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Wladimir Putin: Das Vermögen des russischen Präsidenten

| Lesedauer: 9 Minuten
Wladimir Putin: Das ist Russlands Staatsoberhaupt

Wladimir Putin: Das ist Russlands Staatsoberhaupt

Bereits als Kind wollte Putin KGB-Agent werden. Als es endlich soweit war, wurde er in Dresden stationiert, wo er sich als Pionier der Wirtschaftsspionage widmete. Was es sonst noch über das russische Staatsoberhaupt zu wissen gibt, erfahren Sie im Video.

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Offiziell lebt der russische Präsident Wladimir Putin ein sparsames Leben. Doch sein Vermögen könnte Ausmaße in Milliardenhöhe haben.

Berlin. 
  • Der russische Präsident Wladimir Putin ist offiziell kein reicher Mann
  • Die Behörden beziffern sein Vermögen eher bescheiden
  • Putin scheint seinen Reichtum erfolgreich zu verschleiern

Wladimir Putin ist ohne Zweifel der mächtigste Mann Russlands. Seit mehr als 20 Jahren führt er das Land und hat in dieser Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach auch ein beträchtliches Vermögen angehäuft. Doch verlässliche Informationen zum Besitz des russischen Präsidenten sind rar. Dennoch kommen immer wieder Gerüchte auf. Teilweise heißt es sogar, Putin sei der reichste Mann der Welt. Lesen Sie auch: Das ist die Familie von Wladimir Putin

Wladimir Putin: Zu seinem Geburtstag schenkte er sich selbst eine Gehaltserhöhung

Dabei klingen die offiziellen Angaben zunächst nicht, als handle es sich bei Putin um einen Multimillionär oder gar Milliardär. Laut den neuesten öffentlichen Dokumenten des Kreml verdiente Putin 2019 rund 11.000 Euro pro Monat. Öffentlich ist aber auch, dass der Präsident am 7. Oktober 2019 per Erlass eine Gehaltserhöhung für sich selbst und andere Beamte in Höhe von 4,3 Prozent anordnete und sein monatliches Gehalt damit auf rund 11.550 Euro anhob. Der 7. Oktober ist übrigens Putins Geburtstag. Zum Vergleich: Das offizielle Gehalt von Joe Biden beträgt gut das Dreifache pro Monat. Lesen Sie auch: Joe Biden – Wie reich ist der neue Präsident der USA?

Der Kreml gibt aber nicht nur Putins Gehalt, sondern auch seinen Besitz an und der klingt alles andere als protzig. So gehört Putin an Immobilien offiziell lediglich eine 77 Quadratmeter große Wohnung und ein 18 Quadratmeter großer Parkplatz. Als Präsident darf er zudem noch eine 153 Quadratmeter große Wohnung und eine Garage benutzen. Wo sich diese befinden, wird nicht angegeben.

Wenn Putin sich mal selbst hinters Steuer setzen will, kann er das übrigens hinter einem seiner zwei Oldtimer des sowjetischen Autoherstellers GAZ von 1956 tun. Darin fuhr er auch schon 2005 den US-Präsidenten George W. Bush durch die Gegend. Zudem besitzt Putin seit 2009 nach offiziellen Angaben noch einen Geländewagen von Lada und den dazugehörigen Zeltanhänger.

Das Vermögen von Putin sieht damit selbst im Vergleich mit anderen russischen Top-Beamten mehr als bescheiden aus. Allein die Frau von Anton Eduardowitsch Waino ist dreifache Immobilienbesitzerin. Waino ist Vorsitzender der Präsidialverwaltung und damit sowas wie Putins Kanzleramtschef.

Wie soll sich Putin einen Palast-Komplex leisten können?

Es will also zunächst nicht zusammen passen, dass der vermeintlich bescheidene Putin sich einen Palast-Komplex im Wert von 1,12 Milliarden Euro am Schwarzen Meer leisten kann. Genau das wirft der Kremlkritiker Alexej Nawalny Putin jedoch in seinem neuesten Enthüllungsfilm vor.

In dem enorm erfolgreichen Video sprechen Nawalny und sein Team von der „größten Bestechung der Geschichte“ im Zusammenhang mit der Finanzierung des 17.700 Quadratmeter großen Luxusanwesens. Das Geld soll von Unternehmen stammen, die in Verbindung mit Putin-Vertrauten stehen. Neben dem milliardenschweren Geschäftsmann Gennadi Timtschenko und dem Hauptaktionär der Rossija-Bank, Juri Kowaltschuk, fällt dabei auch der Name von Igor Setschin. Der ehemalige KGB-Offizier und Vorsitzende des russischen Mineralölunternehmens Rosneft ist ein langjähriger Wegbegleiter Putins und gilt als einer seiner engsten Vertrauten. Der Name von Putin taucht jedoch kein einziges Mal in den Finanzierungsunterlagen des Palast-Komplexes auf, wie Nawalny offen zugibt.

Dementsprechend leicht dürfte es Putin gefallen sein, die Anschuldigungen gegen ihn zurückzuweisen. „Nichts von dem, was hier als mein Besitz aufgeführt wird, gehört mir oder meinen engen Verwandten“, sagte Putin über das Video. Der Kreml hat offiziell verlauten lassen, das Anwesen gehöre einem Unternehmer. Putins Sprecher Dmitri Peskow nannte aber keine Namen. Mittlerweile hat sich aber der russische Baumagnat Arkadi Rotenberg als Besitzer gemeldet. Rotenberg ist ein Jugendfreund Putins und wurde an seiner Seite zum Milliardär.

Die Anfänge von Putins angeblichem Milliardenvermögen

Es ist nicht das erste Mal, dass Putin Korruption und enge Verbindungen zu russischen Oligarchen vorgeworfen wird. Schon während der 90er Jahre soll er als Vorsitzender des Außenhandelsausschusses von St. Petersburg Bestechungsgelder kassiert haben. Der Vorwurf stammt von der Petersburger Ex-Stadträtin Marina Salje.

Eine Kommission unter ihrer Leitung kam 1992 zu dem Schluss, dass Putin und sein Stellvertreter Alexander Anikin Rohstoffe für rund 100 Millionen US-Dollar exportiert hatten. Nur seien die dafür als Gegenleistung versprochenen Lebensmittel für St. Petersburg, wo zu dieser Zeit akuter Lebensmittelmangel herrschte, nie eingetroffen. Putin wurde entgegen der Forderungen des Stadtparlaments nicht entlassen, er selbst dementierte die Vorwürfe und eine Untersuchung des Vorfalls verlief sich im Sand. Acht Jahre später wurde Putin erstmals russischer Präsident.

Aus der St. Petersburger Zeit Putins stammen einige Verbindungen, auf die sich bis heute immer wieder Vorwürfe zu Putins angeblichem Milliardenvermögen beziehen. Belegt ist zum Beispiel, dass Putin 1996 mit sieben Vertrauten nördlich von St. Petersburg gemeinsame Datschen errichten ließ. Vier Mitglieder der sogenannten Datschen-Kooperative „Osero“, Juri Kowaltschuk, Wiktor Mjatschin, Andrej Fursenko und Wladimir Jakunin, waren zu diesem Zeitpunkt Besitzer der russischen Privatbank Rossija.

Es handelt sich um eben jenen Kowaltschuk, den auch Nawalny als einen der Finanziers des Palast-Komplexes am Schwarzen Meer benennt. Kowaltschuks milliardenschwere Bank Rossija gilt schon länger als der Finanzier von Putins innerem Zirkel und war daher auch bereits Ziel westlicher Sanktionen. Während der Krimkrise 2014 froren zum Beispiel die USA das Auslandsvermögen von Rossija ein.

Lesen Sie dazu: Abbau der Russland-Sanktionen? Neuer Streit entbrannt

Putin soll Milliarden Dollar in Aktien besitzen

Die USA und die EU sanktionierten damals ebenfalls den zweiten angeblichen Finanzier des Palast Komplexes, Gennadi Timtschenko. Er und Putin kennen sich noch aus Dresden, wo der russische Präsident in den 80er Jahren als KGB-Agent stationiert war. Timtschenko gründete Ende der Neunziger zusammen mit dem Schweden Torbjörn Tornqvist das Ölhandelsunternehmen Gunvor.

Als der russische Politologe Stanislaw Belkowski 2007 gegenüber der „Welt“ Putins Vermögen auf rund 40 Milliarden Dollar bezifferte, nannte er auch Aktien von Gunvor als indirekten Besitz Putins. Laut Belkowski hätte Putin 50 Prozent der Anteile von Gunvor über Timtschenko gehalten. Belkowski behauptete außerdem, dass Putin 37 Prozent der Aktien des Gas- und Ölförderkonzerns Surgutneftjegas im damaligen Wert von rund 16,6 Milliarden Euro besitze. Dazu kämen Aktienanteile an Gazprom in Höhe von 4,5 Prozent.

Gunvor hat jegliche Verbindungen zu Putin mehrfach kategorisch dementiert. Auch Putin wies Belkowskis Behauptungen als unwahr zurück. Wahr ist jedoch, dass Timtschenko Anteile an Gunvor gehalten hat. Kurz bevor die USA ihn 2014 im Zuge der Krimkrise sanktionierten, verkaufte Timtschenko seine kompletten Anteile an Mitgründer Tornqvist. Dies sei geschehen, „um die Geschäftstätigkeit auch weiterhin sicherzustellen“, wie Gunvor laut „Financial Times“ mitteilte.

Auch das US-Finanzministerium hatte zuvor behauptet, dass Putin Anteile an Gunvor besitze und möglicherweise sogar Zugriff auf dessen finanzielle Ressourcen besitze. Wieder dementierte Gunvor entschieden.

Putin: Die Selbstdarstellung des Russischen Präsidenten
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Hortet Putins bester Freund für ihn Vermögen?

Womöglich könnte Putins Vermögen jedoch noch viel höher als die geschätzten 40 Milliarden sein. Der US-Justizausschuss lud 2017 während der Untersuchungen zu Trumps Russland-Affäre den Investmentbanker Bill Browder als Zeuge vor. Browder schätzte das Vermögen Putins in seiner Zeugenaussage auf 200 Milliarden Dollar. Damit wäre Putin zu diesem Zeitpunkt der reichste Mann der Welt gewesen. Wie sich dieses Vermögen genau zusammensetze, sagte Browder nicht. Er behauptete lediglich, dass es aus illegal abgezwackten Geldern stamme.

Als Beispiel bezog sich Browder auf die Enthüllungen in den „Panama Papers“, die wegen eines Datenlecks 2016 in die Öffentlichkeit gerieten. In den Unterlagen des panamaischen Offshore Dienstleisters Mossack Fonseca taucht laut übereinstimmenden Medienberichten mehrfach der Name Sergej Roldugin auf. Roldugin soll zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Besitzer mehrerer Offshore-Unternehmen gewesen sein. Diese hätten angeblich Aktien der größten Konzerne Russlands besessen. Auch Kredite in Millionenhöhe seien über Roldugins Unternehmen abgewickelt worden. Insgesamt seien durch die Briefkastenfirmen zwei Milliarden Dollar geflossen, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.

Roldugin ist von Beruf weder Manager noch Börsenbroker oder hat Wirtschaft studiert. Roldugin ist Cellist. Bekannt ist er jedoch vor allem als Putins enger, wenn nicht sogar bester Freund. Bilder zeigen ihn als den Taufpaten von Putins ältester Tochter Maria. Nicht wenige vermuten ihn als den heimlichen Vermögensverwalter des russischen Präsidenten. (jas mit nfz/dpa)

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