Bildung

Corona-Chaos nach den Sommerferien: Lehrer-Verband warnt

In Schulen könnte wegen des Coronavirus nach den Sommerferien ein Durcheinander ausbrechen. Das befürchtet der Deutsche Lehrerverband.

RKI in "großer Sorge" wegen Corona-Lage

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen in Deutschland hat sich das Robert-Koch-Institut (RKI) alarmiert gezeigt. "Die neueste Entwicklung der Fallzahlen macht mir und allen im Robert-Koch-Institut große Sorgen", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler in Berlin.

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Berlin. Corona-Chaos an Deutschlands Schulen? Der Deutsche Lehrerverband rechnet mit einem „großen Durcheinander“ nach den Sommerferien. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger befürchtet zudem „eine weitere Phase von Unsicherheit und Reibungsverlusten im Schulbetrieb“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

„Es wird zwar von den Landesregierungen beteuert, dass sie auf alle möglichen Szenarien vorbereitet sind, aber das stimmt nicht.“ Die Politik dränge auf den Vollbetrieb der Schulen, ohne darauf oder auch auf eine etwaige Fortführung des Distanzunterrichts ausreichend vorbereitet zu sein.

Sommerferien: Mecklenburg-Vorpommern startet das neue Schuljahr

Baden-Württemberg geht an diesem Donnerstag als letztes Bundesland in die Sommerferien, während in Mecklenburg-Vorpommern am kommenden Montag bereits das neue Schuljahr beginnt. Mehrere andere Bundesländer starten kurze Zeit später.

Die Kultusminister der Länder hatten vor dem Sommer vereinbart, im neuen Schuljahr wieder den Regelbetrieb an den Schulen aufzunehmen und dabei auch auf die Abstandsregel zu verzichten – mit der Einschränkung: „sofern es das Infektionsgeschehen zulässt“. Mitte Juli hatten sie dafür ein neues Hygiene-Rahmenkonzept vorgelegt.

Schule: Viele Lehrer gehören zur Corona-Risikogruppe

Meidinger bemängelte, für einen Vollbetrieb ohne Abstandsregeln fehlten die Lehrkräfte. Bildungsgewerkschaften schätzen, dass bis zu 20 Prozent der Lehrer zur Risikogruppe gehören und für den Präsenzunterricht ausfallen könnten. Auch die Hygieneregeln der Kultusminister der Länder für die Schulen werden als wenig praktikabel kritisiert, beispielsweise die Vorgabe, regelmäßig „intensiv“ stoßzulüften.

„An vielen Schulen lassen sich die Fenster in höher gelegenen Klassenräumen aus Sicherheitsgründen nicht oder nur einen Spalt öffnen“, sagte Meidinger. Zudem sei die Idee fester Lerngruppen vielleicht an Grundschulen umsetzbar, aber kaum an einer gymnasialen Oberstufe mit Kurssystem, wo die Schüler ständig mit anderen Mitschülern zusammen seien.

Genau das müsste nach Ansicht des Präsidenten des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, aber eine zentrale Maßnahme sein. Es sei wichtig, dass man Klassenverbünde zusammenhalte und die Klassen nicht mische, sagte Wieler. Es müssten sogenannte „epidemiologische Einheiten“ gebildet werden. Auch in der Freizeit sei es sinnvoll, wenn sich Schüler dann nur mit den Schülern treffen, mit denen sie schon in der Schule waren.

Robert Koch-Institut und Bundeselternbeirat sehen Schulstart kritisch

Zu den Skeptikern mit Blick auf das neue Schuljahr zählt auch der Bundeselternrat, die Dachorganisation der Landeselternvertretungen in Deutschland. Zwar wünschten sich Eltern sicheren und flächendeckenden Präsenzunterricht, sagte der Vorsitzende Wassmuth.

Er rechnet pandemiebedingt regional dennoch wieder mit Schulschließungen und fordert von den Ländern konkrete Planungen auch für ein „Szenario B“ mit einer Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht. „Wer das nicht vorbereitet hat, handelt höchst fahrlässig und gegen die Schülerinnen und Schüler.“

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Die dem Verband bekannten Planungen seien nicht zu Ende gedacht. Der Elternvertreter rechnet nicht damit, dass unter den gegebenen Bedingungen der Lehrplan zu schaffen ist, und fordert eine „Entrümpelung“. Auch Lehrerverbandspräsident Meidinger hält es für sinnvoll, wenn die Bundesländer sicherheitshalber Listen mit Stoffgebieten erstellen, „deren Vermittlung im nächsten Schuljahr verzichtbar ist“. „Man muss sich ehrlich machen. Ideale Unterrichtsbedingungen wird es noch lange nicht geben“, sagte er.

Bildungspolitik: Katja Kipping spricht von „dramatischem Versagen“

Zur Vorbereitung auf weitere mögliche Schulschließungen müssten Meidingers Ansicht nach die für die Schuldigitalisierung vorgesehenen Milliarden-Fördergelder jetzt „mit Hochdruck in die Schulen gepumpt werden“. Bislang tröpfelten diese nur.

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping sagte , es gebe ein „dramatisches Versagen der Bildungspolitik durch Untätigkeit“ und forderte Schul-Laptops für alle Schüler und die Einrichtung von Expertengruppen auf Bundes- und Länderebene, die sich um die Erstellung von Material für Online-Unterricht kümmern.

Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Katja Suding rief Schulträger und Länder dazu auf, die verbleibende Ferienzeit zu nutzen, um sicherzustellen, dass Präsenzunterricht nach den Ferien in größtmöglichem Umfang stattfinden könne. „Ein Unterrichtsdesaster wie zu Beginn der Corona-Krise darf es kein zweites Mal geben.“

(dpa/amw)

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