US-Wahl

Biden oder Trump? So lief der Wahlabend in den USA

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Dirk Hautkapp
US-Wahl: Lässt Trump sich vorzeitig als Sieger ausrufen?

US-Wahl- Lässt Trump sich vorzeitig als Sieger ausrufen?

Welche letzten Auftritte stehen noch aus? Wer unterstützt Biden in den letzten Tagen des Wahlkampfes? Alle Informationen im täglichen Briefing mit US-Korrespondent Dirk Hautkapp.

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Trump wittert Wahlbetrug. Seine Anhänger bleiben friedlicher als erwartet. Biden strahlt vor seinen Anhängern Zuversicht aus.

Washington. Amerika hat gewählt. Und das mit Rekordbeteiligung in Richtung 150 Millionen plus x. Aber eine Vorentscheidung in wahlentscheidenden Bundesstaaten, die am Ende den Ausschlag darüber geben werden, ob Donald Trump oder Herausforderer Joe Biden das Rennen um das Weiße Haus für sich entscheidet, ist (Stand 9 Uhr MEZ) noch nicht gefallen.

Stattdessen zeichnete sich ein nächtlicher Wahlkrimi mit ungewissem Ausgang ab; ein „nail-biter“, bei dem man vor Spannung an den Fingernägeln kaut. Kurz vor Mitternacht sickerte aus beiden Lagern durch: Eine endgültige Entscheidung wird in den nächsten Stunden nicht erwartet.

US-Wahl: Bidens Vorsprung in den Umfragen ist zerronnen

Vorläufig lässt sich konstatieren: Die deutlichen Umfragen-Vorteile für den Demokraten Biden aus den vergangenen Wochen sind teilweise zerronnen. Nach Prognosen gewann Trump den wichtigen Bundesstaat Ohio. In Georgia und North Carolina lag Trump gegen Mitternacht (Ostküstenzeit) zunächst gut im Rennen. Der Swing-State Florida ging an Trump.

Bisher kann Trump laut US-Medien auf Siege in Alabama, Arkansas, Florida, Idaho, Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, North Dakota, Oklahoma, South Carolina, South Dakota, Tennessee, Texas, Utah, West Virginia und Wyoming bauen.

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Joe Biden hatte dagegen in Arizona, Colorado, Connecticut, Delaware, Illinois, Maryland, Kalifornien, Massachusetts, Minnesota, New Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, Rhode Island, Oregon, Vermont, Virginia sowie im Hauptstadtbezirk District of Columbia die Nase vorn.

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Joe Biden gewinnt Arizona – kein Pflichtsieg

Auf einen Nenner gebracht: Alles Pflichtsiege. Beziehungsweise erwartete Niederlagen. Bis auf Trumps Sieg in Florida. Und bis auf Bidens Erfolg in Arizona. Sein Erfolg im umkämpften Südstaat wurde in seiner Kampagne als „wichtiger Energieschub“ empfunden. In der Nacht stellte sich Joe Biden der Öffentlichkeit und erklärte, er sei zuversichtlich, die Wahl zu gewinnen.

Trump, der sich auffallend in der Nacht zurückhielt, konterte auf Twitter: „Wir sind weit vorne, aber sie (die Demokraten) wollen den Wahlsieg stehlen.“

Unentschieden ist auch der Kampf um den Senat

Weitere Facetten des bisherigen Wahlverlaufs: Auf dem Weg zu einer möglichen Mehrheit im Senat haben die Demokraten einen Schritt vor und einen zurück getan. Im Bundesstaat Colorado nahm der Demokrat John Hickenlooper dem Republikaner Cory Gardner den Sitz ab. In Alabama unterlag der Demokrat Doug Jones seinem republikanischen Herausforderer Tommy Tuberville.

Mit Mitch McConnell (Kentucky) und Lindsey Graham (South Carolina) haben zwei wichtige republikanische Senatoren und Trump-Vertraute ihr politisches Überleben gesichert. Und: Die Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus bleibt erwartungsgemäß unangetastet.

Angefangen hatte der Tag der Tage verhalten. Hollywoodstars riefen dazu auf, sich an den Wahllokalen anzustellen und ihre Stimme abzugeben. Weil 100 Millionen Amerikaner von Briefwahl oder vorgezogener Stimmabgabe Gebrauch gemacht hatten, sah es vor vielen Wahllokalen so aus wie vor der Blair Highschool in Silver Spring vor den Toren Washingtons. „Es ist sehr ruhig und unauffällig“, sagte der demokratische Kreis-Abgeordnete Will Jawando.

Besondere Vorkommnisse? Wähler-Einschüchterung durch rabiate Trump-Anhänger? „Bei uns überhaupt nicht“, sagte Jawando. Doch aus Charlotte, North Carolina, wird ein Vorfall publik: Dort nahm die Polizei einen bewaffneter Mann fest, der vor einem Wahllokal Menschen eingeschüchtert haben soll. Er trug nach eine Kappe mit der Aufschrift „Trump 2020“. Lesen Sie mehr: Chaos, Klagen, Amtsübergabe: Was in den USA passieren könnte

Keine Sabotage-Akte durch Cyberkriminelle

Auch das Heimatschutzministerium meldete bis zur Schließung der ersten Wahllokale keine Sabotage-Manöver durch Cyber-Kriminelle von außen.

Später in der Wahlnacht versammelten sich dann viele Menschen vor dem durch einen zusätzlichen Zaun gesicherten Weißen Haus. Zeugen berichteten von Rauchbomben und Auseinandersetzungen zwischen Trump-Anhängern und demokratischen Demonstranten in Washington.

Donald Trump zunächst betont zurückhaltend

Die Hauptdarsteller setzten zum Schluss unterschiedliche Akzente. Donald Trump, stimmlich angeschlagen, ließ bei seinem Haussender Fox News erstaunlich zurückhaltend durchblicken, dass er sich nicht vor Auszählung aller Stimmen als Sieger ausrufen werde. „Es gibt keine Gründe, Spiele zu spielen.“

Später fuhr der Präsident ins Hauptquartier seiner Wahlkampagne in Arlington. Auch hier eher nachdenkliche Töne. „Gewinnen ist leicht“, sagte Trump, „verlieren ist nie leicht. Nicht für mich.“

Joe Biden wird nostalgisch

Joe Biden schwelgte unterdessen in Nostalgie. In Scranton/Pennsylvania stattete er dem Haus seiner Kindheit eine Visite ab. Hunderte Anhänger empfingen ihn mit Jubel. Der 77-Jährige bedankte sich mit Polit-Poesie: „Wir wählen Hoffnung statt Angst. Wir wählen die Wahrheit statt Lügen. Wir wählen Wissenschaft statt Fiktion.“

Im Wohnzimmer des bescheidenen Anwesens hinterließ der Alt-Vizepräsident mit einem Stift eine Botschaft an der Wand: „Aus diesem Haus ins Weiße Haus mit der Gnade Gottes. Joe Biden 3.“ Ob’s hilft?

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