Tag der Befreiung

Warum der 8. Mai deutschlandweit ein Feiertag werden könnte

Die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano fordert: Der 8. Mai soll ein staatlicher Feiertag werden. Setzt sich die 95-jährige durch?

Esther Bejarano überlebte Auschwitz. Nun fordert sie, den 8. Mai als Tag der Befreiung zu einem gesetzlichen Feiertag zu erklärten.

Esther Bejarano überlebte Auschwitz. Nun fordert sie, den 8. Mai als Tag der Befreiung zu einem gesetzlichen Feiertag zu erklärten.

Foto: Axel Heimken / dpa

Berlin. Der 8. Mai ist ein wichtiges Datum der Geschichte: An diesem Tag im Jahr 1945 kapitulierte Deutschland. Es ist gleichzeitig der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Die Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in Deutschland, die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano, forderte nun in einem offenen Brief, den 8. Mai zu einem bundesweiten Feiertag zu erklären.

Damit lief sie bei einigen Politikern offene Türen ein. So sprach sich auch Katrin Göring-Eckardt entschieden für den Feiertag aus. „Der 8. Mai als Feiertag mahnt uns, die deutschen Verbrechen nicht zu relativieren - und wäre ein bleibender „Pflock“ in der deutschen Erinnerungskultur“, sagte die Grünen-Fraktionschefin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch schloss sich ihr an. Auch die Linken-Parteivorsitzende Katja Kipping sagte: „Ob der Tag zum ausgelassenen Feiern, zum stillen Gedenken oder zum Besuch einer Gedenkstätte genutzt wird, hängt dann von jedes einzelnen Familiengeschichte und den jeweiligen persönlichen Verbindungen zu diesem Tag ab.“

Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano schrieb an Merkel und Steinmeier

Die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano erklärte in dem Schreiben an Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Es ist für uns Überlebende unerträglich, wenn heute wieder Naziparolen gebrüllt werden, wenn Menschen durch die Straßen gejagt und bedroht werden, wenn Todeslisten kursieren“. Bejarano hatte ihre Forderung auch bereits in der Talkshow von Anne Will geäußert.

Wäre der Tag der Niederschlagung des NS-Regimes ein Feiertag, dann „würde das helfen, zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war“, so die Auschwitz-Überlebende weiter.

Esther Bejarano ist heute 95 Jahre alt. Sie wurde 1943 nach Auschwitz und ins KZ Ravensbrück deportiert. Ihre Eltern wurden bereits 1941 von den Nazis ermordet. Bejarano lebte nach der Befreiung zunächst in Palästina, 1960 kehrte sie aber nach Deutschland zurück.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Kapitulation hat Berlin bereits einmalig den 8. Mai in diesem Jahr zu einem Feiertag erklärt. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Tag seit 2002 ein staatlicher Gedenktag. In der DDR war er von 1950 bis 1967 und im Jahr 1985 – zum 40. Jahrestag – ein gesetzlicher Feiertag.

Der 8. Mai in anderen Ländern

  • In den am Zweiten Weltkrieg beteiligten Ländern Frankreich, Tschechien und die Slowakei ist der 8. Mai fest als Feiertag verankert. Allerdings schaffte Valéry Giscard d’Estaing in Frankreich die Feiern zum Tag der Befreiung 1974/75 ab. Hieraufhin gab es von unterschiedlichen Seiten heftige Proteste, weswegen François Mitterrand nach seiner Amtsübernahme 1981 diesen Feiertag wieder einführte.
  • In Italien wird der Tag der Befreiung Italiens am 25. April begangen.
  • In der Sowjetunion wurde am 9. Mai der Tag des Sieges als gesetzlicher Feiertag begangen, da die Kapitulation gegenüber der Roten Armee erst nach Mitternacht MEZ erfolgte und zudem der Waffenstillstand nach Moskauer Ortszeit erst am 9. Mai in Kraft trat. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde der 9. Mai – als Tag des Sieges – in einigen ihrer Nachfolgestaaten als gesetzlicher Feiertag beibehalten.
  • In der Ukraine wurde ab dem Jahr 2015 der 8. Mai hinzu gefügt und der 9. Mai umbenannt von „Tag des Sieges“ in „Tag des Sieges über den Nazismus im zweiten Weltkrieg“.

In den vergangenen Tagen wurde in Auschwitz und der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee gedacht. Überlebende hatten in Auschwitz unter anderem gemahnt: „Seid niemals gleichgültig“. Im Interview mit unserer Redaktion berichtete eine Holocaust-Überlebende ausführlich über ihre Erfahrungen. Die Überlebenden werden jedoch weniger und Beobachter stellen sich die Frage: Was wird aus dem Gedenken?

In Yad Vashem sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Ich verneige mich in tiefer Trauer“. Lesen Sie hier Steinmeiers Rede im Wortlaut.

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