US-Wahl

Donald Trump erneuert Vorwürfe von einer manipulierten Wahl

| Lesedauer: 5 Minuten
Dirk Hautkapp
US-Wahl: "Joe Biden kämpft mit angezogener Handbremse"

US-Wahl- Joe Biden kämpft mit angezogener Handbremse

Donald Trump wütet weiter gegen die Wahlergebnisse, statt sich um die Corona-Pandemie zu kümmern. Hier ist die Debatte sogar soweit, dass man dem 45. US-Präsidenten unterlassene Hilfeleistung vorwirft. Mehr im Briefing von US-Korrespondent Dirk Hautkapp.

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Donald Trump sorgt auf Twitter für Verwirrung. Eine Niederlage will der amtierende US-Präsident weiterhin noch nicht eingestehen.

Washington. Von Nevada, einer Kleinstadt im Bundesstaat Missouri, sind es gut 18 Stunden mit dem Wagen nach Washington DC. Ken, ein Auto-Mechaniker, hat die Tour mit einem Freund auf sich genommen, „um zu zeigen, was nicht stimmt in Amerika”.

Nie und nimmer, sagt der Mann mit dem schütteren Haar am Samstagmittag vor dem Kapitol, sei es bei den Präsidentschaftswahlen vor gut zwei Wochen „fair und ehrlich zugegangen”. Von einem Sieg für Joe Biden zu sprechen, sei „absolut verfrüht”, redet er sich in Rage. „Warten wir doch die Klagen ab.”

Ken ist einer von wohlwollend gerechnet 15.000 Trumpianern, die aus allen Teilen der Vereinigten Staaten in die Hauptstadt gekommen sind, um eine Art öffentliches Gelöbnis abzulegen. Trotz aller Tatsachen (Joe Biden hat 5,5 Millionen Stimmen mehr erhalten und 306 von 538 Stimmen im „electoral college” sicher), trotz aller Niederlagen (reihenweise haben Richter in Pennsylvania, Arizona, Georgia und Michigan Klagen von Trump-Anwälten gegen die Auszählung als gegenstandslos abgewiesen) erklären Tausende im Brustton der Überzeugung: „ Donald Trump ist und bleibt unser Präsident.”

Donald Trump über Joe Biden: „Er hat gewonnen“

Wirklich? Bereits am Freitag gab Trump erste zaghafte Signale, seine Niederlage einzugestehen. Er sagte, die „Zeit wird zeigen”, welche Regierung künftig an der Macht sein wird. Am Sonntag dann ein Satz, dessen erster Teil an Klarheit kaum zu überbieten ist. „Er hat gewonnen”, schrieb Trump auf Twitter und meinte damit Joe Biden. Einschränkender Zusatz: „weil die Wahl manipuliert war.” Später schrieb er: „Er hat nur in den Augen der Fake-News-Medien gewonnen. Ich gestehe gar nichts ein!“

Trump verband seine von den Gerichten bisher komplett ignorierten Vorwürfe mit einer neuen Theorie. Danach sei bei der Auszählung der Stimmen in vielen Bundesstaaten eine von Hackern manipulierte Software (Dominion) eingesetzt worden, die millionenfach Stimmen auf Joe Biden umgeleitet habe. Die Cyber-Abteilung seines eigenen Heimatschutzministeriums sagte dazu: stimmt nicht.

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Trump-Anhänger: Oberster Gerichtshof muss Sieg zurückholen

Ginge es nach Alex Jones und Sebastian Gorka, dann muss der Oberste Gerichtshof Trump den „gestohlenen Sieg” zurückholen. Der berüchtigte Verschwörungstheoretiker (Infowars) und der ehemalige Trump-Berater gehörten zu den Hauptrednern am Fuße des Supreme Courts.

Was sie forderten, läuft auf Bildung einer außerparlamentarischen Opposition hinaus, die dem „tiefen Staat”, der Trump verhindern wolle, in den kommenden Monaten das Handwerk legen müsse. Marjorie Taylor Greene aus Georgia, die erste republikanische Kongress-Abgeordnete, die sich öffentlich dem rechtslastigen QAnon-Kult verpflichtet fühlt, sprach gar von einer „Armee”, die an der „Basis” gegründet werden müsse. Dabei gibt es sie schon.

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Rechtsextreme „Proud Boys“ gehen „Black Lives Matter“-Demonstranten an

Unter den Demonstranten, die sich dort versammeln, wo zuletzt Tausende in stillem Gedenken von der Richter-Ikone Ruth Bader Ginsburg Abschied nahmen, sind auch Hunderte „Proud Boys” . Als sie eine Gruppe von drei Dutzend Links-Demonstranten ausmachen, kommt Bewegung in die neofaschistischen Jungmänner, von denen viele mit Helm und schusssicherer Weste angereist sind. Es wird gebrüllt und gerangelt. Hunderte Mittelfinger recken sich in Richtung der in Unterzahl befindlichen Antifa-Leute. Die Stimmung ist brenzlig.

Am Ende wird der linke Tross unter Polizeischutz aus der Gefahrenzone gebracht. „Verdammte Kommunisten”, brüllt ein Proud Boy, zu erkennen am schwarzen Polo-Shirt mit dem Emblem der Weizen-Ähre, „man sollte sie richtig vermöbeln.” Und so kam es dann auch.

Nach Einbruch der Dunkelheit zogen Proud Boys-Trupps durch die Viertel rund um das hermetisch abgeriegelte Weiße Haus und suchten die Konfrontation mit Antifa-Demonstranten. Die Stadt müsse „gesäubert” werden, hört man Proud Boys in Videoaufnahmen vor mehreren Massenschlägereien sagen. Ein 20-jähriges Mitglied der „Black Lives Matter”-Bewegung wurde laut Washington Post nach einer Messerstecherei ins Krankenhaus gebracht. Lesen Sie hier: „Proud Boys“: An diese rechte Gruppe appelliert Donald Trump

Linksradikale greifen Trump-Anhänger an

Weil Linksradikale etliche Anhänger des Präsidenten tätlich angriffen, darunter auch Frauen und junge Familien, forderte Trump die demokratische regierte Stadtspitze via Twitter auf, härter gegen den „Antifa-Abschaum” vorzugehen. Laut Polizei wurden bis Sonntagmorgen (Ortszeit) 20 Personen wegen Körperverletzung festgenommen. Etliche Schusswaffen, die in Washington legal in der Öffentlichkeit nicht getragen werden dürfen, wurden einkassiert.

Trump selbst begnügte sich am Samstag mit einer Geste. Er ließ seine Wagen-Kolonne auf dem Weg zum Golfplatz durch die Menschenmassen auf der Pennsylvania Avenue dirigieren, winkte durch das Panzerglas- Fenster und erntete Beifallsstürme.

Jeff Wheeler, der seinen echten Namen nicht nennen wollte, hofft dagegen inständig, diesen Präsidenten „zum letzten Mal gesehen zu haben”. Der im Gesundheitsbereich beschäftigte Washingtonian hatte sich auf einer Kreuzung vor Trumps Nobelhotel im alten Postamt als Ein-Mann-Widerstand gegen die Übermacht der Trump-Fans aufgebaut. Auf seinem Plakat war eine kaputte US-Flagge zu sehen. Darunter stand: „Seine Lügen zerreißen uns.”

Donald Trump – Mehr zum 45. US-Präsidenten

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