Meinung

Pro und Contra: Sollen Schulen und Kitas wieder öffnen?

| Lesedauer: 4 Minuten
Bleibt der Lockdown? Darum geht es beim nächsten Corona-Gipfel

Vor dem nächsten Bund-Länder-Treffen zur Corona-Pandemie am Dienstag zeichnet sich ab, dass der Lockdown verlängert wird. Die Infektionslage lässt nach Ansicht vieler Experten und Spitzenpolitiker keine andere Entscheidung zu. Umstritten ist vor allem, wie es mit den Schulen weitergeht.

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Der Corona-Lockdown geht wohl in die Verlängerung. Doch was ist mit Schulen und Kitas? Wann sollen sie öffnen? Ein Pro und Contra.

PRO: Öffnet die Schulen und Kitas!

Berlin. Von Diana Zinkler

Bei der Frage, ob Schulen und Kitas wieder geöffnet werden sollen, darf es nur um die Belange der Millionen Kinder gehen, die derzeit zu Hause festsitzen. Im besten Fall läuft der Fernseher, spielen sie Computerspiele, werden sie irgendwie betreut, aber nicht gefördert, das Schulprogramm bleibt liegen. Im schlimmsten Fall aber wirft sie die Zeit zu Hause weit zurück, intellektuell, physisch und psychisch.

Denn Eltern sind per se keine guten Menschen, nur weil sie Eltern sind. Eltern sind keine guten Lehrer, schon gar keine Pädagogen. Eltern sind nicht geduldig. Eltern müssen arbeiten, Eltern streiten und schreien.

Und manchmal tun sie ihren Kindern Dinge an, die für sie schlimmer sind als das Coronavirus. Die Rede ist von psychischer und physischer Gewalt. In der Zeit des ersten Lockdowns ist die Zahl der Anrufe bei Hilfetelefonen wie Dunkelziffer e.V. schlagartig gestiegen.

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Der Deutsche Kinderschutzbund wies zu Beginn des zweiten harten Lockdowns darauf hin, dass im Sommer versäumt wurde, Kinder aus armen Familien mit Notebooks auszurüsten, so dass auch sie am Fernunterricht teilnehmen können. Ebenfalls wurde in keinem Bundesland bisher dafür gesorgt, dass das essentielle Schulmittagessen nicht ausfällt. Für manche Kinder ist es die einzige warme Speise am Tag. Zu der sie im Moment keinen Zugang haben.

14 Millionen Kinder und Jugendliche sind in Deutschland von Kita- und Schulschließungen betroffen. Wie groß mag der Anteil der Kinder sein, die mit mehr als einem blauen Auge aus dem Lockdown in ihre Bildungseinrichtungen zurückkehren? Für sie zählt jeder Tag. Lesen Sie dazu: Schule und Corona: Präsenzunterricht um jeden Preis?

CONTRA: Das Virus macht keinen Unterschied

Von Jörg Quoos

Das Lernen, das Miteinander, der Zuspruch von Lehrern, das Schulessen – jedes Argument ist stichhaltig und spricht für eine schnelle Schulöffnung. Eigentlich. Das Problem ist nur: Das Virus kennt keinen Bildungsnotstand. Es kennt keine vernachlässigten Kinder oder Familienstress zu Hause. Es kennt nur Opfer, über die es sich weiter ausbreiten kann. Lesen Sie auch: Corona-Regeln - Strenge Kontaktbeschränkungen auch für Kinder

Deshalb läuft die Diskussion um die Schulöffnung völlig falsch. Wer Schulen öffnet, riskiert einen Rückschlag in der Pandemiebekämpfung. Man sollte so ehrlich sein und dieses höhere Risiko benennen. Dabei gibt es Fakten, die man nicht ausblenden darf.

So hat sich die Zahl der Neuinfektionen bei Kindern von September auf November verzehnfacht. Kinder gelten als genauso infektiös wie Erwachsene, werden aber selten getestet. Auch geimpft werden sie nicht. Der Lockdown light war deshalb so enttäuschend, weil er unentschlossen war. Lesen Sie auch: Corona: Jens Spahn will keine Sonderrechte für Geimpfte

Mittlerweile ist Deutschland im harten Lockdown und hofft, dass die Zahlen endlich besser werden. Das Öffnen von Schulen und Kitas kann alles zunichtemachen. Die Virologen haben es längst in unsere Köpfe gehämmert: Jeder Kontakt ist einer zu viel.

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Und daher spricht viel dafür, Schulen und Kitas geschlossen zu lassen. Gerade weil das Impfen so schleppend vorangeht und nicht einmal Lehrer, die an der Virus-Front stehen, in der ersten Welle dabei sind. Notbetreuung für Härtefälle kann ja trotzdem stattfinden.

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Wenn wir die Pandemie nicht in den Griff kriegen, weil über Lehrer und Schüler ein möglicherweise mutiertes Virus schnell weitergegeben wird, wird die Lage nur noch schlimmer. Auch für die Kinder.

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