USA

Joe Biden: Dieser Mann soll nächster US-Außenminister werden

Der künftige US-Präsident Joe Biden besetzt den ersten Top-Posten: Tony Blinken soll US-Außenminister werden. Wer ist der 58-Jährige?

"Donald Trump versucht, das Wahlmännergremium zu beeinflussen"

Das Hin und Her bei der US-Wahl zerrt an den Nerven. Donald Trump gibt nicht auf. Seine neue Taktik, um im Amt zu bleiben, ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der USA. Was noch wichtig ist, berichtet Korrespondent Dirk Hautkapp im Briefing.

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Washington.  „Diese Entscheidung ist dumm, boshaft und ein strategischer Verlierer. Es schwächt die Nato, es hilft Wladimir Putin und es beschädigt Deutschland , unseren wichtigsten Verbündeten in Europa.“

Der Satz, den Tony Blinken im Sommer nach Bekanntwerden der Abzugspläne Donald Trumps für rund 12.000 US-Soldaten in Deutschland in einem Interview formulierte, gewinnt ab Dienstag politisch enorm an Gewicht.

Tony Blinken soll neuer US-Außenminister werden

Der 58-Jährige, der über fast 20 Jahre die rechte und die linke Hand des künftigen US-Präsidenten Joe Biden war und zum diplomatischen Edelholz in Washington gehört, soll nach Medienberichten Amerikas neuer Außenminister werden. Biden will nicht nur diese Top-Personalie am Dienstag bekanntgeben.

John Kerry (76), ab 2013 Außenminister in der Obama-Regierung, bekommt – mit Sitz im Nationalen Sicherheitsrat – den Posten des Sonderbeauftragten für Klimapolitik; seit langer Zeit Leib- und Magenthema des Politikers aus Boston. Biden will die USA direkt nach Amtsantritt Mitte Januar zurück in das von Trump gekündigte Pariser Klimaschutzabkommen bringen.

Mit der Top-Personalie für das unter Amtsinhaber Mike Pompeo mental und personell ausgezehrte „State Departement“ unterstreicht Biden seine Ankündigung, die USA nach den Alleingänger-Jahren der Trumpschen „America First“ -Periode wieder in internationale Allianzen zu integrieren.

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Garant für Amerikas Rückkehr in die internationale Gemeinschaft?

Mit Tony Blinken für das unter Amtsinhaber Mike Pompeo mental und personell ausgezehrte „State Departement“ unterstreicht Biden seine Ankündigung, die USA nach den Alleingänger-Jahren der Trumpschen „America First“-Periode wieder stärker in internationale Allianzen zu integrieren.

Weil Biden vom ersten Tag seiner Amtszeit an wegen der Coronavirus-Pandemie innenpolitisch gefordert sein wird, soll Blinken, der als Alter Ego des 78-Jährigen gilt, Garant für die Umsetzung dessen sein, was Biden in Aussicht gestellt hat: die Rückkehr zu einer berechenbaren Weltpolitik, in der Amerika vorangeht - aber das nicht kompromisslos mit ausgefahrenen Ellenbogen allein tut.

Bei einer noch schwer fassbaren Neu-Auflage des Atom-Deals mit dem Iran und der Revitalisierung der Vereinten Nationen und angegliederter Organisationen wie WHO und Unesco soll Blinken „als Mensch gewordene vertrauensbildende Maßnahme fungieren“, sagte ein leitender Mitarbeiter des Außenministeriums dieser Zeitung, „Tony ist extrem kenntnisreich, weltweit vernetzt und gibt Fakten die Vorfahrt vor ideologischen Festlegungen.“

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Blinken schrieb Bill Clintons außenpolitische Reden

Als Signal einer Entspannung erklärte Blinken vor einigen Wochen, dass Joe Biden im Falle eines Wahlsieges die „künstlichen Handelskriege “ Trumps beenden werde.

Auf dem Acker des Auswärtigen gibt es wenige Furchen, die Blinken noch nicht gezogen hat. Anfang der 1990er-Jahre arbeitete er in der Europa-Abteilung des State Departements. Später wurde er Bill Clintons außenpolitischer Redenschreiber.

Kurz liebäugelte der Jurist mit einer Karriere als Filmproduzent

Als Joe Biden den Vorsitz im Auswärtigen Ausschuss des Senats übernahm, wurde er 2002 zum Fixstern im Kosmos des künftigen Präsidenten. Von 2013 bis 2015 diente Blinken im Nationalen Sicherheitsrat von Präsident Barack Obama . Lesen Sie dazu: Obama-Biografie: Wie ihn Rassismus, Familie und Politik prägten

2015 wechselte Blinken als zweithöchster Diplomat ins Außenministerium. Seine Bestätigung durch den Senat dürfte problemlos sein.

Bevor Blinken, Sohn eines ehemaligen US-Botschafters in Ungarn und Stiefsohn des berühmten Holocaust-Überlebenden und Star-Anwalts Samuel Pisar , in die Politik ging, liebäugelte er mit einer Karriere als Film-Produzent.

Bidens Außenminister: Ein frankophiler Beatles- und Fußball-Fan

Der in New York und Paris aufgewachsene Diplomaten-Sohn, er machte an der Seine Abitur und spricht fließend Französisch, hat in Harvard und an der Columbia-Universität Jura studiert, ist ein Beatles-Bewunderer, passabler Gitarrist und Sänger sowie Fußball-Fan.

Durch seine Mutter Judith (82), eine Kunst-Mäzenin, und den leiblichen Vater Donald Blinken (95), einen schwerreichen Finanzinvestor, kam Blinken früh mit Prominenz aus Politik und Kultur von Leonard Bernstein über John Lennon und Valéry Giscard d’Estaing bis Christo in Kontakt. Evan Ryan , seine Frau, arbeitete als Kultur-Staatsministerin für Hillary Clinton , als sie Obamas Außenministerin war.

Mit Hillary Clintons Niederlage 2016 und Trumps Amtsantritt wechselte Tony Blinken an die Johns Hopkins Universität in die akademische Lehre: Außenpolitik natürlich. Und er half als Mitgründer der Strategie-Firma „WestExec Advisers“ an den Start.

Kein „Falke“, aber auch kein Pazifist

Das Blinken zum Kern demokratischer Machtzirkel gehört, dokumentierte das historische Foto aus Mai 2011, als die Top-Riege der Obama-Regierung die Tötung von El Kaida-Chef Osama Bin Laden in Pakistan live über eine gesicherte Video-Leitung im Weißen Haus verfolgte. Ganz hinten im Tür-Rahmen sah auch Blinken zu, der kein „Falke“ ist, ohne die militärischen Kraft der USA zu verleugnen.

Nachdem das Assad-Regime 2013 chemische Waffen gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt hatte, warb er vehement für einen Militärschlag in Syrien, den der damalige Präsident Obama ablehnte. Als Nachfolger Donald Trump 2017 einen weiteren Giftgas-Angriff Assads militärisch sanktionieren ließ, spendete Blinken Beifall. Ein Grund: Sein Stiefvater überlebte die Konzentrationslager Auschwitz and Dachau.

Neben Blinken, dessen Bestätigung im Senat noch aussteht, setzt Biden mit Jake Sullivan (43, Nationaler Sicherheitsberater) und Linda Thomas-Greenfield als UN-Botschafterin weitere Akzente – und auf bewährte Kräfte der Obama-Jahre. Die 68-jährige Schwarze war in dieser Zeit im Außenministerium für Afrika zuständig. Alejandro Mayorkas aus Kalifornien wird im Kabinett Biden der erste Minister für Heimatschutz mit hispanischen Wurzeln. Ebenfalls eine Premiere: Avril Haines, früher Nr. 2 beim Auslandsgeheimdienst CIA, wird als erste Frau sämtliche US-Geheimdienste koordinieren.

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