Leitartikel

Doch noch ans Mittelmeer

„Ein Wettlauf der Touristenziele, wer am schnellsten die meisten Gäste empfängt, wäre gefährlich.“

Auf diese Nachricht haben Millionen urlaubshungrige Bundesbürger gewartet: Im Sommer sind also wohl doch Reisen ans Mittelmeer möglich, ebenso wie in andere klassische Urlaubsziele Europas. Noch sind Details offen, aber Außenminister Maas hat mit seinen Kollegen aus zehn EU-Ländern die Weichen für erste Reisen ab Mitte Juni gestellt. Gut so!

In vielen Teilen Europas sind die Corona-Neuinfektionen stark zurückgegangen. Wenn jetzt Urlaub in Deutschland möglich ist, gibt es keinen Grund, Reisen dorthin zu verhindern, wo ein ähnliches Infektionsniveau herrscht und ausreichende Schutzstandards gelten. Reisefreiheit gehört zum Fundament der EU. Ein Reiseverbot wäre zudem ein schwerer Schlag für die Tourismusindustrie vor allem in Südeuropa. Reisen vorsichtig wieder in Gang zu bringen, ist für die EU ein Gebot der Solidarität und der wirtschaftlichen Vernunft.

Dabei muss aber klar sein, dass die Gesundheit absoluten Vorrang hat. Ein Wettlauf der Touristenziele, wer am schnellsten die meisten Gäste empfängt, wäre gefährlich – und riskant nicht zuletzt für die Urlaubsländer selbst. Das sollte auch Italien beherzigen, das einen unguten Aktionismus an den Tag legt: Wo nicht glaubhaft Sicherheit vermittelt werden kann, werden die Touristen fernbleiben. Ein Urlaubsort, der zum neuen Infektionsherd würde, käme in existenzielle Nöte. Strenge Schutzauflagen sind im Interesse aller.

Wie viele Urlauber unter den neuen Bedingungen zum Zuge kommen werden, ist unklar – weshalb Pauschaltouristen weiter rätseln dürfen, ob ihre gebuchte Reise im Juli oder August stattfinden wird, ob sie kostenfrei stornieren können oder trotz der Ungewissheit den Urlaub vorab bezahlen müssen. Die Rechtslage ist unklar. Die Bundesregierung darf die Verbraucher damit nicht länger alleinlassen. Eine Klärung ist überfällig!

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