Im Regierungsteam sitzen auch wieder mehrere zentrale Akteure der gescheiterten Vorgängerregierung, etwa Außenminister Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung und Gesundheitsminister Roberto Speranza von der kleinen linken Partei Liberi e Uguali (Freie und Gleiche).Nur 8 der 23 Ministerposten gingen an Frauen.

Insgesamt am stärksten vertreten ist die Fünf-Sterne-Bewegung. Sie ist mit über 30 Prozent auch die größte Kraft im Parlament. Auch die Sozialdemokraten (PD), die konservative Forza Italia (FI) von Silvio Berlusconi und die rechte Lega von Matteo Salvini wurden bedacht. Matteo Renzis Splitterpartei Italia Viva, die Contes Koalition Mitte Januar mit ihrem Austritt zu Fall gebracht hatte, ist ebenfalls wieder vertreten.

Das alte Bündnis war im Streit um den Einsatz von über 200 Milliarden Euro EU-Hilfen in der Corona-Krise geplatzt. Der Plan dafür hatte sich verzögert. Politiker und Experten warnten, dass Italien leer ausgehen könnte. Die Wirtschaftskraft des 60-Millionen-Einwohner-Landes war 2020 um rund neun Prozent eingebrochen. Der Umgang mit den Corona-Hilfen gehört zu den vordringlichen Aufgaben Draghis.

Mario Draghi: Verpasste Chance für mehr Gleichstellung

Salvini und Berlusconi wünschten der Regierung schon vor der Vereidigung Erfolg: Man werde sofort an die Arbeit gehen. PD-Chef Nicola Zingaretti versicherte, man unterstütze die Regierung "mit Loyalität und Überzeugung".

Die Politikerin und Frauenverbandschefin Isa Maggi kritisierte nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa jedoch die "verpasste Chance" für mehr Gleichstellung.

Italien: Zwei Hürden muss Draghi noch nehmen

Draghi muss sich noch Vertrauensfragen im Zwei-Kammern-Parlament stellen. Es wird erwartet, dass Senat und Abgeordnetenkammer nächsten Mittwoch abstimmen. Die Mehrheiten gelten als gesichert. Die Regierung ist aber schon vorher im Amt und darf mit ihrer Arbeit beginnen.

Draghi ist international als "Euro-Retter" bekannt, weil er in der Euro-Krise an der Spitze der Zentralbank EZB 2012 die Gemeinschaftswährung auch durch Machtworte und eine Politik des leichten Geldes stabilisieren konnte. (pcl/dpa)