Bildung

Kritik am Schulgipfel: „Der große Wurf ist ausgeblieben“

Bildungsexperten und Opposition reagieren enttäuscht auf das Spitzentreffen im Kanzleramt. Ministerin Karliczek lobt die Ergebnisse.

Bundeskanzlerin Angela Merkel traf sich mit Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und anderen zum Schulgipfel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel traf sich mit Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und anderen zum Schulgipfel.

Foto: Jesco Denzel / dpa

Berlin. Der Dienstagmorgen war kein guter Morgen für das deutsche Bildungswesen: Im unterfränkischen Bad Königshofen schlossen erstmals in Bayern wieder sämtliche Schulen in einer Stadt, die Infektionszahlen waren nach einer Geburtstagsfeier rasant in die Höhe geschossen. Deutschlandweit mussten in den letzten Wochen bereits Zehntausende Schüler und Lehrer vorübergehend in Quarantäne.

Gleichzeitig machte sich am Dienstag bundesweit Enttäuschung breit – über die mageren Ergebnisse des Schulgipfels am späten Montagabend im Kanzleramt: „viel zu langsam“, „nur Absichtserklärungen“, „Konkretes fehlt“, so der Tenor der Reaktionen.

Schulgipfel im Kanzleramt: Kritik von Grünen-Fraktionschefin

Während Bildungsgewerkschaften, Elternvertreter und Opposition die Ergebnisse des Schultreffens bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als zu dürftig kritisierten, bezeichnete Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) die Gespräche mit den Kultusministern als „wegweisend“.

Die Runde hatte sich vor allem darauf geeinigt, bereits bekannte Vorhaben zur Schuldigitalisierung nun zügig umzusetzen, um im Fall regionaler Schulschließungen leichter auf Fernunterricht umstellen zu können. Flächendeckende Schließungen soll es nicht mehr geben.

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Der Bund engagiere sich so stark wie noch nie, sagte Karliczek mit Verweis auf die rund 1,5 Milliarden Euro, die der Berlin den Ländern für die Anschaffung von Lehrerlaptops, Leihgeräten für bedürftige Schüler und für die Ausbildung und Einstellung von IT-Administratoren bereitstellt oder noch bereitstellen will. „Ein Programm in dieser Art, von dieser Art der Zusammenarbeit, hat es in der Geschichte der Bildungsrepublik in Deutschland noch nicht gegeben.“

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Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt dagegen kritisierte die Ergebnisse des Bildungsgipfels als enttäuschend. „Bei der konkreten Umsetzung sind Bund und Länder nur wenige Schritte weiter gekommen“, sagte sie dieser Redaktion.

„Dabei wäre ein klarer Zeitplan mit praktischer Unterstützung absolut dringlich. Gute Vorsätze machen Schulen und Kitas noch nicht Corona-fest.“ Auch FDP-Fraktionsvize Katja Suding hatte mehr erwartet: „Das erhoffte Signal der Sicherheit für Schüler, Lehrkräfte und Eltern geht von diesem Schulgipfel leider nicht aus.“

Nach wie vor unklar ist etwa, wann die geplante Schüler-Flatrate kommen soll, Gespräche mit Mobilfunkanbietern liefen: „Die zehn Euro pro Monat sind gesetzt“, sagte Bildungsministerin Karliczek. Für Schüler aus Familien mit geringem Einkommen soll die Monatsgebühr vom Staat übernommen werden.

„Wer Geschwindigkeit will, muss Hürden rausnehmen“

Insgesamt gehe es bei wichtigen Fragen viel zu langsam, kritisierten die Grünen: Bund und Ländern müssten sich etwa jetzt mit Hochdruck hinter das Thema Luftfilter klemmen. „Für die kalte Jahreszeit braucht es Wege, um die Aerosole in der Luft und damit das Ansteckungsrisiko zu verringern und zu verhindern, dass es zu Schulschließungen kommt“, forderte Göring-Eckardt.

„Nötig sind klare Empfehlungen, auf deren Basis Schulen und Schulträger schnellstmöglich handeln können.“ Für diesen Mittwoch immerhin hat die Kultusministerkonferenz eine Expertenanhörung zum Thema Lüften geplant.

„Der große Wurf ist ausgeblieben“, bilanzierte auch Udo Beckmann vom Verband Bildung und Erziehung (VBE). „Sechs Monate nach den ersten Schulschließungen befinden wir uns noch immer im Stadium der Absichtserklärungen.“ Auch der VBE wünscht sich einen konkreten Zeitplan, „mit dem klar wird, wann was zur Verfügung steht“.

Von Lehrkräften und Schulleitungen werde viel erwartet - sie hätten aber weder digitale Endgeräte, noch Fortbildungen, noch Zeit, um Anträge zu schreiben oder sich in das komplizierte Antragsverfahren für die Gelder des Digitalpakts einzulesen. „Wer Geschwindigkeit will, muss Hürden rausnehmen“, forderte Beckmann.

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