US-Wahl 2020

Vorwahlen in Nevada: Demokrat Sanders festigt Favoritenrolle

Vorwahlen der Demokraten im Spielcasino: Im US-Wüstenstaat Nevada hat Bernie Sanders laut Prognosen den zweiten Sieg in Folge errungen.

Videografik: Der lange Weg ins Weiße Haus

Etappensieg für Bernie Sanders auf dem langen Weg ins Weiße Haus: Der linksgerichtete Senator hat die wichtige Präsidentschaftsvorwahl der US-Demokraten im Bundesstaat New Hampshire für sich entschieden. In Vorwahlen bestimmt jeder US-Bundesstaat die Kandidaten von Demokraten und Republikanern, die später auf Wahlparteitagen auf den Schild gehoben werden.

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Las Vegas/Washington. Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten richtet sich der Altstar des linken Flügels, Senator Bernie Sanders, gegen das erklärte Unbehagen des Partei-Establishments in der Favoriten-Rolle ein.

Der älteste Bewerber im Wettbewerb (78) hat nach Platz 2 in Iowa und Platz 1 in New Hampshire am Samstag nach übereinstimmenden Prognosen führender US-Medien auch die Vorwahlen im Süd-Bundesstaat Nevada für sich entschieden.

Für den nächsten Wahlgang in South Carolina am 29. Februar fühlt er sich bestens gerüstet: „Wir haben eine multikulturelle, Generationen übergreifende Koalition erschaffen, die nicht nur Nevada gewinnt”, sagte der selbsternannte demokratische Sozialist, „sie wird durch das ganze Land rauschen.”

US-Vorwahlen: Bernie Sanders liegt in Nevada deutlich vorne

Sanders kam mit zweistelligem Prozent-Abstand vor dem bereits totgesagten Alt-Vizepräsidenten Joe Biden (77) ins Ziel, der seine Wahlkampagne reanimiert sieht. Überraschungskandidat Pete Buttigieg (38), der sich als junge, moderate Alternative zu Sanders und Biden andient, erzielte nach vorläufigen Hochrechnungen die drittmeisten Stimmen. Endgültige Ergebnisse werden aufgrund des komplizierten Caucus-Vorwahlsystems in Nevada erst in den nächsten Tagen erwartet.

Sanders war vor allem bei der landesweit wachsend einflussreichen Bevölkerungsgruppe der Latinos (Einwanderer aus Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern) beliebt, hier gesondert bei Jung-Wählern unter 30. Hier wird der weißhaarige Sanders „Tio Bernie” genannt – Onkel Bernie.

Aber auch bei Weißen und weißen Frauen mit akademischer Ausbildung, die landesweit als Schlüssel-Wählergruppe gelten, hatte der aus Brooklyn/New York stammende Politiker, der 2016 auf dem Weg zur Kandidatur an Hillary Clinton gescheitert war, die Nase vorn.

Nevada-Ergebnisse deutlich repräsentativer für die ganze USA

Weil Nevada demographisch deutlich repräsentativer für ganz Amerika ist als das fast durchweg weiße Iowa oder New Hampshire sehen Wahlbeobachter in dem Ergebnis einen für Sanders „positiven Schrittmacher” für die kommenden Vorwahlen.

Zumal die meisten seiner Wähler in Nevada als Hauptgrund angaben, dass Sanders bereits seit Jahrzehnten „leidenschaftlich und authentisch“ für sozialen Ausgleich, kostenfreie öffentliche Universitäten, eine höhere Besteuerung von Reichen und ein staatliches Gesundheitssystem eintrete.

Besonders aufschlussreich: Laut der Agentur „Edison Research” haben sechs von zehn Wählern in Nevada seinen Vorschlag für eine allgemeine, staatliche Krankenversicherung nach europäischem Vorbild unterstützt. Die Idee ist Sanders’ Signatur-Vorhaben. Weil die Kosten in die Billionen gingen und mittelfristig 160 Millionen Privat-Versicherte ihre Krankenkassen-Verträge verlören, gilt der Plan im Kreis der anderen demokratischen Präsidentschaftskandidaten als „absolut nicht mehrheitsfähig”.

Die Senatorinnen Elizabeth Warren und Amy Klobuchar, die zuletzt bei TV-Debatten starke Auftritte hinlegten und sich vor allem gegen den Milliardär Michael Bloomberg profilierten, landeten in Nevada abgeschlagen auf den hinteren Rängen.

Michael Bloomberg steigt erst am 3. März in Vorwahlen ein

Bloomberg stand in Nevada nicht auf dem Wahlzettel. Er stellt sich zum ersten Mal am 3. März dem Wähler. Für diesen Tag, „Super Tuesday“ genannt, weil parallel in 14 Bundesstaaten mit rund 1350 der Löwenanteil der rund 4000 gebundenen („pledged“) Delegiertenstimmen für den Nominierung-Parteitag im Juli vergeben wird, kann sich Bernie Sanders laut Umfragen beste Hoffnungen machen. In Kalifornien und Texas (zusammen rund 650 Delegierte) sehen ihn die Meinungsforscher deutlich in führender Position.

Wahl-Analysten, darunter Barack Obamas Wahlkampf-Manager David Plouffe, haben anhand von Modell-Rechnungen ermittelt, dass Sanders nach „Super Tuesday” bereits einen Vorsprung von bis zu 400 Delegierten haben könnte, der dann bis zum Parteitag im Sommer in Milwaukee kaum mehr einholbar sei.

Pete Buttigieg geht Sanders ungewöhnlich scharf an

Genau diese Position machte sich am Wahlabend in Nevada Pete Buttigieg zu eigen, der nach den ersten beiden Vorwahlen bei den Delegierten noch knapp vor Sanders rangierte. In einer ungewöhnlich harten Attacke erklärte der frühere Bürgermeister von South Bend/Indiana, dass der Senator mit seiner „ideologischen Revolution”, die den großen Teil der Amerikaner „ausschließt”, der Totengräber der demokratischen Chancen im November gegen Donald Trump sei. Ähnlich argumentiert Michael Bloomberg, der Sanders unlängst indirekt einen „Kommunisten” nannte.

Um den links-progressiven Sanders zu bremsen, fordern diverse Kräfte in der demokratischen Partei, dass das moderate Lager – Bloomberg, Biden, Buttigieg, Klobuchar – das gegenseitige Kannibalisieren bei der Jagd nach Delegiertenstimmen aufgibt und sich noch vor „Super Tuesday” auf eine Person verständigt. Allein, bisher macht niemand der Genannten auch nur die geringsten Anstalten, seine/ihre Kampagne zu begraben.

Donald Trump beglückwünschte unterdessen Sanders zu seinem Erfolg – mit Hintergedanken. Der Amtsinhaber glaubt, er habe gegen den Senator leichteres Spiel. Trump hat bereits angedeutet, dass er Sanders, sollte er sein Herausforderer werden, als „schlimme sozialistische Gefahr” für Amerika brandmarken werde. Trump nennt den fünf Jahre älteren Sanders regelmäßig herabwürdigend „verrückter Bernie”.

US-Vorwahlen: Mischt Russland auch 2020 wieder mit?

Medienberichte schürten unterdessen die Sorge vor einer Einmischung Russlands in den Wahlkampf. Die „Washington Post“ berichtete am Freitag, US-Behördenvertreter hätten Sanders darüber informiert, dass Moskau versuche, seine Bewerbung zu unterstützen. Ziel sei es, den Wettbewerb der Demokraten zu stören.

Die Nachricht kam einen Tag nach Berichten mehrerer US-Medien, wonach US-Geheimdienste davon ausgingen, dass sich Russland erneut in den US-Wahlkampf einmischen wolle, um Präsident Donald Trump zur Wiederwahl zu verhelfen.

Es sei nicht klar, in welcher Form Russland Sanders’ Wahlkampf unterstützen wolle, berichtete die „Washington Post“. In einer Mitteilung an die Zeitung erklärte Sanders: „Offen gesagt ist mir egal, wen Putin als Präsidenten will. Meine Botschaft an Putin ist deutlich: Halten Sie sich aus den amerikanischen Wahlen heraus, und als Präsident werde ich dafür sorgen, dass Sie das tun.“

Amtsinhaber Trump tritt bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl am 3. November für eine zweite Amtszeit an. Er hat dabei keine erstzunehmende parteiinterne Konkurrenz. In mehreren Bundesstaaten – darunter auch Nevada – haben die Republikaner die Vorwahlen gleich ganz gestrichen.

US-Vorwahlen der Demokraten – Mehr zum Thema

Jeder gegen jeden – und alle gegen Bloomberg schien das Motto bei der TV-Debatte vor Abstimmung in Nevada zu sein. In New Hampshire gewann Bernie Sanders die zweite Vorwahl der Demokraten. Die erste in Iowa konnte Pete Buttigieg für sich entscheiden. Hier gibt es einen Überblick über demokratischen Kandidaten, die gegen Trump antreten wollen. Was man zu den Vorwahlen allgemein wissen muss, lesen Sie hier.

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