Parteitag

Neue AfD-Spitze: Tino Chrupalla folgt auf Alexander Gauland

Die AfD hat auf dem Bundesparteitag in Braunschweig über die neue Spitze entschieden: Sie bilden Jörg Meuthen und Tino Chrupalla.

Gauland wirbt für Koalition mit CDU

Auf ihrem Bundesparteitag am Wochenende will die AfD eine neue Parteiführung wählen.

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Braunschweig. Der erste, der gratuliert, ist Alexander Gauland selbst: Mit einer langen Umarmung beglückwünscht er seinen Nachfolger, wenige Sekunden nachdem feststeht, dass Tino Chrupalla neuer AfD-Chef ist. Er ist nicht der einzige, der mit Chrupalla sprechen will, die Schlange der Gratulanten ist so lang, dass die Parteitagsführung mehrmals mahnen muss, jetzt doch bitte zum Ende zukommen, damit es weitergehen kann.

Doch die Menschentraube täuscht darüber hinweg, wie knapp es am Ende doch war: Erst in der Stichwahl gelingt es Chrupalla, sich gegen seinen Widersacher Gottfried Curio durchzusetzen. Knappe 54,51 Prozent der 600 Delegierten stimmten am späten Samstagnachmittag für ihn. Dana Guth, Chefin des Landesverbands Niedersachsen, war bereits im ersten Wahlgang gescheitert.

Chrupallas Wahl ist auch Alexander Gaulands Erfolg. Der Sachse war sein Wunschnachfolger, höchstpersönlich war der 78-Jährige, immer noch eine Autorität in der Partei, ans Saalmikrofon getreten, um ihn als Kandidat vorzuschlagen. Im Vorfeld hatte der scheidende Parteichef ein breites Bündnis zur Unterstützung des 44-Jährigen geschmiedet. Von Gaulands Co-Fraktionschefin Alice Weidel bis zum völkisch-nationalistischen „Flügel“ der Parte hatten sich viele für Chrupalla ausgesprochen.

Tino Chrupalla betont ostdeutsche Biografie

Dass es trotzdem so knapp war, lag am Gegenspieler: Gottfried Curio, Bundestagsabgeordneter aus Berlin. Der 59-Jährige ist in der Partei vor allem für seine scharfen, migrationsfeindlichen Reden bekannt. Auch in Braunschweig wetterte er gegen die „weltweite Öffnung der Sozialsysteme“ und „überfremdete Klassen“, in denen Kinder nichts mehr lernen würden außer „Mobbing und Prügel“. Damit überzeugte er in Braunschweig 41 Prozent der Delegierten von sich.

Chrupallas Bewerbungsrede stellte vor allem seine ostdeutsche Biografie und seinen beruflichen Hintergrund als Handwerker betont: Damit gebe es die Chance auf „eine Doppelspitze mit Vertretern aus West und Ost, eine Doppelspitze, mit der sich sowohl Akademiker als auch Nichtakademiker identifizieren können.“

Der andere Teil dieser Doppelspitze ist ein alter Bekannter: Jörg Meuthen, Wirtschaftsprofessor aus Baden-Württemberg, ist bereits seit 2015 Parteichef und sitzt für die Partei im Europaparlament. Er wurde mit 69 Prozent wiedergewählt. Für AfD-Verhältnisse ein gutes Ergebnis, vor allem weil auch Meuthen dieses Mal Gegenkandidaten hatte.

Meuthen hatte die Partei deutlich auf einen Kurs in Richtung Regierungsbeteiligung eingeschworen. Deutschland sei in einer Notlage, „und diese Notlage zwingt uns dazu, verdammt schnell zu lernen“, sagte er. „Wir müssen nun regierungswillig und -fähig werden.“

Gleichzeitig und um dieses Ziel zu unterstreichen, bemühte sich Meuthen, eine scharfe Abgrenzung nach ganz rechts außen zu ziehen: Er werde sein Gesicht nicht für eine Partei hergeben, die „schleichend in die Tolerierung extremistischer Positionen abrutscht. Für eine Rechtsaußenpartei stünde ich nicht zur Verfügung.“

Auch Alice Weidel erneut Teil des Bundesvorstandes

Auch Gauland hatte in seiner Auftaktrede dazu gemahnt, rhetorisch Grenzen einzuhalten. Zwar erklärte er zu Beginn seiner Rede, niemand müsse die Sorge haben, „dass ich morgen öffentlichkeitswirksam entdecke, dass die Partei nicht mehr die meine ist, weil sie angeblich zu rechts geworden sei“ – ein Seitenhieb auf die ehemaligen Parteivorsitzenden Bernd Lucke und Frauke Petry.

Doch die „Meinungstoleranz“ in einer Partei sei enger gesteckt als die Meinungsfreiheit des Grundgesetzes. So sei es zwar von der Meinungsfreiheit gedeckt, Claus Schenk Graf von Stauffenberg einen Verräter und Feigling zu nennen, wie es der mittlerweile aus der Partei ausgeschlossene Ex-JA-Chef von Niedersachsen getan hatte. „Aber das Ethos unserer Partei verbietet eine solche Meinung, weil sie moralisch falsch und verwerflich ist.“

Demo gegen den AfD-Parteitag

Gauland, unter dessen Führung die Partei sich deutlich nach rechts bewegt hatte, machte zudem klar, dass er die Zukunft der AfD nicht in der Fundamentalopposition, sondern über kurz oder lang in einer Koalition mit der Union sieht: „Es wird der Tag kommen“, erklärte Gauland, „an dem die CDU nur noch eine Option hat – uns.“

Lautstarker Protest gegen Parteitag auf der Straße

Auch Fraktionschefin Alice Weidel ist erneut Teil des Bundesvorstands. Weidel wurde ohne Gegenkandidat zur stellvertretenden Parteichefin gewählt, für sie stimmten rund 75 Prozent der Parteivertreter. Weidel zeigte sich zuversichtlich, dass von dem Parteitag ein „einigendes Signal“ in die zerstrittene Partei ausgehen würde.

Der Parteitag wurde von einer Demonstration am Freitagabend und lautstarken Protesten am Samstag begleitet. Schon am Morgen demonstrierten hunderte Menschen an der Volkswagen Halle, in der sich die Delegierten trafen.

Sie riefen unter anderem „AfD Faschistenpack - wir haben Euch zum Kotzen satt“. Am Nachmittag waren nach Angaben der Organisatoren 15.000 Menschen auf der Straße. Nach Angaben der Polizei blieben die Proteste weitgehend friedlich. Der „Volkswagen“-Schriftzug an der Halle war auf Betreiben des Autokonzerns abgedeckt worden.