Infektion

Corona: Trump-Video aus Klinik – Spekulationen über Zustand

Wie ist der Gesundheitszustand des Präsidenten wirklich? Trump in Video: „Wahre Prüfung” bei Corona-Erkrankung steht mir noch bevor.

Trump-Anhänger hält Wacht vor Krankenhaus

Als Richard Potcner hörte, dass US-Präsident Donald Trump mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert worden ist, schnappte er sich einen Klappstuhl, um Wache vor dem Krankenhaus zu halten.

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  • Corona-Infektion: Donald Trump meldet sich mit Videoansprache aus dem Krankenhaus
  • Der an Covid-19 erkrankte Präsident bestätigt, dass es im schlecht ging
  • Stabschef Marks Meadows bestätigt, Trumps Team sei „wirklich besorgt“ gewesen
  • Widersprüchliche Angaben nähren Spekulationen über Trumps tatsächlichem Gesundheitszustand

Washington. Nach widersprüchlichen, teils alarmierenden Angaben zu Donald Trumps Gesundheitszustand will der US-Präsident offenbar zeigen, dass er sich vom Coronavirus nicht unterkriegen lässt – erst recht nicht so kurz vor der Wahl in weniger als einem Monat. Am Montag kündigt er an, dass er das Krankenhaus noch am Abend (Ortszeit) verlassen werde. Schon davor hat er sich auf Twitter ganz in alter Form gegeben.

Innerhalb von einer halben Stunde setzt der Präsident 16 Nachrichten ab, in denen er um seine Wiederwahl wirbt. In einem Tweet heißt es: „Stimmen Sie besser für Ihren Lieblingspräsidenten, oder verabschieden Sie sich von niedrigen Steuern und Waffenrechten!“

Trumps Leibarzt Sean Conley bestätigte, dass der Präsident das Krankenhaus noch am Montag verlassen werde. Trumps Gesundheitszustand habe sich weiter verbessert, der 74-Jährige erfülle alle medizinischen Kriterien für eine Entlassung aus der Klinik. Der Präsident sei zwar noch „nicht vollkommen über den Berg“, sagte Conley. Im Weißen Haus werde es aber 24 Stunden am Tag eine „medizinische Betreuung auf Weltklasse-Niveau“ geben.

Corona: Donald Trump meldet sich in Video-Ansprache

Am Sonntag hatten die Mediziner um Sean Conley bereits angekündigt, dass Trump möglicherweise bereits am Montag entlassen werden könne und der Rest der Therapie im Weißen Haus durchführt werde. Damit fügten sie der seit der Einlieferung Trumps am Freitagabend Amerika elektrisierenden Erzählung vom prominentesten Corona-Betroffenen des Landes ein weiteres Kapitel hinzu.

Am Samstagabend hatte Trump mit blassem Gesicht und sichtlich ausgelaugt in einer vierminütigen Video-Ansprache berichtet, dass er sich bei der Ankunft im Krankenhaus „nicht so gut gefühlt hat”. Inzwischen gehe es ihm nach Verabreichung diverser Medikamente und exzellenter Betreuung „wieder viel besser”. Allerdings folgte der Entwarnung ein präsidiales Aber: Die „wahre Prüfung” im Kampf gegen das Virus stehe ihm erst noch bevor, sagte Trump.

Corona: Donald Trump hatte Fieber und bekam Sauerstoff

Dahinter steht der Erfahrungswert der Medizin, dass die schweren Krankheitssymptome bei Corona-Patienten auch noch sieben bis zehn Tage nach der Infektion durchschlagen können. Leibarzt Sean Conley hatte in einer Stellungnahme erklärt, dass der Präsident zwar „erhebliche Fortschritte” gemacht habe, aber „noch nicht über den Berg ist”.

Lesen Sie hier: Coronavirus: Typische Symptome und Anzeichen der Infektion

Das hörte sich aus gleichem Munde am Samstagmorgen anders an. Gemeinsam mit neun anderen Weißkitteln trat der gelernte Osteopath vor dem Spital in Bethesda/Maryland vor die Presse und verkündete ein Parade-Bulletin: Kreislauf-, Nieren- und Blutwerte im Normbereich. Keine Atembeschwerden. Darum keine künstliche Sauerstoffzufuhr nötig. Kein Fieber mehr. Und bei den „leichten Symptomen” wie Nasenverstopfung, Husten und Müdigkeit gebe es große Fortschritte. Conleys Fazit: „Es geht ihm sehr gut.”

Was der Doktor maßgeblich auf die frühe Verabreichung von zwei Präparaten zurückführt: Remdesivir. Ein Mittel, das ein Enzym der Corona-Viren hemmt, ohne dass sie sich nicht vermehren können. Und der noch in der Testphase steckende Antikörper-Cocktail REGN-COV2, der geschwächten Immunsystemen dabei helfen soll, das Virus loszuwerden.

Nachfragen von Journalisten: Immer mehr Zweifel an offizieller Darstellung

Durch Nachfragen von Journalisten taten sich jedoch Lücken in der Patientenakte T. auf: Wie hoch war Trumps Fieber vorher? Musste er vor dem Abtransport ins Krankenhaus per Hubschrauber mit Sauerstoff aufgepäppelt werden? Wie schlimm stand es um den „Führer der freien Welt” wirklich? Conley wich aus.

Am Sonntag sagt er, dass er gewisse Fakten nicht erwähnt habe, um die „optimistische Einstellung” des Präsidenten und des Ärzteteams nicht zu konterkarieren. Peinlich. Denn am Samstag hatte der wichtigste Mitarbeiter Trumps das rosarote Bild der Ärzte im Handstreich zerstört und eine Glaubwürdigkeitskrise des Weißen Hauses ausgelöst.

Stabschef Mark Meadows, Trumps Geschäftsführer im Regierungsalltag, erklärte, dass Trumps Zustand am Freitag „sehr besorgniserregend” gewesen sei. In Wahrheit seien die „nächsten 48 Stunden kritisch, was seine Behandlung angeht”, führte der ehemalige republikanische Kongress-Abgeordnete aus und konstatierte beunruhigt: „Der Präsident ist noch nicht auf einem klaren Weg zu einer kompletten Gesundung.”

Die Irritation darüber erhielt eine zusätzliche Dosis Misstrauen, weil Leibarzt Conley in seiner ersten Stellungnahme (Samstagmittag 12 Uhr Ortszeit) verkündete, Trump sei „vor 72 Stunden” positiv auf Corona getestet worden. Was hieße: Mittwochmittag. Das Präsidialamt hatte die Infektion, die sich auch First Lady Melania Trump eingefing aber erst in der Nacht zu Freitag gegen 1 Uhr offiziell gemeldet.

Trumps Sauerstoffsättigung im Blut war rapide gefallen

Weil Trump am Mittwoch im Wahlkampf war und am Donnerstag, als er bereits Krankheitssymptome zeigte, in New Jersey mit Wahlkampf-Spendern zusammensaß, die keine Atemschutzmasken trugen, machte in den Nachrichten-Networks schnell eine böse Frage die Runde: „Hat Donald Trump fahrlässig Dritte in Gefahr gebracht, obwohl er um seinen Infektions-Status wusste?”.

Conley schickte eilig die Korrektur nach, er habe sich geirrt. Trumps Coronatest-Ergebnis sei erst am Donnerstagabend klar gewesen. Womit Meadows Wasser-in-den-Wein-Episode blieb, die dem prominentesten Patienten im Walter Reed-Spital so gar nicht behagte. Donald Trump empfindet physische Schwäche generell als Makel.

Im Laufe des Samstags teilt der Präsident via Twitter pauschal mit, dass es ihm gut gehe. Zur Untermauerung schickte er am Abend das besagte Video hinterher. Meadows blieb gar nichts übrig, als beizudrehen und in den Trump-geht-es-sehr-gut-Chorus einzustimmen. Im Spätprogramm von Fox News rekapituliert der Stabschef gleichwohl seinen Eingangs-Kommentar: „Trump hatte Fieber am Freitag. Die Sauerstoffsättigung seines Bluts war rapide gefallen. Wir waren sehr besorgt.”

Behandlung: Trump bekommt Dexamethason

Und Trump? Um die Aktienmärkte nicht aufzuscheuchen, wurde der Abflug der Marine One zum Krankenhaus nach Börsenschluss terminiert. Bevor die Rotorblätter kreisten, soll Trump laut „Vanity Fair” gefragt haben: „Ende ich wie Stan Chera?”. Chera, ein Freund des Präsidenten aus New York, war im Frühjahr an Corona gestorben.

Von Urängsten war am Sonntag keine Rede mehr. Dafür gab es weitere Ungereimtheiten. So räumte der Lungenarzt Dr. Garibaldi aus dem Stab Conleys ein, dass Trump das Kortisonpräparat Dexamethason bekommt. Ein Mittel, das bisher vorwiegend eingesetzt wurde, um die Sterblichkeit von Corona-Patienten zu senken, die künstlich beatmet werden.

Auch von Befunden in der Präsidenten-Lunge wurde gesprochen. Welche? Kein Kommentar. Ist Trump also doch schwerer krank als dargestellt wird? „Ich denke, ich werde bald zurück sein”, sagte er zum Abschluss seiner Videoansprache. „Ich muss zurückkommen, weil wir immer noch Amerika wieder groß machen müssen.” Die „wahre Prüfung” also schon bestanden?

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