Pandemie

Corona: Wird Deutschland vom Vorbild zum Sorgenkind Europas?

Lange Zeit galt Deutschland im Kampf gegen die Pandemie als Vorbild. Doch nun stehen andere Länder bei den Corona-Fallzahlen besser da.

Verschärfter Lockdown - das ist jetzt noch möglich

In Deutschland gilt ab Morgen ein verschärfter Lockdown. Kitas und Schulen müssen jetzt größtenteils geschlossen bleiben, private Treffen sind nur noch mit einer haushaltsfremden Person erlaubt.

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Berlin. Seit Montag ist ganz Deutschland im verschärften Lockdown. Die Corona-Zahlen des einstigen Musterknaben in Europa sind zuletzt wieder stark gestiegen. Am Montagmorgen wurden 166,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gemeldet. Einige große europäischen Länder kommen bei dieser Sieben-Tage-Inzidenz auf einen besseren Wert. Wird Deutschland jetzt zum Sorgenkind? Ein Überblick über neun wichtige Länder:

  • Frankreich: Insgesamt verzeichnet das Land mehr als 2,8 Millionen Corona-Infektionen (Deutschland: knapp zwei Millionen) und über 67.000 Todesfälle (Deutschland: mehr als 40.000). Zuletzt gab es 154 Neu-Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz). Seit Mitte Dezember gilt eine Ausgangsperre von 20 bis 6 Uhr. Ab diesem Montag soll der Beginn der Ausgangssperre in einem Drittel aller Départements (Verwaltungsbezirke) auf 18 Uhr vorverlegt werden. Bis Sonnabend wurden erst 80.000 Franzosen geimpft – in Deutschland waren es mehr als 530.000. Fast zwei Drittel der Franzosen lehnen die Impfung ab.
  • Italien: Zwischen Weihnachten und Neujahr hatten sich Italiener zu traditionellen Familientreffen ohne Maske versammelt. Folge: Die Zahl der Infektionen stieg auf knapp 2,3 Millionen, mehr als 78.700 starben bislang an Covid-19. Zuletzt betrug die Sieben-Tages-Inzidenz 200. In Italien gilt eine Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr, die nur in dringenden Ausnahmefällen wie Krankheit oder Arbeit durchbrochen werden darf. Zudem darf man generell nicht von einer Region in eine andere reisen. Bis Samstag wurden etwa 580.000 Italiener geimpft.

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  • Polen: In Polen wollen sich derzeit nur 40 Prozent der Menschen den doppelten Pieks gegen Corona verabreichen lassen, obwohl bereits rund 1,4 Millionen Infektionen und mehr als 31.000 Covid-19-Tote zu beklagen sind. Kommentatoren verweisen auf die tief verwurzelte Staatsskepsis in dem jahrhundertelang fremdbestimmten Land. Hinzu kommt das abgeflachte Infektionsgeschehen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 176,9 – im November betrug sie noch 473. Debattiert wird nun über Lockerungen des geltenden Lockdowns, der ähnlich wie zuletzt in Deutschland gefasst war: Geschäfte und Restaurants mussten dichtmachen.
  • Spanien: Nach den Weihnachtsferien mit vielen Familienfeiern wird Spanien von der dritten Viruswelle überrollt. Besonders steil steigt die Kurve auf Mallorca und in Madrid. Die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt in der Hauptstadt fast 280. Spanienweit kletterte die wöchentliche Fallhäufigkeit auf 261. Insgesamt verzeichnet das Land mehr als zwei Millionen Infektionen und rund 52.000 Todesfälle. Bei den Impfungen bewies Madrid wenig Weitsicht: Ein Großteil der an die Hauptstadt gelieferten Dosen lagert mangels Personal und Logistik noch immer im Tiefkühl-Depot. Landesweit wurde 278.000 Menschen die Substanz von Biontech/Pfizer injiziert.
  • Großbritannien: Der frühe Start der Impfkampagne zahlte sich nicht aus. Ein mutiertes Virus mit hohem Ansteckungsgrad breitet sich rasant aus. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 616. Mehr als drei Millionen Menschen haben sich angesteckt, etwa 81.000 Menschen sind an Covid-19 gestorben. Am Dienstag verhängte Premierminister Boris Johnson einen extrem harten Lockdown, der bis Mitte März dauern könnte. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Läden geschlossen, höchstens einmal am Tag darf man die Wohnung verlassen. Bislang sind rund 1,5 Millionen Bürger mit dem Biontech/Pfizer-Vakzin geimpft worden.
  • Schweden: Schweden hält grundsätzlich an seinem Sonderweg fest. Zwar gibt es immer mehr Einschränkungen wie die Schließung von Bars und Restaurants ab 20 Uhr. Aber alle Geschäfte bleiben geöffnet. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei rund 515. Insgesamt sind knapp 9500 Menschen gestorben. Bislang haben sich knapp 500.000 Menschen angesteckt. Anfang der letzten Dezemberwoche bekam Schweden 80.000 Impfdosen, in der vergangenen Woche waren es 88.000. Für die kommende Woche sind 100.000 Dosen angekündigt.
  • Österreich: Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Alpenrepublik liegt bei 166. Insgesamt haben sich mehr als 380.000 Menschen angesteckt, mehr als 6700 sind gestorben. Seit 26. Dezember sind - mit Ausnahme von Supermärkten und Läden für den täglichen Bedarf - die Geschäfte geschlossen. Ausgangsbeschränkungen gelten nicht mehr nur nachts, sondern auch tagsüber. Das Haus verlassen darf nur, wer zur Arbeit geht oder anderen Menschen hilft. Der Lockdown wurde bis zum 24. Januar. verlängert. Bislang gelangten 126.000 Impfdosen von Biontech/Pfizer nach Österreich. Verimpft wurden aber erst weniger als 10.000.

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  • Tschechien: In Tschechien steigen die Fallzahlen wieder exponentiell. Dabei war die Sieben-Tage-Inzidenz zunächst von 840 im Oktober auf etwa 200 vor Weihnachten zurückgegangen. Doch nun liegt der Wert wieder bei 846. Der Lockdown ist etwas härter als in Polen angelegt: Zusätzlich gilt eine Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr. Insgesamt verzeichnet Tschechien mehr als 831.000 Infektionen und 13.115 Covid-19-Tote. Mediziner üben scharfe Kritik an der Impfkampagne. Milan Kubek, Präsident der tschechischen Ärztekammer: „Wir haben bislang nur ein paar Spelunken, die unsere Regierung als Impfzentren ausgibt.“
  • Türkei: Es gibt eine leichte Entspannung. Nachdem die Türkei im Dezember an manchen Tagen mehr als 30.000 Neu-Infektionen meldete, sind es derzeit rund 10.000 bis 13.000 Fälle täglich. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt mit 100 deutlich niedriger als in Deutschland. An den Wochenenden und nachts gelten Ausgangssperren. In der Türkei gibt es insgesamt mehr als 2,3 Millionen Infektionen und 22.800 Todesfälle. Die ersten drei Millionen von den bestellten 50 Millionen Dosen des chinesischen Präparats Sinovac sind eingetroffen. Die Impfungen sollen aber frühestens in zwei Wochen beginnen.

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