USA-Besuch

Weiter wettern gegen Trump: Habeck im Land des „Gegners“

Nach dessen Davos-Rede wetterte Grünen-Chef Habeck gegen Trump. Auch auf seiner USA-Reise hält er sich nicht zurück. Im Gegenteil.

Robert Habeck ist in die USA gereist – und wettert dort weiter gegen Trump.

Robert Habeck ist in die USA gereist – und wettert dort weiter gegen Trump.

Foto: christian clavadetscher / dpa

Washington. In der Riggs-Bücherei der altehrwürdigen Georgetown Universität in Washington, wo armdicke Folianten sich auf vier Etagen bis unter die Decke stapeln, sind 100 Stühle mit meist jüngeren, erwartungsvollen Gesichtern besetzt.

Die Veranstalter haben den gleich beginnenden Vortrag mit „Eine progressive Vision für die Zukunft Europa“ intoniert. Karen Dornfried, die Chefin des „German Marshall Fund“ führt den Gast, der mit seinem lockeren Anzug und dem schwarzen T-Shirt darunter leicht als Jung-Professor durchgehen könnte, mit emphatischen Worten ein.

„In Deutschland kennt jeder den Namen Robert Habeck“, sagt die Denkfabrik-Leiterin, „in Amerika ist das nicht so der Fall. Aber gebt ihm ein paar Jahre, und dann sprechen wir uns noch mal wieder.“

Solange muss man nicht mehr warten

Habeck: Kurz vor Abflug noch gegen Trump aufgeteilt

Seit der Grünen-Co-Vorsitzende im schweizerischen Davos den amerikanischen Präsidenten in den Senkel gestellt hat, weil Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum nur über sich und die amerikanische Wirtschaft aber gar nicht über Klimaschutzpolitik reden wollte, ist der 50-jährige Schleswig-Holsteiner am Potomac durchaus ein Begriff.

Habecks Kritik an Trump („Wir müssen den Kampf mit ihm aufnehmen. Er ist der Gegner“), geäußert unmittelbar vor dem zwecks außenpolitischer Profilschärfung terminierten Abflug nach Washington, schaffte es hier in die großen Zeitungen. Wie in die Lagebesprechungen mancher Regierungsstellen.

Dort ist nicht verborgen geblieben, dass der, wie Dornfried betonte, vom „Schriftsteller zum Politiker gewordene“ Habeck dank einer bei 23 Prozent taxierten Grünen-Oppositionspartei in einer neuen Bundesregierung als Außenminister gehandelt wird. Wenn nicht gar als Bundeskanzler.

Und so einer sagt Donald Trump sozusagen aus dem politischen Off den Kampf an?

Trump wettert in Davos gegen ewige Propheten des Untergangs

Reise hat Konflikt mit dem Präsidenten „noch schärfer gestellt“

Mögen sie in Deutschland, vor allem auf Unions-Seite über ihn lästern und ihm außenpolitische Unreife bescheinigen: Robert Habeck tat in Washington das, was sie in Amerika (auch ohne den Griff zur Waffe) mit einigem Stolz „stand your ground“ nennen.

Er blieb – nach ausdrücklicher Würdigung Amerikas als Garant für Deutschlands Wiederaufbau nach der Nazizeit und die Wiedervereinigung – bei seiner Kritik an Trump. Und dessen Verständnis von Weltgemeinschaft. Mehr noch. „Die Reise“, sagte Habeck vor der Weiterreise ins texanische El Paso vor Journalisten, „hat den Konflikt noch schärfer gestellt.“

Dafür sorgte ganz offensichtlich eine Gardinenpredigt im US-Außenministerium. „Man fand dort meine Kritik an Präsident Trump unangemessen“, sagt Habeck. Und berichtete dann freimütig von einem einstündigen „Klärungsgespräch“, in dem es hoch hergegangen sein muss. „Unüblich und undiplomatisch“, bilanziert der kühle Norddeutsche den Austausch, „und gleichzeitig sehr ehrlich und erhellend.“

Sein Fazit: Es geht nicht um Stilkritik und Rhetorik, ausgelöst durch ein „Wackelvideo“. Es geht um grundverschiedene Politik-Konzepte. Trump sei kein Anhänger von multilateralen Ansätzen beim Interessenausgleich. Sondern der Bannerträger des Deals zwischen A und B. Das klar anzusprechen, empfinde er als seine Pflicht. Denn im Interesse Deutschlands sei es, „dass Europa nicht auseinander gekauft wird“.

Trump beschädige die „transatlantische Werteordnung“

Habeck stört die Abgeklärtheit und Gleichgültigkeit, mit der Trump normalisiert werde. Und damit die Art des Präsidenten, die „transatlantische Werteordnung“ zu beschädigen. „Zu demütig“ ist ihm der Umgang damit. Und zu „unpolitisch“ die Kritik an seinen Worten, die gewählt gewesen seien aus einer spezifischen Situation heraus:

Davos rückte „mit großer Ernsthaftigkeit“ dem Thema Klimawandel zu Leibe - bis Trump ans Mikro trat. „Dass man irritiert auf eine irritierende Rede reagiert“, sagt Habeck über sich selbst, „mag ich nicht als Fehler sehen.“ Dass CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer seine Äußerungen als „schädlich“ bezeichnete, lässt ihn kalt.

Europafreundliche Transatlantiker wie John Podesta, einst Stabschef Bill Clintons und heute Chef des linksliberalen Thinktanks „Center for American Progress“, bestärkten Habeck in seiner Haltung. Trump stehe „klar auf der anderen Seite“, sagte der Demokrat, bevor er den Gast aus Deutschland gemeinsam mit einem Veteranen der amerikanischen Klimaschutzdebatte aufs Podium bat.

Jerry Brown, ehemals Gouverneur Kaliforniens, mag 81 Jahre alt sein. Sein Furor, wenn es um die Aussöhnung von Mensch und Natur geht, ist ungebrochen.

Trump im Präsidentenamt: Weltuntergangsgerede reicht nicht aus

In die generelle Rückendeckung für Habeck mischte der Senior eine Portion Kritik: Bitte nicht nur auf Trump zielen! Auch wenn der Präsident eine Karikatur von „Cowboy-Ökonomie und Vulgarität ist“, seien 40 Prozent der Wähler mutmaßlich bereit, ihn im November im Amt zu bestätigen.

Trumps „dunkler Anziehungskraft“ könne man nicht mit Weltuntergangsgerede beikommen. Sondern, indem man im Geiste eines „fröhlichen Kriegers“ klarmacht, dass Abwarten beim Klimaschutz Amerika und die Welt am Ende noch viel teurer zu stehen kommen wird. Darum führe kein Weg vorbei an einem „Green New Deal“.

Deutschland muss mehr tun – Habeck forder europapolitischen Ehrgeiz

Ein Stichwort, für das Robert Habeck dankbar ist. Die neue EU-Kommission in Brüssel, in der er mehr Mumm verortet als in der davor, verwendet ihn auch. „Wenn von den USA gewollt“, könne man beide Konzepte übereinanderlegen, sagt er. Daraus könnte das Fundament für eine neue Kooperation zwischen Europa und Amerika werden – für echte „europäisch-amerikanische Beziehungen“.

Dass Deutschland dazu „entschieden mehr tun muss“, dass Investitionen an die Stelle der Politik der „schwarzen Null“ treten müssten, diesem Gedanken widmet Habeck in seiner Rede in der Georgetown Universität betont viel Raum. Geld, das in die Stärkung der EU geht, sagt er mehrfach, sei immer gut angelegt.

Sein Plädoyer für mehr europapolitischen Ehrgeiz, den er den nur nur aus „Schwäche“ aneinander hängenden Koalitionären in Berlin abspricht, gipfelte in der Zustimmung zu einem Beitrag aus dem Publikum über die Vision von Kanzler Helmut Kohl, der neben dem Euro auch die stärkere Bündelung nationaler Souveränität in Brüssel propagierte: „Ich stimme“, sagte Robert Habeck, „komplett mit Helmut Kohl komplett überein.“

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