FDP-Chef

Lindner: „Haben uns von der AfD in eine Falle locken lassen“

FDP-Chef Christian Lindner über das Wahl-Desaster von Thüringen, die schlechten Umfrageergebnisse und die Führungskrise in der CDU.

Christian Lindner im Porträt

Schon als Schüler war Christian Lindner Chef – und arbeitet sich schließlich an die Spitze der FDP hoch. Wir zeigen seine Karriere vom Kreisverband bis in den Bundestag in Bildern.

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Hamburg. Die Bürgerschaftswahl am Sonntag wird für die FDP zur Schicksalswahl. In der letzten Umfrage lagen die Liberalen nur noch bei 4,5 Prozent. FDP-Chef Christian Lindner über die Lehren aus Thüringen, die eigene Rolle und die Chancen in der Hansestadt.

Herr Kubicki hat gewettet, die FDP bekomme 8,5 Prozent. Den Wein kann er schon einmal besorgen, oder?

Christian Lindner: Die Ereignisse von Erfurt haben natürlich viele Menschen irritiert. Wir haben uns von der AfD in eine Falle locken lassen, danach aber schnell Klarheit geschaffen. Wir lehnen jede Form der Zusammenarbeit mit der AfD ab. Unser Fehler wird jetzt leider von Gegnern genutzt, um Freie Demokraten als Nazis zu diffamieren.

Es gibt Versuche, unsere Werte wie Freiheit oder Respekt vor Arbeit und Eigentum in eine rechte Ecke zu rücken. Alles, was nicht links oder grün ist, gilt plötzlich als rechts. Wir sind aber eine Partei der Mitte. Und wir werden uns nicht einschüchtern lassen.

FDP-Chef Lindner: Erfurt war das Ergebnis einer Fahrlässigkeit

Ein Ergebnis von Erfurt ist, dass in Umfragen sich erstmals seit Jahren wieder eine linke Mehrheit in Deutschland abzeichnet.

Lindner: Das wird ja genau bezweckt. Erfurt war aber nicht gewollt, sondern das Ergebnis einer Fahrlässigkeit, mindestens einer Fehleinschätzung.

Auch Ihrer Fehleinschätzung?

Lindner: Auch ich habe mir nicht vorstellen können, dass die AfD einen Kandidaten nur als Strohmann zur Wahl stellt, den sie dann selbst nicht wählt. Das ist ehrlos und soll Chaos stiften. Es empört mich, wenn der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh sagt, FDP und CDU stünden nicht uneingeschränkt zum Grundgesetz. So erreicht die AfD ihr Ziel, diese Gesellschaft zu spalten. Diesen Politikern geht es darum, eine rein linke Deutungshoheit über viele Themen zu erlangen. Da werden wir uns wehren.

Wie lauten die Lehren aus Erfurt?

Lindner: Die AfD ist in einer zerstörerischen Weise aufgetreten. Zur Demokratie gehört Verlässlichkeit. Der 5. Februar muss ein Wendepunkt sein – jetzt muss auch der Letzte erkannt haben, wie destruktiv diese Partei ist. Sie will keine Krisen lösen, sondern Krisen schaffen. Schon bei der nächsten Wahl des Bundespräsidenten in der Bundesversammlung können wir eine ähnliche Konstellation bekommen. Damit müssen sich alle Demokraten auseinandersetzen.

Lindner: „Die FDP steht zusammen“

Manche Ihrer Funktionäre haben sich nach der Wahl Kemmerichs gefreut, andere waren erschüttert. Wie bekommt man die FDP wieder zusammen?

Lindner: Die FDP steht zusammen. Manche haben ganz menschlich zunächst nur die Information wahrgenommen, dass einer von uns Ministerpräsident geworden ist. Erst danach ist ihnen bewusst geworden, wer diese Wahl ermöglicht hat. Ich habe mich dafür im Namen der FDP entschuldigt. Jetzt setze ich aber auch auf die Bereitschaft, dass diese Entschuldigung angenommen wird.

In Hamburg notiert die FDP in Umfragen inzwischen unter fünf Prozent.

Lindner: Es gibt eine einzige unter fünf Prozent. Alle anderen sind darüber. Das erkläre ich mit der Irritation zur Position der FDP, die nun geklärt ist. Wir werden die Mitte in diesem Land nicht kampflos räumen. Wer steht denn noch für eine Mäßigung beim Klimanotstand und für technologische Innovation statt Verbote? Wer für Respekt vor Leistung und Eigentum statt Enteignungen? Wer traut den Menschen selbst etwas zu, statt zu entmündigen und zu bürokratisieren?

Nun scheint das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Rot und Grün abgesagt. Man muss nicht mehr SPD wählen, um eine grüne Bürgermeisterin zu verhindern. Jetzt geht es um ein ordentliches Ergebnis für die FDP und darum, dass diese Stimme in der Bürgerschaft vernehmbar ist.

Lindner: „Die FDP fällt nicht aus der Bürgerschaft“

Was ist, wenn die FDP rausfällt? Ziehen Sie dann persönliche Konsequenzen?

Lindner: Die FDP fällt nicht aus der Bürgerschaft.

Die CDU sucht einen neuen Vorsitzenden. Haben Sie einen Lieblingskandidaten?

Lindner: Ich schätze alle drei Persönlichkeiten. Wir regieren in NRW sehr erfolgreich, und ich habe 2017 mit Armin Laschet die Koalition bilden dürfen. Diese Regierung arbeitet sehr erfolgreich.

Herr Merz müsste Ihnen doch programmatisch näher sein.

Lindner: Friedrich Merz plädierte kürzlich für die Vergemeinschaftung von Schulden in Europa und will den Spitzensteuersatz erhöhen. Das ist nicht sehr nah an unserer Programmatik.

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