US-Präsident

Trumps Coup-Versuch: Fragwürdiges Telefonat veröffentlicht

| Lesedauer: 2 Minuten
Am Telefon: US-Präsident Donald Trump im Oval Office des Weißen Hauses.

Am Telefon: US-Präsident Donald Trump im Oval Office des Weißen Hauses.

Foto: dpa

Trump hat mit einem fragwürdigen Anruf versucht Bidens Wahlsieg zu annullieren. Ein Mitschnitt des Telefonats wurde veröffentlicht.

Washington. Es ist ein Telefon-Mitschnitt für die Geschichtsbücher: Der abgewählte US-Präsident Donald Trump hat am Samstag den obersten Wahlleiter Georgias, Brad Raffensperger, in beispielloser Form in die Mangel genommen, um den knappen Sieg des Demokraten Joe Biden am 3. November im Südstaat nachträglich zu annullieren und Trump als Gewinner auszurufen.

In dem von der "Washington Post" in Auszügen veröffentlichten Telefonat sagte Trump klipp und klar, dass er rund 11.780 Stimmen benötigt, um den Vorsprung Bidens zu neutralisieren. Die Wähler Georgias und im ganzen Land seien "sehr wütend", weil es erwiesen sei, dass er, Trump, die Wahl eindeutig gewonnen habe. Es sei "nichts verkehrt daran", wenn Raffensperger, der Staatssekretär des Bundesstaates ist und der republikanischen Partei angehört, die Wahl-Resultate "neu berechnet" und "Stimmen findet".

Mehrere US-Senatoren wollen Biden nicht bestätigen
Mehrere US-Senatoren wollen Biden nicht bestätigen

Trump droht Staatssekretär mit strafrechtlichen Konsequenzen

Sollte Raffensperger sich weigern, könne er strafrechtlich belangt werden, deutete Trump in einer Tonlage an, die von US-Kommentatoren als erpresserisch bezeichnet wird. Trumps Vorgehen komme "Nötigung" und einem "versuchten Coup" gleich, erklärten Kritiker aus Reihen des "Lincoln Project", das sich aus ehemaligen Republikanern rekrutiert.

Trump sagte in dem Telefonat auch, dass bei der strategisch wichtigen Stichwahl für den Senat in Washington am Dienstag viele republikanische Wähler in Georgia passiv bleiben oder gegen die republikanischen Amtsinhaber Kelly Loeffler und David Perdue stimmen würden - aus Vergeltung für das, was Raffensperger und Gouverneur Kemp, ebenfalls Republikaner, bei der Präsidentschaftswahl im November zugelassen hätten. Sprich: umfassenden Wahlbetrug zu Lasten Trumps.

Donald Trump – Mehr zum 45. US-Präsidenten

Staatssekretär: Trumps Aussagen beruhen auf Verschwörungstheorien

Trump wiederholte den mehrfach widerlegten Vorwurf, bei der Wahl am 3. November seien die Stimmen von 5000 Verstorbenen mitgezählt worden. Raffensperger, der vor Wochen eine Neuauszählung der fünf Millionen abgegebenen Stimmen in Georgia angeordnet hatte, entgegnete: "Die tatsächliche Zahl war zwei. Zwei. Zwei Tote haben gewählt."

Der Staatssekretär, der seit Wochen mit massiver Kritik bis hin zu Morddrohungen in sozialen Medien zu kämpfen hat, wies Trumps Ansinnen vollständig zurück. Daten und Aussagen Trumps beruhten auf unwahren Informationen und Verschwörungstheorien, sagte der Regionalpolitiker. Georgias Wahlergebnis, das Joe Biden 16 Stimmen im "electoral college" bescherte, sei akkurat und von allen Gerichten bestätigt worden.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen