Coronavirus

RKI-Studie in Corona-Hotspot: 28 Prozent ohne Antikörper

Das RKI hat eine Studie im Corona-Hotspot Kupferzell durchgeführt. Sie liefert interessante Ergebnisse zu Antikörpern und Dunkelziffer.

Videografik: So wird eine Corona-Infektion festgestellt

Es gibt zwei wichtige Verfahren, um eine Coronavirus-Infektion festzustellen. Bei einem Molekulartest wird in Speichelproben nach Erbgut des Erregers gesucht. Bei einem serologischen Test können im Blut von Patienten Antikörper gegen das Virus Sars-CoV-2 nachgewiesen werden.

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Berlin. Wochenlang haben Mediziner und Forscher 2203 Erwachsene im ehemaligen Corona-Hotspot Kupferzell im Zuge der Studie „Corona Monitoring Lokal“ getestet und befragt. Am Freitagvormittag präsentierte das Robert Koch-Institut (RKI) die ersten Eckdaten vor Ort.

Eines der wichtigsten Ergebnisse: 28,2 Prozent der zuvor Erkrankten hatten zum Zeitpunkt der Befragung bereits keine Antikörper mehr. Studienleiterin Claudia Santos-Hövener betonte: „Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass bei diesen Personen keine Immunität besteht.“ Lars Schaade, der Vizepräsident des RKI, merkte dennoch an, dass auf Basis der Ergebnisse nicht anzunehmen ist, dass eine Grundimmunität erreicht werden kann, die eine zweite Welle verhindern könnte.

Corona Dunkelziffer: Vier Mal so viele Menschen erkrankt wie offiziell bekannt

Außerdem gewannen die Forscher Erkenntnisse über den Anteil der Infektionen ohne Symptome, also die Höhe der sogenannten „Dunkelziffer.“ In Kupferzell liegt diese bei 3,9. Das bedeutet, dass rund vier Mal so viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert waren als offiziell bekannt. Das entspricht den Erwartungen des RKI.

Die Wissenschaftler betonten, dass es in der Studie um Ergebnisse ging, die sich dezidiert auf die Gemeinde Kupferzell beziehen. Es seien keine Rückschlüsse auf ganz Deutschland möglich. Weitere Erkenntnisse – wie zum Beispiel zu Vorerkrankungen und zu unterschiedlichen Krankheitsverläufen – sollen noch bekannt gegeben werden.

Kupferzell: Ehemaliger Corona-Hotspot nahm an Studie teil

Die Gemeinde im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg war besonders vom Coronavirus betroffen. Viele Menschen hatten sich bei einem Kirchenkonzert am 1. März angesteckt. Zwischen dem 20. Mai und dem 9. Juni führten die Wissenschaftler dort die Untersuchung durch. Dazu nahmen sie den Probanden Blut ab, machten einen Rachenabstrich und stellten Fragen zum Gesundheitszustand und Lebenswandel der Kupferzeller.

Im Rahmen der Studie sollen noch drei weitere von Corona stark betroffenen Gemeinden untersucht werden, um ein umfassenderes Bild der Krankheit zu erhalten.

(amw)

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