Kommentar

Warum die Corona-Krise eine Chance für den Klimaschutz ist

Klimademonstrationen während der Corona-Pandemie: Geht das zusammen? Durch die Pandemie erfährt der Klimaschutz eine große Chance.

Videografik: Ursachen und Folgen des Klimawandels

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfängt Klimaaktivistinnen der Bewegung Fridays for Future (FFF) im Kanzleramt. Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg und ihre Mitstreiterinnen wollen ihrer Forderung nach größeren Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung Nachdruck verleihen. Die Videografik erläutert Ursachen und Folgen des Klimawandels.

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Berlin.  Die zweite Corona-Welle nimmt in Europa gerade wieder richtig an Fahrt auf. Weltweit erreicht die Zahl der an Covid-19 gestorbenen Menschen bald die Marke von einer Million. In Deutschland erleben wir wegen der Pandemie den schlimmsten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Auch wenn sich einige Branchen schon wieder erholen, begründete das Finanzministerium die geplante Neuverschuldung für das Jahr 2021 von 100 Milliarden Euro mit einer „historischen Ausnahmesituation“.

In dieser humanen und wirtschaftlichen Jahrhundertkrise gehen Hunderttausende – aufgerufen von den Aktivisten von Fridays for Future – auf die Straße, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Wie passt das zusammen?

Corona-Pandemie und Fridays-for-Future-Demo: Es hat sich viel verändert

Dieser weltweite Klimastreik war der erste seit Beginn der Pandemie – und vieles hat sich verändert. Zum einen waren bei Weitem nicht so viele Menschen auf den Demos wie früher. Ein Rückblick: Anlässlich des Klimagipfels der Vereinten Nationen im September 2019 waren allein in Deutschland 1,4 Millionen Menschen auf die Straße gegangen.

Zum anderen steht auf den Klima­demos nach der Corona-Pause kaum jemand dicht gedrängt. In Berlin hatten sich die Aktivisten bereits morgens um sechs Uhr getroffen, um 10.000 weiße Mehlhäufchen auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor zu verteilen. Jedes Häufchen hatte einen Mindestabstand von 1,5 Metern zum anderen. Die Demonstranten wurden von den Ordnern angewiesen, genau auf diesen Punkten zu stehen, um nicht zu nahe beieinander zu stehen.

Klimaschutz: Das Problem ist erkannt, jetzt muss wirklich gehandelt werden

Grundsätzlich lässt sich die Frage, wie Klimaschutz und die Corona-Pandemie zusammenpassen, leicht beantworten: sehr gut. Klimaschutz und Corona-Maßnahmen dürfen einander nicht ausschließen. Das haben die meisten Politiker und Parteien bereits erkannt. Umweltministerin Svenja Schulze lobt die Fridays-Bewegung: Bei ihrem Amtseintritt 2018 sei ihr noch vorausgesagt worden, dass sie sich nie mit einem CO2-Preis oder einem Klimaschutzgesetz durchsetzen würde – und jetzt „sei beides beschlossene Sache“.

Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der zwar von den Klimaschützern teils dafür verantwortlich gemacht wird, „dass die Klimawende an die Wand gefahren wurde“ (O-Ton Luisa Neubauer), sinnierte im Deutschlandfunk darüber, dass Klimaschutz auf die Tagesordnung gehöre, dass Industrien in Zukunft klimaneutral arbeiten müssten. Und dass man während der Corona-Krise die Sorgen der Arbeitnehmer zwar ernst nehme, aber trotzdem Klimaziele verfolgen müsse. Und damit hat Altmaier die Losung der Stunde vorgegeben.

Jetzt müssen Taten folgen und die Klimaziele von Paris eingehalten werden. Alle Investitionen, die die Bundesregierung in den kommenden Jahren unternimmt und die die Grundlage für eine wirtschaftliche Erholung bilden sollen, müssen das Ziel haben, den CO-Ausstoß zu reduzieren. Das ist die unerwartete Klimachance, die die Corona-Pandemie bietet.

Ist das okay? Heizpilz draußen und mit dem Auto ins Büro?

Und wenn die Gastronomin von nebenan im Herbst und Winter einen Heizpilz aufstellt, damit die Gäste, die wegen Corona nicht drinnen sitzen wollen, trotzdem zu ihr kommen? Dann sollte das in Ordnung sein – und eine Ausnahme bleiben.

Auch interessant: Das Umweltbundesamt gibt grünes Licht für Heizpilze.

Auch ist es okay, das Auto statt der umweltfreundlichen U-Bahn ins Büro zu nehmen, aus Angst, sich anzustecken. Jeder darf für sich Ausnahmen in Anspruch nehmen, wenn die großen Linien klar abgesteckt sind. Klimaschutz hat Priorität. Denn er rettet genauso wie der nächste Impfstoff Leben.

In der Philosophie führt der Weg zum persönlichen Glück übrigens nicht über Geld oder Bequemlichkeit, sondern über ein gutes Leben. Und das findet man nur in sich selbst: indem man sich richtig verhält.

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