Förderprogramm

Altmaier will Mittelstand mit 555 Millionen Euro fördern

Das Wirtschaftsministerium will junge Firmen stärker fördern. Für Minister Altmaier ist es eine weitere Annäherung an den Mittelstand.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will Unternehmen aus strukturschwachen Regionen stärker fördern. Dafür stehen im aktuellen Haushaltsjahr 550 Millionen Euro zur Verfügung.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will Unternehmen aus strukturschwachen Regionen stärker fördern. Dafür stehen im aktuellen Haushaltsjahr 550 Millionen Euro zur Verfügung.

Foto: Ole Spata / dpa

Berlin. Der Leitpfosten an der Autobahnauffahrt erkennt automatisch, wenn sich ein Falschfahrer nähert. Über ein integriertes Mobilfunk-Modul sendet der Leitpfosten eine Nachricht an die Verkehrsleitzentrale, die Autofahrer warnen und die Polizei alarmieren kann.

Erfunden hat dieses System die Wilhelm Schröder GmbH, ein alteingesessenes mittelständiges Unternehmen aus Herscheid, in Kooperation mit der Technischen Universität Dortmund und der RWTH Aachen. Gefördert wurde es aus Bundesmitteln.

Projekte wie der vor Geisterfahrern warnende Leitpfosten braucht es mehr. Diese Meinung vertritt das Bundeswirtschaftsministerium und stellt in diesem Jahr Fördermittel für innovative kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) von über einer halben Milliarde Euro auf.

Mittelstandsförderung: 555 Millionen für innovative Projekte

Wie aus der neuen Richtlinie des „Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand“ (ZIM) hervorgeht, die unserer Redaktion exklusiv vorab vorliegt, werden für das laufende Jahr 555 Millionen Euro bereitgestellt.

„Der Mittelstand ist das Herz der deutschen Wirtschaft und Innovationen sind die Basis für Wohlstand und Arbeitsplätze“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) unserer Redaktion.

Bis zu 60 Prozent der Projektkosten können übernommen werden

Mit der neuen Richtlinie soll es künftig vor allem jungen Unternehmen und Firmen aus strukturschwachen Regionen einfacher gemacht werden, zukunftsträchtige Projekte anzustoßen.

Entschließt sich ein kleines Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern aus einer strukturschwachen Region etwa, ein Kooperationsprojekt mit einem ausländischen Partner zu starten, kann es bis zu 60 Prozent seiner Projektkosten über das ZIM erstattet bekommen. Das gilt auch für kleine junge Unternehmen, deren Gründung nicht länger als zehn Jahre zurückliegt.

Nehmen solche jungen oder aus strukturschwachen Regionen kommende Unternehmen Einzelprojekte in Angriff, dann können sie bis zu 45 Prozent ihrer Projektkosten zurückerhalten.

Auch kleine und mittlere Unternehmen, die älter als zehn Jahre sind und in strukturstarken Regionen ansässig sind, können von der Förderung profitieren. Allerdings gilt: Je größer das Unternehmen, desto geringer fällt die prozentuale Förderung aus. Mittlere Unternehmen mit bis zu 500 Unternehmen können etwa nur ein Viertel ihrer Kosten für ein Einzelprojekt bezuschusst bekommen.

Gefördert werden unter anderem Projektdesign, Netzwerke und Beratung

Mögliche Kosten, die der Bund im Rahmen der Förderung übernimmt, sind etwa die Erstellung von Studien oder aber Leistungen, die helfen sollen, ein Produkt marktfähig zu machen. Hierzu zählen etwa Beratung im Bereich von Normen und Vorschriften, die Bereitstellung von Büroflächen, Datenbanken und Laboratorien oder Beratung zur Vermarktung des Forschungsprojekts oder zum Projektdesign. Auch werden durch Kooperationen entstehende Netzwerke unterstützt.

Insgesamt kann durch die Neuauflage des ZIMs ein Gesamtprojekt in einer Kooperation maximal mit 2,3 Millionen Euro gefördert werden. Das sind 300.000 Euro mehr, als bisher möglich waren. Auch bei Einzelprojekten erhöht das Wirtschaftsministerium den Fördersatz: Künftig können Firmen 550.000 statt wie bisher 380.000 Euro erhalten.

Zwischen Ost- und Westdeutschland wird nicht mehr unterschieden

Seit 2008 werden Projekte über das ZIM gefördert. Die bisherige Richtlinie, die aus dem Jahr 2015 stammte, war mit dem Ende des vergangenen Jahres ausgelaufen. Daher werden nun auch die Trägerschaften, die die Förderung der Projekte verwalten, neu ausgeschrieben.

Mit der neuen Richtlinie wird erstmals nicht mehr zwischen den neuen und den alten Bundesländern unterschieden. Stattdessen können Bisher lag der Fördersatz von kleinen Unternehmen aus Ostdeutschland fünf Prozent über den Unternehmen aus den alten Bundesländern.

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Reaktion von Altmaier nach Kritik auf seine Industriestrategie

Zudem gibt mit der neuen Richtlinie nun erstmals eine gesonderte Regelung für junge Unternehmen. So baut das Bundeswirtschaftsministerium seine Förderung im Start-Up-Bereich aus. „Wir fördern insbesondere innovative junge und kleine Unternehmen und intensivieren den Wissenstransfer“, sagte Altmaier.

Mit der Budget-Erhöhung reagiert Altmaier aber auch auf Druck aus dem Mittelstand. Im Februar des vergangenen Jahres hatte der CDU-Politiker seine Industriestrategie vorgestellt, in der er Großkonzerne fördern und zu „nationalen Champions“ machen wollte.

Es folge ein Aufschrei von Wirtschaftsverbänden. Daraufhin startete Altmaier eine Mittelstandstour, in der er Unternehmen besuchte. Im Interview mit unserer Redaktion kündigte er Entlastungen für den Mittelstand an, im Oktober legte er seine Mittelstandsstrategie vor. In der heißt es unter anderem, dass die Unternehmenssteuern künftig maximal 25 Prozent betragen sollen. Auch seine Industriestrategie überarbeitete Altmaier zum Jahresende. Die „nationalen Champions“ tauchen darin nicht mehr auf.

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