US-Wahlkampf

Die Corona-Krise legt auch Joe Biden weitgehend lahm

Während Donald Trump sich als Krisenmanager inszeniert, ist Joe Biden zur Untätigkeit verdammt – und verliert wichtige Aufmerksamkeit.

Mehr als 10.000 Coronavirus-Tote in den USA

Die Zahl der Coronavirus-Toten in den USA hat die symbolische Schwelle von 10.000 überschritten - und die Regierung stimmt die Bevölkerung auf eine verheerende Woche ein. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität vom Montag starben in den USA bislang rund 10.400 Menschen an den Folgen von Covid-19.

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Washington. Die Optik für Joe Biden ist nicht gut. Weite Teile Amerikas sind wegen des Coronavirus zum Stubenhocken verurteilt. Darum haben die Demokraten in 16 Bundesstaaten ihre für April und Mai terminierten Vorwahlen für die Präsidentschaftskandidatur in den Juni geschoben – hoffend, dass der Erreger dann unter Kontrolle ist.

Nur in Wisconsin ticken die Uhren anders. Obwohl Gouverneur Tony Evers dagegen ist und mehrere Bürgermeister ein Last-Minute-Verbot erwirken wollen, soll im Schlüssel-Bundesstaat am Michigan-See am Dienstag vorgewählt werden.

Pikant: Während Bernie Sanders, der noch nicht aufgegeben hat, obwohl er so gut wie chancenlos ist, für Vertagung plädiert, hat der in Umfragen klar favorisierte Alt-Vizepräsident nichts dagegen, wenn die Leute heute in die Wahllokale gehen und sich latent in Ansteckungsgefahr bringen. „Verantwortungsvolle Politik sieht anders aus“, schreiben Parteigänger aus der Hauptstadt Madison in sozialen Netzwerken.

Corona-Krise rückt Joe Biden in den Hintergrund

Zumal es Biden war, der erst die inzwischen beschlossene Verlegung des Nominierungsparteitages im benachbarten Milwaukee von Juli auf August angemahnt hat, um am Wochenende einen ganz neuen Kurs einzuschlagen: Vielleicht, so der 77-Jährige, müsse man die Großveranstaltung mit erwarteten 50.000 Gästen, die einen dreistelligen Millionenbetrag in den Wirtschaftskreislauf Milwaukees pumpen würde, ganz abblasen und als virtuelle Konferenz ins Internet verlegen. Ja, was denn nun?

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Die Posse um Wisconsin steht symbolisch für die Probleme, die Corona über die Demokraten und Biden gebracht hat. Kaum jemand spricht mehr über sie und ihren Konsens-Kandidaten, der wegen seines spektakulären Comebacks am „Super Tuesday“ kürzlich noch gefeiert wurde.

Donald Trump nutzt die Corona-Krise für seinen Wahlkampf

Während Amtsinhaber Donald Trump die täglichen Virus-Pressekonferenzen im Weißen Haus zu kostenlos live im Fernsehen übertragenen Ego-Shows umfunktioniert hat, kämpft Biden aus einem improvisierten Studio im Keller seines Hauses in Wilmington im Bundesstaat Delaware um Aufmerksamkeit: Ab und zu ein Interview, in dem er gemäßigt den Zickzack-Kurs des Amtsinhabers in der Corona-Krise rügt.

Video-Palaver mit Unterstützern, bei denen zuletzt keine 3000 Leute einschalteten. Viel mehr ist nicht. „Joe Biden hat ein Sichtbarkeitsproblem“, sagte ein Analyst dem Sender MSNBC, „und die Begeisterung hält sich in Grenzen.”

Um aus der Talsohle zu kommen, sollte Biden möglichst bald die Personalie des Vizepräsidenten-Kandidaten klären, raten Experten. Biden hat sich auf eine Frau festgelegt. Die Favoritinnen: die Senatorinnen Kamala Harris, Amy Klobuchar und Elizabeth Warren sowie die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer.

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