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Trump: US-Soldaten aus Deutschland könnten nach Polen

Donald Trump empfängt Polens Präsidenten Andrzej Duda im Weißen Haus. Er deutet an, wohin er US-Truppen aus Deutschland verlegen will.

Abzug von US-Soldaten: Maas für engere europäische Zusammenarbeit

Die Bundesregierung hat zurückhaltend auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump reagiert, tausende US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) kündigte in Warschau eine engere Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern in sicherheitspolitischen Fragen an.

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Washington. Geht die Wahlkampfhilfe Donald Trumps für den am Sonntag zur Wahl stehenden polnischen Präsidenten Andrzej Duda zu Lasten Deutschlands? Die Visite Dudas am Mittwochnachmittag im Weißen Haus gab darüber zunächst keinen Aufschluss.

Gastgeber Donald Trump sagte beim ersten Staatsbesuch nach der im März begonnenen Corona-Kontaktsperre, dass er mit Warschau ein „Abkommen über Verteidigungskooperation” unterzeichnen wolle. Details blieben zunächst aus.

Trump lobt Polen für höhe der Verteidigungsausgaben

Wie immer bei solchen Besuchen erinnerte Trump daran, dass der Eingeladene in großem Stil Militärgüter in den USA gekauft habe – in diesem Fall 32 F-35-Kampfjets, ein Geschäft im Volumen von mehreren Milliarden Dollar. Auch bei der Energiegewinnung zeichne sich ein Geschäft für US-Hersteller ab: Polen soll sein erstes Atomkraftwerk „made in USA” bekommen.

Ohne Länder zu nennen, die aus seiner Sicht im Verzug sind, betonte Trump mit Extra-Lob, dass Polen eines von nur acht Nato-Mitgliedern sei, die bei den Verteidigungsausgaben die Zielmarke von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen.

Abzug von US-Truppen aus Deutschland: Verlegung nach Polen wahrscheinlich

Auf Nachfragen von Journalisten, ob US-Soldaten aus Deutschland nach Polen verlegt werden sollen im Zuge des von Trump angekündigten Truppen-Abbaus um rund 9500 auf 25.000, sagte Trump „wahrscheinlich”. Konkrete Zahlen nannte er nicht. Lesen Sie hier: US-General: Truppenabzug aus Deutschland „kolossaler Fehler“

Einige der Soldaten aus Deutschland sollten in die USA zurückkehren, sagte Trump. Andere würden an andere Standorte in Europa verlegt, und „Polen wäre einer dieser anderen Orte“. Polen habe sich bereiterklärt, für die US-Truppen im Land zu bezahlen. Derzeit sind rund 34.500 US-Soldaten in Deutschland stationiert.

Abzug von US-Soldaten: Widerstand aus eigener Partei gegen Trumps Pläne

Als Begründung stellte Trump einen Zusammenhang her zu Deutschlands geringeren Verteidigungsausgaben (1,4 statt 2 Prozent), die er nicht akzeptabel findet. Duda betonte, er habe Trump gebeten, keine US-Truppen aus Europa abzuziehen.

Zuvor hatten republikanische Kongress-Abgeordnete einen Appell an Trump gerichtet, den beabsichtigten Abbau von US-Soldaten in Deutschland nicht mit einer substanziellen Verlagerung von Personal und Material nach Polen zu verbinden.

Sechs Parlamentarier unter Führung von Michael McCaul, dem Wortführer der Konservativen im Auswärtigen Ausschuss, erklärten, dass ein Teil-Rückzug aus Deutschland die „strategischen Interessen” Amerikas beschädige, die Wahrscheinlichkeit „russischer Aggression” erhöhe und Trumps Drängen auf höhere Verteidigungsausgaben Berlins nicht positiv befördern werde. (mit dpa)

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