Kommentar

Corona-Zahlen steigen – und damit die Lockdown-Gefahr

Der Corona-Herbst wird heftig – das befürchten Experten seit Wochen. Nun muss es darum gehen, einen erneuten Lockdown zu verhindern.

Die Maske, der Mund-Nasen-Schutz, bleib das wichtigste Accessoire in diesem Corona-Herbt.

Die Maske, der Mund-Nasen-Schutz, bleib das wichtigste Accessoire in diesem Corona-Herbt.

Foto: via www.imago-images.de / imago images/MIS

Berlin. Als erste Experten im Frühjahr, noch während des großen Lockdowns, mahnten, es könne Monate oder gar Jahre dauern, bis wir alle Corona überwunden und wieder einen ganz normalen Alltag haben, klang das unvorstellbar. Und nun stecken wir mittendrin in dieser Corona-Endlosschleife.

Wir zählen täglich Fälle und schauen auf die Reproduktionszahl, wir analysieren die schwankende Todesrate, blicken gebannt auf Impfstudien, in der Hoffnung, diese Pandemie möge bald vorbei sein.

Offenbar tritt nun aber ein, was Experten seit Wochen befürchten: Es wird schlimmer im Herbst. Die Zahl der Corona-Fälle wächst rasant, es gibt jetzt schon mehr Fälle als zu Beginn des Lockdowns im März. Gefühlt sitzt Deutschland auf dem Deckel eines Kochtopfs, in dem die Suppe kurz vor dem Siedepunkt steht.

Im Corona-Herbst drohen erneut drastische Einschränkungen

In Frankreich, in Spanien, in Israel ist die Suppe längst übergekocht – mit all den bekannten Folgen: Abgesperrte Wohnviertel, Chaos in den Kliniken, der Tourismus liegt brach. Die Frage ist, wie lange es noch in Deutschland dauert, bis die Kurve wieder exponentiell steigt und die Fallzahlen erneut unkontrolliert anwachsen.

Es ist nicht mehr schönzureden: Auch Deutschland droht ein Herbst, ein Winter mit drastischen Einschränkungen. Natürlich sind Weihnachtsfeiern mit den Kollegen fraglich oder Silvesterpartys und fröhliche Treffen am Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt.

Und das Weihnachtsfest mit der Großfamilie?

Was aber wirklich schmerzt: Auch das besinnliche Weihnachtsfest mit Christmette und Feiertagen, an denen Kinder, Eltern und Großeltern zusammenkommen, steht auf der Kippe. Im Prinzip ist alles in Gefahr, was im Winter Spaß macht und der Seele guttut.

Keine Frage: Die Leute haben keine Lust mehr auf Corona. Die Maske nervt und sie wollen feiern, sich treffen, reisen. Das Leben der Menschen nun wieder einzuschränken, ist nicht populär. Doch purer Populismus war es wohl, der Markus Söder vor einigen Tagen verkünden ließ, pünktlich zum Start würden die Fußballstadien für 20 Prozent der Fans geöffnet.

Markus Söder, der Hardliner – beim Thema Fußball knickt er ein

Schon damals gab es keinen Grund für überbordenden Optimismus. Vielmehr verneigte sich der bayerische Ministerpräsident – eigentlich Hardliner in Sachen Corona – und mit ihm die Kollegen der anderen Länder vor dem Kommerz der Spiele. Wie passt das in Zeiten von steigenden Zahlen zusammen?

Eben gar nicht: Die Stadt München, die mit 47 Neuinfektionen pro 100.000 in den vergangenen sieben Tagen knapp davor steht, zum Risikogebiet zu werden, verbietet konsequenterweise 7500 zugelassene Besucher beim Eröffnungsspiel der Bundesliga. Der FC Bayern und Schalke werden in München vor leeren Rängen spielen.

Ein neuer Lockdown wäre der Todesstoß für viele Betriebe

Tatsächlich geht es nur so. Denn der Blick auf die Infektionszahlen, auf den drastischen Anstieg der vergangenen Tage, zeigt: Es gab und gibt keinen Grund zu lockern, im Gegenteil. Jede und jeder einzelne ist gefragt, wenn es darum geht, mit Maske, Kontaktbeschränkungen und Abstand einen neuen Lockdown zu verhindern.

Denn der käme für viele Betriebe einem Todesstoß gleich – von den Langzeitfolgen für die Volkswirtschaft ganz zu schweigen. Auch flächendeckende Schulschließungen würden einer ganzen Schülergeneration die Chancen auf einen guten Start ins Berufsleben schmälern.

Sars-CoV-2 beugt sich nicht dem Wählerwillen

Mag sein, dass neue Beschränkungen wenige Monate vor dem Superwahljahr 2021 mit Bundestagswahl und gleich mehreren Landtagswahlen nicht populär sind. Fakt ist aber: Das Virus lässt sich nicht wegreden. Es beugt sich nicht einem Wählerwillen oder Beliebtheitswerten. Wir müssen da einfach durch. Solange es eben dauert.

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