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Zentrum der US-Politik: Das ist das Kapitol in Washington

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In den USA kam es zum Sturm auf das Kapitol in Washinton D.C.

In den USA kam es zum Sturm auf das Kapitol in Washinton D.C.

Foto: dpa

Bei Ausschreitungen haben am Mittwoch hunderte Trump-Unterstützer das US-Kapitol in Washington gestürmt. Doch was ist das Kapitol?

Washington. Am Mittwoch überschlugen sich die Ereignisse in den USA: Zunächst zogen nach einer Rede von noch-Präsident Donald Trump Massen seiner Anhänger durch Washington. Dann eskalierte die Situation: Hunderte Menschen stürmte das Kapitol. Die dort laufende Sitzung, bei der die Wahl von Joe Biden zum künftigen US-Präsident bestätigt werden sollte, musste unterbrochen werden. Doch was ist das Kapitol eigentlich?

Auf dem "Capitol Hill" in Washington D.C. gelegen ist das Parlamentsgebäude das Herzstück der US-Demokratie. Es ist der Sitz der beiden amerikanischen Parlamentskammern, des Senats und des Repräsentantenhauses, die gemeinsam den Kongress bilden. Der besteht aus den von den Bürgern der USA gewählten Abgeordneten, etwa vergleichbar mit dem Deutschen Bundestag und Bundesrat. In letzterem werden die Mitglieder jedoch im Gegensatz zu den USA nicht direkt vom Volk gewählt.

Alle Entwicklungen nach dem Sturm auf das US-Kapitol lesen Sie in unserem Newsblog

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Das Kapitol in Washington D.C.: Machtzentrum der USA

Der US-Kongress bildet auf Bundesebene die gesetzgebende Gewalt, die sogenannte Legislative. Damit sind die Abgeordneten für die Gesetzgebung in den Vereinigten Staaten verantwortlich. Außerdem haben sie das Budgetrecht, entscheiden also über den Bundeshaushalt, und kontrollieren die Exekutive, einschließlich des Präsidenten, seiner Minister und der Geheimdienste.

Gleichzeitig ist das Kapitol eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in den USA. Drei bis fünf Millionen Menschenbesuchen das Bauwerk jährlich. Dabei dürfen Touristen es seit den Anschlägen vom 11. September 2001 nur noch als Teil einer geführten Gruppe betreten. Lesen Sie auch: Donald Trump trägt die Schuld für die Gewalt am Kapitol - Ein Kommentar

Die Heimat von Senat und Repräsentantenhaus: Das Kapitol

Das Gebäude entstand in den Jahren 1793 bis 17823 im klassizistischen Stil und wurde seitdem mehrfach renoviert und erweitert. Viele Amerikaner kennen es auch von der Rückseite des 50-Dollar-Scheins, auf dem das Kapitol zu sehen ist. In dessen Inneren finden sich neben den Plenarsälen, in denen Senat und Repräsentantenhaus tagen, viele bedeutende Werke amerikanischer Künstler. In unmittelbarer Nähe zum Kapitol befindet sich auch der Supreme Court, das oberste Gericht der Vereinigten Staaten.

Der Name des Kapitols, das dem Hügel auf dem es in Washington gebaut wurde auch den Namen gibt, ist der römischen Antike entliehen. Die Bezeichnung Kapitol leitet sich vom Kapitolinischen Hügel in Rom ab. In der Zeit des Klassizismus wurde dessen Name auf andere Gebäude übertragen, unter anderem eben auch auf den Sitz des amerikanischen Parlaments. Damit wollte man die republikanische Tradition betonen, in der sich die USA sehen.

Erstürmung des Kapitols: Warum versagte das Sicherheitskonzept?

Für die Sicherheit des Regierungsgebäudes und der Umgebung ist die United States Capitol Police zuständig. In den Straßen um das Kapitol herum gibt es zahlreiche Polizeiposten, eine Straße schloss die Polizei sogar komplett. Auf den Hauptdurchfahrtsstraßen wurden Barrikaden im Boden versenkt, die im Notfall hochgefahren werden können.

LKWs und Kleinbusse sind generell nicht mehr rund um das Gebäude erlaubt. Auch andere Fahrzeuge dürfen erst passieren, wenn die Insassen eine Genehmigung dafür vorweisen können Neben den Straßen gibt es zahlreiche Barrieren, damit Autos nicht die Fahrbahn verlassen und auf das Kapitol fahren können. Hunderte Poller und Betonsperren wurden zu diesem Zweck errichtet.

Wie die Trump-Anhänger trotz der zahlreichen Sicherheitsmaßnahmen am Mittwoch so leicht in das Gebäude eindringen konnten, ist noch nicht abschließend geklärt.

Der Kapitols-Polizei wird aktuell vorgeworfen, auf den Ansturm des gewalttätigen Mobs nach einer Trump-Kundgebung am Mittwoch nicht ausreichend vorbereitet gewesen zu sein. Der Chef der Polizei des Parlaments hat deshalb Medienberichten zufolge seinen Rücktritt angekündigt. Steven Sund werde am 16. Januar von seinem Amt zurücktreten, berichteten der Sender CNN und die „Washington Post“.

In der Geschichte der USA kam es immer wieder zu Ausschreitungen rund um das Kapitol. So eröffneten 1954 Nationalisten aus Puerto Rico im Inneren des Gebäudes das Feuer auf den Senat, ohne dabei größeren Schaden anzurichten. 1975 explodierte vor dem Plenarsaal des Senats eine Bombe, 1998 stürmte ein bewaffnete Mann das Gebäude und tötete zwei Polizisten. Lesen Sie auch: Sturm auf Kapitol: Droht Trump ein Amtsenthebungsverfahren?

(bml/nfz)

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