US-Militär

Donald Trump: IS-Chef Al-Bagdadi bei US-Einsatz getötet

IS-Chef Al-Bagdadi ist laut Donald Trump bei einem Einsatz in Syrien getötet worden. Verantwortlich für den Einsatz ist das US-Militär.

"Al-Bagdadi verbrachte letzte Momente in Angst und Panik"

Der IS-Anführer hat sich bei einem amerikanischen Militäreinsatz selbst getötet: US-Spezialkräfte hätten den Einsatz im Nordwesten Syriens durchgeführt, sagte Trump am Sonntag in Washington. DNA-Analysen hätten die Identität des IS-Anführers bestätigt.

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Washington. Fünf Jahre nachdem er in einer Moschee in Mossul den Islamischen Staat (IS) ausgerufen hatte, haben US-Spezialeinsatzkräfte den Kopf der Terror-Miliz, Abu Bakr al-Bagdadi, bei einer Kommando-Aktion im Nordwesten Syriens getötet.

„Er starb wie ein Hund, er starb wie ein Feigling“, sagte Präsident Donald Trump am Sonntag, „winselnd, schreiend, weinend und fliehend.“ DNA-Tests und biometrische Überprüfungen hätten die Identität des bereits mehrfach für tot erklärten Islamisten, auf den zuletzt ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (rund 22,5 Mio. Euro) ausgesetzt war, noch vor Ort eindeutig bestätigt, erklärte Trump und nannte den „gefährlichen und wagemutigen“ Einsatz vorbildlich.

Bagdadi hat nach Angaben von Terror-Experten mit seinen Hass-Predigten gegen den Westen mehr als 140 Terror-Anschläge in 29 Ländern inspiriert, bei denen über 2000 Menschen zu Tode kamen. Per Video festgehaltene Erschießungen und Enthauptungen von Geiseln gehörten zur Handschrift des IS. Bagdadis Tod bedeute einen symbolisch wichtigen Erfolg gegen die zuletzt militärisch stark dezimierte Terror-Gruppe und ihre propagandistische Strahlkraft, sagten US-Kommentatoren.

Trump hatte die Aktion bereits am Samstagabend (Ortszeit) auf Twitter angedeutet. „Etwas sehr Großes ist gerade passiert!“ Am Sonntagmorgen trat der zuletzt für seine Syrien-Kurden-Politik massiv kritisierte Präsident vors Mikrofon und verkündete mit Genugtuung die Eliminierung eines der „rücksichtslosesten Terroristen weltweit“.

Kann Trump die Ausschaltung Bagdadis für sich nutzen?

Für den von einem Amtsenthebungsverfahren durch die oppositionellen Demokraten bedrohten Präsidenten könnte die Ausschaltung Bagdadis ein Jahr vor der nächsten Wahl Auftrieb in den Umfragen und neuen Rückhalt in der republikanischen Partei geben. Über Entstehung und Ablauf der Kommando-Aktion, die Erinnerungen an die von Präsident Barack Obama verantwortete Tötung von El Kaida-Chef Osama Bin Laden 2011 in Pakistan wachruft, gibt es keine unabhängigen beglaubigten Angaben.

Acht US-Helikopter mit Elite-Soldaten der Delta Forces begleitet von einem Militärflugzeug seien am Samstagabend in den Luftraum über Barischa bei Idlib nahe der syrisch-türkischen Grenze eingedrungen und hätten das Versteck Bagdadis zwei Stunden lang unter Feuer genommen, verlautete aus US-Militärkreisen.

Irak bestätigt Bagdadis Tod
Irak bestätigt Bagdadis Tod

Als Spezialkräfte das Haus betraten, in dem sich der 1971 geborene Terrorist aufhielt, soll Bagdadi laut Trump vor US-Militärhunden in einen Tunnel geflohen sein und dort eine Sprengstoffweste gezündet haben. Dabei habe er drei Kinder mit in den Tod gerissen. Zum Befremden von Militärs gab Trump ungewöhnlich viele Details über den Einsatz bekannt, den er nach eigenen Worten mittels digitaler Übertragungstechnologie live verfolgt habe.

„Es ging ihm darum, den IS zu demütigen“, sagte ein Analyst im Sender MSNBC, „mit Vergeltungsangriffen ist zu rechnen.“ Bereits vor Trumps Rede hatten mehrerer Parteien ihren Anteil an der Kommando-Aktion beansprucht. So soll der irakische Geheimdienst ein Paar aus Bagdadis innerem Zirkel festgenommen haben. So seien die USA an präzise Koordinaten über die wechselnden Aufenthaltsorte des Geistlichen gekommen, der sich über Jahre wie ein Phantom ausnahm und nur sporadisch über Audio- und Videobotschaften Lebenszeichen gab.

Russland zweifelt an Operation gegen al-Bagdadi

Das russische Verteidigungsministerium forderte indes Beweise für die Operation. Es gebe von den mutmaßlich beteiligten Seiten in Details widersprüchliche Angaben, die Zweifel aufkommen ließen, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow am Sonntag in Moskau nach einer Mitteilung des Ministeriums.

Russland hat nicht nur eigene Truppen in Syrien. Die russische Weltraumaufklärung beobachtet das Geschehen dort auch mit Satelliten. Am Samstag hatte das Ministerium den USA massiven Ölschmuggel aus Syrien vorgeworfen und dazu Bilder veröffentlicht. General Konaschenkow sagte auch, dass die Region von der militanten islamistischen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) dominiert werde. Der frühere Ableger der Terrororganisation Al-Kaida habe dort bisher alle IS-Zellen kompromisslos ausgelöscht. Dass sich der IS-Anführer ausgerechnet dort in aller Ruhe aufgehalten haben soll, müsse zumindest bewiesen werden.

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass der Tod eines IS-Anführers auch keine Bedeutung habe, da die IS-Terrormiliz in Syrien seit Anfang 2018 ohnehin zerschlagen sei. Auf die Situation in Syrien habe die Mitteilung der USA keinen Einfluss. Die Gefahr sei durch die vielen Terroristen in der Region nicht gebannt.

Auch der Irak bestätigte den Tod des IS-Chefs

Die Regierung in Bagdad teilte mit, die Informationen mit dem amerikanischen Geheimdienst CIA ausgetauscht zu haben. Auch türkische Stellen waren offenbar im Bilde. Aus Ankara hieß es, Bagdad sei 48 Stunden vor seinem Tod in dem Ort Barischa eingetroffen.

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Schließlich erklärte auch noch Maslum Abdi, der Befehlshaber der kurdischen Milizen, die Trump zuletzt im Konflikt mit der Türkei im Stich gelassen hatte, es habe sich um eine „erfolgreiche und historische“ Operation mit den USA gehandelt, die auf „gemeinschaftliche Geheimdienstarbeit“ zurückgehe. Trump selber bedankte sich für russische Unterstützungsleistungen. Zu Details verweigerte Verteidigungsminister Mike Esper die Aussage.

Dass sich Bagdadi in Idlib aufhielt, gilt als Überraschung. Dort dominieren Dschihadisten, die auf die frühere Al Nusra-Front zurückgehen, die mit dem „Islamischen Staat“ in erbitterter Konkurrenz steht. Militär-Fachleute in Washington betonten gestern, dass der Zugriff auf Abu Bakr al-Bagdadi Beweis für die Notwendigkeit einer substanziellen militärischen Präsenz der USA in Syrien/Irak sei. Trump hatte seinen totalen Rückzugsbefehl für die US-Truppen in der Region in der vergangenen Woche teilweise zurückgenommen. Um Öl-Felder im Osten Syriens vor dem IS zu schützen, wurden US-Panzerverbände dorthin entsandt.

Unklar ist, ob die Bundeswehr bald nach Syrien muss – AKK konkretisierte zuletzt ihre Pläne. Beobachter fürchten aktuell IS-Rückkehrer – sie sind der Alpotraum der deutschen Sicherheitsbehörden.

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