Umfrage

Krankenhausärzte schlagen Alarm: „Ersticken in Bürokratie“

Eine Mehrheit der Klinikärzte muss sich täglich mehr als drei Stunden mit Verwaltungsaufgaben befassen. Man ersticke in Bürokratie.

Ärzte in Krankenhäusern müssen immer mehr administrative Tätigkeiten erledigen. Für die eigentliche Aufgabe – den Patienten – bleibt weniger Zeit.

Ärzte in Krankenhäusern müssen immer mehr administrative Tätigkeiten erledigen. Für die eigentliche Aufgabe – den Patienten – bleibt weniger Zeit.

Foto: Stephan Jansen / dpa

Berlin.  Ärzte in deutschen Krankenhäusern klagen über eine massive Belastung durch Verwaltungsaufgaben: 60 Prozent der Mediziner sind täglich drei Stunden und mehr mit bürokratischen Tätigkeiten befasst. Bei jedem Dritten (35 Prozent) waren es sogar vier Stunden und mehr. Das geht aus einer Umfrage der Ärztegewerkschaft Marburger Bund hervor, die unserer Redaktion exklusiv vorliegt.

Demnach habe der Zeitaufwand für administrative Tätigkeiten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: So hätten im Jahr 2013 bei einer vergleichbaren Umfrage nur acht Prozent der Klinikärzte angegeben, mehr als drei Stunden pro Tag mit Verwaltungstätigkeiten befasst zu sein.

Ärztegewerkschaft: „Wir ersticken in Bürokratie“

„Wir ersticken buchstäblich in Bürokratie“, sagte die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, unserer Redaktion. „Es ist schlichtweg ein Skandal, wie viel Arbeitskraft und Arbeitszeit mit Datenerfassung und Dokumentation vergeudet wird.“

Johna forderte die Politik auf, die Krankenhäuser von bürokratischen Reglementierungen zu befreien. Notwendig sei eine Generalinventur, bei der unnötige Vorgaben gestrichen würden. Die Arbeitskraft von Ärzten müsse den Patienten zur Verfügung stehen und nicht am Schreibtisch vergeudet werden, so Johna.

Krankenkassen verlangen noch immer Papierbelege

Auch die Pflegekräfte in Kliniken und Pflegeheimen klagen über zu viel Verwaltungsaufwand: „Auf der Wunschliste vieler Pflegekräfte steht weniger Bürokratie ganz oben“, sagte der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, unserer Redaktion. „Unglaublich aber wahr: Im Jahr 2020 verlangen Kassen von Heimen und Pflegediensten tatsächlich noch immer stapelweise Papierbelege“, kritisierte Westerfellhaus.

Pflegedienste müssten ihre Pflegekräfte viel zu häufig damit beschäftigen, Leistungsnachweise zusammenzustellen und ärztliche Verordnungen per Fax und Telefon mit der Krankenkasse abzustimmen. „Digitales Datenmanagement spart Zeit für die eigentliche Versorgung und wirkt sich positiv auf die Arbeitszufriedenheit aus – im Pflegeheim genauso wie im Krankenhaus.“

Für die Umfrage des Marburger Bundes wurden im September und Oktober 2019 insgesamt rund 6.500 angestellte Ärzte, die zu über 90 Prozent in Krankenhäusern tätig sind, befragt. Durchgeführt wurde die Online-Befragung vom Institut für Qualitätsmessung und Evaluation (IQME).

Krankenhäuser in Deutschland – mehr zum Thema:

Nicht nur zu viel Bürokratie ist eine Baustelle in deutschen Kliniken. Eine Studie zeigt einen erschreckenden Trend zu immer schlechterem Krankenhausessen. Auch am Geld hapert es: Kinderkliniken geraten zusehends in Finanznot, weil kleine Patienten zu teuer werden. Überhaupt ist Arzt im Krankenhaus ein harter Job. Nicht nur die Arbeitsbelastung ist auch, auch nimmt die Gewalt gegen Personal zu. Ein Gesetz sieht nun höhere Strafen bei Angriffen in der Notaufnahme vor.

(jule)

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