Kommentar

Reinigungskräfte sind in der Corona-Krise unsichtbare Helden

Ohne Reinigungskräfte würde im Kampf gegen die Corona-Pandemie wenig klappen. Das verdient Anerkennung – und Maßnahmen der Länder.

Reinigungskräfte sorgen unter anderem dafür, dass der Betrieb in Krankenhäusern während der Coronavirus-Pandemie überhaupt am Laufen bleiben kann.

Reinigungskräfte sorgen unter anderem dafür, dass der Betrieb in Krankenhäusern während der Coronavirus-Pandemie überhaupt am Laufen bleiben kann.

Foto: Jens Büttner / dpa

Berlin. Von Helden des Alltags war zuletzt oft die Rede: der Pfleger, der neben der körperlich harten Arbeit zunehmend die persönliche Fürsorge übernehmen muss, wenn in Heimen der Besuch verboten ist. Der Lkw-Fahrer, der stundenlang im Stau an den Grenzen steht. Und die Supermarktkassiererin, die geduldig dem hysterischen Kunden erklärt, warum er nicht die letzten fünf Packungen Klopapier hamstern soll. An die Gebäudereiniger denken wie so oft aber nur wenige.

Dabei sind sie es, die in Zeiten der Pandemie-Bekämpfung sehr viel am Laufen halten. Wird das Krankenhaus nicht mehr geputzt, dann steht der Betrieb still. Werden Flugzeuge nicht mehr desinfiziert, wird kaum eine Airline bereit sein, Touristen aus dem Ausland nach Hause zu fliegen.

Würde das Reinigungspersonal geschlossen seine Arbeit niederlegen, wären weite Teile der systemrelevanten Infrastruktur lahmgelegt.

Corona-Krise: Den Gebäudereinigern gebührt Dank

Putzen bedeutet harte körperliche Arbeit für einen niedrigen Lohn. Wer in der Krise in Krankenhäusern putzt und jeden Tag dramatische Szenen erlebt, dem muss man es danken, dass er sich das für wenig Geld Tag für Tag antut.

Dass sich viele Reinigungskräfte krankmelden, verwundert daher nicht. Wer mit den Bildern aus Italien oder Spanien konfrontiert wird, überlegt sich zweimal, ob er wirklich den Rettungswagen, mit dem eben noch Corona-Infizierte transportiert wurden, schrubben möchte.

Corona-Krise: Ignoranz gegenüber einer Branche, die viel leistet

Diese Angst kann man ihnen kaum nehmen. Man sollte aber die richtigen Bedingungen schaffen. Das kann in Form eines steuerfreien Bonus als Anerkennung geschehen. Viel wichtiger ist aber, dass schnell wichtige Regelungen und Verordnungen erlassen werden.

Die Bundesländer müssen die Gebäudereiniger einheitlich als systemrelevanten Beruf anerkennen. Dass dies noch nicht passiert ist, zeugt von der Ignoranz gegenüber dieser Branche, die aktuell so viel leistet.

Bei Entlassungen trifft es die, die wenig haben

Dass trotz des Bedarfs an Reinigungspersonal in Krankenhäusern und in der Pflege die Branche vor einer Entlassungswelle steht, ist besonders bitter. Wohlgemerkt: Es trifft nicht diejenigen, die die systemkritische Infrastruktur reinigen. Wer ein Krankenhaus oder ein Pflegeheim putzt, erhält dafür eine spezielle Einweisung und ist in der Regel sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Entlassen werden vor allem Minijobber. Damit trifft es die, die oft ohnehin schon wenig haben. Die putzen, um ihr Hartz IV aufzubessern. Die die Reinigung als Zweitjob betreiben, weil die Hauptarbeit nicht zum Ernähren der Familie reicht. Rund 7,9 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland als geringfügig Beschäftigte, für knapp fünf Millionen ist es der Hauptverdienst.

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Ausweitung des Kurzarbeitergeldes wäre keine faire Lösung

Gewerkschaften und auch Arbeitgeber fordern nun, dass Minijobber Kurzarbeitergeld beziehen dürfen. Die Forderung ist nachvollziehbar und wäre denen, die betroffen sind, zu gönnen.

Fair wäre sie aber nicht. Kurzarbeitergeld wird aus den Mitteln der Bundesagentur für Arbeit gestellt, finanziert aus Beiträgen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Beim Minijob aber zahlen weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber in den Topf der Bundesarbeitsagentur ein. In normalen Zeiten sparen sie Geld. In der Krise erhalten sie dafür keine Leistung.

Minijobs gehören auf den Verhandlungstisch

Im Umgang mit Minijobs war die Koalition zerstritten. Die CDU wollte die Minijob-Verdienstgrenze erhöhen, die SPD war dagegen. Eine Ausweitung hätte wohl zu mehr Minijobbern geführt. Nach der Krise gehört das Thema neu auf den Tisch.

Minijobs wurden Anfang des Jahrtausends im Zuge der Hartz-Reformen eingeführt. Sie haben mit dazu beigetragen, dass die Wirtschaft einen Aufschwung erlebte. Für die Arbeitgeber sind sie praktisch, weil sie mit wenig Abgaben viel Flexibilität erlangen.

Aber auch für viele Arbeitnehmer bieten sie eine sinnvolle Möglichkeit, sich etwas dazuzuverdienen. Etwa für Hartz-IV-Empfänger, die die Grundsicherung aufstecken möchten. Oder für Studierende, die so nicht auf Bafög angewiesen sind.

Aber Minijobs begünstigen auch Altersarmut und sie gewähren kaum Kündigungsschutz, wie die aktuelle Krise beweist. Wünschenswert wäre es daher, wenn mehr Minijobs zu Midijobs würden. Letztere bezeichnen Tätigkeiten mit einem Verdienst von 450,01 Euro bis zu 1300 Euro.

Die Arbeitnehmer-Abgaben sind dabei meist geringer als bei höheren Löhnen. Trotzdem haben Arbeitnehmer Anspruch auf Sozialleistungen – etwa auf Kurzarbeitergeld. In der aktuellen Krise hätte das vielen Reinigungskräften geholfen.

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